Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Eröffnung der 9. Privattheatertage

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Grußwort Senator Brosda zur Eröffnung der 9. Privattheatertage

Lieber Axel Schneider,
liebe Ensembles der nominierten Inszenierungen,
liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

„Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters“ hat Theaterlegende Max Reinhard einmal gesagt.

Dieser Überzeugung kann ich mich heute mehr denn je und voller Zuversicht anschließen:

Nach 7 Monaten pandemiebedingter Abwesenheit ist das Live-Theater seit zwei Wochen zurück auf Hamburgs Bühnen. Bunt und prall und voller Leben!

Lange wurde auf diesen Öffnungsmoment hin gefiebert. Lange haben wir alle uns engagiert dafür eingesetzt.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass mit diesen Öffnungen gleichzeitig auch eine große Verantwortung einhergeht. Das Argument der besonderen Bedeutung unserer Kulturorte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, stand in den letzten Wochen und Monaten immer wieder im Mittelpunkt der Debatte um die Öffnungsperspektiven für Kunst und Kultur.
Kulturorte sind wichtige und für alle offene Diskurs- und Möglichkeitsräume.

Tag für Tag wird hier verhandelt, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen. Kulturorte sind daher auch wichtige politische Orte, die es zu schützen und zu stärken gilt. Vor allem aber sind sie Orte des ästhetischen Erlebens.

Ohne Frage steckt genau darin das große Potential, die große Wirkkraft von Kunst und Kultur. Es ist aber auch eine große Aufgabe, die jetzt, da die Häuser wieder offen sind, wieder stärker in den Mittelpunkt der konkreten täglichen Arbeit rücken kann. Kulturorte sollten ihr Versprechen einlösen und zu Räumen der Teilhabe werden.

Die Privattheater zeigen, wie das gehen kann. Denn sie zeichnen sich bekanntlich durch eine große Genrevielfalt, individuelle Schwerpunktsetzungen und eine große Nähe zu Ihrem Publikum aus. Sie halten Angebote für die unterschiedlichsten Menschen und ihre kulturellen Vorlieben bereit.

Dass die „9. Privattheatertage“ das erste Theaterfestival sind, das wieder vollständig analog stattfinden kann, ist auch deshalb eine ganz besondere Freude.

Trotz der kurzfristigen Gewissheit, dass die Privattheatertage in Präsenz stattfinden würden, haben sich ausnahmslos alle zwölf nominierten Ensembles auf den Weg gemacht, um mit ihren Inszenierungen gleich neun Hamburger Spielstätten wiederzubeleben – und diesmal ist sogar ein Museum unter den Spielstätten.

Das unterstreicht einmal mehr die herausragende Bedeutung dieses Festivals für die deutsche Privattheaterszene. Denn obwohl natürlich die nominierten Inszenierungen im Mittelpunkt des Festivals stehen, sind die Privattheatertage zugleich auch ein Netzwerktreffen mit repräsentativer Strahlkraft:
Sie machen die herausragende Arbeit der privat betriebenen Bühnen in Deutschland einem breiteren überregionalen Publikum bekannt.
Und sie würdigen die Bedeutsamkeit der privaten Theaterhäuser für die einzigartige Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft. Ein Reichtum, um den wir international von vielen beneidet werden.

Dass die Privattheater, für die diese Pandemie besonders schwer und existenzbedrohend ist, nun hier bei uns in Hamburg gemeinsam den Übergang in eine – hoffentlich – post-pandemische Theaterära beschreiten können, freut mich daher sehr!

Denn wenn uns die Pandemie eins gelehrt hat, dann ist das nicht nur die unbedingte Notwendigkeit von Kunst und Kultur, die als gemeinsame Basis unsere Gesellschaft auch in herausfordernden Zeiten zusammenhält. Es ist auch die Einsicht, dass wir unsere Kraft aus der Vernetzung statt aus der Konkurrenz schöpfen müssen.

