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Jurykommentar freie darstellende Künste Hamburg Spielzeit 2019/20

Angesichts einer deutlichen Erhöhung der Gesamtfördermittel freuen wir uns sehr, dieses Jahr eine Vielzahl von inhaltlich diversen, ästhetisch konsequenten und thematisch relevanten Projekten zur Förderung empfehlen zu können. Diese werden deutlich dazu beitragen, die Sichtbarkeit und Relevanz der Freien Darstellenden Szene Hamburgs, auch über die Stadtgrenze hinaus, an ihren vielen unterschiedlichen Spielstätten sichtbar zu machen und zu stärken. So konnten dieses Jahr zum Beispiel statt bisher zwei nunmehr drei Künstler*innen und Theatergruppen eine mehrjährige Konzeptionsförderung und damit Planungssicherheit für längerfristige Vorhaben erhalten.

Hamburgs Freie Szene verfügt über eine Reihe etablierter und gestandener Künstler*innen und jedes Jahr kommt eine Vielzahl von jungen Nachwuchskünstler*innen aus allen Sparten der Darstellenden Kunst hinzu. Trotz der Anhebung der Fördermittel und der Möglichkeit, deutlich mehr Projekte zur Förderung zu empfehlen, bleibt die Abwägung, welche der Künstler*innen/-gruppen relevanter und förderungswürdiger ist, ein Problem.

In der Auswahl der Einzelprojekte sollte ein inhaltlicher, formal ästhetischer Ansatz und eine innovative Idee ausschlaggebend sein und nicht die Frage, ob man dem Nachwuchs eine Möglichkeit bietet oder den „alten“ Künstler*innen ein Fundament legt. In diesem Sinne schlagen wir als nächsten kulturpolitischen Schritt eine Reevaluierung der der Förderinstrumente vor, um eine differenziertere Förderung zu ermöglichen.


Teiljury Sprechtheater, Musiktheater, Performance:

Besonders dankbar sind wir über die Anhebung der Höhe der Fördersumme für den Bereich Sprechtheater, Musiktheater, Performance um ein Vielfaches von 235.000 Euro auf 409.126 Euro (inkl. Basisförderung). Demgegenüber standen jedoch eine deutlich höhere Anzahl von Anträgen, besonders im Bereich Sprechtheater, hier waren es im Vergleich zum Vorjahr 9 mehr, statt 21 nun 30 Anträge, sowie Musiktheater, mehr als doppelt so viele, statt 6 nun 14 Anträge. Im Bereich Performance bleiben die Einreichungen konstant hoch. Insgesamt lagen der SMP-Jury 79 Anträge vor.

Insgesamt ist zu bemerken, dass dieses Jahr die Qualität der Anträge in weiten Teilen formal wie inhaltlich erneut gestiegen ist: Zahlreichen Anträgen gelingt es prägnant, plastisch und überzeugend sowohl ihr ästhetisches Konzept zu verdeutlichen wie auch seine besondere Relevanz und die geplante Art der Umsetzung und Durchführung. Dies ist besonders im Bereich Musiktheater hervorzuheben. Demgegenüber machen die Anträge im Bereich Sprechtheater teilweise nicht deutlich, worin das spezifische Anliegen oder die besondere ästhetische Idee ihres Vorhabens besteht.

Insgesamt kann trotz des Zuwachses der Fördermittel nur ein Teil der beantragen förderungswürdigen Projekte realisiert werden. Von 17 besonders förderungswürdigen Projekten konnten wir im Vergleich zum vergangenen Jahr zwölf statt nur sieben fördern. Wir sind dankbar für diesen aus unserer Sicht wichtigen und richtigen Schritt, der einen kaum zu unterschätzenden Zugewinn für die Sichtbarkeit und Diversität der Freien Szene Hamburg darstellt.

Die Künstler*innen richten sich größtenteils an die vom DfdK vorgegebene Honoraruntergrenze, was wir als Jury sehr begrüßen. Auch die beantragten Gesamtsummen liegen in der Regel höher als in den vergangenen Jahren. D.h. auch hier nähern sich die Künstler*innen einer realistischen Gewichtung und Gesamtsumme für ihre Projekte. Nach wie vor ist oft zu verzeichnen, dass die Verhältnisse von Honoraren und Sachkosten nicht realistisch betrachtet werden und die Frage besteht, ob die Künstler*innen damit ihren eigenen Ansatz in puncto ästhetischer und inhaltlicher Umsetzungsidee folgen können.

