Böse Überraschung Ein Boden hat Gedächtnis

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Mehrere Jahrzehnte nach der Errichtung der Bille-Siedlung tauchte plötzlich ein Problem auf: Der  alte Hafenschlick unter den Häusern und Grundstücken war hochgradig mit Schadstoffen belastet, darunter Schwermetalle und Dioxine. Die Konzentrationen waren so hoch, dass eine Sanierung unausweichlich war. Die Stadt unterbreitete den Bewohnern ein Kaufangebot für ihre Grundstücke.

Bodenlehrpfad Luftbild von 1921, Blickrichtung Nord

Ein Boden hat Gedächtnis

Der Boden

Die Schrägaufnahme von 1921 zeigt die Alte Dove-Elbe etwa 50 Jahre nach der ersten Abdämmung im Süden zwischen 1875 und 1879. Das Vorland des Moorfleeter Deichs wird landwirtschaftlich genutzt. Während die Parzellierung im Norden auf Acker- und Gartenbau hinweist, findet sich im Süden Grünlandnutzung. Die Alte Dove-Elbe ist bereits stark verlandet, weil die Spülwirkung des früheren Stroms fehlt. Der natürliche Schlickfall, der sich bei Tidehochwasser einstellt, wird durch den Ebbstrom kaum noch abtransportiert. Auf der Flusssohle bildet sich dadurch mit der Zeit eine Schlickablagerung ähnlich dem natürlichen Marschenklei, die sich wie eine Schutzschicht über die darunter liegenden spät- und nacheiszeitlichen Sande legt, die in diesem Bereich das Grundwasser führen.

Auf dem Luftbild rot umrandet ist das Gebiet, in dem nach dem Bau der zweiten Abdämmung im Norden der Alten Dove-Elbe das Spülfeld Moorfleet entstand. Wie bereits an Station 1 erläutert, erhielt das Areal später noch eine Schlickdeckschicht, um auf dem wenig fruchtbaren und sandigen Gebiet einen kulturfähigen Boden für die geplante Besiedlung zu schaffen. Mit der gut gemeinten Maßnahme handelte man sich zugleich allerdings unwissentlich eine Schadstoffbelastung ein, die erst viele Jahrzehnte nach dem Bau der Bille-Siedlung in den Jahren 1952 bis 1962 erkannt wurde.

Schadstoffe binden sich an Ton und Humus

Das Problem: Der aus dem Hafenschlick geschaffene zusätzliche Boden hat ein gutes Gedächtnis. Die Schadstoffe, die durch Industrie- und Hafenbetriebe sowie Kriegsschäden einst in die Umwelt gelangten, banden sich an Ton- und Humusteilchen, aus denen der Schlick besteht. Sie überdauern dort für lange Zeiträume und sorgen für Gefahr. Menschen können einerseits durch Kontakt mit belastetem Boden oder Staub mit ihnen in Berührung kommen. Andererseits können Schadstoffe den Weg zu ihnen über Gemüsepflanzen finden, die Gifte aus dem Boden aufnehmen. Zusätzlich kann auch das Grundwasser kann gefährdet sein, wenn lösliche Schadstoffe mit dem Sickerwasser hineingespült werden.

Arsen und Dioxin im Hafenschlick

Ende der 1970er Jahre fanden sich im Norden der 31 Hektar großen Bille-Siedlung mit ihren 264 Grundstücken zunächst Hinweise auf Ölverunreinigungen im Boden, die auf frühere Verklappung von Altöl schließen ließen. Daraufhin wurden genauere Erkundungen eingeleitet. Diese ergaben, dass vorbeugende Sanierungsmaßnahmen zum Grundwasserschutz in dem Gebiet nötig waren.

In den 1980er Jahren kam zudem heraus, dass der zur Landverbesserung aufgebrachte Hafenschlick mit Arsen, Schwermetallen sowie Dioxinen und Furanen belastet war. Die Arsen-Konzentration lag bei bis zu 211 Milligramm je Kilogramm Trockenmasse (mg/kg TM). Normal für Böden sind 1 bis 20 mg/kg TM. Die Cadmium-Belastung erreichte Werte von bis zu 19 mg/kg TM (üblich sind 0,1 bis 0,6 mg/kg TM) und die Konzentration der extrem giftigen polychlorierten Dibenzodioxinen und -furanen (PCDD/PCDF) lag sogar bei 172 bis 3855 Nanogramm je Kilogramm Trockenmasse (ng I-TEq/kg TM), während die normale Bodenbelastung bei lediglich 0,5 bis 53 ng I-TEq/kg TM liegt.

