27. November 2017 Jahresempfang der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen: „Perspektiven der Hamburger Museen“

Keynote des Senators Dr. Carsten Brosda

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Sehr geehrte Damen und Herren,

Maxim Gorki hat einmal gesagt:

„Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, 
die Kunst ihre Seele.“

In den Museen wissen wir beides vereint – das sollte uns also voller Optimismus in die Zukunft schauen lassen.

Sie baten mich, einige Überlegungen zur Situation und zur Perspektive der Hamburger Museen vorzutragen. Dieser Bitte komme ich gerne nach. Um Ihnen ein vollständigeres Bild geben zu können, werde ich mich in meinen Ausführungen jedoch nicht auf jene beiden Museen beschränken, die Sie, die Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, üblicherweise besonders in den Fokus Ihrer Aktivitäten nehmen, die Hamburger Kunsthalle und das Museum für Kunst und Gewerbe. 

Vielmehr wird es um die Hamburger Museumslandschaft im Allgemeinen gehen und die fünf vormals staatlichen Museumsstiftungen im Besonderen.

Diese sind, neben den bereits genannten:

• die Stiftung Historische Museen Hamburg mit ihren drei großen Häusern (Museum für Hamburgische Geschichte, Museum der Arbeit, Altonaer Museum) und sechs Außenstellen, 

• die Stiftung Museum für Völkerkunde

• sowie die Stiftung Archäologisches Museum Hamburg, Stadtmuseum Harburg / Helms-Museum. 

Ebenfalls werde ich kurz auf das Deutsche Hafenmuseum eingehen.

Die Hamburger Museumslandschaft ist durch eine Besonderheit geprägt: Die Gründung der großen Museen geht zum überwiegenden Teil auf das private Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zurück.

Dies gilt für die Gründung des Altonaer Museums vor über 150 Jahren und der Hamburger Kunsthalle ebenso, wie für die Gründung des Museums der Arbeit vor „erst“ 27 Jahren. Die Initiative entstand bereits Ende der 1970er Jahre, der Museumsverein wurde gegründet 1980, gemäß Senatsbeschluss ist es seit 1990 ein selbständiges Museum, die Eröffnung der Dauerausstellung erfolgte 1997 und ab 1999 ist das Museum eine Stiftung des öffentlichen Rechts. 

Dies hat bis heute zur Folge, dass sich die Hamburger für „ihre“ Häuser in hohem Maße verantwortlich fühlen und dies in Form der Mitgliedschaft in Freundeskreisen, Beiräten, Ehrenamtlichen-Vereine oder durch konkrete Mitwirkung an der Pflege der Sammlungen auch nach außen sichtbar werden lassen. 

Und auch Sie, die Förderer und Mäzene der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, leisten einen Beitrag dazu, dass unsere Museen sich weiterentwickeln können, indem Sie ihnen Sammlungsankäufe ermöglichen, um damit die Dauer- und Sonderausstellungen attraktiver zu machen. 

Sie übernehmen damit eine Aufgabe, die die meisten Städte und Kommunen, angesichts eines grotesk überhitzten Kunstmarkts, alleine gar nicht mehr erfüllen können. 

Dafür möchte ich Ihnen zunächst sehr herzlich danken. 

Aber wenn ich heute über die Perspektiven der Hamburger Museen spreche, verbinde ich damit weit mehr als die Notwendigkeit, die Sammlungen weiterzuentwickeln.

Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass unsere Museen sich tiefgreifend verändern müssen, um ihre gesellschaftliche Relevanz zu bewahren. 

Sie alle kennen die vier traditionellen Säulen, auf denen die Museumsarbeit ruht: 

Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln. 

Seit Jahrzehnten wähnen wir uns in der Gewissheit, dass es ausreicht, diese Aufgaben umfassend, solide und kreativ zu erfüllen, um die Legitimität unserer Museen zu untermauern und ihre Ausstellungen zu Publikumserfolgen zu machen. 

