10. Dezember 2017 60. Jubiläum der Symphoniker Hamburg

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Sehr geehrter Herr Prof. Schwenker,
sehr geehrter Herr Kühnel,
sehr geehrte Frau Argerich,
sehr geehrter Herr Marin,
sehr geehrte Musikerinnen und Musiker der Symphoniker Hamburg,
sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft,
liebes Publikum,

am Anfang der Aufklärung steht der Mut. „Sapere Aude“ – Habe Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen, hieß es bei Kant.
Selbst zu denken ist die Voraussetzung dafür, selbst zu handeln. Und zwar im Wissen darum, dass zur Freiheit des Denkens und Handelns das Risiko des Scheiterns untrennbar dazu gehört. Die Kühnheit, trotzdem – und immer wieder – einen Anfang zu wagen ist es, die wir heute feiern wollen.

Denn: Unsere Stadt hat ein mutiges Orchester.
Die Symphoniker Hamburg. Gemäß seinem Selbstverständnis als „denkendes Orchester“ ist es den Symphonikern ein großes Anliegen, nicht einfach „nur“ schöne Musik zu machen, sondern auch in unsere Stadt und unsere Gesellschaft hinein zu wirken, etwas zu bewegen – in den eigenen Köpfen und Herzen wie auch in denen anderer Menschen. Die Symphoniker Hamburg handeln musizierend.

Diese innere Motivation der Symphonikern wird auch zu einem ganz konkreten Movens: Raus aus dem Konzertsaal – rein in die Stadt!

Sie treten nicht nur in der Staatsoper, der Hochschule für Musik und Theater oder den Konzertsälen des Umlands auf, sondern immer wieder auch an ganz ungewöhnlichen Orten wie unter anderem: im Bunker an der Feldstraße, im Park Fiction an der Hafenstraße, unterm U-Bahn Viadukt der Isestraße, auf der MS Stubnitz und im Gängeviertel, um nur paar Beispiele zu nennen.

Besondere Aufmerksamkeit erregte das Projekt MusikImPuls, das mit vielen Konzerten und Konzertprojektionen den öffentlichen Raum bespielte. 
Bei einem Konzert im Alten Elbtunnel rechnete das Orchester mit 300 Besucherinnen und Besuchern – es kamen dann über 1.300 !

Die Symphoniker geben dem Begriff „Musikstadt Hamburg“ damit einen ganz neue Bedeutung: Sie machen die gesamte Stadt zum Klangkörper und geben so ganz nahbar und für viele Menschen erlebbar einen inspirierenden Einblick in die Welt der klassischen Musik.

Denn die Symphoniker verstehen ihre Arbeit als einen essenziellen Bestandteil des Lebens, als etwas, dass in Wechselwirkung mit der Gesellschaft steht. Der Musik kommen dabei die Möglichkeit und vielleicht auch die Aufgabe zu, sich im wahrsten Sinne des Wortes zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen. 
Stellung beziehen zu den großen Fragen unserer Gegenwart – diesen Auftrag nehmen die Symphoniker mit großem Elan und vielen Ideen an.

Ein markantes Beispiel dafür, wie das Orchester mit seinem Programm eigene Noten in die gesellschaftlichen Debatten einbringt und Relevanz entfaltet, sind beispielweise die zahlreichen Aktivitäten zum Reformationsjubiläum. 
Natürlich gab es da auch hochkarätige Konzerte – außerdem aber auch ein geisteswissenschaftliches Symposium zum Thema „Mensch. Welt. Gott. Die reformatorische Neuordnung“.

Und genauso mutig, wie die Symphoniker Hamburg sich an die großen Fragen herantrauen – genauso mutig gehen Sie auch auf ihr Publikum zu.

Mit ihren durchdachten Programmen haben sie Generationen von Hamburgerinnen und Hamburgern aller Altersstufen begeistert und musikalisch geprägt. 
So verwundert es nicht, dass das Orchester viele langjährige, treue Freunde hat. Daneben gelingt es den Symphonikern aber auch immer wieder, ein neues Publikum zu gewinnen und zu begeistern. Unter anderem auch über die ungewöhnlichen Konzertformate im öffentlichen Raum. 

Zudem vernetzen sich die Symphoniker immer wieder mit anderen Künsten, vor allem mit Video und Lichtkunst, und erweitern so das Konzerterlebnis und begeistern auch neue Publikumsgruppen.
Und die beliebten Close-Up-Proben, in denen das Publikum dem Dirigenten bei der Arbeit auf die Finger schauen kann, leisten im allerbesten Sinne musikalische Vermittlungsarbeit. 

