Wohin mit dem Baggergut? Vom Bagger zum Boden

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Beim Ausbaggern von Elbe und Hafen fallen große Mengen Sand und Schlick an. Früher wurden das Baggergut auf Spülfelder gepumpt, um neues Land zu gewinnen. Auch im Bereich der Alten Dove-Elbe in Moorfleet entstand so in den 1930er Jahren ein Areal für die Besiedlung. Später wurde dort die Bille-Siedlung gebaut, von deren bewegter Boden-Geschichte dieser Lehrpfad erzählt.

Vom Bagger zum Boden

Geschichtlicher Hintergrund

Als international bedeutende Hafenstadt ist Hamburg darauf angewiesen, dass es wettbewerbsfähig bleibt. Das hängt vor allem von einer ausreichenden Wassertiefe der Elbe ab, damit auch große Frachter und Passagierschiffe den Hafen der Hansestadt anlaufen können. Wie jeder Fluss führt auch die Elbe Schlick und Sand mit, die sich mit der Zeit ablagern. Fahrrinne und Hafenbecken müssen deshalb regelmäßig ausgebaggert werden. Heute erledigen das meistens Baggerschiffe. Sie nehmen das Baggergut, ein Gemisch aus Schlick, Sand und Wasser, in ihrem Inneren auf. Dann transportieren sie es zu Abnahmestellen an Land oder verklappen es - sofern die Zusammensetzung ungefährlich ist - in festgelegten Bereichen der Außenelbe und der Nordsee.

Darüber hinaus sind aber auch weiterhin antriebslose Schwimmbagger im Einsatz, wie sie früher ausschließlich auf der Elbe zu finden waren. Sie werden von Schleppern in Position gebracht und mit Ankern fixiert. Mit Seilwinden können die Bagger den Abstand zu den Ankern variieren und so verholen. Das Baggergut gelangt über Rutschen in Schuten, die es zum Entladen zu einem Sauger bringen. Früher wurden Schuten stets von Schleppern gezogen, heute haben sie teils eigene Antriebe.

Moderne Baggergutbewirtschaftung

Hamburg betreibt heutzutage eine moderne Baggergutbewirtschaftung, bei der Sand und Schlick aus dem Baggergut in Anlagen an Land umweltverträglich und wirtschaftlich getrennt werden. Während der Sand unbelastet ist und als Baustoff dient, enthält der Schlick Schadstoffe. Er wird entwässert und deponiert. Früher war das anders: Das gesamte Baggergut endete auf Spülfeldern. Dabei wurde das Schlick-Sand-Wasser-Gemisch aus den Baggerschuten von Saugern aufgenommen und über große Rohrleitungen (Durchmesser ca. 60 Zentimeter) auf vorbereitete Flächen gepumpt.

Das Anlegen solcher Spülfelder diente und dient teilweise noch bis heute einem doppelten Zweck: Einerseits geht es um die Lagerung des Baggerguts und andererseits werden auf diese Weise neue Flächen für Hafenwirtschaft und Industrie geschaffen. Angestrebt wird dabei eine Erhöhung auf sturmflutsicheres Niveau. Im Hamburger Hafen und seinem näheren Umfeld sind so seit dem 19. Jahrhundert bereits ausgedehnte Flächen um durchschnittlich etwa fünf Meter aufgespült worden.

Wie ein großes Becken

Ein Spülfeld ist letztlich ein großes Becken, in das das verflüssigte Baggergut über eine Rohrleitung hineingepumpt wird. Es entsteht etwa dadurch, dass Flussarme abgedämmt und auf der Landseite zusätzliche Dämme aufgeschüttet werden. Aus dem Ende der Rohrleitung, dem Spülkopf, tritt das Baggergut in einem starken Schwall aus, der den Untergrund einen bis zwei Meter auskolken kann. Anschließend lagert es sich in Schichten ab. Während Sand nahe des Spülkopfs zurückbleibt, setzt sich Schlick erst mit nachlassender Strömungsgeschwindigkeit in größerer Entfernung ab. Das von Schwebstoffen befreite Wasser fließt durch Überläufe (Schütze) über Entwässerungsgräben zurück in die Elbe.

Auch in Moorfleet ist auf diese Weise ein völlig neues Gelände entstanden, das trotz seiner erst 70-jährigen Geschichte bereits auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurückblickt. Davon berichtet der Bodenlehrpfad Bille-Siedlung.

Alter Flussarm als Spülfeld

Der Mensch hat die Flussarme der Elbe immer wieder verändert. Zwischen 1875 und 1879 wurde die Dove-Elbe in Moorfleet abgedämmt und auf kürzerem Weg an die Norderelbe angeschlossen. Dadurch entstand ein nach Norden hin zunächst noch offener buchtartiger Flussabschnitt, der Alte Dove-Elbe genannt wurde. Später wurde er auch im Norden abgedämmt, sodass ein geschlossenes Becken entstand. In ihm wurde in den 1930er Jahren Baggergut aus der Elbe und dem Hamburger Hafen aufgespült.

Während des Krieges dienten Teile des sogenannten Spülfelds Moorfleet der Luftverteidigung. Anschließend wurde ein großer Bereich für die Besiedlung vorbereitet. Da der Boden überwiegend aus unfruchtbarem Sand bestand, wurde zwischen 1945 und 1950 auf diesem zusätzlich noch eine humusreiche Schicht aus Hafenschlick aufgebracht. Das geschah in der guten Absicht, die Eignung des Areals für den Garten- und Landschaftsbau zu verbessern. Dass der Schlick mit Schadstoffen belastet war, war den Verantwortlichen damals noch nicht bewusst.

Siedlung mit wechselvoller Geschichte

In den 1950er Jahren entstand auf dem Spülfeld Moorfleet dann die Bille-Siedlung. Die Belastung des Bodens wurde erst Ende der 1970er Jahre festgestellt, was in den 1990er Jahren schließlich zu umfangreichen Sanierungsmaßnahmen führte. Diese veränderten die Siedlung grundlegend.

Das Luftbild zeigt die Bille-Siedlung 1971 vor der Sanierung in ihrem ursprünglichen Zustand.

Das Luftbild zeigt die Bille-Siedlung 1998, nachdem die Sanierungsmaßnahmen weitgehend abgeschlossen waren. Große Teile der Siedlung wurden abgerissen. Im nördlichen und mittleren Teil entstanden stattdessen Grünflächen für den Golfsport. Andere Abschnitte sind nach Austausch des belasteten Oberbodens wieder bewohnt, wobei sich die Grundstückszuschnitte teils änderten.

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