Diese Gewissheit ist jedoch in den letzten Jahren weggebrochen. Von einer Legitimationskrise der Museen sprach Thomas E. Schmidt bereits 2005 in der ZEIT. 

Und der renommierte Kunstwissenschaftler Hans Belting monierte schon 2007, dass es den Museen an Orientierung mangele, dass sie nicht mehr erklären könnten, wofür sie gebraucht würden, was ihre „raison d’etre“ sei.

Was macht unsere Museen zu unverwechselbaren und einzigartigen Kulturorten? 

Welche aktive Rolle können sie in einer diversifizierten Stadtgesellschaft einnehmen? 

Wie können sie sich, neben den unbegrenzten digitalen Möglichkeiten, die bereits die Lebenswelt der kleinsten Kinder prägen, mit ihren besonderen authentischen Objekten und analogen Erfahrungsmöglichkeiten behaupten?

Was macht Museen darüber hinaus heute relevant?

Suay Aksoy, die aus Istanbul stammende Präsidentin des Weltverbands der Museen (ICOM) hat diese Frage auf der letzten Konferenz von ICOM-Deutschland, die unter dem programmatischen Titel „Difficult issues“ stand, folgendermaßen beantwortet: 

Angesichts von Entwicklungen wie der in ihrem Herkunftsland bestünde die Herausforderung von Museen heute mehr denn je darin, ihre Nähe oder Distanz zur politischen Macht zu reflektieren. „How to be able to speak the unspeakable?“. 

Es gäbe noch sehr viel zu tun, um die Geschichte von Minoritäten und von Menschen aus benachteiligten oder prekären Verhältnissen in das „master narrative“ regionaler und nationaler Museen zu integrieren. 

Und noch immer seien die Museen zu schwerfällig, um auf aktuell relevante Themen zu reagieren. Museen, so ihre Auffassung, seien in der globalisierten und digitalisierten Welt das seriöseste Medium überhaupt und so sei es auch ihre Aufgabe, die aus dem breiten und soliden Wissen folgende Verantwortung wahrzunehmen. 

Aber was könnten Museen noch alles sein? 

In den USA definieren interkulturell arbeitende Museumsleute die Rolle von Museen gerade völlig neu.

Sie postulieren die folgenden vier Funktionen, wie Antonio Rodriguez aus Washington D.C. in einem Vortrag erläuterte:

1. Museen als Erinnerungsspeicher für Vergangenes und Gegenwärtiges, in denen das kulturelle Erbe und die Werte der Gesellschaft – einschließlich der Beiträge der Migranten – gesammelt werden.

2. Museen als Zentren für zivilgesellschaftliches Engagement, als Orte der politischen Auseinandersetzung, an denen Menschen zu zivilem Engagement ermutigt werden.

3. Museen als Schutzräume für Kommunikation, an denen individuelle Stimmen gehört werden und kollektives Wissen entstehen kann. 

4. Museen als Mediatoren und Vertreter einer kulturellen Diplomatie, die aktiv Brücken zwischen Gemeinschaften und Kulturen bauen und die internationale Zusammenarbeit befördern.

Nachdem den Museen bereits seit vielen Jahren eine große Zahl kaum zu erfüllender gesellschaftlicher Aufgaben übergestülpt wurden (Wissensvermittlung, kulturelle Bildung, Unterhaltung, erlebnisorientiertes oder lebenslanges Lernen, Begegnung, Austausch, Kontemplation), nun also noch eine neue zivilpolitische und emanzipatorische Dimension im Aufgabenspektrum? 

