Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Eröffnung der Ausstellung "Toyen" in der Hamburger Kunsthalle

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Senators Dr. Carsten Brosda

Eröffnung der Ausstellung Toyen Kunsthalle Hamburg

Exzellenz,
sehr geehrter Herr Professor Klar,
sehr geehrter Herr Botschaftsrat,    
sehr geehrte Frau Třeštíková,
sehr geehrte Damen und Herren,

Toyen verbinde „Zartheit mit Exzentrizität, raffinierten Zauber mit bizarrer Phantasie, reine Form mit magischer Improvisation“, schrieb der tschechische Surrealist Vítězslav Nezval 1925.

Das Werk Toyens ist in der Tat eigenwillig – so eigenwillig wie Toyen auch als Person war.

Unter den Zeitgenossinnen – vor allem in Prag und Paris, den beiden Städten, in denen sie lebte – war sie noch geschätzt. In den letzten Jahrzehnten geriet sie allerdings – zu Unrecht – zunehmend in Vergessenheit und war nur noch in Fachkreisen bekannt.
Das will diese Ausstellung nun endlich wieder ändern und ihre Kunst einem größeren Publikum zugänglich machen.

Toyens Bilder sind schillernde Träume und Albträume, in denen sie mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen, Widersprüchlichem und Uneindeutigem spielt.

Auf einem Bild („Le Coffres / Die Safes“ von 1946) sieht man beispielsweise einen Raum voller Schließfächer bis unter die Decke, aus einigen läuft eine rote Flüssigkeit der Boden des Raumes ist bedeckt von einer Art ansteigender grüner Ursuppe.

Und in dem Bild „Mitternacht, Stunde der Rätsel“ (von 1961) liegt sphinxhaft ein Affe auf einer Steinbank – den Betrachter fest im Blick. Rechts und links am Bildrand sieht man schemenhaft löwenähnliche Wesen, der eine schlafend, der andere brüllend. Im Hintergrund ein grellrotes Nebelgewabere.

Toyen zeigt uns eine Welt, die mystisch, magisch und manchmal auch unheimlich ist. Toyen – so würde ich ihr unterstellen – wollte nicht, dass wir die Bilder sofort verstehen. Die Verrätselung der Welt, sie ist hier durchaus Programm. Die Uneindeutigkeit ein Qualitätsmerkmal.

Das passt sehr gut in unsere Zeit, die sich doch so sehr nach Vernunft und Eindeutigkeit sehnt. Eine Zeit, die geradezu verzweifelt versucht, Ordnung zu bringen in eine Welt, die durch Globalisierung und Digitalisierung immer schneller und immer unübersichtlicher wird. Das Aushalten, ja das Annehmen der Uneindeutigkeit, der Ambiguität ist zwingend, wenn wir die Potentiale der Moderne heben wollen.

Vielleicht kommt diese Ausstellung deshalb gerade zur rechten Zeit . . .

Sie verführt uns dazu, uns mit der Frage zu beschäftigen, wie der Mensch mit dem umgeht, was er nicht begreifen kann. Und sie zwingt uns dann in einem nächsten Schritt vielleicht auch die Frage auf, wie wir uns die Welt einrichten wollen. Das ist vielleicht die politische Seite, die Toyen auch mit der Wahl ihres Künstlernamens ausdrückte, der auf das französische Wort Citoyen – Bürger – zurückgeht.

Die andere Seite in ihrem Schaffen ist eine sehr individualistische und sehr subjektive Wahrnehmung von Welt. Auch das korrespondiert womöglich ganz hervorragend mit unserer heutigen Zeit, in der die Singularität zur Chiffre der soziologischen Deutung geworden ist.

Toyen wusste: Die Welt ist voller Ungewissheiten und Fragen. Das macht es spannend, aber manchmal auch sehr anstrengend. Wer dennoch bereit ist, scheinbar endgültige Gewissheiten in Frage zu stellen, nach Antworten zu suchen, diese auch wieder zu verwerfen, zu zweifeln, weiter zu suchen und so den eigenen Blick zu weiten – der ist in dieser Ausstellung sicherlich richtig.

Meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass wir heute Gäste aus dem Heimatland der Künstlerin bei uns haben. Sie waren heute schon bei den Schiffstaufen der „Prag“ und der „Dresden“ zugegen. Prag, Paris, Dresden und Hamburg – die Stadtbilder dieser Metropolen sind durch Flüsse gezeichnet, deren Wasser durch Europa hinweg Verbindungen schafft. Aufgrund eben dieser Verbindungen kam es zu einem Austausch, aus dem letztendlich die europäische Idee hervorging.

Einheit in der Vielheit, das ist nach wie vor eine überzeugende Vision. Ebenfalls eine, die Widersprüche und Uneindeutigkeiten umfasst.

Die europäischen Staaten sind Nachbarn. Und eine gute Nachbarschaft muss man pflegen. Gemeinsame künstlerische Projekte wie diese Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft der tschechischen und der französischen Botschaften in Berlin steht, sind dabei ein gutes Mittel. Denn was könnte besser sein, um einander kennenzulernen und einander zu verstehen, als sich über die Kunst und über diesen „Umweg“ auch über die Welt zu unterhalten?

Die Ausstellung, die wir heute eröffnen, ist ein wunderbares Beispiel für eine gelungene europäische Zusammenarbeit. Die Kultureinrichtungen dreier Städte waren beteiligt: Paris, Prag und Hamburg.

Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so wurde mir berichtet, arbeiteten in Zeiten, in denen es pandemiebedingt nicht möglich war, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, auch über die geographische Distanz hinweg sehr vertrauensvoll und engagiert zusammen.

Toyen, die eine Bummlerin zwischen den Welten war, hätte das sicherlich gefallen.

Danke.

Themenübersicht auf hamburg.de

Anzeige
Branchenbuch