5. November 2018 Richtfest Kulturbau des HT16 Neubaus

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Richtfest Kulturbau des HT16 Neubaus

Sehr geehrte Familie Roggenbuck,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Kommunale Intelligenz zu entfalten heißt nichts weniger, als gemeinsam über sich hinauszuwachsen.“
Das schreibt der Hirnforscher Gerald Hüther in seinem viel beachteten Werk über kommunale Intelligenz – einem Plädoyer dafür, unsere Städte und Kommunen wieder stärker zu dem zu machen, was sie vom Wortsinn her sind: Gemeinschaften.

Der Bau des Sportzentrums des HT16 (Hamburger Turnerschaft von 1816), zusammen mit dem Wohnungsbau und dem Kulturbau, dessen Richtfest wir heute feiern, ist für die Menschen in Hamm und Borgfelde eine einzigartige Chance genau für das, was Hüther schreibt: über sich hinauszuwachsen und zwar gemeinsam.
Schon die Konzeption, Planung und Durchführung des Projektes, bei dem Sportverein, Schulsport, Kita, Kultur- und Stadteilnutzung und Wohnungen zusammen kommen, kann man wohl als ein erstes „Über-sich-hinaus-Wachsen“ aller Akteure, voran des HT 16 sehen. 

Der Kulturbau wird zukünftig den Kulturladen Hamm und das Stadtteilarchiv Hamm ebenso beheimaten wie das Sprechwerk. Allein das ist schon, wie ich finde, eine sehr erfreuliche Entwicklung. 

Mit seinem breit gefächerten Angebot an Bildungs- und Freizeitangeboten ist der Kulturladen Hamm seit Jahren eine feste Institution im Stadtteil. 
Mit regelmäßigen politischen Gesprächskreisen, der Hammer Runde, Englischkursen, Plattdeutschrunden, Bücherflohmärkten und vielem mehr bereichert der Kulturladen Woche für Woche das gesellschaftliche Zusammenleben im Quartier. 

Das ebenfalls von der Stadtteilinitiative Hamm betriebene Stadtteilarchiv liefert für alle historisch interessierten Hammerinnen und Hammer eine gute Möglichkeit, sich mit der Geschichte des eigenen Stadtteils zu beschäftigen und ordnet die Lokalhistorie dabei auch immer in den größeren geschichtlichen Kontext ein.

Aber auch für Bürgerinnen und Bürger außerhalb Hamms ist das Stadtteilarchiv mit seinen historischen Stadtteilrundgängen, Barkassenfahrten, Ausstellungen oder dem Hammer Jahreskalender immer wieder eine beliebte Anlaufstelle.

Die Beschäftigung mit der Historie des eigenen Quartiers schärft die Meinungsbildung für Zukunftsfragen, insbesondere der Stadtentwicklung, vor der Haustür:
Was lief früher möglicherweise besser im Stadtteil? 
Wo gab es Probleme, die es heute zu vermeiden gilt?

Und genau das Beschäftigen mit diesen Fragen, das Auseinandersetzen mit dem eigenen Quartier, das Einbeziehen der Bewohnerinnen und Bewohner in die Entwicklung der eigenen Umgebung ist für mich die Entfaltung kommunaler Intelligenz, meine Damen und Herren. 

Schon im antiken Griechenland war das Theater fester Bestandteil der ersten demokratischen Gesellschaft Europas. Diese Tradition soll nun in Hamm weiter gelebt werden. Bereits jetzt ist das Sprechwerk im benachbarten Borgfelde eine wichtige Größe. 
Seine Entwicklungsperspektiven sind allerdings zurzeit aufgrund des schwierigen Standorts mit seinen vielen Problemen sehr eingeschränkt. 
Hier an der Burgstraße ist das Theater ideal angebunden, hier kann es viele neue Besucherinnen und Besucher gewinnen und – da bin ich mir sicher – es wird auch für viele Künstlerinnen und Künstler in der Stadt ein großartiger Ort werden.

Gerade die freien darstellenden Künstlerinnen und Künstler brauchen lebendige und inspirierende Orte. Orte, die nicht nur gute Arbeitsbedingungen und Auftrittsmöglichkeiten bieten, sondern die auch durch den Austausch und die Vielfalt, den viel beschworenen guten Spirit erlebbar machen.

Zusammen mit dem Kulturladen, dem Stadtteilarchiv und HT16 kann dieser Spirit entstehen: ein innerstädtischer neuer Ort, der aufgeladen von Kreativität, Kompetenz, Energie und gesellschaftlichem Engagement den Stadtteil bereichern und mit Strahlkraft weit darüber hinaus wirken wird. 