Das Museum in Deutschland mit den weitreichendsten Erfahrungen in diesem Bereich, das Historische Museum Frankfurt, hat nach neunjähriger Vorbereitungs- und sechsjähriger Bauzeit kürzlich wieder eröffnet. Auf 1.000 qm des neuen Hauses zeigt es als erstes deutsches Stadtmuseum eine partizipativ entwickelte Dauerausstellung zur Frankfurter Stadtgeschichte, die auf der intensiven Beteiligung von weit über tausend Frankfurterinnen und Frankfurtern basiert – ein Novum in der deutschen Museumslandschaft und ein Beispiel, das wir uns genauer anschauen sollten.

Aber wo stehen unsere Hamburger Museen?

Die Hamburger Kunsthalle

Auch wenn die jüngste Berichterstattung Sie beunruhigt haben mag, es besteht kein echter Grund zur Sorge. Das Museum steht nach der erfolgten Sanierung sehr gut da. 

Depot, Ausstellungs- und Serviceräume sind auf international hohem Niveau ertüchtigt worden. Das verdanken wir in erster Linie der „Dorit- und Alexander-Otto-Stiftung“, durch die das Haus spektakulär modernisiert neu eröffnet werden konnte. 

Aber auch die Stadt hat mit der längst überfälligen Sanierung der Gemäldedepots ihren Anteil an diesem Erfolg. Das Haus befindet sich nach Umbau und Vorstandswechsel in einer Phase der Neuorientierung. Der eingangs erwähnte Verlust musealer Gewissheiten betrifft auch unsere Kunstmuseen. So reicht es längst nicht mehr aus, schöne Kunstwerke unter interessanten Blickwinkeln an die Wände oder in die modernisierten Räume zu bringen. 

Auch Herrn Professor Vogtherr beschäftigen die Fragen, was sein Metier, die Kunst, in der Gesellschaft bewirken kann und ob das Museum auch etwas durch Kunst bewirkt. Folgerichtig und dennoch mutig war es daher, das erste Ausstellungsprojekt unter seiner Ägide der Frage des Zugangs zur Kunst zu widmen. 

„Open Access – 13 Blicke in die Sammlung“ war ein Ausstellungsprojekt mit experimentellem Charakter, in dem sich 13 Hamburger Neubürgerinnen und Neubürger intensiv mit den Werken der Hamburger Kunsthalle beschäftigten und ihre zum Teil sehr individuellen und überraschenden Deutungen zum Ausdruck brachten. 

Die Hamburger Kunsthalle hat zudem die interkulturelle und interreligiöse Vermittlung ganz oben auf die Agenda gesetzt. So gilt sie mittlerweile auch für ihre Angebote für Demenzerkrankte bundesweit als Vorreiter. 

Das Museum für Kunst und Gewerbe

Das Museum hat sich in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Sabine Schulze sehr erfolgreich entwickelt. Projekte wie „Krieg und Propaganda 14/18“, „Endstation Meer – das Plastikmüllprojekt“ oder „Pixar- 25 years of animation“, „Fast Fashion“ und „Hokusai Manga“ haben sowohl die Besucherzahlen nach oben schießen lassen, als auch ein breiteres und jüngeres Publikum angesprochen und dem Museum in den Feuilletons einen festen Platz gesichert. Wesentlicher Teil des Erfolgs des MKG ist neben den Sonderausstellungen auch die attraktive und zeitgemäße Neupräsentation von Dauerausstellungen. 

Die bauliche Wiederherstellung der historischen Turnhalle, gefördert durch die Michael Ottos Stiftung, eine der letzten Baumaßnahmen in einer langen Reihe von baulichen Modernisierungen, gibt dem Museum, ebenso wie dem Gebäude als Ganzes, sein Herz zurück. 

Durch die Öffnung der Sichtachse vom Eingang in und durch die Mitte des Gebäudes ist ein großzügiger, lichtdurchfluteter und barrierefreier Raum entstanden, der in musealer Hinsicht alle erdenklichen Möglichkeiten bietet. 

