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Worte des Gedenkens anlässlich der Trauerfeier für F.C. Gundlach

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Rede des Senators Dr. Carsten Brosda

Trauerrede für F.C. Gundlach

Sehr geehrte Frau Gundlach,
sehr geehrter Herr Gundlach,
sehr geehrte Familienangehörige,
sehr geehrte Wegbegleiter, Kollegen und Freunde,
liebe Trauergemeinde,

“I once was lost, but now am found,
was blind, but now I see”

Einst war ich verloren, aber nun bin ich gefunden,
War blind, aber nun sehe ich.

Diese Zeilen stammen aus dem Lied „Amazing Grace“, das der wunderbare Till Brönner vorhin gespielt hat. F.C. Gundlach hat sich diese Hymne zu seiner Trauerfeier gewünscht.

„Was blind, but now I see“. Es geht um das Glück, die Fortune, plötzlich zu sehen, ja zu erkennen.
Dieses Sehen meint nicht einfach nur das Wahrnehmen der weltlichen Oberflächen, sondern die Fähigkeit, zu verstehen – die Fähigkeit, auch hinter die Dinge zu gucken, Zusammenhänge zu begreifen, sich selbst zu erkennen.
Es meint Demut und Dankbarkeit.
Es meint aber auch – und das vielleicht vor allem – sich selbst im Anderen zu sehen, die Anstrengung, den Willen zur Menschlichkeit.

F.C. Gundlach war Fotograf. Sehen war sein Leben.

Er war ein einfühlsamer Portraitfotograf, wie beispielsweise die zartbitteren Romy-Schneider-Portraits beweisen, und ein begnadeter Modefotograf. Wir alle haben seine vielen gleichsam ikonischen Werke vor Augen.

Er war aber auch Unternehmer mit Weitsicht, ein Galerist mit Kennerblick und ein leidenschaftlicher Sammler mit Überblick.
Als engagierter Lehrer vermittelte er Einsichten und als Kurator und Gründer des Hauses der Photographie Aussichten.
Als Stifter bewies F.C. Gundlach Umsicht und Weitblick.
Und als Förderer, beispielsweise junger begabter Fotografinnen oder Fotografen, gab er anderen Perspektiven.

F.C. Gundlach war stets neugierig auf neue technische Entwicklungen und damit so manches Mal seiner Zeit voraus. Er hatte ein untrügliches Gespür für künstlerische Qualität.

F.C. Gundlach war im Wortsinne ein Visionär. Er schaute fest nach vorn – in dem Wissen darum, dass man Geschichte fortschreiben kann und muss. Das hat er mit dem größten Vergnügen getan. Er hatte immer einen Plan. Und das Geschick, die Überzeugungskraft und die Fortune, diesen Plan auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Stadt Hamburg hat ihm viel zu verdanken.

1956 zog F.C. Gundlach endgültig in unsere Stadt. Hamburg war damals bereits die westdeutsche Medienmetropole.

Hier fand er eine Heimat: privat und beruflich. Zunächst bei „Film und Frau“ und anschließend bei der „Brigitte“, für die er mehr als 160 Titelcover und über 5.000 Seiten im redaktionellen Modeteil schuf. Mit seinen modernen Inszenierungen brachte er die weite Welt in die Wohnzimmer, als Reisen noch keine Selbstverständlichkeit war. Er schulte den ästhetischen ebenso wie den sozialen Blick – und seine Werke tun das bis heute. Sie sind in ikonographischen Deutungen unserer Welt gereift. Sie definieren die klassische Moderne der Fotografie. Er schuf eine Ikonographie der Welt der Bundesrepublik.

1967 gründete F.C. Gundlach die Firma „Creative Color“ und 1971 dann den legendären „Professional Photo Service“ (PPS) im Bunker am Heiligengeistfeld. Dort richtete er Entwicklungslabore ein, bot Ausrüstung und Studios zum Mieten an und schaffte als einer der ersten überhaupt einen professionellen Scanner an. Das war mutig und innovativ und zog neben zahlreichen professionellen Fotografen auch begeisterte Hobbyfotografen an.

Der PPS-Bunker war der Hotspot der Fotografie – und F.C. Gundlach der spiritus rector der deutschen Fotografie-Szene.

Hier richtete er eine der ersten Fotogalerien Deutschlands ein. Das war 1975 und die Fotografie kämpfte darum, als gleichwertige Kunstform mit der Malerei anerkannt zu werden. Bis 1992 präsentierte F.C. Gundlach die heute großen Namen wie Irving Penn, Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Sebastiano Salgado, Nan Goldin, Wolfgang Tillmans und viele mehr.

Parallel dazu konzentrierte er sich seit den 1980er Jahren zunehmend auf seine Tätigkeit als Sammler. Im Zentrum seines Sammler-Interesses stand „das Bild des Menschen in der Photographie“. Die Fragen waren die gleichen wie die seiner eigenen Werke:

Wovon träumt der Mensch, was bewegt ihn im Innersten, wie zeigt er sich und was zeigt er vielleicht nicht, wie sieht er sich selbst und wie wünscht er sich, dass andere ihn sehen?