Mit einer Nutzung nicht vereinbar

Mit der damaligen Nutzung, zu der unter anderem Kinderspielflächen, Obst- und Gemüsegärten sowie Weiden für Nutztiere gehörten, waren diese Befunde nicht vereinbar. Zum Vergleich: Nach den heute geltenden Bewertungsmaßstäben des Bundesbodenschutzgesetzes gelten für derartige Flächen sogenannte amtliche Prüfwerte von lediglich 25 mg/kg TM für Arsen, 2 mg/kg TM für Cadmium und 100 ng I-TEq/kg TM für die Chemikaliengruppen PCDD beziehungsweise PCDF.

Im Zuge der Untersuchungen wurden außerdem Belastungen der Bodenluft mit Methan festgestellt. Das brennbare Gas entsteht durch die mikrobiologische Umsetzung der organischen Bestandteile alter Spülfeldschichten und der darunter liegenden natürlichen Ablagerungen. Methan kommt als sogenanntes Sumpfgas natürlicherweise auch in Torfmooren vor und bildet bei Konzentrationen von fünf bis 15 Volumen-Prozent explosionsfähige Gemische mit der Luft. Die Messungen ergaben, dass große Teile der damaligen Bille-Siedlung durch methanhaltiges Bodengas gefährdet waren.

Sanierung unumgänglich

Insgesamt war eine Sanierung des Gebiets aufgrund der Untersuchungsergebnisse unumgänglich. Die Umweltbehörde erstellte ein Sanierungskonzept, das vom Hamburger Senat gebilligt wurde. Die Stadt unterbreitete den Bewohnern der Bille-Siedlung ein Ankaufangebot, das etwa 85 Prozent der Haushalte annahmen. Das Konzept sah vor, die nicht durch das Bodengas gefährdeten Bereiche für die Wohnnutzung zu erhalten. Auf diesen Flächen sollte der belastete Schlick abgetragen und durch sauberen Boden ersetzt werden, wobei die bestehenden Gebäude teils erhalten und teils abgerissen werden sollten. Die bodengasgefährdeten Zonen sollten nicht wieder bebaut, sondern um Schutz gegen Direktkontakt und Verwehungen abgedeckt und als Grünflächen genutzt werden.

Pseudogley aus aufgefülltem Geschiebemergel über begrabenem Gartenboden aus Hafenschlick über Spülsand

Bodenlehrpfad/ BSU

1
Beschreibung des Horizonts:
aufgefüllter Mutterboden
Bodenkundliche Einordnung: humoser (h) Oberbodenhorizont (A) aus vom Menschen umgelagerten natürlichen Material.

2
Beschreibung des Horizonts:
aufgefüllte Deckschicht aus Geschiebelehm, Geschiebemergel und lehmigem Sand mit Bauschutt und Steinen. Zum Teil grobe Polyedergefüge bzw. Risse durch jahreszeitlichen Wechsel von Durchfeuchtung und Austrocknung. Oberflächennahe Risse mit eingeschwemmtem Mutterboden gefüllt.
Bodenkundliche Einordnung: mineralische Unterbodenhorizonte mit Stauwassereinfluss (S) aus vom Menschen umgelagerten natürlichen Material (j), je nach Zusammensetzung stärker stauend (d = dicht) oder stärker wasserleitend (w). Die prägende Eigenschaft steht an letzter Stelle im Horizontsymbol.

3
Beschreibung des Horizonts:
stark schluffiger humoser Sand, beim Aufbringen der Deckschicht durch Baumaschinen zerfahren und mit Geschiebemergelklumpen zerknetet, stark verdichtet und wasserstauend.
Bodenkundliche Einordnung: begrabener (f) Gartenboden (Ap) aus aufgefülltem Hafenschlick über Spülsand

Bei der Profilaufnahme im Sommer 2011 stand kein Stauwasser in der Profilgrube. Ich feuchten Jahreszeiten staut sich das Wasser, das im schwer durchlässigen Boden nur langsam versickern kann, aber bis zur Geländeoberfläche.

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