Im Bereich der Aufarbeitung der eigenen Sammlungen hat das MKG in den vergangenen Jahren ebenfalls Kärnerarbeit geleistet: die Neueinrichtung der Schausäle zu den Weltreligionen, zum Jugendstil und zuletzt die Aufarbeitung und Präsentation der herausragenden Fotosammlung haben das Museum als Wissensspeicher ebenso wie als Ort der Vermittlung gegenwärtiger Themen weit nach vorne gebracht. 

In der Provenienz-Forschung hat das Museum vorbildliche Arbeit geleistet und die Ergebnisse nicht nur für den internen Umgang mit der Sammlung genutzt, sondern in einer Ausstellung dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch so entsteht Transparenz. 

Für diese insgesamt hervorragende Arbeit danke ich Frau Professor Sabine Schulze und ihrem Team sehr herzlich.

Das Museum für Völkerkunde

Das Haus hat sich in den vergangenen 20 Jahren als ein Begegnungszentrum der migrantischen Gemeinschaften in Hamburg etabliert, den kulturellen Austausch gefördert und mit erlebnisorientierten, niedrigschwelligen Ausstellungen versucht, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Dieses Konzept war erfolgreich, da es dem Museum stärker als allen anderen gelang, die migrantischen Communities als Besucherinnen und Besucher oder Mitwirkende in die Arbeit einzubeziehen. 

Gleichzeitig wurde es zunehmend schwieriger, daneben ein anspruchsvolles, diskursiv angelegtes Ausstellungsprogramm umzusetzen. Hier setzt die neue Direktorin an und wird künftig wieder die Sammlungen in den Mittelpunkt stellen. 

Von ihnen ausgehend wird Barbara Plankensteiner mit ihrem Team das „Netz der Geschichten und Assoziationen spinnen und die verschiedenen Perspektiven auf Material, Ästhetik, Provenienz, historische Bedeutung, den heutigen Stellenwert für Menschen ihrer Herkunftskultur in fernen Weltregionen aber auch in der unmittelbaren Umgebung erforschen.“ 

Das Museum bewahrt eine der bedeutendsten Sammlungen dieser Art nicht nur im deutschen, sondern auch im europäischen Maßstab. Es wird darum gehen, sich kritisch mit seiner eigenen Vergangenheit und den kolonialen Verflechtungen zu befassen und sich auch weiterhin interkulturell und integrativ ausrichten. 

Für die Migrationsgemeinschaften möchte es einen kulturellen Anker in der Stadt bieten.

Frau Professor Plankensteiner, die die Leitung des Hauses erst von gut einem halben Jahr übernommen hat, erarbeitet derzeit ein umfassendes inhaltliches und bauliches Gesamtkonzept. Eine Namensänderung wird, wie sie sicherlich schon der Presse entnommen haben, ebenfalls gerade diskutiert. 

Aus Sicht der Stadt sind die ersten erkennbaren Entwicklungsschritte sehr positiv. Sie entsprechen unserem Wunsch, das Museum wieder zu einem Ort zu machen, an dem kompetent und auf der Höhe des wissenschaftlichen Diskurses geforscht, ausgestellt und vermittelt wird. Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten brüchig werden, kommt diesem Museum eine ganz besondere Bedeutung zu. Es wird daher in Zukunft sicherlich auch wieder verstärkt als ein Haus der Kunst wahrgenommen werden und in gegenwärtige Bezüge hineinreichen.

Stiftung Archäologisches Museum , Stadtmuseum Harburg / Helms-Museum

Das Archäologische Museum Hamburg / Stadtmuseum Harburg | Helms-Museum geht in seinen Ursprüngen auf den bereits in 1898 gegründeten Museumsverein für den Stadt- und Landkreis Harburg zurück. Er verfolgte, genau wie heute auch noch, das Ziel, ein Museum für die damals preußische Stadt Harburg und den Landkreis zu errichten.

