Behörde für Kultur und Medien

15. Oktober 2018 15 Jahre Hamburg Media School

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

15 Jahre Hamburg Media School

Sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft,
liebe Förderinnen und Förderer der Hamburg Media School,
Exzellenzen aus den Universitäten,
vor allem aber liebe Lehrende, Studierende und ehemalige Studierende der Hamburg Media School und sonstige Partnerinnen und Partner dieses, wie ich finde, sehr beeindruckenden Projekts,

ganz zu Anfang meinen herzlichen Glückwunsch zu 15 Jahren Hamburg Media School! Das muss man erstmal schaffen! 

Dieser Erfolg ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich ansieht, welche Geschichte das Sich-Befassen mit Medien, mit Journalismus, mit Zeitungen, Fernsehen und neuerdings auch Internet in Deutschland an Hochschulen hat. Ich hatte das Privileg, dass ich das selber studieren durfte in Dortmund. Damals haben wir etwas gelernt, was überall sonst auf der Welt halbwegs selbstverständlich ist: dass man Menschen, die etwas mit Medien machen wollen, erstmal an eine Universität schickt, damit sie das, was sie mit Medien machen wollen, dort lernen können. In Deutschland wird das nach wie vor als eine Anomalie betrachtet. 

Es gibt wunderbare Aufsätze, die mittlerweile 100 bis 120 Jahre alt sind, in denen sich Menschen dafür stark machen, Schulen für Medien und Journalismus zu gründen. Wirklich großartige Texte, die ich zum Nachlesen empfehle. Auf der anderen Seite gibt es wuchtige Briefe der damaligen Verlegerverbände, die dagegen halten: „Das kommt überhaupt nicht in Frage, das bringen wir denen selber bei, schließlich müssen wir die Tendenz unseres eigenen Betriebs schützen.“ 
Diesen Tanz haben wir in den 1970er Jahren in der Bundesrepublik nochmal wieder aufgeführt. Bei dem auf der einen Seite die Gewerkschaften forderten, dass dringend die hochschulgebundene Journalistenausbildung eingerichtet werden müsste – immer vor dem Hintergrund, dass man damals auch ordentlich mit marxistisch/leninistischem Rüstzeug ausgestattet wurde, um ordentlich kritische Theorien in die Redaktionen zu bringen – und auf der anderen Seite wiederum die Verleger gesagt haben: „Kommt doch überhaupt nicht in Frage, das machen wir im Volontariat selber.“

Insofern ist es schon sehr bemerkenswert, dass es in Hamburg im Jahr 2003 tatsächlich eine Initiative geschafft hat, eine Ausbildungseinrichtung ins Leben zu rufen. Das Bemerkenswerte daran: Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative von Staat, Politik, Wissenschaft sowie von Medienschaffenden und Medienverantwortlichen. Alle waren der Meinung, dass wir in einer gemeinsamen Verantwortung stehen und diese vermeintlich deutsche Anomalie beseitigen wollen. Denn natürlich hat es Sinn, Menschen die das mit Medien machen wollen an Hochschulen auszubilden und mit einem Rüstzeug auszustatten, das eben mehr ist als das Wissen, das in einer einzelnen Redaktion vorhanden ist und das dann dem Volontär beigebracht werden kann.

Nicht ganz zufällig, vermute ich, ist das zu einer Zeit passiert, zu der erstmalig so richtig bewusst wurde, dass man einen technologischen Umbruch von erheblicher Tiefendimension vor sich hat. Die erste Welle der Digitalisierung hat die Branchen getroffen, hat sie ordentlich durchgerüttelt und es ist sicherlich eine sehr bedeutende Frage gewesen, wie man damit umgeht – in ökonomischen, vermittelnden und Inhalte gestaltenden Themen. 

Man hatte zudem noch ein paar Sonderprobleme: Wohin mit dem Filmstudiengang? Das konnte man dann bei der Gelegenheit auch gleich regeln. Vieles kam zusammen. Karl Dietrich Seikel, der maßgeblich am Aufbau der Hamburg Media School beteiligt war, könnte das alles viel besser erklären als ich. Ich möchte daher gar nicht viel über die Vergangenheit, sondern vor allem über die Zukunft reden. 
Es gab damals einen Letter of Intent, den man gemeinsam mit allen Beteiligten gefasst hat, den wir vor wenigen Jahren, 2015, noch einmal erneuert haben, und in dem wir noch einmal die Kontur der Schule definiert haben. Was ich bemerkenswert finde ist, dass die Hamburg Media School eine Einrichtung ist, bei der 60 Prozent der erforderlichen Budgetmittel nicht durch den Staat bereitgestellt wird, sondern von der Schule entweder selbst erwirtschaftet werden oder aus den Zuwendungen und Förderungen von Unternehmen stammen, die von dem Sinn dieses Unterfangens überzeugt sind. Das ist in einer Kaufmannsstadt wie Hamburg wahrscheinlich der stärkste Beleg dafür, dass man zu gemeinsamen Verantwortungsübernahmen bereit ist und dass man nicht nur Manifeste schreibt, sondern auch Ressourcen bewegt, mit denen man die Umsetzung ermöglicht.

