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Info-Veranstaltung, TdoD 2020, Grußwort Kellner

Infoveranstaltung Tag des offenen Denkmals 2020 Grußwort Landeskonservator Andreas Kellner

Einführung zur Infoveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals 2020:

„Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“

22. Januar 2020, 11.00 bis 13.00 Uhr im Seitenschiff der Hauptkirche St. Jacobi

 

Liebe Denkmaleigentümerinnen und Eigentümer,

liebe Denkmal-Aktivistinnen und -Aktivisten,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

schon wieder ist ein Jahr vergangen, und ich darf Sie heute erneut willkommen heißen zum Infotreffen für den bevorstehenden Tag des offenen Denkmals.

Wie jedes Jahr haben die Stiftung Denkmalpflege Hamburg und das Denkmalschutzamt gemeinsam zu dieser Veranstaltung eingeladen, weil wir wie immer auch gemeinsam den Tag des offenen Denkmals in Hamburg organisieren. Auch dieses Jahr bekommen Sie wieder einige Anregungen zum Jahresmotto und wichtige organisatorische Hinweise, bevor Sie Gelegenheit haben werden, sich selbst, Ihr Denkmal und vielleicht auch schon erste Ideen für September kurz vorzustellen und im Anschluss Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und eventuell auch gemeinsame, objekt- oder stadtteilübergreifende Angebote anzudenken.

     

„Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“ So offen und breitgefächert wie dieses Jahr war das Motto des Denkmaltags schon lange nicht mehr. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn, die jedes Jahr das bundesweite Motto festlegt, hatte aber durchaus einen konkreten Fokus im Blick gehabt – das Thema Nachhaltigkeit. Dieses Jahr kommt in Hamburg allerdings noch eine besondere Facette hinzu: vor 100 Jahren wurde in Hamburg das erste Denkmalschutzgesetz beschlossen!   

Nachhaltigkeit ist ja eigentlich ein implizites Grundanliegen der Denkmalpflege, das per se schon im Ansatz des Erhaltens, Bewahrens, Hegens und Pflegens steckt.  Spätestens seit dem Bericht des Club of Rome von 1972 über die Grenzen des Wachstums ist uns allen bewusst gemacht worden, dass die Ressourcen unseres Planeten nicht unendlich sind. In dieser Zeit, in dieser Stimmung, kam es dann ja auch zu einer verstärken Hinwendung zum Bestand. Die historischen Städte, Altbausubstanz die man bis dato bedenkenlos für Flächensanierungen geopfert hatte, erfuhren plötzlich wieder Wertschätzung und das erste europäische Denkmaljahr 1975 war Ausdruck dieses Paradigmenwechsels. Insofern passen gerade Objekte, die in dieser Zeit gerettet wurden – wie z.B. durch die Besetzungen des Schröderstifts oder auch der Häuser der Haynstraße in Eppendorf, aber auch die etwas später erfolgte Entwicklung der Fleetinsel durch Künstler und Architekten – hervorragend zum Jahresmotto.           

Doch der wertschätzende Umgang mit dem Bestand ist, wie Sie alle wissen, keine Erfindung der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Seit Menschen Häuser bauten, war es üblich, dass man zunächst einmal vorhandene Gebäude, die ja immer auf eine lange Lebensdauer angelegt waren, wertschätzte, und sie zuerst auf  Anpassbarkeit prüfte, bevor man sie ersetzte.

Der Umgang mit dem Vorhandenen im Sinne des Erhaltens und ggf. neu Interpretierens und damit vielleicht zunächst nur impliziten Erinnerns war über Jahrhunderte hinweg der Normalfall in Architektur, Bauen und Stadtentwicklung. Thomas Sieverts hatte dies vor ein paar Jahren auf seinem Vortrag im Denkmalsalon sehr schön auf den Punkt gebracht.

Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählte zunehmend nicht mehr der Gebrauchswert von Gebäuden. Mit der Moderne trat das Phänomen der ästhetisch-ideologischen Obsoletheit in nie gekannter Schärfe auf den Plan – alt war rückständig. Seinen unseligen Höhepunkt erreichte dieser Umgang mit Stadt in den 60er Jahren mit dem geradezu bilderstürmerischen Feldzug der Stadtplaner gegen die Gründerzeitquartiere. Die Abkehr von diesem Irrweg wurde 1975 eingeleitet. Doch zwischenzeitlich hatten neue stadtzerstörerische Kräfte an Bedeutung gewonnen und wurden bis heute immer stärker: die rein immobilienökonomische Wertbestimmung entscheidet zunehmend die Frage über Sein oder Nichtsein, nicht der Gebrauchswert.

Verstärkt wurde dies massiv durch die Globalisierung auch der Immobilienökonomie: international, ja weltweit agierende Fonds wollen nur noch ihren Profitalgorithmen folgen.

Mit staatlichem Denkmalschutz – aus der Heimatschutzbewegung kommend – stellte sich die Gesellschaft seit dem frühen 20ten Jahrhundert bis heute solchen Entwicklungen entgegen – in Hamburg seit 1920. In erster Linie waren und sind es dabei die explizite Zumessung von historischem Dokumentations- und Erinnerungswert und quasi „zeitlosen“ künstlerisch-ästhetischen Qualitäten alter Gebäude, die bis heute das öffentliche Interesse an deren Erhaltung konstituieren.

Zunehmend treten gegenwärtig allerdings im gesellschaftlichen Diskurs Aspekte hinzu, die über den tradierten und auch rechtlich normierten Begründungskanon hinausgehen und stärken den gesellschaftlichen Widerstand gegen solche Entwicklungen.

Zum einen hat die – aus meiner Sicht überfällige – Klimaschutzbewegung auch dem Ressourcenschutz unter dem Stichwort „Graue Energie“ neuen Auftrieb verliehen. Zum anderen wenden sich insbesondere Jüngere dem Denkmalschutz zu, weil er in einer zunehmend virtualisierten Erfahrungswelt hilft, eine „Sinnlichkeitslücke“ zu schließen.

Dazu zitiere ich hier einmal aus dem Vortrag von Sieverts:

„Denkmalpflege richtet sich gegen eine glatte, ausschließlich rechenhafte Kommerzialisierung der Stadt in der Verteidigung der einzigartigen, wenn auch vielleicht störrischen und verstö­renden Bauwerke, die einen anhalten und nachdenken lassen, und die den Sinnen das not­wendige nahrhafte Futter geben.“

 „Erinnern. Erhalten. Neu denken“ – was fällt uns dazu im Hinblick auf den Denkmaltag ein? Im ersten Stichwort „Erinnern“ verbinden sich Sozialgeschichte und kulturelles Kapital: Woher kommen wir? Wie haben unsere Vorfahren gewohnt, gearbeitet, gehandelt (was in Hamburg durchaus im doppelten Wortsinn gemeint ist)?    

Dieses Erinnern möglich zu machen und durch materielle, authentische Quellen zu unterstützen, das ist das Hauptanliegen der Denkmalpflege.

Und hier hat wirklich jedes Denkmal eine Menge zu bieten, vom Bauernhof mit oder ohne Windmühle, über den Wohnblock oder die Villa, das Kontorhaus, die Fabrik oder den Bahnhof bis hin zu den Parks und zu unseren geschützten Gewässern, die auch das eine oder andere bewegliche Denkmal beheimaten.

Sie alle können mit Ihrer Hilfe am Denkmaltag ihre Geschichten erzählen und uns klüger machen: warum wurde genau dieses Denkmal über Jahrzehnte oder Jahrhunderte gepflegt? Wem war es wichtig? Und wie wurde es erhalten? Was wurde verändert, was wurde ursprünglich belassen?    

