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02. November 2019 20 Jahre Kunstverein Harburger Bahnhof

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Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

20 Jahre Kunstverein Harburger Bahnhof

Liebe Frau Sökeland,
lieber Herr Dr. Hoffmann,
liebe Frau Hans,
liebe Frau Seubert,
liebe Frau Peters,
lieber Herr Havekost,
verehrte Künstlerinnen und Künstler, verehrte Gäste,

kennen Sie die offizielle Adresse dieser Räumlichkeiten? Kunstverein Harburger Bahnhof, Hannoversche Straße 85, im Fernbahnhof über Gleis 3 und 4, 21079 Hamburg. Im Fernbahnhof über Gleis 3 und 4? Ich war erstaunt als ich diese Adresse erstmals las – klingt sie doch vielmehr nach dem Zugang zu einem magischen Portal als nach der Anschrift einer Kunstinstitution. Ein bisschen nach Harry Potter, um ganz ehrlich zu sein.

Alle, die sich das erste Mal ihren Weg durch den Bahnhof auf der Suche nach dem Ort über Gleis 3 und 4 bahnen, wissen, dass diese Assoziation im Grunde sehr passend ist.
Hat man nach einigem Umherirren, vergeblich auf Schilder hoffend, gänzlich die Orientierung verloren, so findet man sich schließlich, dann fast unerwartet, zwischen Imbiss und Treppenaufgang vor der Tür des Kunstvereins wieder.

Ich habe mir sagen lassen, dass dieses Prinzip auch umgekehrt funktioniert und Menschen hier sehr selbstbewusst die Schließfächer ansteuern und dann ganz überraschend auf Kunst stoßen, anschließend die großen Themen der Welt diskutieren, um dann ihren Zug zu verpassen.

Man könnte meinen, hier war man in Sachen Marketing mit der Beschilderung etwas nachlässig, aber nein – hier wird das ‚sich-Verlieren‘ zum Programm.

Die Kuratorinnen haben den Weg zum Ausstellungsraum genutzt, um die Besucherinnen und Besucher aus Trott und Automatismen zu reißen, sie haben sie gewissermaßen drei Mal um sich selbst gedreht und dann: Tür auf, Augen auf, es eröffnet sich der Blick in diese historischen und denkmalwürdigen Räumlichkeiten aus dem späten 19. Jahrhundert und: auf die Kunst.

Seit 1999 werden hier vom Kunstverein Harburger Bahnhof künstlerische Projekte und Interventionen initiiert, die zum Verweilen einladen, dazu sich zu verlieren. Eine behutsame Annäherung an die Kunst in schnelllebigen Zeiten. Darüber herrscht bei den wechselnden Kuratorinnen der letzten Jahre scheinbar Konsens.

Das Programm des Kunstvereins Harburger Bahnhof widmet sich der zeitgenössischen Bildenden Kunst und zeichnet sich durch eine anspruchsvolle und kritische junge Programmatik und hohe Qualität aus.

Dem Verein gelingt es, in Gruppen- sowie Einzelausstellungen mit begleitenden Workshops, renommierte internationale Künstlerinnen und Künstler mit dem künstlerischen Nachwuchs vor Ort zusammenzubringen – und auf diese Weise sowohl als Impulsgeber in der Stadt sowie auch als Netzwerkplattform mit Blick über Hamburg hinaus zu fungieren.

Bemerkenswert sind auch die stetig wechselnden experimentellen Formate und diskursiven thematischen Ansätze, die hier regelmäßig erprobt werden und sich auch an kunstferne Gruppen wenden.
Vor diesem Hintergrund wurde der Kunstverein Harburger Bahnhof im Jahr 2016 für seine innovative Ausstellungspraxis und Vermittlungsarbeit auf der Kunstmesse Art Cologne mit dem renommierten ADKV-Preis für Kunstvereine im nationalen Wettbewerb ausgezeichnet.

