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04. November 2019 Verleihung der Plakette der Freien Akademie der Künste an Horst von Bassewitz und Hark Bohm

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Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Verleihung der Plakette der Freien Akademie der Künste an Horst von Bassewitz und Hark Bohm

Sehr geehrter Herr von Bassewitz,
sehr geehrter Herr Bohm,
sehr geehrter Herr Greiner,
sehr geehrter Herr Kesting,
sehr geehrter Herr Marg,
sehr geehrte Mitglieder der Akademie,

„ein Kranz ist gar viel leichter binden,
Als ihm ein würdig Haupt zu finden“,
hat der nimmermüde Aphorismenproduzent Johann Wolfgang von Goethe einmal spöttisch gedichtet.

Es ist ja tatsächlich manchmal eine zwiespältige Sache mit den Preisen, davon können viele Kunstschaffenden ein Lied singen.
Einer, der das laut und ausgiebig tat, war der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard. Anlässlich der Verleihung des „Grillparzer-Preises“ der Akademie der Wissenschaften zu Wien gab er zum Besten:  
„[Der Akademie-Präsident] schüttelte mir die Hand und gab mir eine sogenannte Verleihungsurkunde, deren Geschmacklosigkeit wie die aller anderen Preisurkunden, die ich jemals bekommen habe, unübertrefflich war.“

Bernhard war übrigens der letzte mit dem Preis Geehrte, danach wurde er sang- und klanglos abgeschafft.

Dass solche Ehrungen bei aller intellektuellen Krittelei dennoch einen geradezu unwiderstehlichen Reiz ausüben, hat Johannes Brahms erfasst, als er sagte: „Orden sind mir wurscht, aber haben will ich sie.“

Die „Ehrenplakette der Freien Akademie der Künste Hamburg“ ist von schlichter, geradezu hanseatisch vornehmer Gestaltung, die Geehrten können sie also guten Gewissens annehmen.
Sie ist undotiert, ihre Strahlkraft lässt sich allerdings an der Reihe der Geehrten messen.

Dabei legt sie die Messlatte hoch: Thomas Mann war der erste Preisträger, dem die Plakette 1955 postum verliehen wurde. Es folgten Will Quadflieg, Christa Wolf, Siegfried Lenz, Peter Rühmkorf, Ulrich Wildgruber, Katharina Thalbach, Sofia Gubaidulina und viele mehr. Zuletzt wurden Uwe Timm und Burkhart Klaußner geehrt.

Die Freie Akademie der Künste bildet einen wertvollen Resonanzraum für diese kulturellen und künstlerischen Persönlichkeiten.
1950 gegründet, gibt das Haus am Klosterwall seit fast siebzig Jahren Künstlerinnen und Künstlern ein Forum und macht mit seinem anspruchsvollen Programm auf sich aufmerksam.
Wir brauchen solche Räume, in denen grundsätzlich gedacht und gestritten werden kann. Wenn es so sehr ans Eingemachte unserer Gesellschaft geht, wie im Moment, gewinnen sie noch einmal an Wert.
Im nächsten Jahr werden wir den runden Geburtstag des Hauses auch zu würdigen wissen: Die Stadt lädt zu einem Senatsempfang ins Rathaus ein.

„Die Freie Akademie der Künste“ als das kulturelle Gedächtnis Hamburgs vereint unter ihrem Dach die bedeutendsten Vertreter ihrer Sparten und ehrt heute mit ihrer bedeutendsten Auszeichnung, der Ehrenplakette, zwei ihrer langjährigen Mitglieder, die sich als überaus würdige Häupter im Goethe’schen Sinne erweisen: den Architekten Horst von Bassewitz und den Regisseur und Drehbuchautor Hark Bohm.
Dazu darf ich Ihnen die Grüße des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg überbringen.