Das Ganze funktioniert nur, weil es eingebettet ist in die Vielfalt des Kunst- und Mediencampus Finkenau. Wir haben nicht nur die beiden Gesellschafter Universität Hamburg und Hochschule für Bildende Künste mit dabei, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft auch die Fakultät Design, Medien und Information der HAW, die TIDE und die Miami Ad School mit auf dem Campus, so dass man ganz vielfältige Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten nutzen kann. Das zieht – wir haben es im einführenden Film bereits gesehen – Talente aus der ganzen Welt nach Hamburg und ist ein wesentlicher Beitrag dazu, dass wir hier ein Fachkräftereservoir aufbauen können, aus dem wir schöpfen können. 

540 Absolventinnen und Absolventen hat die Schule bisher, die alle eingeladen sind. Wenn man in den Saal hier schaut, dürfte der eine oder andere auch gekommen sein. Das freut mich außerordentlich, denn es zeigt ja auch, dass die Schule einen Effekt auf das Leben gehabt hat, sonst kommt man nicht. Hier können wir uns darüber alle miteinander freuen.

Ich glaube, dass die Ausbildung für Medien und für Medienberufe etwas ist, von dem wir heute mit Fug und Recht sagen könne: Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 
Wo können auch Institutionen jenseits der Medienwirtschaft selber Verantwortung dafür übernehmen, dass Medien, Medienwirtschaft, Medienvermittlung und Medienproduktion gelingen? Hier sind Ausbildung, Forschung und Entwicklung von neuen Technologien und Möglichkeiten wesentliche Felder. Es ist sinnvoll, dass hier auch der Staat Verantwortung übernimmt und dass wir in eine solche Verantwortungsgemeinschaft, eine solche Kooperation mit hineingehen – selbstverständlich ohne, dass wir die Freiheit der Medien in Frage stellen.

Es geht hier nicht darum, dass wir Geschäftsmodelle mit finanzieren. Es geht nicht darum, dass wir mit Stiftungen Inhalte produzieren. Es geht darum, dass wir Unternehmen, die am Markt agieren, mit dem Nachwuchs ausstatten, der ihnen das notwendige Innovationswissen in die Häuser bringt, um angesichts der schnellen Umschlagsgeschwindigkeiten technologischer und inhaltlicher Entwicklungen nicht nur Schritt halten, sondern tatsächlich Märkte gestalten zu können. 

Das ist auch eine besondere Perspektive für eine Institution wie die HMS. Denn der Normalfall von wissenschaftlicher Betrachtung der Medien – zumindest in der klassischen sozialwissenschaftlichen Kommunikationswissenschaft – ist ja, dass Sie hinterher ein kluges Essay oder eine kluge Analyse darüber bekommen, warum etwas nicht funktioniert hat oder warum etwas besonders gut funktioniert hat. 

Ich habe mir mal viel Ärger bei einer Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaften eingehandelt, als ich das damit verglichen habe, dass ein Ingenieurswissenschaftler unserer technischen Universität hinterher den Aufsatz schreiben würde, in dem er erklärt, warum der A 380 abgestürzt wäre im Fall der Fälle. Das würde den Ingenieurswissenschaften nie genug sein. Sie würden immer daran mitarbeiten wollen, dass das Flugzeug besser in der Luft bleibt, dass es besser fliegt und dass eine Verantwortung auch aus der wissenschaftlichen Betrachtung für das Gelingen des Objektes der eigenen Untersuchungen mit übernommen wird. Ich glaube, dass das tatsächlich in der Hamburg Media School vorbildlich gelebt wird. Ich mache nicht nur die Analyse, sondern gehe gleichzeitig im Sinne einer angewandten Forschungspraxis und einer intensiven Ausbildungs- und Weiterbildungspraxis auch in die Verantwortung dafür, dass das am Markt gelingt, von dem wir alle als Demokratinnen und Demokraten in einer offenen Gesellschaft wollen, dass es gelingen muss, weil unsere Gesellschaftsform ansonsten nicht funktioniert. 

