21. Oktober 2018 Verleihung des 2. Barbara Kisseler Theaterpreises an das LICHTHOF Theater

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Verleihung des 2. Barbara Kisseler Theaterpreises an das LICHTHOF Theater

Lieber Tobias Rempe, 
sehr geehrte Herr Reemtsma, sehr geehrte Frau Reemtsma,
sehr geehrter Herr Matthias Schulze-Kraft, liebe Frau Sarah Theilacker,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LICHTHOF Theaters,
verehrte Gäste! 

Engagement, Begeisterungsfähigkeit, Know-how, Hartnäckigkeit, Haltung, Geist und Witz – in der Person Barbara Kisseler verbanden sich diese Eigenschaften zu einer großartigen, nachhaltigen, überzeugenden Kämpferin für die Kultur. 

Barbara Kisseler war zudem eine Meisterin in der Verknüpfung von künstlerischen Widersprüchen zwischen der sogenannten Hochkultur und der Off-Szene. 
Ihr war es stets ein Anliegen, Hamburgs Kulturlandschaft in ihrer Vielfalt zu würdigen. 

Dass ihr die Freie Theaterszene und ihre Spielstätten besonders wichtig waren, konnte man auch daran erkennen, dass sie bereits innerhalb der ersten drei Monate ihrer Amtszeit – und vor vielen anderen Antrittsbesuchen in großen Häusern – einen ersten und kurz darauf einen zweiten Termin mit den Off-Theatern – unter anderem Lichthof, monsun und Sprechwerk gemacht hat. 

Ich bin auch aus diesem Grund überzeugt, dass ihr der diesjährige Preisträger ebenso wie die Preisverleihung hier im resonanzraum, sehr gefallen würde. 
Dass das Ensemble Resonanz nach langer Suche im Jahr 2014 hier einziehen konnte, verdankt es übrigens – neben anderen Unterstützern – auch der Hermann Reemtsma Stiftung, die einen maßgeblich Beitrag geleistet hat.

Meine Damen und Herren,

Engagement, Begeisterungsfähigkeit, Know-how, Hartnäckigkeit, Haltung, Geist und Witz sind auch die Eigenschaften, die wir beim diesjährigen Preisträger des Barbara Kisseler-Theaterpreises finden: dem Lichthof Theater.

Dieses kleine, feine Theater, scheinbar weit ab vom Schuss in Bahrenfeld, befindet sich nicht hinter solch dicken Betonmauern wie hier, sondern hinter so dünnen, hellhörigen Wänden, dass regelmäßige Vorstellungen unter der Woche schwierig sind und zugunsten des Nachbarschaftsfriedens nur manchmal stattfinden können. 

Diese Hellhörigkeit, diese Durchlässigkeit des Theaterbaus ist aber auch metaphorisch zu lesen: das Lichthof Theater als eine Art semipermeable Membran. 
Es nimmt in seine Theaterarbeit Einflüsse von außen auf und gibt mit seiner Theaterarbeit wiederum Impulse nach außen ab. 

Das Lichthof Theater macht – nicht nur, aber auch – dezidiert politisches Theater und sucht dabei immer wieder Teilhabe, Austausch und Kollaboration zwischen Theaterschaffenden und Publikum. 

So setzt das Theater mit überschaubaren Mitteln einen unübersehbar wichtigen Prozess in Gang: den des Gesprächs zwischen Bürgerinnen und Bürgern über die Themen, über die wir alle viel mehr sprechen sollten: Wie wollen wir leben? Was ist Demokratie? Wie gehen wir mit Krankheit und Tod um? Wie ist man heute Mann? 

Der Soziologe Nicolas Rosa schreibt im Vorwort zu seinem neusten Buch „Resonanz“, dass: 
„sich Qualität eines menschlichen Lebens nicht in der Währung von Ressourcen, Optionen und Glücksmomenten angeben lässt. Stattdessen müssen wir unseren Blick auf die Beziehung zur Welt richten, die dieses Leben prägt und die dann, wenn sie intakt ist, Ausdruck stabiler Resonanzverhältnisse ist.“

Das Lichthof Theater richtet in seinem Programm immer wieder den Blick auf die Beziehung der Menschen zur Welt und zeigt uns, dass dieses Resonanzverhältnis alles andere als stabil ist. Umso intensiver sucht das Theater die unmittelbar erlebbare Resonanz bei seinem Publikum.