Sehr geehrter Herr von Bassewitz,

wer mit dem Zug am hiesigen Hauptbahnhof ankommt oder von dort abreist, durchquert fast automatisch ihr vielleicht prominentestes Vermächtnis an Hamburg. Die Wandelhalle des Hauptbahnhofes gehörte Ende der achtziger Jahre zu einem der bedeutenden Projekte Ihres Büros. Sie haben Spuren in unserer Stadt hinterlassen: Seit mehr als fünfzig Jahren leben und wirken Sie in Hamburg, in verschiedenen professionellen Partnerschaften, seit 2006 führen Sie gemeinsam mit Anna Katharina Zülch das Büro B & Z Architekten.
Ihrem jahrzehntelangen Engagement für die Denkmalpflege ist die Rettung vieler historischer Gebäude zu verdanken - und dies nicht nur in Hamburg.

Denkmalschutz ist immer auch Pflege einer gebauten Heimat – ganz egal aus welcher Zeitschicht ein Gebäude stammt. Das ist eine kulturell bedeutende Haltung, die aktuell noch einmal relevanter wird. Denn: Der Gedanke, dass man das bauliche Erbe aus ökologischen Gründen nicht leichtfertig aufgeben darf, wie Sie einmal sagten, ist heute so aktuell wie vor dreißig Jahren, als Sie die Schlösser in Reinbek und in Ahrensburg sanierten und sich später auch der anspruchsvollen und langwierigen Instandsetzung des Schweriner Schlosses widmeten, dem heutigen Sitz des Landtags Mecklenburg-Vorpommern.

Hervorzuheben ist Ihre wichtige Vermittlerfunktion, zum Beispiel als langjähriges Vorstandsmitglied des „Bundes Deutscher Architekten Hamburg“, als „Vizepräsident der Hamburger Architektenkammer“ und als „Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, wo auch die Horst-von-Bassewitz-Stiftung firmiert, die Mittel zur Erforschung von Baudenkmalen zur Verfügung stellt.
Sie sind in jeder Hinsicht einer wahrer Aficionado der Architektur und haben eine ganz eigene Methode gefunden, sich die Baukunst der Menschheitsgeschichte zu erschließen.

Mit ihrem Zeichenstift reisen Sie um die Welt, um den Spuren großer, aber auch alltäglicher Architektur nachzuforschen.

1999 zeigte die Ausstellung „Bleistiftreisen“ im Schloss Reinbek Ihr zeichnerisches Werk, das „nachgespürte Begegnungen mit der Baugeschichte“ darstellt.
In den Zeichnungen ist die Hingabe zur Präzision ebenso zu spüren wie die Konzentration auf das Wesentliche.
Die noch vor Ort dezent aquarellierten Bleistiftzeichnungen zeigen nie das Ganze, sondern immer nur das Entscheidende und dies in einer verzaubernden Einfachheit. So wissen die Betrachtenden sofort, ob die Zeichnung in Auxerre, Prag, Venedig oder Katmandu entstanden ist.
Auch die „Freie Akademie der Künste“ hat dem zeichnenden Architekten 2012 die Ausstellung „Zeitstaub“ gewidmet.

Die Sanierung von Baudenkmälern als ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit wurde mit vielfältigen Auszeichnungen geehrt.
Und es gehört eine besondere architektonische Sensibilität dazu, nicht bloß nach der großen eigenen Geste zu streben, sondern behutsam mit dem Vorhandenen und Bewahrenswerten zu arbeiten und das kulturelle Erbe zu bewahren und zu beleben.

Zu den hochverdienten Ehrungen gehört unter anderem die „Silberne Halbkugel des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz“ und der „Dr. Hartwig-Beseler-Preis des Denkmalfonds Schleswig-Holstein“, in dessen Preisbegründung Ihre „hanseatische Bescheidenheit und Vornehmheit im Auftreten, gepaart mit einem hohen Anspruch an das eigene Leistungsvermögen und eine stete Bereitschaft als Ratgeber zu helfen“ hervorgehoben wurde.

Heute kommt nun endlich eine sehr verdiente Hamburgische Ehrung hinzu.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr von Bassewitz, zur „Plakette der Freien Akademie der Künste“ für das Jahr 2018!

