21. November 2018 120 Jahre Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

120 Jahre Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg

Sehr geehrte Frau Fredenhagen,
sehr geehrte Frau Randt,
sehr geehrter Herr Prof. Weiss,
sehr geehrter Herr Römer,
sehr geehrter Herr Prof. Hornberger,
liebe Mitglieder des Museums- und Heimatvereins Harburg Stadt und Land,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums,
liebe Harburgerinnen und Harburger,

blickt man auf den Gegenstandsbereich dieses Museums, der mit seiner Archäologischen Sammlung und der Bodendenkmalpflege Jahrtausende umfasst, sind 120 Jahre fast nur ein Wimpernschlag der Geschichte. 

Ganz anders sieht das für die Institution Museum aus: 
Die vergangenen 120 Jahre sind eine sehr lange Wegstrecke für ein Museum – und ein hervorragender Anlass, auf das Jetzt und Hier zu schauen und Vergangenheit und Gegenwart zugleich zu feiern.

Denn dieses Museum verkörpert keine staubige Sammlung und auch keinen falsch verstandenen Heimatregionalismus, sondern ist ein lebendiges, sich stetig veränderndes gesellschaftliches Zentrum hier im Süden Hamburgs, das auch Kunstwerke aus vielen Teilen der Welt in Sonderausstellungen zeigt – ich empfehle allen die laufende Ausstellung „Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“.

Hier bekommt man spannende Einblicke in andere Zeiten und andere Kulturen. Diese Möglichkeiten zu eröffnen ist eine beständige Aufgabe.

Denn: „Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf.“ 

Diese Worte Willy Brandts treffen die gewandelte gesellschaftliche Bedeutung archäologischer Sammlungen wie jener der kulturgeschichtlichen Museen gleichermaßen. 
Hier, im früheren Helms-Museum, bedeutet dies die Entwicklung von einer Vereinssammlung für den Stadt- und Landkreis Harburg zu einem Heimatmuseum und schließlich zum Archäologischen Landesmuseum sowohl Hamburgs als auch für den Landkreis Harburg. 

Schon früh wurden hier in der Mitte des letzten Jahrhunderts wissenschaftliche Grenzmauern niedergerissen und Archäologie, Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde und Stadtgeschichte zusammengebracht. Ein auch aus heutiger Sicht überraschend moderner, transdisziplinärer Museumsbegriff, der die Gegenwart präzise aus ihrer Geschichte heraus und ganzheitlich in ihrem Wandel verstand.

Wir brauchen ganz besonders in Zeiten wie unseren heutigen Orte und Institutionen, die uns dabei helfen, zu verstehen, wie wir geworden sind, wie wird sind. Erst das Wissen um diese Prozesse ermöglicht es uns schließlich, die Dinge in die Hand zu nehmen und zu verbessern.

Museen machen kulturelle Zusammenhänge und damit die tieferliegenden Sinnstrukturen unserer Gesellschaft erfahrbar und damit auch nachvollziehbar. 
Sie sind Orte des Wissens in einer Zeit, in der Fakten und Wahrheitsansprüche plötzlich wieder diskreditiert werden. Gerade deshalb müssen sie uns so besonders am Herzen liegen.

Wir haben daher beschlossen, dass wir uns kulturpolitisch in den kommenden Jahren ganz besonders um die Museen kümmern wollen. Baulich, aber auch inhaltlich. Mit dem Schwerpunkt darauf, wie wir künftig Wissen so zeitgemäß vermitteln können, dass wir die ganze Gesellschaft erreichen und allen diese Orte des Verstehens und der Verständigung anbieten und öffnen können. Das müssen wir gemeinsam miteinander entwickeln.

Das Nachdenken und Ausprobieren zu genau dieser Frage ist hier am Haus ganz besonders im Fokus.

Die Archäologie wird hier im Museum durch Sie, lieber Herr Weiss, und durch Ihr Team, in einen weiten Referenzrahmen gestellt und dadurch für die Besucherinnen und Besucher erfahrbar und quicklebendig gemacht. Sehen konnten wir das in Ausstellungen wie „Mythos Hammaburg“, der überraschenden „Duckomenta“, in den innovativen Vermittlungsformen z.B. im HammaBot am Bischofsturm und sicherlich auch in der für 2019 geplanten Ausstellung „Archäologie des Alltags“. 

Museen sind immer schon Orte der Selbstvergewisserung und des Infragestellens gewesen. Heute aber gelingt dies nicht mehr nur in einer Richtung – aus dem Inneren des Museum nach Außen –, sondern auch durch die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger, 
durch das Engagement für ihr Museum, also durch eine starke gesellschaftliche Verankerung. 

Im Falle unseres Harburger Museums war das schon von Beginn an so.
Selbstverständlich ist das nicht.

„Zusammenkommen ist ein Beginn. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ – hat Henry Ford einmal pointiert formuliert.

