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25. Oktober 2019 Jubiläumsfeier 40 Jahre Metropolis Kino

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Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Jubiläumsfeier 40 Jahre Metropolis Kino

Sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Aust,      
sehr geehrter Herr Roß,                   
liebe Gäste,

Sie, lieber Herr Aust, haben vor vielen Jahren, genau genommen 2005, in einem Interview in der „taz“ gesagt:
„Ich hoffe, dass wir diejenigen sind, die überleben werden in der Kinobranche. Weil wir den Menschen das Angebot machen, sich zu erinnern“.

Manche sagen ja, wir lebten in der „Generation Goldfisch“, in der die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne auf minime acht Sekunden geschrumpft ist und Komplexreduktion die Gestalt der Stunde ist. Wenn das stimmt, dann ist diese Erinnerungsarbeit eine große – eine sehr große – Herausforderung, aber eine nicht minder wichtige Aufgabe.

Das Metropolis leistet diese Arbeit Tag für Tag und ist seit nunmehr 40 Jahren das Tor zur filmischen Erinnerung.
40 Jahre Metropolis sind auch 40 Jahre Zeitreise durch die Filmgeschichte.
In über 1.000 Veranstaltungen im Jahr werden Spiel- und Dokumentarfilme, kinematographische Raritäten, Klassiker der Filmgeschichte - aber auch aktuelle Werke gezeigt, ganz abgesehen von Länderreihen, Themenprogrammen und Retrospektiven.

Wild, aber nicht willkürlich, wird kooperiert mit diversen Einrichtungen, von „Aktion Mensch“ bis zum „Reeperbahn Festival“.
Kurzum: im Metropolis – laut hamburg.de „der ersten Adresse für den ambitionierten Cineasten“ – gibt es nichts, was es nicht gibt. Oder noch besser mit Deichkind: hier gibt es „richtig gutes Zeug“.

„Gutes Zeug“ anders zeigen wollten auch die Gründer des „Kommunalen Kinos Metropolis“.
Das war damals die Zeit, als alles politisch war. Man definierte sich als Teil einer Bildungsoffensive und vitalen Demokratie und wollte im Hoffmann`schen Sinne „Kultur für alle“ möglich machen.
Auf Vorschlag des Filmemachers Hellmuth Costard wurde das „Kommunale Kino Metropolis“ nach Berliner Modell mit Förderung der Kulturbehörde aus der Taufe gehoben und öffnete am 13.10.1979 seine Türen an der Dammtorstraße.

Unter langjähriger Leitung von Heiner Ross avancierte das Haus zum Ort der Filmkultur der Stadt, war Heimathafen und Geburtsstätte für diverse Initiativen und Filmfestivals, die allesamt in diesem Jahr ihre Jubiläen feiern: unter anderem 35 Jahre Kurzfilm Festival Hamburg, 30 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage, 30 Jahre CineGraph e.V.

Immer ging es um die Freiheit der Kunst und ihre Kraft, Menschen auf dem Weg in die Freiheit zu fördern.
Heiner Ross wollte zur kulturellen Emanzipation beitragen, in dem Gruppen und Organisationen Raum zur Zusammenarbeit und Vorführung ihres Programms geboten wurde. Das „Selbermachen“ und damit auch die Selbstermächtigung stand hier im Fokus. 

2006 ging die Leitung an Martin Aust über, der das Haus nicht nur weiterentwickelt, sondern auch erfolgreich durch die Zeit im Exil am Steindamm geführt hat. Viel mehr sogar als das: das „Metropolis“ ist gestärkt aus dieser Zwischennutzungsphase herausgegangen, gab es doch viele Stimmen, die aus dem Provisorium eine Dauerlösung machen wollten.

Seit 2011 erstrahlt der denkmalgeschützte Kinosaal, fast parallel zum Abschluss der Restauration seines Namensgebers, dem Mammutwerk von Fritz Lang, nun an alter Stelle im neuen Glanz.

Anders als Programmkinos und Multiplexe, die stärker unter dem Strukturwandel und Besuchereinbrüchen im deutschen Kinobereich leiden, kann sich das „Metropolis“ seither über konstante Besucherzahlen freuen. Der Großteil des „Metropolis“ - Publikums sind Stammgäste, manche schauen sich sogar mehrmals am Tag Filme an. Binge-Watching ist also kein neues Phänomen, sondern existiert bei Ihnen schon lange.
Und dennoch darf man nicht ausblenden, dass sich mit dem Aufkommen der Streamingdienste eine historische Zäsur, ein tiefgreifender Umbruch vollzogen hat, der auch das „Metropolis“ nicht unberührt lässt.
Das Lichtspielhaus als einstiger „Platzhirsch“ im städtischen Kulturangebot ist nicht mehr der alleinig bevorzugte Ort des Filmkonsums. Der Film hat sich neue, digitale Orte gesucht.

Fakt ist, dass die mediale Großwetterlage eine enorme Übersättigung des audiovisuellen Marktes anzeigt. Das Rauschen nach Sendeschluss, an das sich viele von Ihnen noch erinnern mögen, gibt es nicht mehr, denn es gibt den Sendeschluss nicht mehr.

