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Gottesdienst der Künste - "Schönheit im Augenblick"

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Fürbitten des Senators Dr. Carsten Brosda

Gottesdienst der Künste im Thalia Theater 2020

Ich möchte einige recht säkulare Fürbitten formulieren:

Diese Bitten gehen an uns. Erhören müssen wir uns selbst!

Lasst uns gemeinsam den Glauben in unsere Fähigkeit bewahren, dem Virus die Stirn zu bieten. Arbeiten wir hart daran, dass es gelingt.

Lasst uns gemeinsam akzeptieren, dass wir einander in diesen pandemischen Zeiten auf Abstand besonders nahe sein können, dass wir gerade dann solidarisch sind, wenn wir uns distanzieren und soziale Kontakte reduzieren.

Lasst uns gemeinsam um diejenigen kümmern, die sich selbst nicht schützen können und die unsere Hilfe brauchen, um die tödliche Bedrohung durch das Virus zu überleben.

Lasst uns gemeinsam denen helfen, die aufopferungsvoll dafür arbeiten, dass wir das Virus und seine Gefahr eingedämmt bekommen.

Lasst uns gemeinsam jetzt und in den kommenden Wochen die Disziplin aufbringen, um diese Welle zu brechen.

Lasst uns gemeinsam die Einsicht aufbringen, dass Vernunft und Wahrheit nicht irgendwo einzeln in uns vergraben sind, sondern zwischen uns liegen und erst gemeinsam im Gespräch entdeckt werden können.

Lasst uns gemeinsam immer wieder erlebbar machen, dass sich die Bürgerrolle nicht im Arbeiten und Konsumieren erschöpft, sondern dass die gemeinsame Suche nach Sinn und die Diskussionen in Gesellschaft dazu gehören.

Lasst uns gemeinsam das Wissen verbreiten, dass es künstlerische Interventionen und kulturelle Angebote braucht, wenn wir in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft gemeinsam nach Sinn suchen.

Lasst uns gemeinsam immer wieder aufs Neue erklären, dass Kultur nicht bloß Freizeitgestaltung ist – und zwar so lange, bis wir es nicht mehr erklären müssen.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass in politischen Beschlussvorlagen Theater und Opern nicht mehr unterschiedslos in einer Reihe mit Bordellen, Spielbanken und Fitnessstudios genannt werden.

Lasst uns gemeinsam zuversichtlich bleiben, dass sich auch in Bayern – und offensichtlich auch in der Uckermark – irgendwann herumspricht, dass man dem Heiligen Geist und der Erkenntnis nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Kultur nahe kommen kann.

Lasst uns gemeinsam Erbauung durch Kultur als Aufforderung begreifen, eine freiere, offenere, vielfältigere und demokratischere Gesellschaft zu bauen.

Lasst uns gemeinsam der Kraft der Kunst vertrauen, der ästhetisch-expressiven Zuspitzung, der spekulativen Ausdeutung von Alternativen, der Subversion der Unterhaltung, der Schönheit im Augenblick.

Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass sich die Kunstfreude der Politik nicht in repräsentativen Auftritten erschöpft, sondern geprägt ist von einer grundsätzlichen Lust auf das wilde Denken der Künste.

Lasst uns gemeinsam das Wissen darum stärken, dass Kunst und Kultur keine verzichtbaren Luxusgüter sind, sondern Fundamente unserer Zusammenlebens, Kerngehalte unserer Gesellschaft, Grundfesten der Aufklärung.

Lasst uns gemeinsam das Wissen um den Verlust an Lebensfreude, Sinn und Gemeinschaft bewahren, den die Beschränkungen dieser Corona-Wochen bringen. Es ist die Voraussetzung dafür, die Kunst künftig fester in unserer Gesellschaft zu verankern.

Lasst uns gemeinsam dieses derzeitige Verlustgefühl nutzen, um für den Erhalt von Kunst und Kultur zu streiten. Wir brauchen in den anstehenden Debatten die Stimmen der Künstlerinnen und Kreativen dringend. Stärken wir die Solidarität der Kunst.

Lassen wir uns selbst und unsere Politik in die Pflicht nehmen, die Infrastrukturen der Kultur und die Perspektiven der Künstlerinnen und Kreativen zu sichern.

Lasst uns gemeinsam die Zuversicht entwickeln, weiter hart dafür zu arbeiten, dass der Lappen im Dezember wieder hochgehen kann und sich unsere Bühnen und Kulturräume erneut mit Leben füllen.

Lasst uns gemeinsam fest daran glauben, dass wir ein besseres Morgen schaffen können und die besten Tage auch der Kultur noch vor uns liegen.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Ausnahme kein Zustand wird.

Kunst hat nach Adorno eigentlich die Aufgabe, Chaos in die Ordnung zu bringen.
Aber wenn die Welt im Chaos eines Virus versinkt, kann es der Kunst vielleicht auch gelingen, neue Ordnung zu schaffen.


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Die gesamte Veranstaltung ist als Stream über die Website des Thalia Theaters abrufbar.

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