Behörde für Kultur und Medien

4. September 2018 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse an Rolf Zuckowski

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse an Rolf Zuckowski

 

Lieber Rolf Zuckowski, 
liebe Monika Zuckowski, 
liebe Familie und Freunde der Familie Zuckowski, 
sehr geehrte Damen und Herren,

„Kinder sollen nicht bewahrt und nicht belehrt werden. Sondern glücklich sollen sie im Sonnenlicht wachsen, erstarken und sich entwickeln.“ 

Diese helle Vision vom Großwerden stammt von dem Pädagogen und Begründer der Idee des Kindergartens, Friedrich Fröbel (1782-1852) zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 

Bis sich dieses fortschrittliche Verständnis von kindlicher Entwicklung in Deutschland auch in Familien und Bildungseinrichtungen durchgesetzt hat, brauchte es nicht nur fast 200 Jahre, nein, es brauchte auch Rolf Zuckowski und seine Lieder. 

Es ist mir eine große Freude, Ihnen, lieber Herr Zuckowski,
heute das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen. 

Wir sind hier zusammen gekommen, um Ihre großen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland zu würdigen – und das auf einem Gebiet, das wichtiger kaum sein könnte: dem Engagement für Kinder. 

Und nachdem Sie 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande in Berlin vom Bundespräsidenten erhalten haben, finde ich es sehr passend, dass Ihnen nunmehr die nächste Stufe des Bundesverdienstordens, das Verdienstkreuz 1. Klasse, hier in Hamburg verliehen wird. 

Hier sind Sie geboren, hier haben Sie das Albrecht-Thaer-Gymnasium besucht und dort mit Ihrer Band Beathoven erste musikalische Erfahrungen gesammelt, bevor sie schließlich an der Universität Hamburg Ihr BWL-Diplom ablegten. 
Und hier in Hamburg leben Sie auch heute mit Ihrer Ehefrau. 

Deswegen freue ich mich ganz besonders als Kultursenator der Heimatstadt Rolf Zuckowskis zu Ihnen zu sprechen. 

Meine Damen und Herren, 

Rolf Zuckowski hat sich durch seine Kinderlieder in die Herzen von Millionen Kindern und deren Eltern und Großeltern gesungen. Seine Lieder sind aber nicht bloße Unterhaltung für Kinder, kein Hintergrundrauschen für den Kindergarten. 
Seine Lieder haben vielmehr das Familienbild der Bundesrepublik geprägt. 

Aus jedem einzelnen Lied spricht eine ganz besondere Wertschätzung gegenüber Kindern, die, als in den 70er und 80er Jahren die ersten Kinderlieder von Rolf Zuckowski erschienen, in vielen Familien und Bildungseinrichtungen längst nicht selbstverständlich war. 

Eine Wertschätzung, die in den vergangenen 40 Jahren ihren Beitrag dazu geleistet hat, dass sich das Kinderbild in der Bundesrepublik zum Positiven gewendet hat. 

Die Kinder in Rolf Zuckowskis Liedern sind selbstbewusst, auch mal frech, aber dennoch respektvoll gegenüber anderen. Ihre Kindheit ist nicht aufs Gehorchen, Stillsitzen und Bravsein ausgerichtet. Sie wissen, was ihnen Spaß macht („Ich mag Frühstück ohne Hast und so viel Essen wie´s mir passt“) und worauf sie überhaupt keine Lust haben („Ich mag aufstehen nicht so sehr, Schlafengehen noch viel weniger“). 

Die Kinder von denen und mit denen Rolf Zuckowski singt, sind zunächst einmal eigenständige Menschen, mit eigenen Meinungen, eigenen Gefühlen und einem unbändigen Drang zur Freiheit und zum Spaß. Und erst dann Kinder, denen die Eltern nicht zuhören, Kinder, die in die Schule müssen, Kinder die von Launen der Erwachsenen abhängig sind. 

So Rolf Zuckowski auch nicht etwa als „Rolf Zuckowski mit Kinderchor“ auf, wenn er gemeinsam mit Kindern singt, sondern als „Rolf Zuckowski und seine Freunde“. 

