18. Oktober 2018 „PORTS: Nodes of Globalization“ - 3. Internationales Symposium zum Deutschen Hafenmuseum

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

„PORTS: Nodes of Globalization“ - 3. Internationales Symposium zum Deutschen Hafenmuseum

Sehr geehrter Herr von Notz (SHMH),
dear Mr. Loomeijer, former President of ICMM,
sehr geehrte Gäste aus Nah und Fern,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Eine Fotografie der Kruppwerke oder der A.E.G. ergibt beinahe nichts über die Institution. 

Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht.“

Bertold Brechts medientheoretische Überlegungen zur Aussagekraft des fotografischen Bildes sind durchaus auch für die Entwicklung des zukünftigen „Deutschen Hafenmuseums“ von Relevanz. 

Was ergibt, so ließe sich mit Brecht fragen, die Präsentation eines Pollers, eines Schauerhakens, eines Krans oder eines Containers über die „Institution Hafen“? 

Das Festmachen von Schiffen und das Heben, Bewegen und Befördern von Ladung sind zweifelsohne Funktionen, die einen Hafen als Hafen konstituieren. 

Doch ein Hafen ist viel mehr als seine Infrastruktur, seine Technik und die Arbeit, die in ihm verrichtet wird. Häfen waren schon immer Knotenpunkte globaler ökonomischer und sozio-kultureller Zusammenhänge und Verflechtungen. Als Schnittstellen zwischen dem Wasser und dem Land, zwischen Meeren, Flüssen, Kanälen und entlegenen Orten einerseits und Städten, Straßen, Schienen und dem angrenzenden Hinterland anderseits ermöglichen sie seit jeher den nahen und fernen Transport und Austausch von Rohstoffen, Waren, Wissen und Menschen.

Die starke Identifizierung mit der Verortung im globalen Netz von Wirtschaft und Verkehr findet in Hamburg seit über hundert Jahren ihren Ausdruck in dem Slogan vom „Tor zur Welt“. 

Viele Jahre gehörte Hamburg zu den weltweit größten Containerhäfen. Heute liegt der Hafen auf Rang 18. Die Top Ten befinden sich mittlerweile allesamt in Asien, insbesondere in China: Shanghai, Shenzhen, Zhoushan, Hong Kong, Guangzhou, Qingdao, Tianjin. Dennoch zeugen die aktuellen Daten und Fakten zum Hamburger Hafen weiterhin von der beeindruckenden Wirtschaftskraft der maritimen Logistik:

• rund 9.000 Schiffsanläufe pro Jahr

• knapp 300 Liegeplätze an insgesamt 43 Kilometer langen Kaimauern für Seeschiffe

• mehr als 2.300 Güterzüge pro Woche

• vier moderne Containerterminals

• drei Kreuzfahrtterminals

• rund 50 spezialisierte Umschlaganlagen für Roll-On / Roll-Off- Anlagen (RoRo) und Stückgutverladungen und Massengüter aller Art

• rund 7.300 Logistik-Unternehmen innerhalb der Stadtgrenze.

Dies sind nur einige der Faktoren, die den Hamburger Hafen als größten deutschen Seehafen zu einem der flexibelsten und leistungsfähigsten Universalhäfen der Welt machen:

• 136,5 Millionen Tonnen Ladung Umschlag (2017)

• darunter rund 8,8 Millionen Standardcontainer

• Hamburg ist der drittgrößte Containerhafen in Europa – hinter Rotterdam und Antwerpen.

Die Hafenwirtschaft stand schon immer unter einem extrem hohen Effizienz- und Innovationsdruck. Entsprechend war die Infrastruktur von Häfen stets hoch technisiert und in einem ständigen Wandel begriffen. Begann vor 50 Jahren die Containerisierung des Hamburger Hafens, so beschäftigen uns heute Konzepte wie SmartPort oder GreenPort. Der Status Hamburgs als international bedeutende Hafenstadt wurde dabei über Jahrhunderte durch eine gewachsene, seehandelsfreundliche politische Kultur gefördert. 

Wie in anderen Hafenstädten auch, prägte die maritime Wirtschaft auf diese Weise seit jeher das urbane Leben der Hansestadt. Sind Hafenstädte also die Gewinner des schon über fünfhundert Jahre währenden Prozesses der Globalisierung der Weltwirtschaft? 

Die Seewege sind bis heute konkurrenzlos günstig. Häfen sind die Drehscheiben für Güter aus und in alle Welt. Doch wer verantwortet die sozio-ökonomische und ökologische Dimension der Globalisierung? 