In den kommenden Tagen dürfen wir zwölf Inszenierungen erleben, die schon in der Spielzeit 2019 / 20 Premiere feierten. Sie entstanden in einer Zeit der Unbeschwertheit;

in einer Zeit, in der es undenkbar erschien, dass unser öffentliches und kulturelles Leben zum Stillstand kommen würde. In den kommenden Tagen werden hier also Stücke präsentiert, die Corona-konform adaptiert werden mussten. Denn selbstverständlich steht bei diesem Festival nicht nur die Sicherheit des Publikums, sondern auch die der Spielerinnen und Spieler im Mittelpunkt.

Ich bin mir aber sicher, dass der ein oder andere Meter zusätzlicher Abstand auf der Bühne in keinem Moment die Euphorie trüben wird, Theater endlich wieder in leiblicher Kopräsenz mit dem Publikum spielen und erleben zu können. Denn:
Wie kann eine Aufführung ihre vollständige Bedeutung entfalten, wenn sie nicht unmittelbar auf ihr Publikum trifft?
Wenn sie im Anschluss nicht lebendig diskutiert werden kann, um im Gespräch nachzuwirken?
Es ist diese Erfahrung des geteilten Raums, die eine Aufführung so besonders macht:

das Erlebnis, Teil einer temporären Gemeinschaft zu sein. Und obwohl diese spezifische Aufführungsqualität jedem Theatererlebnis innewohnt, ist der Kontakt mit dem Publikum besonders für die Privattheater von existentieller Bedeutung.

Als privat wirtschaftende Häuser sind sie unmittelbar auf die Nähe und Gunst ihres Publikums angewiesen.

Nur mit dessen ständiger Unterstützung ist das Fortleben dieser Theater gesichert. Umso schöner ist es, bei den „Privattheatertagen“ Jahr für Jahr mitzuerleben, dass die Experimentierfreude der Szene nicht nachlässt und das Publikum nach wie vor begeistert.

In bewährter Tradition verteilen sich die nominierten Inszenierungen auch in diesem Jahr wieder auf drei Kategorien: (moderner) Klassiker, (zeitgenössisches) Drama und Komödie.

Dadurch stehen die eingeladenen Inszenierungen auch stellvertretend für die Vielfalt der privaten Bühnen in Deutschland. In dieser Vielfalt steht das „Altonaer Theater“ bekanntlich die Programmatik „Wir spielen Bücher!“. Daher passt es wunderbar, dass auf dieser Bühne heute das „Junge Theater Göttingen“ mit der Adaption des autobiografischen Romans „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff die diesjährigen „Privattheatertage“ eröffnen wird.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
weil das letzte Jahr eine entsetzliche Lücke in meinem Theater-Herzen hinterlassen hat, freue ich mich umso mehr, dass wir dieses Jahr die Privattheatertage gleich doppelt genießen können: einmal die nachgeholten Privattheatertage von 2020 und dann im Herbst die nächste reguläre Festivalausgabe.

Wobei „regulär“ es nicht so richtig trifft: Denn es wird das zehnte Jubiläum des Festivals gefeiert werden!

Mein besonderer Dank heute gilt Axel Schneider und dem ganzen Festivalteam:
Vielen Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz, die „Privattheatertage 2020“ trotz aller Widrigkeiten der letzten Monate nun doch zu realisieren. Und wie schön, dass Sie die Chance ergreifen, das Jubiläumsjahr gleich mit zwei Festivalausgaben zu begehen!

Ebenfalls gilt mein Dank allen neun Hamburger Spielstätten, die ihre Bühnen für das Festival zur Verfügung stellen.

Allen eingeladenen Inszenierungen wünsche ich ein kräftiges toi, toi, toi!

Und Ihnen, liebes Publikum, wünsche ich ein rauschendes Theaterfest, das Momente des Staunens, der Freude, des Nachdenkens und des Austauschs für Sie bereithält.

Lassen Sie uns gemeinsam die Unsterblichkeit des Theaters feiern!

Schönen Dank.

Themenübersicht auf hamburg.de

Anzeige
Branchenbuch