Die HMS hat dies über die 15 Jahre hinweg hinbekommen, mit vielen Suchbewegungen, mit „trial an error“ und mit dem einen oder anderen, was man nach einem Versuch noch mal anders angefasst hat. Das ist wesentlich und wichtig und zeigt die Agilitäten und Möglichkeiten einer Wissenschaft, die in die Verantwortung geht. Nicht nur an der HMS, auch an ganz vielen Hochschulen findet das statt, auch hier in der Stadt, aber unter der prononcierten gemeinsamen Verantwortung in der Trägerschaft dieses Public-private-Partnership zwischen Medienwirtschaft, Universitäten und Staat ist das schon etwas Besonderes.

Wenn Sie sich die konkreten Themenfelder der Hochschule ansehen, dann adressieren die ja nicht zufällig all die Themen, die uns gerade miteinander umtreiben. 

Wir haben das unternehmerische Know-How, das im Medienbereich dringend immer wieder neu eingefordert und benötigt wird, und wir müssen über die Frage, wie künftige Geschäftsmodelle aussehen sollen, immer wieder vielfältige Diskussionen führen. Das wird an der HMS maßgeblich in der Medienökonomie und im Medienmanagement vermittelt.

Früher war das sehr viel einfacher in den Zeiten, als es hieß „Die Zeitung ist Anzeigenraum, der durch die redaktionelle Gestaltung zur Ware wird“. Diese Definition der Zeitung von 1925 von einem Nationalökonom ist eines meiner Lieblingszitate.
Das ist aber auch eine erhebliche narzisstische Kränkung für jeden Redakteur, weil es bedeutet: „Sie schreiben ja nur deshalb, damit der Verlag die Anzeige verkaufen kann, weil sonst keiner das Produkt kaufen würde.“

So ist das heute nicht mehr. Heute haben wir Wertschöpfungsketten, die vielfach zerbrochen sind, wir haben neue Konstellationen, plattformökonomische Rahmenbedingungen, wir müssen Inhalte aus sich selber heraus finanzieren. Die Studierenden des Medienmanagementstudiengangs in der HMS gehen maßgeblich der Frage nach, wie das gelingen kann – einmal mit Blick auf die etablierten Unternehmen, die die Schule fördern, aber immer wieder auch mit eigenen Initiativen für den Markt und mit eigenen Innovationen, die sie auf den Weg bringen. 

Die prominenteste Beispiel sind sicherlich die Online Marketing Rockstars, von denen nicht jeder im Saal wissen dürfte, dass das eine Erfindung ist, die aus der HMS heraus entstanden ist, und dass Philipp Westermeyer ein Absolvent der HMS ist und heute dieses größte Digitalevent Europas verantwortet. 
Auch Future Candy, eine Innovationsagentur oder Aiconix.ai, die Videoproduktionen mittels künstlicher Intelligenz optimiert, sind aus der HMS heraus entstanden. 
Viele Innovationen, aus denen auch ein neues Geschäft entstehen kann, zeigen uns, dass da ein ganz agiler Studiengang unterwegs ist, um dieses unternehmerische Know-How, das es braucht, weiterzuentwickeln.

Zweitens, nicht minder bedeutsam, beschäftigt sich die HMS mit filmischer Inhalte- und Vermittlungskompetenz. Wenn Sie unterwegs sind bei den Filmpreisen in Deutschland, dann stellen Sie immer wieder ziemlich genau fest, in welchem Jahr gerade Abschlussjahr in der HMS ist, denn dann poppen Ihnen ganz viele Preisträgerinnen und Preisträger aus der Hamburg Media School auf. Es gab mittlerweile über 1000 Filmpreise für Absolventinnen und Absolventen, darunter allein in diesem Jahr fünf Studenten-Oscars und Watu Wote war sogar für den Kurzfilm-Oscar nominiert.
Das passiert aber nur biennal, wenn die HMS Abschlussjahr hat. 

Das zeigt, welche Qualität dort an Produzenten, Regisseuren, Autoren, Kameraleuten ausgebildet wird in einem sehr kleinen, feinen und sehr präzisen Studiengang, der ganz viel dafür tut. Ich finde die Selbstdarstellung des Studiengangs auf der Homepage so großartig, dass ich sie kurz mit zitieren und mit Ihnen teilen möchte: „Film ist immer ein kontrolliertes Chaos aus Vision und Ökonomie, Handwerk und Magie. Handwerk und Ökonomie können gelehrt werden, Magie und Vision auch, aber anders.“ Sie können Richard Reitinger fragen, wie er das meint, und wie er Magie und Vision lehrt. 