Das Museum hat sich in seiner nun bald 120-jährigen Geschichte aber vom ursprünglich Historischen Museum für die Stadt Harburg zum Archäologischen Landesmuseum der Freien und Hansestadt Hamburg entwickelt. Voraussetzung dafür war ab 1972 die konsequente Zusammenführung aller staatlichen Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte Hamburgs aus den Museen für Hamburgische Geschichte, für Kunst und Gewerbe, für Völkerkunde und dem Altonaer Museum. 

Die Stiftung kümmert sich darüber hinaus auch um die hoheitliche Aufgabe der Bodendenkmalpflege, was einen wichtigen Bestandteil des inhaltlichen Profils ausmacht. 

Bei Eingriffen in den Boden (z.B. durch Baumaßnahmen) werden die Archäologen konsultiert, um die Zeugnisse der Vergangenheit zu sichern und zu dokumentieren. Gerade im Innenstadtbereich erreicht die Stiftung dadurch auch einige mediale Präsenz und kann ein breites öffentliches Interesse wecken. Gleichzeitig ist die Stiftung Helms-Museum als Stadtmuseum Harburg fest im südlichen Bezirk verankert. 

Hervorzuheben sind die vielfältigen digitalen Aktivitäten der Stiftung, früh sind die Chancen der Digitalisierung erkannt und konsequent in Maßnahmen umgesetzt worden. 

Diesen Weg wird die Stiftung auch in Zukunft weiter gehen und ausbauen. 

Gemeinsam mit dem Museum für Völkerkunde hat das Helms-Museum außerdem jüngst gezeigt, wie eine kluge Kooperation zwischen den Stiftungen auch im Programmangebot aussehen kann.

• Die Stiftung Historische Museen Hamburg

Die drei Museen und sechs Außenstellen die sich unter dem Dach der Stiftung Historische Museen versammeln, stehen vor großen konzeptionellen und baulichen Herausforderungen. 

Das Altonaer Museum bietet derzeit konzeptionell und gestalterisch noch kein einheitliches Bild. Neben attraktiven und gut besuchten Sonderausstellungen wie „Cäsar Pinnau“ stehen Ausstellungsbereiche wie die „Bauernstuben“ oder die „Nordseefischerei“, die – obgleich bedeutende Objekte – nicht mehr angemessen vermittelt werden. Das Haus hat mit Blick auf seine Sammlungen ein großes Potenzial und spricht derzeit besonders Kinder und Familien, Schulklassen sowie Seniorinnen und Senioren an. 

Aktuell erarbeitet Frau Professor Dauschek, die das Museum erst seit Anfang 2017 leitet, ein Gesamtkonzept, das die Geschichte des Hauses als Museum und Bildungsort in und für Altona fortschreibt und gleichzeitig das Haus im 21. Jahrhundert neu positioniert. 

Das Museum möchte sich noch stärker als Familienmuseum (für intergenerationale Gruppen) positionieren. Mit dem Kinderolymp, dem Kinderbuchhaus und einem umfassenden Vermittlungsprogramm kann man bereits auf viele Erfahrungen zurückgreifen. 

Ein „Familienmuseum“ wäre für Hamburg ein Novum. 

Darüber hinaus werden die Themen Heimat und Beheimatung anhand der interessanten Einwanderungsgeschichte Altonas sowie aktueller Entwicklungen z.B. im Bereich des Städtebaus in den Fokus gerückt. 

Das Museum für Hamburgische Geschichte

Ende 2015 bewilligte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 18 Mio. € für Maßnahmen zur grundlegenden Modernisierung des Museums für Hamburgische Geschichte, die durch weitere 18 Mio. € von Seiten der FHH ergänzt werden. Die Mittel werden einerseits dafür eingesetzt, das Museumsgebäude grundsätzlich zu sanieren und attraktiver zu gestalten und andererseits die Dauerausstellungen in Inhalt, Didaktik und Gestaltung grundlegend zu erneuern. 

Das Gebäude wird sich zum Park hin mit einer ansprechenden Gastronomie öffnen und neue Angebote, wie öffentliche Lese- und Treffpunktbereiche, einführen. 