Jedes Jahr gibt es stattdessen eine Flut an Filmen, die große Erfolge feiern und Preise gewinnen, aber im Kino die Marke von 15.000 Zuschauern nicht überschreiten.
Kein Wunder also, dass der Ruf nach einschneidenden Veränderungen im Filmfördersystem immer lauter wird – und ein komplettes Umdenken gefordert wird. Und ganz beiseite wischen dürfen wir diese Stimmen nicht.
Denn viele neue Filme haben schlichtweg kaum noch die Chance, im Gedächtnis der Leute zu leben, gar erst in ihre Köpfe zu kommen.

Die Bedeutung der kommunalen Kinos als Ausstellungsort der Filmgeschichte wird daher auch vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen immer größer.

Das „Metropolis“ leistet einen wichtigen Beitrag, um das Filmerbe in all seiner Vielfalt sichtbar zu machen und internationale Filme nach Hamburg oder aus dem Archiv zu holen, die sonst nicht zu sehen wären. Es arbeitet gegen das Verblassen und Versickern.

Ich bin daher auch sehr froh, dass es gemeinsam mit Bund und Ländern gelungen ist, ein nationales Programm zur Sicherung des Filmerbes aufzulegen, um für die unerlässliche Digitalisierung von historischem Filmmaterial einen finanziellen Beitrag leisten zu können.

Der Kinemathek Hamburg geht es vor allem aber auch darum, das Filminteresse zu befördern und Aspekte der Filmkultur ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Gerade mit Blick auf den Nachwuchs, der Filme präferiert auf  15 x 7 cm großen Smartphone-Screens schaut, ist das eine ganz wesentliche Aufgabe.
Das „Metropolis“ mit seiner nichtkommerziellen Ausrichtung versteht sich dabei vor allem auch als sozialer und politischer Ort, in dem Debatten angestoßen werden und Bildung stattfindet – von Cassavetes bis Trump.
Es ist damit nicht nur Ort der Illusionen, an dem wir uns aus der Wirklichkeit hinausträumen, sondern bringt auch die Realität auf und vor die Leinwand.

Das Kennenlernen unbekannter Wirklichkeiten anderorts ist heutiger wichtiger denn je.

In diesen bewegten Zeiten, in denen die Welt immer näher zusammenrückt und zugleich kaum entzweiter sein könnte, ist es wichtig, das „Terrain vague“ jenseits des kultivierten Gartens zu erkunden. Denn nur wer regelmäßig über den Tellerrand blickt, verliert nicht den Bezug zur Realität.

Die charakteristische Weltoffenheit des „Metropolis“, durch jahrzehntelange Kooperationen mit Botschaften und Konsulaten gewachsen und durch internationales Publikum manifestiert, gilt es unbedingt zu erhalten.
Es dient im wahrsten Sinne des Wortes der Belichtung und dazu, den Blick zu schärfen, für das, was immer mehr Nährboden findet in unserer Gesellschaft. Es ist ein Raum, in dem Vielfalt und Diversität, Irritation und Inspiration erlebt werden können und der deshalb fragil sein muss und unserer Zuwendung in jeder Hinsicht bedarf.

„So oder so umgibt uns das Kino mit jeder Menge Spiegeln, in deren Reflexionen wir uns selbst erkennen können - wenn wir Glück haben“, hat der leider viel zu früh verstorbene Kulturjournalist und Filmkritiker Michael Althen in seiner Liebeserklärung an das Kino „Warte bis es dunkel wird“ geschrieben.

Dafür, dass es in diesem Saal Abend für Abend dunkel wird, und Sie uns mit dem Gezeigten immer wieder aufs Neue erhellen, danke ich Martin Aust und seinem Team ganz herzlich.

Ihre Arbeit und Ihren Einsatz für die Filmkultur in dieser Stadt seit 40 Jahren möchte ich an dieser Stelle ganz ausdrücklich würdigen. Danke für diese vielseitigen, ungewöhnlichen, anspruchsvollen und manchmal auch anstrengenden Programme.
Danke, dass Sie unseren Augen und Ohren zutrauen, was das Kino aus Vergangenheit und Gegenwart alles zu erzählen hat.

Im Rahmen der Erstellung seines Buches „Einführung in die wahre Geschichte des Kinos“ hat Jean Luc Godard seinen Studenten einst zugetraut, immer zwei Filme hintereinander zu schauen, um zum Schluss zu kommen, dass eins und eins, bei dieser Betrachtungsweise mindestens drei ergibt.
Eine Methode, die symbolisch auch für das „Metropolis“ steht und wie ich finde, unbedingt noch viel häufiger Anwendung nicht nur an diesem besonderen Ort finden sollte.

Es lohnt sich, sich genau hier von Zeit zu Zeit dem Strom der Bilder zu überlassen und sich zu erinnern, um zu sehen, woher wir kommen und wohin wir gehen.

Herzlichen Dank!

 

 

 

 

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