Hervorzuheben ist, dass es uns in diesem Jahr dank der Erhöhung der Fördermittel, zum ersten Mal möglich war, alle ausgewählten Projekte in ihrer beantragten Summe voll zur Förderung zu empfehlen, ohne Kürzungen vornehmen zu müssen.


Teiljury Kinder- und Jugendtheater

Die Förderung von Theater-, Tanz- und Performanceproduktionen, die sich an ein junges Publikum wenden, konnten dank erhöhter Fördersummen um 180.000 Euro auf 300.000 Euro in diesem Bereich erweitert werden und somit ein bereits seit längerem erkanntes Defizit ausgleichen. Die Jury Kinder- und Jugendtheater achtete bei ihren Förderzusagen von 13 Projekt- und drei Basisanträgen (bei 36 Anträgen insgesamt, sechs mehr als im Vorjahr) deswegen nicht nur auf strukturstabilisierende und strukturausweitende Förderungen, sondern vor allem auf neuere künstlerische Impulse. Diese entstehen aktuell vor allem aus Theatersprachen mit partizipativen Anteilen, bei denen nicht auf ein Publikum gewartet wird, sondern es an Recherche, szenische Erfindungen und Darstellungsstrategien beteiligt. Nachhaltige Kooperationen mit Kindergarten, Schule und Freizeitkulturen führen zu Erforschungen und Entwicklungen attraktiver und gegenwartsnaher Theaterformate. 


Teiljury Tanz

Die Jury Tanz hat für die Spielzeit 19/20 insgesamt 29 Anträge begutachtet, im Vorjahr waren es 30. Die zur Verfügung stehende Fördersumme von 325.000 Euro wurde im Antragsvolumen von den beantragten Projekten um ein Vielfaches überschritten. Der Fokus unserer Entscheidung lag zu allererst auf der künstlerischen Qualität der Anträge, wobei wir versucht haben, die aus den Anträgen sprechende ästhetische, thematische und methodische Vielfalt in der Förderentscheidung widerzuspiegeln.

Wir haben uns entschieden, insgesamt neun Projekte zu unterstützen, sieben davon mit der vollen Antragssumme, zwei weitere mit geringen Kürzungen. Wir haben uns bewusst entschieden, lieber weniger Projekte, diese aber (beinahe) voll zu fördern, auch wenn es mehr förderungswürdige Anträge gegeben hätte.

Angesichts der wachsenden Qualität der Anträge im Bereich Tanz begrüßen wir es sehr, dass die Fördersumme dieses Jahr um 105.000 Euro gestiegen ist. Damit lässt sich nun nicht nur die lokale Szene fördern, sondern Hamburg auch als Produktions- (und Lebens-)ort für international agierende Künstler*innen attraktiver machen. Der weitere Ausbau der bestehenden Förderinstrumente (bspw. durch eine langfristige Spitzenförderung einzelner Künstler*innen oder Ensembles) bleibt jedoch notwendig, um die Durchlässigkeit des Fördersystems zu gewährleisten und Hamburg im Bereich der freien darstellenden Künste anschlussfähig zu machen.

 

Zu den Jurorinnen und Juroren gehörten in diesem Jahr:

In der Sparte Sprechtheater/Musiktheater/Performance: Sabine Bornemann-Koch (Körber-Stiftung, Hamburg), Tina Pfurr (Künstlerische Leitung Ballhaus Ost, Berlin), Prof. Dr. Martin J. Schäfer (Neuere dt. Literatur/ Theaterforschung, Uni Hamburg), Beisitz Musiktheater: Prof. Philipp Himmelmann (HfMT, Hamburg).

In der Sparte Kinder- und Jugendtheater: Charlotte Baumgart (Kulturwissenschaftlerin und künstlerische Leitung Kompanie Kopfstand), Thomas Lang (Vorstandsmitglied der ASSITEJ 1996-2016), Mathias Wendelin (Dramaturg und Organisatorischer Leiter am Jungen DSH, Hamburg).

In der Sparte Tanz: Dr. Pirkko Husemann (Künstlerische Leitung Schwankhalle, Bremen), Maximilian Probst (Autor und Kulturjournalist „Die Zeit“, Hamburg), Dr. Eike Wittrock (Universität Hildesheim, Tanzwissenschaftler und Dramaturg, Berlin), Beisitz: Dr. Kerstin Evert (Künstlerische Leitung K3, Hamburg).

 

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