Das „Erhalten“ ist die materielle Basis des Erinnerns - Hierzu brauchen wir die Bauforscher, Restauratoren und Handwerker. Auch all diese können spannende Beiträge zum Denkmaltag leisten und viele spannende Einblicke liefern. Ich denke an Schaurestaurierungen, Baustellenführungen, Mitmachaktionen, die sich auf Baudenkmäler, aber ebenso auf Grünanlagen beziehen können – so wie wir im Herbst das erste Parkseminar veranstaltet haben. Warum nicht einmal produktiv sein am Denkmaltag, als immer nur Denkmäler zu „konsumieren“? Mir kommen hier die Jugendbauhütte in den Sinn, die Villa Mutzenbecher, aber auch all die Enthusiasten, die sich um Erhalt und Betriebsfähigkeit unserer historischen Schienenfahrzeuge und Schiffe kümmern.       

Das dritte Stichwort „Neu denken“ verweist auf den Themenbereich der Anpassung von Denkmälern an geänderte Rahmenbedingungen, des neu Interpretierens und „Weiterbauens“, von der die Überlebensfähigkeit eines Denkmals oft abhängt. Beispiel, wie dies gut gelingen kann, ohne den Denkmalwert zu beeinträchtigen, sollten am Tag des offenen Denkmals Mut machen, sich auch in auf erstes Ansehen schwierigen Fällen wie es z.B. häufig bei Nachkriegskirchen der Fall ist, kreativ, aber sensibel für seine entscheidenden Qualitäten auf die Erhaltung des betreffenden Denkmals einzulassen.

Aus der Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt und dem ehemaligen Amt für Strom- und Hafenbau in der HafenCity wurden Hotels, aus der Firmenzentrale Claudius Peters in der City Nord erst ein Gericht und dann ein Boarding House.

Die Kaffeebörse in der Speicherstadt wird als Frühstücks und Konferenzraum für ein Hotel genutzt. Aus einem Bauernhof in Meiendorf und aus Güterhallen in Altona Supermärkte. Aus dem Wasserturm im Stadtpark wurde schon recht bald nach Errichtung unser Planetarium, aber auch die letzten Erweiterungen mit zusätzlichen Büroflächen und Gastronomie im Sockel zeigen, was Denkmale neu denken bedeuten kann.  

Ich könnte die Liste noch lange fortführen, aber ich möchte stattdessen noch einmal auf die zweite, spezifisch Hamburgische Facette des diesjährigen Tags des offenen Denkmals zu sprechen kommen, das 100. Jubiläum des ersten Hamburger Denkmalschutzgesetzes. Genauer gesagt war es ein Denkmal- und Naturschutzgesetz, das der Senat im Dezember 1920 verkündete. An diesen Zusammenhang im Zusammenhang mit dem Tag des offenen Denkmals 2020 in Hamburg zu erinnern macht gerade auch unter der Klammer „Nachhaltigkeit“ Sinn. 

Wir werden nächste Woche, am 28. Januar, im Rahmen unseres Ihnen sicher bekannten Vortragsformats „Denkmalsalon“ beginnen, uns öffentlich mit diesem Jubiläum auseinanderzusetzen. Unsere Vorstellung ist dabei alles andere als eine schulterklopfende Jubelfeier.

 

Vielmehr wollen wir dieses Jubiläum mit einer kritischen Betrachtung des zurückliegenden Wegs beginnen – wo kommen wir her -, am 25. Februar dann die gegenwärtige Situation des Denkmalschutzes nicht nur in Hamburg befragen – wo stehen wir -, und am 24. März schließlich Gedanken nachgehen, vor welchen Herausforderungen wir in der Zukunft stehen, und uns fragen, wohin wir gehen sollten. Sie sind herzlich eingeladen, jeweils um 19.00 Uhr im Opernloft im ehemaligen Terminalgebäude der Englandfähren daran teilzunehmen. Alle Termine, Zeit und Ort finden Sie auch auf unserer Homepage.