Damit verbunden ist das Ziel, das Museum mit niedrigschwelligen, informativen und kostenfreien Angeboten generell stärker zu öffnen und zu einem Ort der Begegnung und Freizeitgestaltung weiterzuentwickeln. In verschiedenen Rundgängen wird den Besucherinnen und Besuchern ein zusammenhängendes Bild von der wechselvollen Geschichte Hamburgs durch die Jahrhunderte vermittelt. 

Zurzeit konzentriert sich die Arbeit des MHG auf eine systematische Verbreiterung der Wissensgrundlage für künftige Dauerausstellungen und die Erprobung zeitgemäßer und publikumswirksamer Präsentationsformen. 

In den aktuellen Sonderausstellungsprojekten, wie z.B. „Hamburg 1918/19 - Aufbruch in die Demokratie“ verdichten sich bereits wesentliche Ergebnisse und Vorarbeiten.

Das Museum der Arbeit

1990 gegründet und 1997 eröffnet, zeigt das Museum in Barmbek an ausgewählten Hamburger Beispielen, wie sich Leben und Arbeiten im 19. und 20. Jahrhundert verändert haben. Der größte Teil der Dauerausstellung ist jedoch über 20 Jahre alt. 

Globalisierung und Digitalisierung haben seither auch die Arbeitswelt grundlegend verändert. Daher steht das Museum vor einem Paradigmenwechsel und wird sich künftig neuen Fragestellungen, modernen Präsentationsformen und neuen Veranstaltungsformaten widmen. 

Zurzeit wird die denkmalgerechte Sanierung des letzten nicht-sanierten Gebäudes auf dem Museumshof, des historischen Torhauses, vorbereitet. Ab Anfang 2020 wird es dort neben der Gastronomie auch neue Räume für Bildungs- und Vermittlungsformate sowie für Diskussion und Partizipation geben.

Deutsches Hafenmuseum Hamburg

Das Projekt Deutsches Hafenmuseum Hamburg gehört derzeit zu den wichtigsten maritimen Museumsprojekten der Welt und ist mit Sicherheit eine der spannendsten musealen Neugründungen in der Bunderepublik. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Projekt. 


Folgende konzeptionelle Eckpunkte haben wir in Abstimmung mit dem Bund als zentralem Geldgeber und der Stiftung Historische Museen Hamburg als Projektträger festgelegt.

1) Fokus Hafen: 

Thematischer Schwerpunkt ist, anders als z.B. im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven oder im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, der Hafen als Knotenpunkt von Wirtschafts- und Warenströmen in einer globalisierten Welt.

2) Gegenwartsbezug: 

Die Hinwendung zur Gegenwart, zum modernen Hafengeschehen mit seinen vielfältigen Verflechtungen und dem enormen Modernisierungsdruck stellt dabei ein zentrales Charakteristikum dar.

Das Narrativ des Museums wird niemals nur historisch, sondern zugleich immer auch explizit systematisch und thematisch sein. 

3) International:

Die Geschichte und Gegenwart der Globalisierung, und damit auch die Frühform des Kolonialismus ist das zentrale Thema des Museums. Technische Innovation richtete sich immer nach den Anforderungen des globalen Handels. Das neue Museum muss daher auch strukturell durch entsprechende Kooperationen und Partnerschaften in Europa und weltweit international, multiperspektivisch, interdisziplinär und diskursiv sein.

4) Partizipation:

Um den Anspruch eines modernen, innovativen Museums gerecht zu werden, braucht es die Bereitschaft, Deutungshoheit abzugeben, um die Beteiligung von Ehrenamtlichen und Besucherinnen und Besuchern aber auch von Partnern aus dem „globalen Süden“ zu ermöglichen.

In dem neuen Museum werden die hafenbezogenen Bestände der historischen Museen Hamburgs zusammengeführt. Dies ermöglicht zum einen eine konzentrierte Bündelung des Themas und schafft zum anderen freien Raum für neue Möglichkeiten an den bestehenden Häusern. 

