1. Juni 2017 ECHO Jazz 2017

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

ECHO Jazz 2017

Lieber Herr Prof. Gorny,
liebe Preisträgerinnen und Preisträger, 
sehr verehrte Gäste, liebes Publikum,

herzlich willkommen zum ECHO Jazz. Bereits zum fünften Mal wird dieser großartige Preis hier in Hamburg verliehen – in diesem Jahr auf dem ungewöhnlichen, typisch hamburgischen Gelände der Werft Blohm + Voss. 

Im letzten Jahr waren wir auf Kampnagel. Das geht in diesem Jahr nicht, weil dort das große Festival „Theater der Welt“ stattfindet – zu dem übrigens auch ein außergewöhnliches und umfangreiches Musikprogramm mit Produktionen aus verschiedensten Kulturkreisen gehört.

Heute Abend findet dort der dritte Teil des Theater-Zyklus „The Gabriels“ statt – über eine US-amerikanische Familie, die den Wahlkampf des letzten Abends durchlebt und durchleidet. Heute sitzen die Gabriels dort zusammen und haben gewählt, wissen aber noch nicht wie es ausgegangen ist.

Ich freue mich, dass Sie sich alle gegen die kurzzeitige Flucht in die Welt vor Trump entschieden haben…

…und ich weiß, dass Sie damit tief in der Tradition der Musik stehen, um die es heute Abend gehen soll.

Einer meiner Lieblings-Jazzer, Charles Mingus, hat einmal gesagt: “If someone has been escaping reality, I don’t expect him to dig my music.”

In diesem Sinne versuchen wir hier nicht, der Realität zu entkommen, sondern wollen uns ihr stellen.

Der Jazz feiert das Offene, das Uneindeutige, das noch zu Entdeckende. Er entsteht im Moment und ist damit immer wieder aufs Neue gegenwärtig. Oder in den Worten von Miles Davis: “I’ll play it first and tell you what it is afterwards.”

So geht zwar manchmal auch die Politik, aber zur Kunstform haben wir Politiker es dann doch noch nicht gebracht…

In Zeiten, in denen wir erleben müssen, dass zwischen Nationen und in Gesellschaften Mauern nicht nur bildlich aufgebaut werden und Gräben sich vertiefen, wirkt der Jazz wie ein musikalisches Ausrufezeichen gegen derartige Entwicklungen. Das hilft. Das müssen wir schützen, pflegen und fördern. 

Wir tun das in Hamburg zum Beispiel mit der Stärkung des Jazzbüro Hamburg sowie mit Club- und Projektförderungen, bei denen wir den Jazz ganz besonders im Blick haben.
 
Und wir tun das mit Veranstaltungen wie „Theater der Welt“, ECHO Jazz und dem Elbjazz Festival, das morgen und übermorgen hier auf Blohm + Voss und an weiteren Orten rund um den Fluss stattfinden wird. 

In diesem Rahmen wird am Samstag der große Vibraphonist Wolfgang Schlüter für seinen Beitrag zum Jazz geehrt werden und den „Hamburger Jazzpreis 2017“ erhalten. 

Wir werden bei Elbjazz ein ganz besonderes Programm an ganz besonderen Orten erleben – nicht zuletzt auch mit Konzerten in der Elbphilharmonie, die das musikalische Jahr 2017 in Hamburg natürlich prägt wie kein zweiter Ort.

In früheren Jahren war sie bereits Kulisse des Festivals. Heute ist sie der Leuchtturm der Musikstadt Hamburg und zugleich auch Austragungsort. Das ist wichtig, denn Leuchttürme helfen nicht nur beim Navigieren, sondern sie werfen auch Licht auf anderes.

Mit der Elbphilharmonie als Haus der Musik mitten in der Stadt und mitten im Hafen zeigt Hamburg, wie bedeutend Kultur in diesen Zeiten ist und erinnert uns alle daran, dass wir dafür arbeiten müssen, dass das so bleibt.

Wir dürfen nicht nachlassen, uns darum zu kümmern, dass Künstlerinnen und Künstler gute Rahmenbedingungen vorfinden. Dabei spielt – bei allem Idealismus – das Materielle natürlich auch eine Rolle.

Oder wie es Duke Ellington einmal sagte: „There is nothing to keeping a band together. You simply have to have a gimmick, and the gimmick I use is to pay them money!”

If you ask me: That is a pretty good gimmick! 

Meine Damen und Herren, 
der ECHO Jazz kann nur stattfinden, weil viele Kräfte zusammenwirken. Ich möchte hier besonders den NDR hervorheben, der viel für den Jazz leistet und den ECHO Jazz nicht nur perfekt abbildet, sondern eben auch weit über die Grenzen unserer Stadt erlebbar macht.

Die Moderatoren des ECHO Jazz – Götz Alsmann und Nils Landgren – hätte man aus meiner Sicht kaum feinfühliger auswählen können. Sie stehen für zwei Regionen, die wir alle schon immer eng mit Swing und leichter Lebensfreude verbunden haben und in denen Improvisation und Kreativität groß geschrieben werden: Ich spreche von meiner Heimat Westfalen und meinem Lieblings-Urlaubsland Schweden…

Aber vor allem sind beide auf ihre Art ausgewiesene Experten des Jazz und mit reichlich Sinn für Humor gesegnet. Sie werden fraglos dazu beitragen, dass es heute Abend sehr unterhaltsam wird und hoffentlich auch außerhalb dieser beeindruckenden Maschinenbauhalle möglichst stark wirkt.
Begeisternd, berührend, verbindend – so wie Jazz eben ist.

Mein Dank geht an alle, die diesen Abend möglich machen. Meine Erwartungen gehen in Richtung der Nominierten und der Preisträger. Sie tragen die Zukunft des Jazz.

Und zum Abschluss noch eine Sentenz von Miles Davis an all diejenigen, die mir gar nicht zugehört haben, weil sie sich immer noch fragen, ob sie nicht doch lieber bei den Gabriels auf Kampnagel sein wollen. 

“Jazz is the big brother of Revolution. Revolution follows it around.”

Das heißt also: Es gibt noch Hoffnung. Und da die Revolution in Deutschland wegen schlechten Wetters sowieso im Saale stattfindet, kann nichts mehr schief gehen…

Schönen Dank!

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