25. Oktober 2018 Verleihung der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille an die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Verleihung der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille an die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler

Sehr geehrte, liebe Ursel Scheffler,
liebe Geburtstagsgäste,
liebe „Büchertürmer“,

ich habe gehört, dass es hier heute etwas zu feiern gibt: 
Einen runden Geburtstag und überhaupt eine ganz wunderbare und engagierte Hamburgerin – die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler. 

Sie hat 2011 die „Büchertürme“ erfunden und erreicht, dass Ihr alle zu „Büchertürmern“ geworden seid und Euch auf fast jeden Turm in unserer Stadt gelesen habt – zuletzt sogar auf die Elbphilharmonie. 

Liebe Kinder, 
bevor wir gleich den Geburtstagskuchen anschneiden, bitte ich Euch alle, noch ein paar Minuten zuzuhören, denn ich habe ein Geschenk für Ursel Scheffler dabei.

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg freut sich immer über begeisterungsfähige Menschen, die sich dafür einsetzen, dass Hamburg eine Stadt mit einer bunten Kulturlandschaft ist. 

Damit es bei uns viele Theater mit spannenden Aufführungen, Museen mit interessanten Ausstellungen und viele verschiedene Literaturveranstaltungen gibt, arbeiten viele kreative Leute sehr eifrig. Eine ganze Menge solcher Menschen wohnen in einer großen Stadt wie Hamburg, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen. 

Deshalb kann der Senat – die Regierung unserer Stadt – sich nicht bei allen persönlich bedanken. Nur bei einigen besonderen Menschen geht das. Und die großartigsten dieser Frauen und Männer bekommen sogar eine Medaille. 

Deshalb bin ich heute hier. Denn Ursel Scheffler, der ihr heute Morgen schon gratuliert habt, ist eine ganz besondere Person und wird deshalb heute vom Senat der Freien und Hansestadt mit der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille ausgezeichnet.

Vielleicht fragt Ihr Kinder Euch nun, wer dieser Senator war, der wie eine Medaille heißt und auch auf ihr abgebildet ist? 

Dr. Hans-Harder Biermann-Ratjen war ein Politiker und vor ungefähr 60 Jahren Hamburger Kultursenator – also einer meiner Vorgänger. Weil er für unsere Stadt Großes geleistet hat, wurde vom Senat im Gedenken an seine Verdienste 1978 die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille gestiftet. 

Viele berühmte Leute haben die Medaille schon bekommen, die Schauspielerin Heidi Kabel zum Beispiel, der Schriftsteller Henning Venske oder Werner Grassmann, der Chef vom Abaton-Kino. 
Und heute bekommt sie Ursel Scheffler. 

Ich möchte Euch kurz erzählen, warum – und was diese lebendige, fröhliche und beherzte Frau für uns so besonders macht. Dass sie viel jünger wirkt, mag mit ihrer großen Freude am Umgang mit Kindern zusammenhängen.

Wer in seinem Leben fast 500 Bücher für Kinder geschrieben hat, muss sich auch im Herzen das Kind bewahrt haben.

Ich habe ihn ja gerade verpasst, den Kommissar Kugelblitz. Mir ist dieser „Isidor Kugelblitz“ sehr sympathisch, muss ich sagen. Er wohnt hier bei uns in Hamburg und löst mit seinem Team, Sonja Sandmann, Fritz Pommes und Peter Zwiebel, die kniffligsten Fälle. Oft helfen ihm auch sein Neffe Martin und dessen Freunde dabei. Nur, weil Kugelblitz so rund und gemütlich aussieht, darf man ihn aber nicht unterschätzen. Zwar sitzt er lieber in seinem roten Ohrensessel und macht eher Gehirnjogging, als um die Alster zu joggen, dennoch arbeitet sein Verstand blitzeschnell. 

Bislang hat er noch jeden Fall gelöst, nicht nur hier bei uns in Hamburg – als zum Beispiel ein wertvolles Cello direkt aus der Elbphilharmonie gestohlen wurde – sondern auch auf der ganzen Welt, unterstützt von seinen internationalen Kollegen wie zum Beispiel Commissario Limone aus Venedig, Inspector Ronny Brains aus New York oder Kommissar Sloterdijk aus Amsterdam. 

Kommissar Kugelblitz ist auf der ganzen Welt berühmt – seine Abenteuer gibt es auch auf Russisch, Englisch und Chinesisch – und in 30 weiteren Sprachen. 