Der weltweite Austausch von Waren lässt sich nicht von kulturellen, sozialen, religiösen, weltanschaulichen und ökologischen Austauschprozessen, Veränderungen und Asymmetrien trennen.

Wenn wir also Häfen als Knotenpunkte der Globalisierung betrachten, müssen wir die globalen Verflechtungen „entknoten“, um die dahinter liegenden Zusammenhänge zu verstehen.

Meine Damen und Herren,

für drei Tage sind Sie hier in Hamburg zusammengekommen, um Ihre Erkenntnisse aus 

• Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Globalgeschichte, 

• Kulturanthropologie, Technikforschung, 

• Post Colonial Studies, Medizingeschichte und Naturwissenschaften zum Themenkomplex „Häfen und Globalisierung“ miteinander auszutauschen. 

29 Referentinnen und Referenten aus der wissenschaftlichen Forschung, der Museumspraxis und der Hafenwirtschaft sind der Einladung der „Stiftung Historische Museen Hamburg“ gefolgt; insgesamt über 80 Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland nehmen an dieser Tagung teil. 

Das nenne ich einen global vernetzten Wissenstransfer!

Zumal es sich bei dieser Tagung nicht nur um das „3. Internationale Symposium zum Deutschen Hafenmuseum“ handelt, sondern zugleich auch um die „3. Regional-Konferenz des Internationalen Verbandes Maritimer Museen“ (ICMM).

Besonders gefreut hat es mich, dass das Tagungsprogramm den Blick über den europäischen Tellerrand wagt. Genau hierin liegt die besondere Herausforderung, die sich Museen in Deutschland, in Europa, im Globalen Norden mehr denn je stellen müssen: 

Es geht darum, globale Verflechtungen global zu betrachten, und nicht nur aus der eingeübten eigenen, europäisch-westlichen Perspektive. 

Es ist durchaus bedenkenswert, wenn Herr Dr. Nkwi aus Kamerun gestern Vormittag in seinem Keynote-Vortrag das Konzept der Globalisierung kritisch hinterfragt und ihm analytisch den Begriff der Europäisierung entgegengestellt hat.

Diese Tagung behandelt das zentrale Thema des künftigen Deutschen Hafenmuseums, das die „Stiftung Historische Museen Hamburg“ dank eines Beschlusses des Deutschen Bundestages von 2015 mit einer Gesamtfördersumme von 120 Mio. Euro in den nächsten Jahren im Hamburg errichten wird. 

Und genauso wie Bertold Brecht für die Fotografie erklärt, dass die analytische Kraft des fotografischen Bildes der Kunst bedarf, um – wie er es ausdrückt – „Wirklichkeit zu geben“, so soll auch das „Deutsche Hafenmuseum“ mehr als ein historisches Museum werden. 

Wir wollen einen Ort schaffen, an dem der Hafen als Erklärungsmodell globaler ökonomischer und sozio-kultureller Zusammenhänge dient. 

Kurz gesagt: Unser Ziel ist, ein Museum der Globalisierung zu entwickeln, das unserer bislang ortlos geführten Debatte über Freihandel und Protektionismus, über TTIP und CETA, über Kolonialismus und Post-Kolonialismus einen Raum für vielstimmige Diskurse bietet. Dieser Raum soll uns einladen, aktuelle Situationen und Entwicklungen aus ihren globalgeschichtlichen Zusammenhängen heraus zu verstehen und zu reflektieren.

Die Gründung eines neuen Museums ist ein höchst langwieriges und komplexes Vorhaben. 

Übrigens auch mit Blick auf die Standortfrage, deren Möglichkeiten mittlerweile sogar in einer Staatsräte-Runde eruiert werden, um dauerhafte Planungssicherheit an Standorten mit Hafenbezug zu haben.

Heute Abend wollen wir Ihnen, liebe Gäste, im Rahmen der nun folgenden Podiumsdiskussion einen kleinen Einblick in unsere inhaltliche Planungswerkstatt eröffnen.

Bevor wir gleich in die Diskussion einsteigen, möchte ich abschließend allen, die zum Gelingen dieser Tagung beigetragen haben, auch im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg meinen herzlichen Dank aussprechen. 

Ich bin sicher, dass diese Tagung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum „Deutschen Hafenmuseum“ ist, der uns wertvolle konzeptionelle und inhaltliche Impulse liefert, 

um den Poller, den Schauerhaken, den Kran oder den Container als Teil der globalisierten Wirklichkeit des Hafens zu verstehen und zu vermitteln.

Schönen Dank.


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