Über die Jahre gelang ihm auf der Suche nach fotografischen Antworten eine Sammlung mit Weltruf.

Aber F.C. Gundlach, der Visionär, wollte noch mehr.
Er wollte in Hamburg eine bis dato in Deutschland einmalige Infrastruktur für die Fotografie aufbauen. Der erste Schritt war die Gründung des Arbeitskreises Photographie Hamburg gemeinsam mit der Kulturbehörde.

Nach einer ersten Ausstellung 1994 auf Kampnagel, trat der Arbeitskreis in den Deichtorhallen mit einer viel beachteten Schau zur „Geschichte des deutschen Fotojournalismus“ in Erscheinung.
Aus diesem Erfolg heraus entwickelte sich die Idee zur „Triennale der Photographie“, die 1999 zum ersten Mal stattfand und sich seitdem einen internationalen Ruf erarbeitet hat.

Um die Zukunft seines Werkes und seiner Sammlung zu sichern, gründet er 2000 die Stiftung F.C. Gundlach. Und da war noch eine weitere Idee. Und was für eine:

In New York und Paris gab es mit dem „International Center of Photographie“ und dem „Maison Européenne de la Photographie“ besondere Orte, die sich der Fotografie widmeten, – warum nicht auch in der Medien- und Fotostadt Hamburg?

Im Auftrag der damaligen Kultursenatorin Christina Weiss machte er sich daran ein Konzept zu entwickeln. Mit Erfolg: Die südliche Deichtorhalle wurde umgebaut und 2005 als „Haus der Photographie“ neu eröffnet. F.C. Gundlach wurde sein Gründungsdirektor und stellte dem Haus auch seine Sammlung als Dauerleihgabe zu Verfügung.

All diese Aktivitäten F.C. Gundlachs haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stadt Hamburg heute international als Stadt der Fotografie und der Fotografen wahrgenommen wird. Bis zuletzt hat er viele, viele Menschen für das Medium der Fotografie und ihre künstlerischen Möglichkeiten begeistert.

Auch dafür wurde er 1991 mit der „Biermann-Ratjen-Medaille“ der Freien und Hansestadt Hamburg und 1997 mit dem „Verdienstkreuz am Bande“ geehrt.

Aber in Erinnerung behalten werde ich nicht nur den großen Meister der Fotografie, sondern auch den zutiefst beeindruckenden Menschen, der mehrmals im Jahr bei uns in der Kulturbehörde im Vorraum der Präsidialabteilung saß und dort mit der gleichen Leidenschaft und Eindringlichkeit dafür sorgte, dass Werke aus seiner Sammlung gut präsentiert wurden.

Meine Vorgängerinnen haben diese Ausstellungen mit seiner Stiftung vereinbart und bis vor wenigen Jahren hat es sich F.C. Gundlach nicht nehmen lassen, sie bis hin zur Hängung selbst zu kuratieren. Was für ein Geschenk das war – und hoffentlich bleibt.

Ich kann nur ahnen, welche Lücke sein Tod bei seinen Verwandten, Freundinnen und Freunden hinterlässt. Wir fühlen mit Ihnen.
„Ich lebe immer von vorne und nicht nach hinten“, hat F.C. Gundlach einmal in einem Interview gesagt.

Nun wollen wir an seiner statt nach vorne blicken, sein Vermächtnis bewahren und in die Zukunft fortführen.

Die Verlängerung des Leihvertrags für die „Sammlung F.C. Gundlach“ ist bereits mit der Stiftung in Vorbereitung.
Und das denkmalgeschützte „Haus der Photographie“ wird ab diesem Monat grundlegend saniert und modernisiert.
Dabei werden wir eine frühere Idee F.C. Gundlachs aufgreifen und eine weitere Ebene für den Publikumsbetrieb schaffen. Diese werden wir ihm und seiner Sammlung widmen, mit eigener Ausstellungsfläche, Sammlerbibliothek und Schaudepot.

Bereits während der Umbauzeit wird das Phoxxi, ein „temporäres Haus der Photographie“ auf dem Deichtorplatz der künstlerischen Fotografie weiterhin eine Heimat geben.
Und 2022 wird Hamburg mit der 8. Triennale der Photographie erneut Gastgeberin für die internationale Fotografie sein.

All das verdanken wir F.C. Gundlach. Lassen wir unseren Blick von seiner Vision leiten. Sehen wir nach vorne.

Im Gedenken an den wunderbaren Fotografen
Voller Dankbarkeit für die Bekanntschaft mit einem beeindruckenden Menschen.
Im Wissen um die Kraft des genauen, unvoreingenommenen Blicks.
In der Hoffnung auf ein besseres Erkennen.

Danke F.C.!

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