Gerade ist ein Masterstudiengang zum Thema Werbefilm-Produktion in der Mache, der ebenfalls ganz stark diesen Qualitätsaspekt des Filmstudiengangs auch in ein neues Feld mittragen wird.

Drittens komme ich zu dem vielleicht schwierigsten Feld, auf dem die Schule die meisten Suchbewegungen hinter sich hat: Wie bilden wir eigentlich journalistische Kompetenz aus und wie tun sie in einer digitalen Medienwelt? Da gab es verschiedene Studiengangs-Curricula. Nach immer wieder neuen Anläufen hat sich mittlerweile der Digital Journalism etabliert als ein Studiengang, der vor allem berufsbegleitend Journalistinnen und Journalisten in digitaler, redaktioneller und organisatorischer Kompetenz nachschulen soll.

Diese drei Felder sind der Kernbereich, wenn wir über gemeinsame Verantwortung reden, weil es natürlich darum gehen muss, dass Journalistinnen und Journalisten, die neu in die Redaktionen kommen, Innovationswissen mitbringen, das in den Häusern noch nicht vorhanden ist. Das würden Sie in jeder anderen Branche erwarten, wenn Sie jemanden rekrutieren: Der kann Dinge, die mein Laden noch nicht kann. Ich hole mir da jemanden rein, der über ein technologisches, ein kreatives, ein inhaltliches Know-How verfügt, das mein Laden noch nicht hat. 

Im klassischen Volontariat hingegen leisten wir uns bis heute die Besonderheit, dass wir sagen: „Mach mal irgendwas und das, was du hier brauchst, das bringen wir dir bei.“ Das führt aber dazu, dass man eigentlich nur das lernen kann, was der Betrieb schon kann. Wenn sich die Dinge schnell ändern im Umfeld, wird Innovation nicht ganz so einfach. Ich glaube, dass da tatsächlich ein Kernbestand für gemeinsames Nachdenken und gemeinsames Überlegen darüber ist, wie das eigentlich mit medialer Kommunikation, mit Vermittlung künftig in unserer Gesellschaft weiter geht. 

Wenn ich mir angucke, was wir momentan für aufgeregte Diskussionen und Debatten in unserer Gesellschaft darüber haben, was eigentlich wahr ist, wer berechtigterweise vermitteln darf, wem ich glauben kann und wie sich ein öffentlicher Kommunikationshaushalt einer Gesellschaft strukturiert, dann liegt darin auch eine Möglichkeit: Entlastet von einem Produkt über unterschiedliche Ideen nachdenken und Darstellungsformen, Vermittlungsformen ausprobieren und verwerfen können, die noch nicht sofort am Markt eine Marke beschädigen, was sie sonst ja immer tun. An einer Schule wir der HMS können Dinge unter Laborbedingungen Dinge ausprobiert werden, die nicht sofort funktionieren müssen.

Diese Räume zu öffnen an Schulen, an Hochschulen, an Schulen wie der HMS, aber auch an den Universitäten dieser Stadt, die genauso engagiert und intensiv unterwegs sind, die in Kooperationen miteinander dabei sind, das ist einer der wesentlichen Punkte. Denn in den Aufgeregtheiten einer Kommunikationswelt, in der jeder jederzeit seine individuelle Meinung via Social Media in die Welt blasen kann, haben wir noch keinen Mechanismus entwickelt, wie wir aus diesen verschiedenen individuellen Einzelmeinungen wieder sowas wie eine öffentlich orientierende Meinung generieren können, die etwas markiert, auf das wir uns miteinander einigen können. Das müssen wir hinkommen, wenn wir in dieser Vielheit der Stimmen, in der die Vernunft aber noch nicht hörbar ist, nicht ertrinken wollen.

Das ist eine Aufgabe, die gerade maßgeblich künftigen Journalistinnen und Journalisten ins Stammbuch geschrieben sein muss, da sie diejenigen sind, die uns durch dieses aufgeregte Kommunizieren und Durcheinanderplappern einer Gesellschaft navigieren müssen. Es gibt die schöne alte Metapher vom Journalisten als Gesprächsanwalt einer Gesellschaft. Es klingt so altmodisch, aber im Prinzip ist das der, der dafür zuständig ist, dass wir in der Lage sind, miteinander ein Gespräch über das zu führen, was eigentlich wichtig und wesentlich ist. Diese Gesprächsanwälte brauchen wir momentan dringender denn je und wir brauchen sie mit der Kompetenz und dem Know-How, das sie auch in die Lage versetzt, das in immer komplizierteren Situationen und Umfeldern zu tun.