Mit Projekten wie „Staging Democracy“ hat das Lichthof Theater beispielsweise eine Bürgerbühne etabliert, bei der interessierte und engagierte Menschen ihre Themen in die Theaterarbeit einbringen. So gelingt es, den zunächst monologischen Akt des Theaters zu öffnen und unterschiedlichste Sichtweisen auf die Welt einfließen zu lassen. 

Lieber Herr Schulze-Kraft,

vor zehn Jahren, als Sie den Pegasus Theaterpreis bekamen, haben Sie in einem Interview gesagt, dass Sie das erst fassen konnten, als Sie die Entscheidung schwarz auf weiß vor sich liegen hatten. 

Mittlerweile sind Sie ja, was Preise angeht, durchaus routiniert: Erst letztes Jahr haben Sie den Theaterpreis des Bundes erhalten. 

Und heute nun also den Barbara Kisseler Theaterpreis.

Das zeigt, welchen Stellenwert das Lichthof Theater in der freien Szene im Besonderen und der Theaterszene im Allgemeinen einnimmt:
Das Lichthof Theater ist eine der wichtigsten Spielstätten der freien Szene.
Es bietet insbesondere auch jungen Künstlerinnen und Künstlern die Chance, sich mit ihren Projekten einer Öffentlichkeit zu präsentieren. 
Das Vertrauen in diese jungen Theaterschaffenden führt dazu, dass diese sich in einem professionellen Rahmen kraftvoll agieren können.

Das Lichthof Theater schafft eine Plattform, bei der gesellschaftliche Entwicklungen szenisch in unterschiedlichste Ästhetiken übersetzt und kritisch hinterfragt werden können. Künstlerische Vielfalt und abwechslungsreiche Arbeitsweisen sind an Ihrem Haus eine Selbstverständlichkeit, das zeigen auch die immerhin 14 Premieren pro Spielzeit. 

Ich freue mich außerordentlich, dass Ihr Theater in diesem Jahr von einem anonymen Juroren bzw. einer anonymen Jurorin ausgewählt wurde, und Sie für das Lichthof Theater heute den 2. Barbara Kisseler Theaterpreis entgegen nehmen können. 

Mit Ihrem Programm beweisen Sie, dass Ihr Theater und die Freie Szene in Hamburg viel zu sagen haben. 
Und ich freue mich sehr, dass mit dem Haushaltsplan 2019/20 der Bereich der der Freien Szene mehr Geld erhalten soll und ich bin sicher, das wird letztlich auch in Ihrem Haus spürbar sein.

Ich wünsche Ihnen, lieber Matthias Schulze-Kraft, und Ihrem Team, dass Sie mit Ihrer inhaltlichen Ausrichtung und der künstlerischen Vielfalt Ihres Programms beim Publikum immer auf große Resonanz stoßen und mit allen künstlerischen Projekten überzeugen und Diskussionen auslösen. 

Ich bin überzeugt, dass Sie das Geld kreativ einsetzen werden und wir – auch mit Hilfe dieser Unterstützung – noch viele spannende Inszenierungen bei Ihnen sehen werden. 
Es ist mir klar, dass dafür auch ein neuer Standort mit optimierten räumlichen Bedingungen notwendig wird, und auch wenn es dorthin noch ein längerer Weg sein wird, wie Sie wissen, sind wir hier auch an Ihrer Seite. 

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere erfolgreiche Jahre Lichthof, das uns – sei es am bisherigen oder an einem neuen Standort – darstellende Kunst zeigt, die bewegt und in Bewegung hält.

Mein großer Dank geht an Bernhard Reemtsma und Henrike Reemtsma, stellvertretend für alle Mitglieder der Stiftung, die den Barbara Kisseler Theaterpreis vor zwei Jahren ins Leben gerufen haben. 
Nach dem Tod von Barbara Kisseler haben Sie sich entschieden, diesen Preis in Gedenken an Barbara Kisselers herausragende kulturpolitische Arbeit zu finanzieren. 

Liebe Henrike Reemtsma, 

ich weiß, wie engagiert Sie den Preis begleiten, damit jedes Jahr ein Privattheater oder auch eine freie Gruppe für ihre künstlerisch innovative Arbeit honoriert wird. 

Dieser Preis ist somit ein großer Ansporn für alle Akteure unserer Stadt und eine Würdigung für außerordentliche kulturelle Leistungen im Geiste Barbara Kisselers.

Schönen Dank.



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