13. Juni 2018 „Das Leitobjekt PEKING“ Internationales Symposium. Strategien für die Zukunft des Deutschen Hafenmuseums

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

„Das Leitobjekt PEKING“ Internationales Symposium. Strategien für die Zukunft des Deutschen Hafenmuseums

Lieber Herr von Notz,
sehr geehrte Frau Richenberger,
sehr geehrter Herr Kaiser,
sehr geehrter Herr Kahl,
sehr geehrter Herr Schües,
guests from near and far,


im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg begrüße ich Sie ganz herzlich zum zweiten Internationalen Symposium zur Zukunft des „Deutschen Hafenmuseums“, das diesmal ganz im Zeichen der Viermastbark PEKING steht, dem künftigen Leitobjekts des geplanten Museums.

„Eine weite Reise auf einem altmodischen Rahsegler – das war immer mein Traum!“

Mit diesen Worten beginnt der damals 18-jährige Amerikaner Irving Johnson sein Tagebuch über seine Fahrt auf der Viermastbark PEKING, die er im November 1929 in Hamburg begann, um nach 93 Tagen auf See und einer stürmischen Umrundung des berüchtigten Kap Hoorn schließlich Talcahuano in Chile zu erreichen.

Wer schon einmal die eindrucksvollen Filmaufnahmen gesehen hat, die Johnson von seiner abenteuerlichen Reise mitgebracht hat, kann erahnen, was es bedeutete, an Bord eines Segelschiffs den Gewalten der Elemente von Wind und Wellen vor Kap Hoorn ausgesetzt zu sein.

„Die Wellen, die an Bord kamen, waren so groß, dass man nicht einmal die Türen zum Logis öffnen konnte“, notiert Irving in seinem Tagebuch. 
„Unter Deck machte das Schiff derart knarrende Geräusche, als würde es jeden Moment brechen.“ 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber meine Sehnsucht nach einer weiten Reise auf einem altmodischen Rahsegler, womöglich um Kap Hoorn herum, hält sich sehr in Grenzen!

Dabei war die PEKING zu Johnsons Zeit keineswegs altmodisch. Vielmehr repräsentierte sie als eine der legendären Flying-P-Liners den höchsten Stand der technischen Entwicklung der Segelschifffahrt.
Schiffe wie die PEKING waren hochgerüstete Segelmaschinen, deren effektive Bedienung von Rigg und Takelage sowie deren ökonomisch auf feste Routen getrimmter Einsatz der industrialisierten Organisation und Verrichtung von Arbeit und Transport entsprach.

Nur so konnten Segelschiffe so lange im Konkurrenzkampf mit Dampfschiffen bestehen. Mit Seefahrtsromantik hatte das freilich nur wenig zu tun.

Die PEKING in ihren ursprünglichen Heimathafen Hamburg zurückzuholen, das war der langgehegte Traum vieler Hamburger, die das Schiff an der Pier des „South Street Seaport Museum“ in New York liegen sahen.
Dort hat sie 1975 festgemacht, nachdem sie rund 40 Jahre unter dem Namen ARETHUSA als Schul- und Internatsschiff im Südosten Englands diente.

Dem „South Street Seaport Museum“ ist es zu verdanken, dass das ehemals so stolze Segelschiff überlebte. 
Nach einer grundlegenden Überholung erhielt die PEKING ihren Originalnamen sowie die traditionellen Farben der Reederei F. Laeisz zurück.
Doch gehörte sie wirklich nach New York? 
In ihrer aktiven Zeit hat sie nie an den Piers am Südende Manhattans gelegen. Nein, die 1911 bei Blohm & Voss für die Hamburger Reederei Laeisz gebaute Viermastbark ist eigentlich ein Stück Hamburg.

Das dachten sich auch der damalige Syndikus der Handelskammer Hamburg, Reinhard Wolf und Joachim Kaiser, die bereits 2002 im Namen der „Stiftung Hamburg Maritim“ mit dem South Street Seaport Museum Kontakt aufnahmen, um über einen möglichen Erwerb des Schiffes zu verhandeln.

Der damalige Direktor des Museums, Peter Neill, erkannte die schifffahrtshistorische Bedeutung eines solchen Schritts und signalisierte die grundsätzliche Bereitschaft zum Verkauf der PEKING. Es sollte jedoch noch über zehn Jahre dauern, bis es soweit war. 

In der Zwischenzeit war der Hurrikan „Sandy“ 2012 über New York hinweggefegt und hat nicht nur die PEKING in erhebliche Mitleidenschaft gezogen, sondern infolge der Sturmschäden auch das Seaport Museum an den Rand der Insolvenz gebracht. Um seine Kräfte zu bündeln, entschied das Museum, sich auf die Restaurierung des ebenfalls zum Museum gehörenden Vollschiffs „Wavertree“ zu konzentrieren und sich von der PEKING zu trennen.

Sie kennen sicher alle das berühmte Zitat von Antoine de Saint-Exupery, nach dem man den Bau eines Schiffes nicht damit beginnen solle, Männer zusammenzutrommeln, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern dass man den Männern vor allem erst einmal „die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“ lehren sollte.

Der „Stiftung Hamburg Maritim“ war es gelungen, Johannes Kahrs, Rüdiger Kruse und Anja Hajduk die Sehnsucht nach der PEKING zu lehren. 
Die drei Bundestagsabgeordneten setzten sich zu diesem Zeitpunkt Dank der Initiative der „Stiftung Historische Museen“ Hamburg bereits für die Weiterentwicklung des „Hamburger Hafenmuseums“ ein.

Als der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags schließlich im November 2015 die Bereitstellung von insgesamt 120 Millionen Euro für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums in Hamburg beschloss, beinhaltete diese Summe auch die Finanzierung der Rückholung und Restaurierung der PEKING in Höhe von 26 Millionen Euro.