Ich will Ihnen hier nicht die Geschichte der Entstehung des Museums- und Heimatvereins Harburg Stadt und Land e. V. und die anschließenden Etappen der Museumsgründung erzählen, die viele von Ihnen sicher gut kennen. Wichtig ist mir das Ergebnis: 

Über 120 Jahre hinweg hat sich gezeigt, was möglich ist, wenn sich Bürgerinnen und Bürger mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenfinden, um ein großes gemeinsames Ziel zu realisieren. 

Die damals schnell gewachsene Sammlung entsprang zum großen Teil den Spenden von Bürgerinnen und Bürger. Deren Herkunft lässt sich, dank sorgfältiger Dokumentation, noch heute gut nachverfolgen – ein wichtiger Aspekt, der von hoher Relevanz für die immer wichtiger gewordene Provenienzforschung ist.

An dieser Stelle möchte ich mich deshalb ganz herzlich auch im Namen des Hamburger Senates für das großzügige und nachhaltige Engagement des Museums- und Heimatvereins Harburg Stadt und Land e. V. bedanken – stellvertretend insbesondere bei Ihnen, Herrn Professor Hornberger, dessen Vorsitzender Sie seit mehr als einem Jahrzehnt sind. 

Der Verein hat sehr viele großzügige Fördermaßnahmen umgesetzt und publiziert viermal im Jahr gemeinsam mit dem Museum das „Helms-Museum Aktuell” und seit 1938 in unregelmäßigen Abständen das „Harburger Jahrbuch“. 

Auch an der aktuellen Geburtstagspublikation, die ich allen hier sehr zur Lektüre empfehle, haben Sie sich beteiligt und zudem die Ausrichtung der Feierlichkeiten, die zahlreichen Programmpunkte und den freien Eintritt für die Bürgerinnen und Bürger am kommenden Wochenende ermöglicht. 
Dafür herzlichen Dank!

Lieber Prof. Weiss, lieber Herr Römer,
ich wünsche dem Archäologischen Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg anlässlich dieses Geburtstages weitere erfolgreiche 120 Jahre. 

Dazu passt, dass ein sehr gebräuchlicher jüdischer Geburtstagswunsch lautet: „ad me’ah v’esrim“, was so viel bedeutet wie „Mögest du 120 Jahre alt werden“. 

Bereits heute können wir erkennen, wie einige Entwicklungen in den nächsten Jahren aussehen werden. 
Für 2020 haben wir uns vorgenommen, eine weitere Museumsdependance im Harburger Schloss zu eröffnen – wenn wir hoffentlich bald die noch fehlenden Mittel dafür gemeinsam finden. Das ist ein bedeutungsvolles Ziel, da das Museum mit einem Standort am Harburger Schloss zu seinen Anfängen zurückkehren würde und wir dort den Hamburgerinnen und Hamburgern den stadtgeschichtlich ältesten vollständig erhaltenden Raum in der Hansestadt zugänglich und erlebbar machen könnten. 

Ebenfalls wünschte ich, dass wir in der Zukunft das Museum in die Lage versetzen können, den hoheitlichen Bereich der stetig wachsenden Bodendenkmalpflege zu entlasten – der anhaltende Bauboom und die baulicher Verdichtung insbesondere in der Hamburger Innenstadt zeigen auch hier Ihre Auswirkungen.

Ebenfalls in der Prüfung befindet sich die konkrete Idee, am Hopfenmarkt in der Innenstadt ein Archäologisches Fenster einzurichten – auch mit Blick auf das kommende 1000-jährige Jubiläum der Gründung der Neuen Burg 2021 – und die dortigen Grabungsergebnisse für das Publikum in geeigneter Form zugänglich und erlebbar zu machen. 

Sicher bin ich, dass Sie, lieber Herr Professor Weiss, mit Ihrem Team weiterhin so führend in der Entwicklung und im Ausprobieren innovativer und digitaler Vermittlungsformate bleiben. Ganz eindeutig hat sich ja schon in vielen Bereichen gezeigt, dass digitale Angebote keineswegs die Lust am Original schmälern, sondern vielmehr die Anreize zum Umgang mit Originalen, seien es Kunstwerke, seien es kulturgeschichtliche Artefakte, erheblich steigern können.

Wir müssen in der Zukunft noch viel mehr junge Menschen für unsere Museen begeistern; auch jene, denen ein Museumsbesuch nicht von der Familie in die Wiege gelegt wird. Die Erkundung unserer Geschichte und das Lernen daraus für heute und morgen, sind und bleiben gesellschaftlich herausragende Ziele unserer Museen.

Ich bin mir sicher, dass Sie darin weiterhin erfolgreich sein werden und dass Sie weiterhin in partnerschaftlichen Prozessen gemeinsam mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und anderen Institutionen, Forschungseinrichtungen, den Nachbarinnen und Nachbarn die Stiftung weiterhin voranbringen werden.

Dieses Haus zeigt – und hat es schon getan – dass es wichtig ist, auf die eigenen Traditionen zu vertrauen, „um das zu verändern, was der Erneuerung bedarf.“

Vielen Dank. 

Ämter der Behörde für Kultur und Medien

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