Rolf Zuckowki erkennt Kinder als kleine Menschen an, die Teil unserer Gesellschaft sind, deren Bedürfnisse wichtig sind, deren Meinung zählt und mit denen es manchmal sogar mehr Spaß macht sich zu unterhalten, als mit den langweiligen Erwachsenen, die viel zu oft schuften, rackern und motzen, anstatt Spaß zu haben. 

Dieses Bild vermitteln auch seine Lieder. Das hat der Bundesrepublik sehr gut getan und dazu beigetragen, dass beispielsweise Kindergärten und Schulen heute in ihren Betreuungskonzepten deutlich partizipativer und kooperativer mit Kindern und Jugendlichen umgehen.

Rolf Zuckowskis Einsatz für Kinder geht aber auch weit über seine Lieder hinaus: 
Er setzt sich ehrenamtlich für behinderte Menschen ein, ist Mitbegründer des KITA-Musikpreises und engagiert sich mit seiner eigenen Stiftung für eine aktive musikalische Kindheit.

Bei alledem nimmt er sich auch Zeit für Nachwuchskünstler, die mit seiner Unterstützung bereits erfolgreich in seine Fußstapfen treten. Für „Deine Freunde“ – eine junge Musikgruppe, die Hip-Hop für begeisterte Kinderohren macht – und für die Macher des Musikhörspiels „Eule findet den Beat“, das auch vor und mit jungem Publikum als interaktives Musiktheaterstück die Vielfältigkeit von Europas Musikkultur vor Ohren führt, ist Rolf Zuckowski Förderer, Mitdenker, Freund und Berater.

Auch in der Behörde für Kultur und Medien ist die Arbeit in gewisser Weise vom Geist Friedrich Fröbels und Rolf Zuckowskis geprägt: Aus dem Etat werden Projekte wie das „KinderKinder-Festival“ oder das „laut und luise“ gefördert. 
Ein großartiger Tag der Musik, der jährlich in „planten und blomen“ stattfindet, bei dem Kinder selbst Musik und Klänge produzieren und dabei eben nicht still sein sollen, sondern ganz im Gegenteil, wie schon der Name sagt, ruhig mal richtig laut. 

Und auch die großen Hamburger Musikeinrichtungen wie die Elbphilharmonie und die Laeiszhalle bieten unter dem gemeinsamen Motto „hört hört“ regelmäßig Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an, in denen sie von Musik begeistert werden und auch selbst Musik machen können. 

Wir tragen so – neben der grundlegenden Arbeit in Kitas und Schulen – unseren bescheidenen Teil dazu bei, dass Kinder und Jugendliche als selbstbestimmte Personen aufwachsen, die ihren eigenen Zugang zur Musik finden und dabei auch konventionelle, von Erwachsenen vorgegebene Pfade verlassen. 

Das alles wäre nicht denkbar ohne einen Bewusstseinswandel in Bezug auf Kinder und Jugendliche in der bundesdeutschen Gesellschaft, zu dem auch Sie, lieber Herr Zuckowski mit Ihrem humanistischen Kinderbild, das Ihre Lieder und Ihr gesamtes Wirken prägt, beigetragen haben und noch immer beitragen.

Lieber Rolf Zuckowski, 

Ihre Lieder gehen weit über die Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben von Kindern hinaus und behandeln Themen, die heute vor allen anderen auf der politischen Agenda stehen.
 
Das gelingt Ihnen in einer bemerkenswerten Kombination aus Sprache der Kinder und messerscharfer Klarheit. Beispielsweise wenn Sie gemeinsam mit Kindern singen: „Ich mag Autos wenn sie steh´n, Autofahrer wenn sie mich seh´n, Fahrradfahren ohne Angst (…)“. 

Das war 1983 – und auch 35 Jahre später ist das noch ein Thema, das wir aktiv auf der Agenda haben. Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ist gerade deswegen so wichtig, weil Fahrradfahren und zu Fuß gehen dem Bewegungsdrang von Kindern doch viel besser gerecht werden, als eine Fahrt mit dem Auto: „Mami lass das Auto steh´n, damit fahr´n wir später, ich hab Lust zu Fuß zu geh´n, die paar hundert Meter“). 
Und auch die immense Bedeutung des ÖPNV bringen Sie und ihre Freunde in der letzten Zeile dieses Liedes zum Ausdruck: „sind uns am Schluss die Beine lahm, fahr´n wir zurück mit Bus und Bahn“.