Es freut uns sehr, dass an der HMS viel darüber nachgedacht wird, wie das aussehen kann, dass wir zunehmend Partnerinnen und Partner haben, die das machen. Es gibt eine markante Drittmitteleinwerbung für ein Digital Journalism Fellowship, das Facebook mit finanziert, bei dem es auch darum gehen wird, solche Kompetenzen im digitalen Umfeld weiter zu schulen. Ich glaube, da ist viel notwendig, auch vieles, das Facebook im Umfeld davon vielleicht selbst lernen kann, wie das eigene Produkt unter Umständen optimiert werden kann, damit das wieder ein bisschen rationaler wird.

Viertens gibt es den Bereich digital Media als Bachelor, bei dem es um den Einstieg geht, um den Überblick über die neuen technologischen Möglichkeiten und Grundlagen für eine spätere Spezialisierung – das jüngste Kind der HMS, eine Kooperation mit der Leuphana Universität aus Lüneburg, die eine schöne Ergänzung und Verbreiterung ist.

Man kann angesichts der Situation, in der wir uns befinden, sagen: Gäbe es die HMS nicht, müssten wir sie gerade jetzt erfinden. Gott sei Dank haben wir sie schon, sie ist schon 15 Jahre alt, also aus dem Gröbsten raus. Also können wir jetzt dabei helfen, dass sie erwachsen wird und dass sie auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ihren Job ordentlich macht. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, weiter Schritt zu halten mit der Dynamik der Medien, andererseits Sicherheit über den Kern des Angebots zu vermitteln und dass immer wieder Anpassung an neue Vermittlungsformen ermöglicht wird. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, dafür die Leidenschaft wach zu halten und den experimentellen und auch forschenden Gehalt der Schule weiter zu stärken.

Wenn wir außerdem noch die praxisbezogene Innovation in Forschung, Aus- und Weiterbildung weiter stärken – im Interesse der Unternehmen, die gerade mitten in einer Transformation stehen und ihre Geschäftsmodelle verändern, aber auch mit Blick darauf, dass man das eine oder andere Mal vielleicht doch eine Disruption braucht und jemanden, der sagt: „Ich gehe nicht in ein großes Haus, sondern ich stelle mich daneben, mach das kleine Beiboot und räume euch den Markt mal komplett auf.“ Das hält nämlich die, die groß auf dem Markt unterwegs sind, wach. Beides gehört schon zusammen. Ich will jetzt nicht Schumpeter predigen, aber sich anzusehen, wie das mit der Digitalisierung auch in neue Felder gehen kann sowohl ökonomisch als auch kommunikativ, ist schon spannend. Dafür steht die HMS, dafür kann sie auch künftig stehen, wenn alle miteinander hier im Saal weiter bereit sind, ihre Verantwortung dafür zu übernehmen.

Ich danke für die 15 Jahre, in denen Sie das gemacht haben. Ich verbinde mit diesem Dank, der ja immer auch eine Aufforderung ist, die Erwartung, dass Sie das auch weiterhin tun. Ich kann für die Stadt sagen, dass wir das tun werden. Danke für die Unterstützung. 

Ich will mich vor allem bei all denen bedanken, die bisher an der HMS waren oder jetzt an der HMS als Studierende sind und sich auf das Wagnis Medien eingelassen haben.

Ich habe 1994 im Hörsaal gesessen im ersten Semester Journalistik in Dortmund. Da kam damals ein schlecht gelaunter Medienökonomieprofessor rein, Jürgen Heinrich, der uns erklärte, dass es eine ganz furchtbare Idee aus ökonomischer Sicht sei, dass wir Journalistik studieren wollen. Er könne uns mit Sicherheit sagen: Das würde nichts mehr werden, das wäre am Ende und wir sollten es uns rechtzeitig anders überlegen. Noch hätten wir die Chance, etwas zu machen, womit man Geld verdienen könne. Wir sind trotzdem alle im Saal geblieben und es ging ja auch irgendwie weiter, wenn man manchmal auch gegen Dinge anarbeiten muss, die man erzählt bekommt im Studium und auch das gehört dazu. Also arbeiten Sie sich ruhig auch an Ihren Dozentinnen und Dozenten ab. Bleiben Sie leidenschaftlich, bleiben Sie kreativ und sorgen Sie dafür, dass es immer weiter geht mit diesen Medien. Bisher hat noch keiner herausgefunden, wie das ohne die Medien eigentlich gehen soll und meine leise These ist: Es geht nicht ohne sie. Und damit geht es auch nicht ohne die Menschen, die Medien machen. Damit geht es nicht ohne Sie alle und deswegen brauchen wir noch viele Jahre viele Menschen, die sich intensiv darum kümmern, dass das alles gut ausgeht.

Vielen Dank.