Denn, meine Damen und Herren, 
was die Akteure hier gemeinsam leisten, ist der Inbegriff kommunaler Arbeit. 
Auch wenn der Begriff der Kommune bei uns in Hamburg nicht so üblich ist, weil ganz Hamburg eine Einheitsgemeinde und damit eine Kommune im formalen Sinne ist, werbe ich dafür, unsere Stadtteile und Quartiere mehr als Kommunen im ursprünglichen Sinne zu begreifen: als Gemeinschaften ! 

Gemeinschaften, in denen persönlich diskutiert, gestritten, gelacht und gestaltet wird. 
In denen man ganz konkret überlegt, wie es mit der eigenen Umgebung weitergeht, in denen es viele Unterschiede gibt, aber doch eine identitätsbildende Gemeinsamkeit, die größer und wichtiger ist als diese Unterschiede.

Der Ort hierfür ist heute das Quartier – und gerade Hamm – ist ein gutes Beispiel hierfür: 
Hier leben Alteingesessene, gleichzeitig fühlen sich immer mehr Studierende und junge Berufstätige von der attraktiven Wohnlage in Innenstadtnähe angezogen. 
Hier leben Menschen, deren Großeltern schon in Hamm gewohnt haben und Menschen, deren Großeltern in Anatolien aufgewachsen sind. 
Die Menschen könnten kaum verschiedener sein. 
Und doch eint sie ihr gemeinsamer Wohnort und das ganz natürliche Interesse daran, dass ihr Stadtteil lebenswert ist. 

Es passt, dass hier ein Sportzentrum und ein Kulturbau zusammen wirken werden, denn Sport und Kultur erfüllen ganz ähnliche Funktionen in unserer Gesellschaft: 
Sie schaffen Brücken zwischen Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun hätten. 
Sie regen zur Diskussion an, auch zum Streiten, aber eben auch und vor allem zum Kompromiss und der Suche nach Gemeinsamkeiten. 

Und Sport und Kultur sind nicht zuletzt zwei Felder, die Zugezogenen einen niedrigschwelligen Zugang und Teilhabemöglichkeiten in die Integration bieten, auch lange bevor sie perfekt Deutsch sprechen.

Wenn wir unsere Demokratie durch Gemeinschaft im Kleinen stärken wollen, dann braucht es Orte wie diesen. 

Meine Damen und Herren, 

der Senat legt seit einigen Jahren ganz bewusst den Fokus auf den Hamburger Osten, zum Beispiel mit dem Stadtentwicklungsprojekt „Stromaufwärts an Elbe und Bille“. 

Gemeinsam schaffen wir Stück für Stück lebendige Treffpunkte, die sich – wenn möglich – wie ein soziales und kulturelles und eben ein integratives Netz zusammenfinden. 

Dann nehmen Anwohnerinnen und Anwohner ihren Stadtteil nicht nur als Ort wahr, wo sie nach der Arbeit hinfahren und in ihrer Wohnung bleiben, sondern als attraktiven Lebensraum, den sie nutzen und selbst mitgestalten können. 

Heute feiern wie hier das Richtfest für den neuen Mittelpunkt von Hamm und Borgfelde!

Mein Dank gilt dem Vorhabenträger, der Vermögensverwaltungsgesellschaft Roggenbuck, 
dem HT16, der mit seinem Sportangebot den Kern dieses Quartiersmittelpunkts bilden wird sowie dem Hamburger Sportbund. 

Aber auch allen Akteuren in Politik und Verwaltung, die dieses einzigartige Stadtentwicklungsprojekt möglich gemacht haben: der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, die sich gerade auch für „das Sprechwerk“ sehr engagiert hat; dem Bezirksamt Hamburg-Mitte mit seinen Fachämtern für die Planung und Umsetzung; der Schulbehörde; der BASFI und zu guter Letzt der Behörde für Inneres und Sport – und hier ist insbesondere der frühere Senator Michael Neumann hervorzuheben, ohne dessen Engagement der Startschuss wohl nie erfolgt wäre. 

Allen zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern dieses neuen Ortes möchte ich mit auf den Weg geben, dass sie diesem neuen Zentrum bitte Leben einhauchen. 

Dies ist ein Ort, an dem Sie eine gemeinsame Identität in Hamm bilden, kommunale Intelligenz entfalten, die weit über die Grenzen Hamm und Borgfeldes hinausstrahlen wird und im besten Sinne „gemeinsam über sich hinauswachsen“ werden.

Vielen Dank. 

Ämter der Behörde für Kultur und Medien

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