Auch was die Überwindung von Rollenklischees über Jungs und Mädchen angeht, waren Sie Ihrer Zeit voraus. So sangen Sie schon 1989, lange bevor die Debatte über Geschlechterrollen in der Mitte der Gesellschaft angekommen war: 
„Starke Mädchen haben nicht nur schöne Augen, starke Mädchen haben Fantasie und Mut“ und „Starke Jungs, die können nicht nur Muskeln zeigen, starke Jungs, die zeigen Köpfchen und Gefühl“. 

Das Wichtigste ist schließlich, dass Jungen und Mädchen gemeinsam Kinder sind und so beginnt der Refrain dieses wunderbaren Liedes, nachdem in den ersten beiden Strophen mit Rollenklischees aufgeräumt wurde, ganz folgerichtig mit: 
„Starke Kinder halten felsenfest zusammen, Pech und Schwefel, die sind gar nichts gegen sie, ihren Rücken lassen sie sich nicht verbiegen, starke Kinder, die zwingt keiner in die Knie.“ 

Meine Damen und Herren, Sie sehen also: Rolf Zuckowskis Lieder sind nicht nur durch ein fortschrittliches und selbstbestimmtes Kinderbild geprägt, sondern sie sind im höchsten Maße pädagogisch wertvoll und lehrreich – aber ohne dabei belehrend oder von oben herab zu sein. 
Das zeichnet die Lieder aus und das lässt sie einen schwierigen Spagat schaffen: Kinder lieben die Lieder von Rolf Zuckowski und Eltern lieben es, wenn ihre Kinder diese Lieder hören. 

Meine Damen und Herren, 
Rolf Zuckowski hat unsere Weise, über Kinder zu denken und mit ihnen umzugehen, durch seine Lieder zum Besseren verändert. 
Er hat unser Bewusstsein dafür geschärft, dass Kinder auch mal laut sein dürfen, dass es ganz normal ist, dass Kinder die Schule doof und ihre Freizeit toll finden. 
Dass Kinder nicht nur von Erwachsenen lernen können, sondern auch umgekehrt.

Kurzum, dass Kinder ein Teil unserer Gesellschaft sind, den es nicht nur zu erziehen gilt, sondern den man mit seinen Bedürfnissen, Meinungen und ihrer Lautstärke bei allem pädagogischen Anspruch wertschätzen und lieben sollte. 

Durch sein Liedgut hat Rolf Zuckowski das Bild von Kindern in der Gesellschaft verändert, und getreu diesem Bild auch die musikalische Entwicklung von Kindern gefördert. 

Kaum ein Kindergarten, kaum eine Grundschule in Deutschland ist heute ohne eine Schar Kinder denkbar, die aus voller Kehle „Wie schön, dass du geboren bist“ singt, wenn mal wieder jemand Geburtstag hat.

Kaum eine Küche ist vorstellbar, in der in der Vorweihnachtszeit, beim Keksebacken nicht „In der Weihnachtsbäckerei“ gesungen wird. 

Rolf Zuckowskis Lieder machen Kindern Lust aufs Singen. Weil die Melodien eingängig und fröhlich sind, aber vor allem, weil Kinder sich auf Anhieb mit den Texten identifizieren können. 

Weil da ein Erwachsener singt, der die Kinder in ihren Sorgen, Gedanken und Gefühlen versteht, der mit anderen Kindern singt, anstatt mit noch mehr Erwachsenen, der nicht wie andere Erwachsene nur arbeitet und dann übers Arbeiten redet, sondern der sich Zeit nimmt, mit Kindern Spaß zu haben.

Lieber Rolf Zuckowski, 

Sie haben sich um die Stellung von Kindern in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht. 

Sie haben einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass Kinder heute nicht mehr als „Züchtigungsobjekte“, sondern als Menschen angesehen werden, die, wie Friedrich Fröbel so schön sagte, „im Sonnenlicht wachsen, erstarken und sich entwickeln.“

Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar und es ist mir eine Ehre, Ihnen dafür heute das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse überreichen zu dürfen.