Die letzte Atlantiküberquerung der PEKING konnte nun beginnen, und das Schiff erreichte im Juli letzten Jahres die „Peters Werft“ in Wewelsfleth, wo sie im Auftrag der „Stiftung Hamburg Maritim“ derzeit aufwendig restauriert wird.

Sie werden sich im Rahmen dieser Tagung am Freitag selber ein Bild vom Stand der Restaurierungsarbeiten machen können. Die sind durchaus nicht einfach – und werden wohl den Kostenrahmen sprengen. Das Geld dafür ist vorhanden, aber um den Preis, den das Deutsche Hafenmuseum kleiner werden muss.

Mit der Errichtung des „Deutschen Hafenmuseums“ haben wir in Hamburg die Chance erhalten, ein weltweit einzigartiges Museum der Globalisierung zu entwickeln, das unseren bislang ortlos geführten Debatten über Freihandel und Protektionismus, über Strafzölle und Handelskriege, über Kolonialismus und Post-Kolonialismus, über Klima und Ressourcen und über Migration und Diaspora einen Raum für Diskurs, Reflektion, Austausch und Partizipation bietet.

Der Anspruch und die Herausforderung im Umgang mit der PEKING liegen daher meines Erachtens auch nicht allein in der fachgerechten Ausführung der Restaurierung und Rekonstruktion des historischen Schiffs, sondern in der Erschließung und Repräsentation seiner vielschichtigen Bedeutungsebenen.

Was heute die Containerriesen der Maersk Reederei sind, waren vor einhundert Jahren die Flying P-Liner der Laeisz Reederei.
Es gilt daher, nicht nur die hohe Kunst des frühen stählernen Schiffsbaus und der harten Arbeitswelt an Bord eines Frachtseglers zu vermitteln.
Vielmehr ist es das Ziel, die PEKING auch als Symbol weltweiter Verflechtungen zu begreifen, deren Einsatz in der Salpeterfahrt komplexe Bezüge in die lokale Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte von Schiffbau, Schifffahrt, Handel, Transport, Bergbau, Landwirtschaft, Rüstung, Kolonialismus, Staatenbildung und sozialen Bewegungen aufweist, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen. 

Die PEKING soll nicht bloß ein weiteres Museumsschiff sein, das Shanty-Chören als Kulisse für das Lied vom „Hamborger Veermaster“ dient. 
Die PEKING soll im „Deutschen Hafenmuseum“ in ihrer überwältigenden Größe, anmutigen Eleganz und bemerkenswert kargen Funktionalität als Zeitzeugin der Globalisierung des frühen 20. Jahrhunderts präsentiert werden.

Als Schiff und Transportmittel, das Europa und Südamerika miteinander verbunden hat, schlägt die PEKING eine Brücke vom Chilehaus in Hamburg über den Atlantik zu den Häfen von Valparaiso, Iquique oder Talcahuano. 
So gesehen ist auch die PEKING ein Teil des Hamburger Weltkulturerbes, zu dem die UNESCO die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus 2015 ernannt hat. 

Die PEKING ist also zweifelsohne mehr als nur ein Schiff. 
Die Komplexität ihrer Geschichte und deren Vermittlung, aber auch die Herausforderung der Restaurierung und kontinuierlichen Erhaltung des Schiffes werden sie in den folgenden zwei Tagen ausgiebig auf dieser Tagung diskutieren.

Einige von Ihnen werden sich sicher fragen, wo denn das „Deutsche Hafenmuseum“ nun errichtet wird.
Diese Antwort muss ich Ihnen heute leider noch schuldig bleiben. 
Wie viele von Ihnen wissen, erweist sich unsere naheliegende Idee, ein Hafenmuseum im Hafen zu bauen, genehmigungsrechtlich weitaus schwieriger, als wir erwartet haben.
Doch ich kann Ihnen versichern, dass wir kurz vor der Entscheidung stehen, die wir noch vor den Sommerferien treffen wollen.

So bleibt mir jetzt nur noch Ihnen allen zu danken – insbesondere den internationalen Gästen aus Belgien, Schweden, Finnland und den USA –, dass Sie den weiten Weg nach Hamburg gefunden haben, um Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und damit dazu beizutragen, dass die Rückführung und Restaurierung der PEKING ein Erfolg wird. 

Ich danke der „Stiftung Hamburg Maritim“, der derzeitigen Eignerin der PEKING, dass sie zusammen mit ihren Partnern mit viel Sachverstand und Herzblut die PEKING für ihre Zukunft im „Deutschen Hafenmuseum“ flott machen. 

Ich danke der „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“, die die Errichtung des „Deutschen Hafenmuseums“ sowie Rückführung und Restaurierung der PEKING finanziert und auch diese Tagung maßgeblich fördert.

Und ich danke der „Stiftung Historische Museen Hamburg“, die sich auf das „Abenteuer“ „Deutsches Hafenmuseum und PEKING“ eingelassen hat und mit Unterstützung meiner Behörde das hervorragende Programm dieser Tagung auf die Beine gestellt hat. 

Last but not least freue ich mich, dass die 
„Stiftung Historische Museen“ mit den „Freunden der Viermastbark PEKING“ eine Kooperationsvereinbarung abschließen wird, in der der Verein seine Unterstützung zusichert, das „Deutsche Hafenmuseum“ beim Erhalt des Schiffes tatkräftig zu unterstützen.

Für die kommenden drei Tage wünsche ich Ihnen interessante Vorträge, gute Gespräche und eine inspirierende Zeit bei uns in Hamburg.

Vielen Dank.

Ämter der Behörde für Kultur und Medien

Einrichtungen der Behörde für Kultur und Medien