Die Standortfrage ist noch nicht entschieden. Sie ist für den künftigen Erfolg des Museums von fundamentaler Bedeutung – sowohl was die Besucherzahlen, als auch, was die Umsetzung einer modernen Museumskonzeption betrifft. Daher ist es uns besonders wichtig, diese Frage umfassend und mit der erforderlichen Zeit, die dies braucht, zu klären. 

Wir arbeiten aber konzentriert darauf hin, hier ein „Museum der Globalisierung“ zu entwickeln, das unserer bislang ortlos geführten Debatte über Freihandel und Protektionismus einen Kristallisationspunkt verschafft.

• Audience Development

Eine Aufgabe, die wir in den nächsten Jahren bei allen Häusern voranbringen möchten, ist die Besucher – bzw. Nicht-Besucherforschung. Nur auf der Basis verlässlicher Daten und Auswertungen wird es möglich sein, die richtigen Weichen für die langfristige Entwicklung der Museen zu stellen. Dabei ist es unser Ziel, bestehende Publika stärker zu binden und zu erweitern sowie neue Besuchergruppen zu erschließen. Neben ihrer zahlenmäßigen Vergrößerung steht dabei auch die qualitative Bindung der (neuen) Zielgruppen im Fokus. 

Kürzlich wurde ich gefragt, wie meine Zukunftsvisionen der Hamburger Museumslandschaft im Kontext des Kulturleuchtturms Elbphilharmonie aussähen.

Ein Leuchtturm funktioniert, wenn er Aufmerksamkeit anzieht und Orientierung gibt – und das möglichst umfassend. Ohne seine Umgebung ist ein Leuchtturm nichts. Wir müssen deshalb die ganze Vielfalt der Kultur in Hamburg im Blick haben. 

Und dazu gehört ganz wesentlich auch die Hamburger Museumslandschaft, die noch deutlich vielfältiger ist, als ich es hier darstellen konnte. 

Das Zusammenwirken verschiedener öffentlicher und privater Museen und Ausstellungshäuser ist ein zentrales Charakteristikum dieser Museumslandschaft. Gemeinsame übergreifende Veranstaltungen, wie zum Beispiel die „Lange Nacht der Museen“ oder der „Marketingverbund Kunstmeile“ zeigen, wie erfolgreich diese Kooperationen verlaufen können. 

Auch neue Impulse, wie zum Beispiel das kürzlich eröffnete Bargheer Museum, das nun mit dem Barlach Haus und dem Jenisch Haus ein attraktives Dreigestirn im Jenischpark bildet, basieren auf dieser guten privat-öffentlichen Zusammenarbeit. 

Wir arbeiten daran, diese Attraktivität unserer Museumslandschaft weiter zu steigern.

Wir brauchen gerade in diesen unübersichtlichen Zeiten attraktive Orte der Kultur- und Wissensvermittlung. 

Wir stärken sie kontinuierlich – zum Beispiel 

• durch Umbauten, wie sie in vielen Häusern bereits begonnen wurden.

• Durch die Modernisierung der Dauerausstellungen.

• Mit dem Ausstellungsfonds, einem Förderinstrument um das uns viele Städte beneiden, unterstützen wir die Häuser kontinuierlich dabei, attraktive Sonderausstellungen umzusetzen. 

• Und natürlich geben wir der Museumslandschaft neue Impulse durch neue Projekte, wie das Deutsche Hafenmuseum. 

Es ist eine dauerhafte Aufgabe, die gesellschaftliche Relevanz unserer Museen zu erhöhen, sie für Einheimische und Touristen interessant zu machen und bestehende Barrieren weiter abzusenken. 


Vielen Dank.

Ämter der Behörde für Kultur und Medien

Einrichtungen der Behörde für Kultur und Medien