Nun fragen Sie sich vielleicht: Wie kann man denn am Denkmalwochenende ein Gesetz präsentieren? Dazu können Sie sich zum Beispiel einmal schlau machen, seit wann Ihr Denkmals schon auf der Liste steht. Nicht umsonst haben wir uns heute in einer der fünf Hauptkirchen getroffen, denn die allerersten Objekte die in Hamburg unter Schutz gestellt wurden, das waren vor allem Kirchen, Friedhöfe aber auch sogenannte „gesetzte Denkmäler“ – also Personen gewidmete Statuen oder Büsten. Das spiegelt schon ein wenig die damalige Auffassung wider, was ein Denkmal sein kann – an bauliche Zeugnisse des Alltagslebens oder der Technik dachte da noch niemand. So erzählen unsere Denkmäler auch anhand ihres Unterschutzstellungsdatums Geschichten, woher wir beim Thema Denkmalschutz kommen und helfen uns damit bei der Frage, wohin wir gehen sollten.

 

Das Museum für Kunst und Gewerbe mit seinem Direktor Justus Brinckmann oder die Patriotische Gesellschaft waren wichtige Orte des frühen Engagements für Denkmalschutz. Sie zeigen, dass die Geschichte des Hamburger Denkmalschutzes auch immer die Geschichte von engagierten Hamburgerinnen und Hamburgern gewesen sind. Waren es damals noch eher Einzelpersonen, so haben wir heute eine vielfältige Landschaft aus Vereinen, Stiftungen, Geschichtswerkstätten und Initiativen, die den Denkmalschutz gemeinsam mit unserem Amt trägt. Erzählen Sie Ihren Besuchern Ihre eigenen Geschichten des Ringens um den Erhalt dessen, was Ihnen wertvoll ist und blicken Sie darauf zurück, dann werden Sie sehen, wie sich die Denkmalwelt weitergedreht hat.

Für die Zukunft – und hier komme ich wieder zum Thema Nachhaltigkeit zurück - wünsche mir hier aber noch mehr: eine ähnliche Mobilisierung der jungen Generation wie beim Klimaschutz.

Eine junge Generation, die nicht mehr hinnimmt, dass kulturelles Erbe für Gewinnmaximierung, Grundstücksauslastung und Verwertungsdruck weichen muss wie beim Cityhof, sondern solch geschichtsvergessenem und verantwortungslosem Denken und Handeln laut und vernehmlich ein entschiedenes „How dare you!“ entgegnet!

Bevor ich nun das Wort an Frau von Jagow von der Denkmalstiftung übergebe, noch eine Anmerkung in eigener Sache:

 

Ich durfte Sie heute hier zum letzten Mal zum Infotreffen begrüßen, aber ich kann Sie dahingehend beruhigen, dass wir dieses bewährte Format auch in Zukunft beibehalten werden. Es wird allerdings ohne mich stattfinden, und auch den diesjährigen Denkmaltag im September werde ich nicht mehr als Landeskonservator, sondern vielmehr als neugieriger Besucher miterleben. Für mich ist die Zeit gekommen, mich anderen Dingen zuzuwenden, bzw. Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es steht für mich aber völlig außer Zweifel, dass mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin die jahrelange, gute Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutzamt und der Stiftung Denkmalpflege beim Tag des offenen Denkmals fortsetzen wird. Diejenigen von Ihnen, die nicht zum ersten Mal dabei sind, wissen, dass ein Großteil der Arbeit, gerade im Zusammenhang mit den Anmeldungen und der Gestaltung des Programmhefts von der Stiftung geschultert wird. Und deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, Frau von Jagow und dem Team der Stiftung mit Frau Steinhoff, Frau Heinemann und Frau Schmalz ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz über all die Jahre zu danken. Ich glaube, sie haben sich einen Applaus verdient. 

Und das war dann auch schon die Überleitung: Wie Sie wissen oder sich zumindest vorstellen können, gilt es einige Dinge zu beachten und zu bedenken, wenn Sie Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals planen, seien es Filmvorführungen, Rundgänge, Vorträge, Konzerte, Denkmalrallys, Radtouren und mehr. Dazu erhalten Sie jetzt noch einige Hinweise von Frau von Jagow.

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