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Behörde für Kultur und Medien Hintergrundinformationen zum Bismarck-Denkmal

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Kontext des Bismarck-Denkmals im Alten Elbpark in Hamburg

Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark in Hamburg wurde zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815–1898) errichtet. Es wurde in den Jahren 1901 bis 1906 nach Plänen des Architekten Emil Schaudt und des Bildhauers Hugo Lederer gebaut. Es wurde damals so aufgestellt, dass die Figur stadtauswärts auf die Elbe blickt, um die Bedeutung des Handels mit der Welt zu betonen. Das Denkmal ist weithin sichtbar und zeigt den „Eisernen Kanzler“ als hanseatischen Roland, einem Symbol städtischer Handelsfreiheit. Mit einer Gesamthöhe von 34,3 Metern ist es das größte Bismarck-Denkmal der Welt und eines der Wahrzeichen Hamburgs. Es steht seit 1960 unter Denkmalschutz und wird derzeit saniert. Aus der Perspektive des Denkmalschutzes ist das Monument aus zwei Gründen schützenswert: 1.) als Kunstobjekt, mit einer Verbindungen aus architektonischer und figürlicher Darstellung und 2.) als Zeugnis des nationalsozialistischen Erbes, das durch den im Sockel eingebauten Bunker und der ungewöhnlichen Ausschmückung überliefert ist.

Vorgeschichte

Am 31. Juli 1898 starb Bismarck im Alter von 83 Jahren in Friedrichsruh bei Hamburg. Kurze Zeit später setzte in vielen Kreisen eine weltweite Bismarck-Verehrung ein, die zur Errichtung zahlreicher Denkmäler führte. Die Initiative zum Aufbau eines Bismarck-Denkmals in Hamburg ging damals von einflussreichen und wohlhabenden Männern der Stadt aus: von Max von Schinckel (Geschäftsinhaber der Norddeutschen Bank und Vorstand der Disconto-Gesellschaft, Mitglied der damaligen Commerz-Deputation, heute Handelskammer Hamburg), Rudolph Crasemann (Abgeordneter, Handelskammermitglied), Ludwig Julius Lippert (Diamantenhändler). Dem Komitee zur Errichtung des Bismarck-Denkmals gehörten unter anderem an: der Erste Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, die Reeder Carl Laeisz bzw. Carl Ferdinand Laeisz, der Präsident des Oberlandesgerichts Ernst Friedrich Sieveking, der Architekt der Speicherstadt Franz Andreas Meyer, der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Justus Brinckmann, der Architekt des Rathauses Martin Haller und der Direktor der Kunsthalle Alfred Lichtwark. 1901 war die Finanzierung gesichert (453.000 Reichsmark) und der Wettbewerb ausgelobt. 1906 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Schon damals war das Denkmal umstritten. „Mit Aby Warburg und Alfred Lichtwark stritten damals allergrößte Namen der Kunstvermittlung darüber, ob dieser abstrahierte, monumentale Bismarck nun gelungener Modernismus sei oder gerade dessen Gegenteil.“ (Alexander Diehl, taz, 04.09.2020)

Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurden Bismarck und mit ihm auch sein Denkmal zur Projektionsfläche für nationalistische und völkische Kräfte.

Ausbau zum Luftschutzraum (1939-1940)

Die Hohlräume des Denkmals wurden in den Kriegsjahren 1939 bis 1940 zu Luftschutzräumen für bis zu 950 Personen ausgebaut. Sie waren vor allem für Besuchende der Landungsbrücken und direkte Anwohnende vorgesehen und wurden als solche auch genutzt. Der Innenbereich hat die Anmutung eines völkischen Gedenkraums. Er zeigt Ausschmückungen mit Wandmalereien (Hakenkreuze, Adler, Wappen, martialische Zitate, die zum Teil Bismarck zugeschrieben werden). 

Aktuelle Sanierungsmaßnahme (seit 2020)

Zwischen 2015 und 2019 fand eine Bürgerbeteiligung im Stadtteil St. Pauli statt, deren Ergebnisse in die Parkgestaltung sowie in den Ausbau der Sockelanlage eingeflossen sind. Das Bürgerbeteiligungsverfahren und die Befassungen der Bürgerschaft hatten keine kolonialkritischen oder zusätzlichen Aspekte, wie z. B. die Sozialistengesetze, aufgeworfen. Seit 2020 werden das Bismarck-Denkmal und die Parkanlage saniert. In den Unterbau des Denkmals wurde ein Dokumentationsraum eingebaut. Finanziert werden die Maßnahmen sowohl von der Bundesrepublik Deutschland als auch von der Stadt Hamburg: Für das Denkmal stehen 8,9 Millionen Euro bereit, für die Parkgestaltung 6,4 Millionen Euro.

Mit den rassistischen Ausschreitungen in den USA 2020 und den darauf folgenden Denkmalstürzen wurde weltweit im Zuge der „Black Live Matter“-Bewegung ein Bewusstsein für die Auseinandersetzung mit kolonial-belasteten und rassistischen Denkmälern geschaffen – und damit auch die Frage nach dem Umgang mit dem Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark in Hamburg aufgeworfen. Die zivilgesellschaftliche Initiative "Decolonize Bismarck" hat mit einem Positionspapier (http://www.afrika-hamburg.de/PDF/hamburgbismarckdekolonial.pdf) fundiert die kolonialhistorische Bedeutung des Bismarck-Denkmals im Alten Elbpark dargelegt, die in der Entscheidungsfindung für die Sanierung und Instandsetzung des Monuments und seines umgebenden Parks bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte. Der Beirat hat dieses Papier zur Grundlage für Gespräche mit den Verantwortlichen aus der BKM und dem Bezirksamt gemacht. Beide forderten neben einem Moratorium die maßgebliche Beteiligung der BIPoC-Communities bei der Kontextualisierung des Denkmals sowie eine künstlerische Auseinandersetzung, eines „Nachdenkmals“ oder eines postkolonialen Gegendenkmals.

Künstlerische Intervention zum Denkmal (ab 2020)

2020 gründeten sich mehrere Initiativen, die zum Abriss des Denkmals aufriefen bzw. den Stopp der Sanierungsarbeiten forderten. Im Sommer fand eine Demonstration statt, bei deren Kundgebung eine neue öffentliche Diskussion um den Umgang mit dem Bismarck-Denkmal angeregt wurde. Die Behörde für Kultur und Medien Hamburg (BKM) startet daher einen Beteiligungsprozess, in dessen Rahmen eine Neu-Kontextualisierung des Bismarck-Denkmals im Alten Elbpark am Hafen entwickelt und umgesetzt werden soll. Eine Neu-Kontextualisierung des Monuments ist notwendig, um dessen Setzung, Nutzung und Bedeutung der komplex verflochtenen Bezüge zu Kolonialismus, Nationalsozialismus, Diskriminierung und Fragen der sozialen Gerechtigkeit aufzuweisen und zum gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Die Ergebnisse der von der Behörde für Kultur und Medien initiierten Workshop-Reihe, an der sich wechselnde Akteurinnen und Akteure (Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler und Aktivistinnen und Aktivisten u.a.) beteiligen werden, sollen als Eckpunkte in einen Wettbewerb für eine künstlerische Intervention mit didaktischer Vermittlung zusammengeführt und ausgeschrieben werden. 


Kontakt

Verena Westermann

Abteilungsleitung Museen, Bibliotheken, Erinnerungskultur, Deichtorhallen, Planetarium

Behörde für Kultur und Medien
Hohe Bleichen 22
20354 Hamburg
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