Die Künstlerin Michaela Melián, die an der Hochschule für Bildende Künste im Fach zeitbasierte Medien unterrichtet, schrieb aus diesem Anlass:

„Die jeweilige Leitung des Harburger Kunstvereins hat (…) immer eine deutliche Handschrift entwickelt und in der Hamburger Ausstellungslandschaft wichtige ästhetische Akzente und diskursive Impulse gesetzt.“

Melián betonte außerdem, wie wichtig die Zusammenarbeit des Kunstvereins Harburger Bahnhof mit der Kunsthochschule sei, deren Studierende regelmäßig an Performances und Ausstellungsprojekten mitwirken. Solche Kollaborationen geben den Studierenden die Möglichkeit, die Hochschule mit ihren Projekten zu verlassen und diese dann in einem professionellen Umfeld umzusetzen.

Die Leiterinnen des Kunstvereins Harburger Bahnhof – denn es waren bisher fast ausschließlich Frauen, die die Geschicke des Kunstvereins leiteten – nahmen und nehmen sich den studentischen Projekten mit der gleichen Intensität und Ernsthaftigkeit an wie allen anderen Projekten.
Die Studierenden konnten so im Austausch mit den Kuratorinnen, dem Publikum und den oft nur wenig älteren Künstlerkollegen aus dem Ausland immer wichtige Impulse mitnehmen und ihre Projekte weiter entwickeln.

Das war gut für den Kunstverein – und inspirierend für die jungen Künstlerinnen und Künstler: Die intensive Begleitung, die sie hier erfuhren, war oftmals wegweisend für ihre weitere künstlerische Praxis und Haltung, wie Michaela Melián berichtete.

Es gelingt hier in der Tat auf einzigartige Weise, bereits renommierte internationale Künstlerinnen mit Künstlerinnen, die in der Stadt arbeiten, nachhaltig in den Dialog zu bringen und zum Teil langfristige Kollaborationen zu initiieren.
Dabei ist der Kunstverein Harburger Bahnhof nicht nur Ausstellungsraum und Bühne, sondern wird immer wieder zum Probe- sowie Produktionsraum und als solcher auch für das Publikum erfahrbar.

Der Kunstverein Harburger Bahnhof ist im Laufe der Jahre zu einem wesentlichen Anlaufpunkt der jungen professionellen Kunstszene in Hamburg sowie des künstlerischen Nachwuchs der der Hochschule für Bildende Künste avanciert, aber auch Reisende und Kunstinteressierte der Stadt zählen zu den regelmäßigen Besucherinnen des Programms.

Auch wenn man sich hier traditioneller Weise gerne mit den institutionellen Codes zurückhält und große Plotter-Schrift, Beschilderungen oder ein Foyer-Design, das bereits auf die Haltung der künstlerischen Leitung schließen lässt, vergeblich sucht, so muss man doch feststellen, dass der Kunstverein Harburger Bahnhof inzwischen eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Institution in der Stadt geworden ist.

Deshalb freue ich mich sehr, dass wir ab dem kommenden Jahr die Zuwendung für den Kunstverein um 30.000 Euro anheben können und außerdem mit einer Stiftung im Gespräch sind, die wohl noch einmal die gleiche Summe dazu geben wird. Das wird hoffentlich ein bisschen mehr Luft für die Kunst im Bahnhof bringen.

Lieber Kunstverein Harburger Bahnhof,

herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag!

Ich wünsche viele weitere Stunden der intensiven Auseinandersetzung mit der Kunst und hoffe, dass man sich hier in Mitten der Heterotopie Bahnhof, hier über Gleis 3 + 4 , die Magie, aber auch den kritischen Geist und den Blick für gesellschaftsrelevante Themen erhält!

Adorno schrieb: „Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“.
Insofern passt so ein magischer Ort ganz gut!

Herzlichen Dank dem Vorstand, den Kuratorinnen, den ehrenamtlichen Helfern, den zahlreichen Künstlerinnen, die hier in den vergangenen 20 Jahren mit viel Engagement und nicht selten mit sehr hohem persönlichem Einsatz ein besonderes Programm an diesem ungewöhnlichen Ort realisiert haben.

Vielen Dank.

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