Ursel Scheffler ist mit einer Gesamtauflage von mehr als fünf Millionen Kinderbüchern eine der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen Deutschlands, ja, eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Autorinnen überhaupt. 

Ein Reporter vom Hamburger Abendblatt war einmal bei ihr zu Hause und ganz begeistert von ihrem knallbunten Arbeitszimmer, wo all ihre Bücher gestapelt sind. 

Überhaupt, das Aufeinanderstapeln: 
Ursel Scheffler hat, das wisst Ihr natürlich, in Hamburg die „Büchertürme“ erfunden, eines der wirkungsvollsten Leseförderprojekte, das mittlerweile in viele deutsche Städte und sogar ins Ausland exportiert wird.

Ihr habt ja alle schon an den „Büchertürmen“ mitgelesen, aber wer von Euch war denn bei der großen Veranstaltung in der Elbphilharmonie dabei? 

Ich war auch eingeladen, und ich verrate Euch ein Geheimnis: So eine konzentrierte Stimmung herrscht bei den Erwachsenen nicht immer, wenn in der „Elphi“ ein Konzert stattfindet. Das war ganz toll. 

Auch die Rede von Ursel Scheffler hat mir gut gefallen, aber erst danach habe ich gehört, dass sie am Morgen davor vor lauter Eile auf dem Weg zur „Elphi“ richtig doll gestürzt ist. Aua – und nun? Den Auftritt absagen? 1.000 Kinder in der Elbphilharmonie warten lassen? Nicht mit Ursel Scheffler! Trotz einiger Schrammen und Beulen und einem verstauchten Handgelenk hat sie ihren Auftritt bravourös gemeistert. 

So eine ist sie nämlich, „immer unter Strom, immer unterwegs“: ein echter Kugelblitz. Nichts kann sie aufhalten, so scheint es. Wahrscheinlich gibt es in dieser Stadt kaum jemanden, der sich ihrem Charme und ihrer Beharrlichkeit entziehen kann – und entziehen möchte. 

Zum Beispiel die Sache mit der Moschee: 
Die Religionen der Welt auf ihre Gemeinsamkeiten abzuklopfen, interessiert Ursel Scheffler viel mehr als auf den Unterschieden zu beharren. Sie ist eine Brückenbauerin. Ursel Scheffler war deshalb mit Lesekindern, die sich gerade auf die Minarette der „Blauen Moschee“ gelesen hatten, in der Moschee an der Alster zu Gast. 

Und die energiegeladene Frau hat erreicht, dass alle – auch die Mädchen – auf dem heiligen Gebetsteppich tanzen durften – übrigens nach Musik von Tina Turner. Von der Leitung der Moschee hieß es nämlich: „Wir machen alles genauso, wie es Frau Scheffler sagt.“ 

Ihre natürliche Autorität und Begeisterungsfähigkeit hat schon viele Herzen zum Schmelzen gebracht, ob sie nun einem Pastor, Rabbi oder Imam gehören. 
Ist es eine Frage, dass Ursel Scheffler ihre Bücherturm-Kinder auch schon in den Festsaal unseres Rathauses gebracht hat? Natürlich nicht. Türen, an die Ursel Scheffler klopft, gehen auf, das ist die besondere Fähigkeit dieser erstaunlichen Frau. 

Als nächstes lesen sich die Hamburger Kinder sogar zu den Sternen – unser Planetarium im Stadtpark ist 64,5 Meter hoch.

Wenn Ursel Scheffler eine Idee hat, dann setzt sie diese auch um, mit freundlicher Beharrlichkeit und mit dem unbedingten Wissen um die Wichtigkeit ihrer Arbeit. 
Ursel Scheffler möchte, dass alle Kinder gut lesen können, weil das der Weg ist, damit sie Zusammenhänge begreifen und die Welt verstehen. 

Ich wünsche mir, dass Ursel Scheffler noch viele tolle Ideen hat und Gutes für die Kinder unserer Stadt erreicht.

Liebe Ursel Scheffler,

ich bedanke mich für Ihr großes Engagement und Ihren unermüdlichen Einsatz für die Leseförderung der Hamburger Kinder. 

Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg gratuliere ich Ihnen zur Senator-Biermann-Ratjen-Medaille!

Bleiben Sie weiter so interessiert und engagiert – unsere Stadt braucht Menschen wie Sie!

Und jetzt freue ich mich auf ein Lied, das die Schülerinnen und Schüler der Friedjof-Nansen-Schule für Ursel Scheffler geschrieben haben – und dann natürlich auf ein Stück vom Geburtstagskuchen. 

Schönen Dank.


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