Mit den Besucherzahlen der letzten Jahre haben die Symphoniker jedenfalls mehrfach hintereinander ihren eigenen Rekord übertroffen. 

Sowohl bei der inhaltlichen Herangehensweise als auch bei der Vermittlungsarbeit setzt das Orchester selbstverständlich immer auf höchste musikalische Qualität.
Die Symphoniker Hamburg stimmen den eigenen Klangkörper kontinuierlich so überzeugend, dass es ihnen immer wieder gelingt, herausragende Künstlerinnen und Künstler an sich zu binden. 

Eine davon ist die fantastische Martha Argerich. Sie wird heute Abend zum zweiten Mal in diesem Jahr mit den Symphonikern Hamburg“ und Ion Marin in der Laeiszhalle spielen. Und die Liste der großen künstlerischen Partner des Orchesters ließe sich alphabetisch fortsetzen mit B wie Barenboim, C wie Cambreling und so weiter… 

Diese Qualität wird nicht nur in Hamburg, sondern auch auf Bundesebene gesehen. Deshalb war die Bewerbung der Symphoniker mit dem Projekt „ThinkINg Orchestra“ im Rahmen des Bundesprogramms „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ erfolgreich und wird mit 450.000 Euro für drei Jahre gefördert. 
Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen und so sehr verdienten Erfolg!

Ich weiß gleichwohl sehr gut, dass Ihre finanzielle Situation – und das ja nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Orchesters – herausfordernd ist. Also ich verspreche Ihnen: Die Stadt ist an Ihrer Seite und ich denke, wir sind gemeinsam auf einem guten Weg in eine stabilere Zukunft nach dem erfolgreichen Abschluss der Entschuldung. 

Meine Damen und Herren,

schon beim allerersten Konzert am 16. Oktober 1957 schrieb das Hamburger Abendblatt von einem „Glücksfall“. Als im Jahr 1975 dem Orchester die Streichung der öffentlichen Fördermittel drohte, gab es so prominente Fürsprecher wie Helmut Schmidt, Leonhard Bernstein und Herbert Karajan. Als den Symphonikern dann kurze Zeit später die Brahms-Medaille der Stadt Hamburg verliehen wurde, schrieb der damalige Bürgermeister (von Dohnanyi) ins Stammbuch: 
Sie haben sich „in die Herzen der Hamburger gespielt“. 

Zum 40. Jubiläum gönnten Sie sich „Mahlers Zweite“ mit dem Finale „Auferstehn!“ und zum 50. Jubiläum erfanden Sie sich abermals neu und gaben das Festkonzert zusammen mit zwei Rappern. 

Eine so agile, lebendige und auch hartnäckige Orchesterbiographie – das bleibt! Und das brauchen wir.

Heute sind die Symphoniker ein zentraler Bestandteil der Musikstadt Hamburg.

Die Symphoniker zeigen, dass sie nicht „nur“ fantastische Musik machen, sondern sich auch aktiv in die Gesellschaft einmischen, sich mit relevanten gesellschaftlichen und politischen auseinandersetzen und Brücken zu Ihrem Publikum bauen. 

Dies war auch ein besonderes Anliegen des verstorbenen Chefdirigenten Sir Jeffrey Tate. Der Verlust im Juni dieses Jahres tut uns allen noch immer weh.
Er hat den Geist, in dem sich die „Symphoniker“ weiterentwickeln, geprägt‎ und wird in unserer Stadt unvergessen bleiben. 

Als zentraler Bestandteil, als wichtiger Ton im Hamburger Musikleben ist es folgerichtig und großartig, dass die Symphoniker Hamburg nun das Residenzorchester in der Laeiszhalle sind. 
Hier mitten in der Stadt, in einem Konzertsaal mit einer tadellosen Akustik, einer – wie es der Gründer Carl Heinrich Laeisz damals formulierte – „würdigen Stätte“ für die klassische Musik, haben die Symphoniker nun – nach über 60 Jahren wieder – ein musikalisches Zuhause. 
Und die Laeiszhalle hat endlich wieder ein Orchester, dass sich auch im Namen mit dem Ort verbindet – seit 2016 gibt es ein neues Logo: „Symphoniker Hamburg. Laeiszhalle Orchester“. 

Die Symphoniker Hamburg geben der Laeiszhalle ein neues Profil. Und von hier aus kann das Orchester beherzt in die Stadt hinein und über die Grenzen Hamburgs hinaus wirken.

Wir wünschen Ihnen, liebe Symphoniker Hamburg, und uns mindestens 60 weitere fabelhafte Jahre. Alles Gute!

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