Hintergründe zur Welterbe-Bewerbung Geschichte des jüdischen Friedhofs Hamburg-Altona

 

Geschichte des jüdischen Friedhofs Hamburg-Altona

Geschichte des jüdischen Friedhofs Hamburg Altona

Der knapp 1,9 Hektar große jüdische Friedhof Hamburg-Altona an der Königstraße ist aus zwei räumlich benachbarten, aber ehemals voneinander getrennten eigenständigen Friedhöfen hervorgegangen: Dem 1611 eingerichteten Friedhof der portugiesisch-sephardischen und dem 1616 in Nutzung genommenen Friedhof der aschkenasischen Juden.

Da der Rat der Stadt Hamburg den Juden ein eigenes Friedhofsgelände innerhalb Hamburgs verweigert hatte, erwarben drei portugiesische Großkaufleute 1611 im benachbarten Altona ein Stück Land, um dort einen Friedhof anzulegen. Zwischen 1612 und 1616 kaufte auch die Altonaer Hochdeutsche Judengemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft des sephardischen Begräbnisplatzes ein Gelände, um ihre Toten zu begraben.

Beide Friedhofsflächen wurden in der Folgezeit mehrfach erweitert. 1864 trat die portugiesisch-sephardische Gemeinde einen schmalen Geländestreifen ihres Friedhofs entlang der Königstraße an die Stadt Altona ab.

1869 ordnete das schleswig-holsteinische Innenministerium die Schließung beider Friedhofsteile als aktiv genutzte Begräbnisplätze an. Mit besonderer Erlaubnis durften auf dem aschkenasischen Teil 1871 eine letzte und 1871, 1872 und 1877 auf dem sephardischen Teil drei weitere Beerdigungen durchgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem portugiesisch-sephardischen Teil 1806 und auf dem aschkenasischen sowie dem sogenannten „Hamburger“ Teil 6678 Grabmale vorhanden.

Auf Vorschlag des Altonaer Verschönerungsvereins wurde der Friedhof um 1890 mit niedrigen Gehölzen, höheren Sträuchern und Bäumen bepflanzt. 1902 verkaufte die sephardische Gemeinde auf Druck der Stadt Altona einen weiteren Geländestreifen des Friedhofs für die Verbreiterung der Königstraße. Im Gegenzug ließ die Stadt an der Südseite zur Königstraße nach Plänen von Manfred Semper eine schmiedeeiserne Einfriedung mit einem Tor an der Südwestecke errichten.

Auch wenn eine 1942 geplante Räumung der Friedhöfe verhindert werden konnte, haben sie infolge des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges durch rassistisch motivierten Vandalismus, die Abräumung eines Teils für Baracken und schließlich durch Bombentreffer etliche Schäden erlitten. Dennoch sind von den ursprünglich knapp 8500 vorhandenen Grabmalen bis heute rund 8150 Grabsteine und Fragmente erhalten geblieben, ca. 1650 auf dem portugiesisch-sephardischen und 6500 auf dem aschkenasischen Teil.

Ein herausragendes historisches, kunst- und kulturhistorisches Dokument stellt vor allem der portugiesisch-sephardische Friedhofsbereich dar.


Text: Dr. Agnes Seemann / Denkmalschutzamt Hamburg / Behörde für Kultur und Medien

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