Sehr geehrter Herr Bohm,

das heutige Setting dürfte Ihnen vertraut sein. Vor vier Jahren standen Sie bereits auf dieser Bühne – damals als Laudator für den inzwischen leider verstorbenen Michael Ballhaus.
Ich freue mich sehr, dass Sie es nun sind, der 2019 mit der „Plakette der Freien Akademie der Künste Hamburg“ geehrt wird.
Der Rollentausch vom Laudator zum Laureat wird Ihnen bravourös gelingen, denn schließlich sind es die Rollen und Rollenwechsel, die Ihr Leben und Schaffen definieren.
„Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man Modelle, die das Alte überflüssig machen“, hat ein Kollege von Horst von Bassewitz, der Architekt und Philosoph Richard Buckminster Fuller einmal gesagt.
Dieses Motto steht auch über Ihrem Schaffen, haben Sie doch richtungsweisende Modelle und Gegenmodelle für die deutsche Filmindustrie entwickelt. Und natürlich auch für die Filmstadt Hamburg.
Seit einem halben Jahrhundert beschäftigen Sie sich mit dem deutschen Film, sind produktiver Filmemacher und markanter Schauspieler – mit unvergessenen Auftritten unter anderem in „Schtonk!“ oder zuletzt in „Der Goldene Handschuh“. Zudem fungieren Sie als Förderer des filmischen Nachwuchses, als engagierter Lehrer ebenso wie als empathischer Berater.

Ihre Verdienste um das deutsche Filmschaffen sind immens:
Als Mitinitator der „Hamburger Erklärung“ haben Sie vor vierzig Jahren die strukturierte föderale Förderung des Films hier in Hamburg in Gang gesetzt.
Das ist bis heute Verpflichtung. Und ich freue mich, dass es jüngst gelungen ist, die Förderung mit Blick auf hochwertige Serien weiter auszubauen.
1992 gründeten Sie den „Studiengang Film“, der heute an der Hamburg Media School beheimatet ist und regelmäßig großartige Nachwuchsfilmemacher hervorgebracht hat.

Ihre Filme erzählen große Geschichten: Als die Hamburger Programm- und Arthouse-Kinos in diesem Mai zu Ehren Ihres 80. Geburtstags Ihren Filmklassiker „Nordsee ist Mordsee“ in der Reihe „Eine Stadt sieht einen Film“ aufführen wollten, haben Sie sich im Vorwege gesorgt, dass die Kinosessel leer bleiben könnten. Das Gegenteil war der Fall: 4.000 begeisterte Besucher gingen auf eine unvergessliche – und unvergessene! – Reise ins Hamburg der siebziger Jahre und feierten in ausverkauften Kinosälen ein großes Fest des Films.

In der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Fatih Akin dürfen wir aktuell erleben, wie sie rastlos und kreativ neue Perspektiven entwickeln. Gemeinsam haben Sie das Drehbuch für „Tschick“ geschrieben, die Verfilmung des wunderbaren Coming-of-Age-Romans von Wolfgang Herrndorf.
Für das Drehbuch „Aus dem Nichts“ wurden Sie beim „Deutschen Filmpreis“ für das beste Drehbuch und mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Lieber Hark Bohm,

es ist mir eine Freude und Ehre, Sie in Ihren vielfältigen Funktionen in unserer Stadt zu wissen.
Ich danke Ihnen für viele Jahrzehnte voller Produktivität für den Hamburger Film und gratuliere Ihnen herzlich zur „Plakette der Freien Akademie der Künste“!

Mit Goethe habe ich diese Rede angefangen, mit Schiller möchte ich schließen:
„Wer etwas Großes leisten will, muss tief eindringen, scharf unterscheiden, vielseitig verbinden und standhaft beharren.“

Meine Herren,

das Dichterwort steht über Ihrem künstlerischen Schaffen: Ich gratuliere Ihnen im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg zur „Plakette der Freien Akademie der Künste“, die eine hohe Auszeichnung darstellt, weil sie allein der Kunst gewidmet ist.

Herzlichen Glückwunsch!

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