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13. November 2019 Jahresversammlung der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen

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Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Jahresversammlung der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen

Sehr geehrter Herr Professor Klar,
sehr geehrte Frau Professor Beyerle,
sehr geehrter Herr Dr. Kundrun,
sehr geehrter Herr Klippgen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

von Wilhelm Busch stammt das spitzzüngige Zitat, „Oft trifft man wen, der Bilder malt, viel seltener wen, der sie bezahlt“.
Das kann ich auch als Kultursenator nicht ganz leugnen, wenngleich der heutige Anlass beispielhaft zeigt, dass es nicht immer zutrifft.

Dass wir heute hier zusammenkommen und für die Förderung der Kunst eintreten, ist in dem Zitatsinn an sich etwas Besonderes und nicht zuletzt etwas besonders Wichtiges.

Und dass die  Stiftung Hamburger Kunstsammlungen das bereits seit Jahren tut, macht deutlich, dass die finanzielle Unterstützung von Kunst nicht nur ein flüchtiges Unterfangen, sondern zu einer langfristigen Herzenssache werden kann, die Großes ermöglicht.
Paradigmatisch zeigt dies die diesjährige Einladungskarte, die mit dem Abdruck des „Wanderers“ auffallend groß und prächtig erscheint.

1970 von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen erworben, ist der „Wanderer“ ein Kernstück der Stiftung und ein Aushängeschild der Hamburger Kunsthalle.

Interessant ist dabei, dass das Werk von Caspar David Friedrich in gewissem Sinne den „Wesenskern“ von Kunst spiegelt: Sie richtet den Blick in die (gedankliche) Weite, sucht und ermöglicht „Entgrenzungsprozesse“, wirkt assoziativ und regt so individuelle Interpretationsschneisen und kritisch-kognitive Diskurse an.

Die Förderung von Kunst bedeutet somit auch immer eine Erweiterung des eigenen Weltblicks und Weltbilds. Das bedeutet beileibe nicht, dass Kunst alles zeigt, alles abbildet und das Zeitgeschehen akkurat in ihre spezifische Formsprache gießt. Im Gegenteil vielleicht:

„Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.“ So beschrieb der Regisseur Christoph Schlingensief die Kraft der Kunst. Sie macht uns gerade in ihrer Uneindeutigkeit neugierig, sie regt uns an, den Dingen auf den Grund zu gehen und sie zu verstehen.
Kunst vermag es auf diese manchmal hintergründige Art und Weise, die Dinge sichtbar zu machen, ohne sie direkt zu zeigen.

Der Maler  Paul Klee formulierte das in einem bekannten Aphorismus: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar.“ 
Kunst macht sichtbar – Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie ist ein Zeugnis des Künstlers und der Zeit und fördert die Auseinandersetzung.

„Etwas sichtbar machen“ bedeutet aber im Anschluss an die Kunstproduktion auch, etwas öffentlich zugänglich zu machen – und hier kommt in Hamburg die SHK ins Spiel.
Sie trägt in großem Umfang dazu bei, Kunst „für uns alle“ sichtbar zu machen – im Museum für Kunst und Gewerbe und hier in der Kunsthalle. Und sie prägt das markante Gesicht der Stadt Hamburg als Kunstmetropole.
Der Erfolg der Kunsthalle und des MKG beruht nicht zuletzt auch auf der großzügigen Unterstützung der SHK und den von ihr getätigten Erwerbungen.
So hat erst der damalige Ankauf des „Wanderers“ durch die SHK die aktuelle, weithin sichtbare Marketingoffensive der Kunsthalle mit dem „Wanderer“ als zentralem Motiv ermöglicht. 
Der Ankauf hat das Bildsujet sprechen lassen: er war weitsichtig.

So sorgt die Stiftung dafür, dass wir mehr sehen. Ganz konkret Friedrichs Nebelmeer und ganz allgemein mehr Kunst.

Welche Bedeutung die Sammlungstätigkeit der SHK allein für die Kunsthalle hatte und weiterhin hat, lässt sich leicht am wunderbaren Katalog der SHK anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Kunsthalle ablesen. 

Über 800 Objekte sind heute Teil des SHK-Bestands, der die künstlerischen Ausdrucksformen in ihrer Bandbreite zeigt und damit gleichwohl betont, wie notwendig es ist, sich dem Neuen nicht zu verwehren, sondern es vielmehr ins Blickfeld zu rücken.

Genau dies ist der Impuls dafür, dass in 2020 – und geplant auch dauerhaft – der Anteil der Freien und Hansestadt Hamburg als größter Einzelstifterin der SHK von 300.000 auf 350.000 Euro angehoben und die Erhöhung zweckgebunden eingesetzt wird:
Einerseits für die Unterstützung des bereits seit einigen Jahren etablierten  Fonds für Junge Kunst  in der Kunsthalle und andererseits für den ganz neu eingerichteten Fonds für Junges Design  im MKG.
Erreicht werden soll damit eine Verstetigung des jeweiligen Fonds und eine Basisfinanzierung für die Zukunft – ob die Fonds noch weiter anwachsen, das liegt dann ganz in Ihren Händen.
Sicher ist, dass die Investition Früchte tragen wird, denn: Die separat budgetierten Fonds ermöglichen es einerseits, junge Talente zu fördern und andererseits, in einem überhitzten Kunstmarkt zu angemessenen Konditionen Neuerwerbungen zu tätigen, die vielleicht irgendwann einmal den Anklang eines „Wanderers“ erreichen. 
Zudem besteht durch die Fonds die einmalige Chance, ein zweites Standbein zu etablieren, das zugleich den Museen mehr Raum für Experimente einräumt.

Dabei sollen die Fonds keinesfalls die bisherige, so erfolgreiche „klassische“ Sammlungstätigkeit renommierter Werke und Künstler aus dem Weg räumen. Diese wird uneingeschränkt weiter benötigt. Wir brauchen die alten und jungen, die großen und kleinen, die kunstgeschichtlich wichtigen und die (noch) nicht so wichtigen allesamt.

Erst der entdeckungstolle Streifzug durch die Kunstgeschichte schärft unseren Blick für die Vielfalt der Perspektiven, für die Kontinuitäten und die Umbrüche, sie zeigt uns den Blick über den Tellerrand hinaus –  ins Offene.
Wichtig ist und bleibt, Kunst „sichtbar zu machen“, um unsere Welt auf diese geheimnisvolle und gleichzeitig klarsichtige Weise sichtbar zu machen, wie nur Kunst es vermag.

 

Lieber Herr Kundrun und lieber Herr Klippgen,

Sie machen Kunst sichtbar; und für Ihren unermüdlichen Einsatz in dieser Sache möchte ich Ihnen an dieser Stelle herzlich danken.
Ebenso wie Ihnen allen, meine sehr verehrten Damen und Herren, für Ihre andauernde, großzügige Unterstützung von Kunst und Kultur in Hamburg.

Ich freue mich sehr, dass wir auch mit den beiden neuen Leitern der Häuser, mit Ihnen, liebe Frau Beyerle als Direktorin des MKG, und mit Ihnen, lieber Herr Klar, als Direktor der Hamburger Kunsthalle, zwei Persönlichkeiten hier in Hamburg haben, die unsere Stadtgesellschaft mit vielen Inspirationen bereichern werden.

Es ist Ihnen beiden bereits in kurzer Zeit gelungen, umfangreich zu überzeugen und ich bin sehr gespannt auf Ihre Ankaufsideen. 

Vielen Dank.

 

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