9. Mai 2019 Hamburger Kunsthalle „Im Licht des Nordens. Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard“

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Hamburger Kunsthalle „Im Licht des Nordens. Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard“

Sehr geehrter Herr Botschafter Petersen, 
sehr geehrter Herr Kölle, 
sehr geehrte Frau Fonsmark, 
sehr geehrter Herr Dr. Bertsch,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn in diesem Jahr die Hamburger Kunsthalle im Sommer ihr 150jähriges Jubiläum begeht, liegt ein anderes, ebenfalls 150jähriges Jubiläum erst drei Jahre zurück: 1866 wurde Altona im Nachgang des deutsch-dänischen Krieges von 1864 zunächst preußisch, dann deutsch, nachdem es zuvor über zweihundert Jahre dänisch gewesen war. 

Ein gutes Beispiel dafür, wie fließend und veränderlich die heute so oft absolut gesehenen Grenzen zwischen den Ländern und Kulturen in der Vergangenheit waren – und es auch heute noch sind. 
Aus dieser langen, aber noch gar nicht so lang zurückliegenden Zeit sowie dem unmittelbar vor der eigenen Haustür liegenden Grenzverlauf erklärt sich leicht die enge Verbindung zwischen Hamburg und Dänemark, die ihren Ausdruck auch und vor allem im Bereich der Kunst und Kultur findet. 

Die Königlich Dänische Kunstakademie in Kopenhagen war im ausgehenden 18. Jahrhundert in Nordeuropa das Maß der Dinge in Sachen Künstlerausbildung und zog auch viele Hamburger bzw. norddeutsche Künstler an, zumal Hamburg damals über keine eigene Kunstakademie verfügte. Eines der prominentesten Beispiele, gerade auch in Bezug auf die Hamburger Kunsthalle und ihre Sammlung, dürfte Philipp Otto Runge sein, der von 1799 bis 1801 in Kopenhagen studierte. 

Die enge geschichtliche Verbindung Deutschlands und insbesondere Hamburgs mit Dänemark verdeutlicht aber auch in besonderer Weise, wie weit wir – unter historischen Gesichtspunkten – in vergleichsweise kurzer Zeit in Europa gekommen sind. 

Wer heute durch die Szeneviertel Altonas und Ottensen schlendert, erahnt eben keine Grenzverläufe mehr. Und auch ein Besuch des nur wenige Fahrstunden entfernten Kopenhagens, der dänischen Nordseeküste oder auch des Legolands ist unproblematisch möglich. Einziges Hindernis ist ein viel diskutierter Wildschweinzaun, ein echter Konflikt indes erscheint nicht nur weit weg, sondern schlicht undenkbar. 

In unser aller Interesse gilt es, diese Zeit der Gemeinschaft und des Friedens in Europa zu bewahren, zu sichern und auszubauen. Denn wenn man Lehren aus der bewegten Geschichte zwischen Dänemark und Deutschland bzw. ganz Europas und ihrer unmittelbaren Auswirkungen auf Hamburg ziehen kann, dann, wie fragil als selbstverständlich angenommene Verhältnisse sein können.

Deshalb ist es gut, wenige Wochen vor einer wichtigen Europawahl diese internationale Perspektive zu betonen. In Europa liegt die Kraft eines seit Jahrhunderten geformten Traums, der Wirklichkeit geworden ist und den wir uns von den Protagonisten einer Politik der schlechten Laune nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen.

„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.“ 
So hat es der dänische Philosoph Søren Kierkegaard so treffend zusammengefasst.

Der Kultur kommt dabei, wie so oft, eine entscheidende Rolle zu. Sie ist häufig Vorreiter und Wegbereiter, regelmäßig aber Bindeglied zwischen verschiedenen Regionen, Nationen und Kulturen. Sie bildet das Fundament, auf dem Beziehungen aufgebaut bzw. vertieft werden.

Ich freue mich daher sehr über die Präsentation der bedeutenden Sammlung des Museums Ordrupgaard in der Hamburger Kunsthalle – zunächst mit der Ausstellung der dänischen Malerei in der heute eröffnenden Ausstellung „Im Licht des Nordens. 
Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard“  und ab Herbst dann mit der Präsentation der „impressionistischen Sammlung“ . 

Dass unser Dänischer Nachbar uns seine kulturellen Schätze zur Verfügung stellt, ist eine große Geste und zeugt von tiefem Vertrauen. Umso schöner, dass diese Geste zum 150jährige Jubiläum der Hamburger Kunsthalle erfolgt, weil die Kunsthalle ebenso wie Hamburg aus den bereits genannten, historischen Gründen eine Nähe zu den großen Werken der dänischen Malerei hat. Das war auch vor einigen Jahren bei dem Erfolg der Eckersberg-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle zu beobachten. 

Mein besonderer Dank gilt dem Staat Dänemark und dem Museum Ordrupgaard für die Bereitschaft, ihre Sammlung an die Hamburger Kunsthalle zu verleihen. 
Mein Dank gilt außerdem der Hamburger Kunsthalle für die Ausrichtung dieser Ausstellung und den Freunden der Kunsthalle für ihre Unterstützung. 

Ich bin gespannt und freue mich sehr auf ein attraktives Jubiläumsprogramm in 2019 – rechtzeitig zum offiziellen Beginn der Feierlichkeiten Ende August unter der Leitung des neuen Direktors, Dr. Alexander Klar. 

Und ich bedanke mich beim ganzen Team der Kunsthalle – insbesondere bei Norbert Kölle und Andreas Stolzenburg, dass sie die Verantwortung für die Übergangsphase bereitwillig übernommen haben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, 

ich freue mich noch aus einem weiteren Grund über die heutige Eröffnung der Ausstellung „Im Licht des Nordens. Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard“. 

Denn sie bietet auch eine ideale künstlerische Ouvertüre für das unter der Schirmherrschaft des Bundesaußenministers, Heiko Maas, und seines dänischen Amtskollegen, Anders Samuelsen, für 2020 ausgerufene deutsch-dänische kulturelle Freundschaftsjahr, das die engen nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland feiern, bestätigen und verfestigen wird. 

Auch dieses Freundschaftsjahr geht auf ein Jubiläum zurück: die Volksabstimmung im Grenzland zwischen Dänemark und Deutschland vor rund 100 Jahren. Es schließt an eine dreijährige Kulturinitiative der dänischen Regierung und des Internationalen Kulturpanels (IKP) an. Die dänische Kulturinitiative in Deutschland ist bis 2020 ein Schwerpunkt, um die Zusammenarbeit zwischen dänischen und deutschen Kulturinstitutionen und Künstlern zu stärken. 

Ich befinde mich hierzu in einem engen Austausch mit der dänischen Botschaft und der dänischen Kultusministerin, Mette Bock, und freue mich insofern, dass Dänemark auch beim Reeperbahnfestival 2020 Partnerland sein wird. 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

im Sinne der Kunst und der Freundschaft wünsche ich Ihnen allen viel Freude bei der Ausstellung „Im Licht des Nordens. Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard“ und hoffe zugleich, Sie alle in diesem Jahr noch viele Male in der Hamburger Kunsthalle begrüßen zu können, wenn weitere Highlights das Jubiläumsprogramm bilden – und die Kunsthalle selbst zu einem „Licht des Nordens“ wird.

Vielen Dank.


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