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Wissenschaft Ausbildung im Vereinigten Königreich nach dem Brexit

Ausbildung im Vereinigten Königreich nach dem Brexit

Viele Studierende entscheiden sich während ihres Studiums für einen Auslandsaufenthalt in dem Vereinigten Königreich. In den Jahren 2012 bis 2014 lag Großbritannien auf Platz 3 der beliebtesten Zielländer bei einem ausländischen Studienaufenthalt.

Studieren in Großbritanninen nach dem Brexit

Mit Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU könnten sich die Voraussetzungen für einen solchen Auslandsaufenthalt ändern. Dies gilt ebenso für Schüler/innen, die an einem Schüleraustausch teilnehmen. Wie in vielen anderen Bereichen sind die konkret zu erwartenden Auswirkungen des Brexit aber noch unklar. Ob und wie das Vereinigte Königreich etwa das Erasmus+-Programm fortführen wird, ist abhängig von der Entwicklung der Brexit-Verhandlungen. Die britische Regierung hat jedoch mehrfach informell angekündigt, auch nach dem Brexit für die Dauer des Programms bis 2020 den internationalen Austausch ermöglichen zu wollen.

Szenario 1: Austrittsabkommen mit Übergangszeitraum („Deal“)

Können sich das Vereinigte Königreich und die EU doch noch auf das derzeit debattierte Austrittsabkommen einigen, so haben (mindestens) sie bis Ende des Jahres 2020 Zeit, Fragen über die künftige Zusammenarbeit – und damit auch hinsichtlich der Themen Studium und EU-geförderter Schüleraustausch – zu klären. In der Zwischenzeit würde das Vereinigte Königreich trotz des Austritts weiterhin behandelt werden wie ein EU-Mitgliedstaat. In diesem Fall könnten Schüler/innen und Studierende weiterhin von ihrer EU-Freizügigkeit Gebrauch machen und sich im Vereinigten Königreich aufhalten und studieren. Die Studiengebühren würden, wie auch vor dem Brexit, entfallen.

Szenario 2: Ungeregelter Brexit („No-Deal“)

Kommt es zu einem „harten“ Brexit, das heißt einem Austritt ohne Abschluss eines Übergangskommens, gilt das Vereinigte Königreich mit dem Tag des Austritts im Verhältnis zu Deutschland als Drittstaat. Allerdings ist ein Studienaufenthalt im Rahmen des Erasmus-Programms auch in Nicht-EU-Mitgliedstaaten (wie etwa derzeit der Türkei) möglich. Das Vereinigte Königreich könnte somit auch nach dem Brexit – wie beabsichtigt – weiterhin am Erasmus+-Programm teilnehmen, wenn es dieses aus nationalen Mitteln finanziert. Studierende, die es in Betracht ziehen, nach dem Brexit im Vereinigten Königreich zu studieren, sollten dennoch folgende Aspekte berücksichtigen:

Im Falle eines ungeregelten Brexit

  • wäre ein Schüleraustausch oder Studienaufenthalt nicht mehr von der innerhalb der EU geltenden Freizügigkeit umfasst. Zur Einreise und zum Aufenthalt wäre daher ein Aufenthaltstitel erforderlich.
  • würden sich die Studiengebühren erhöhen, wenn nicht Großbritannien weiterhin Studierenden aus der EU einen privilegierten Status zubilligt. Andernfalls müssten Studierende aus der EU die regulären Gebühren für ausländische Studierende entrichten, die sich auf bis zu 30.000 Pfund (rund 33.800 Euro) belaufen könnten.
  • wäre ein Studium für deutsche Staatsangehörige in Großbritannien nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) nur noch ein Jahr förderfähig.

Es ist eine Notfallmaßnahme für den Fall eines ungeregelten Brexit geplant, welche sicherstellen soll, dass Studierende und Auszubildende aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland auch nach einem ungeregelten Brexit weiterhin BAföG erhalten. Die Regelung soll im Bedarfsfall kurzfristig erlassen werden können.

Studieren in Großbritanninen nach dem Brexit

Die Anerkennung beruflicher Qualifikationen wäre nach einem ungeregelten Brexit nicht mehr von der derzeit geltenden Berufsanerkennungsrichtlinie (Richtlinie 2005/36/EG) gedeckt, so dass für eine Anerkennung unter Umständen aufwendige Einzelfallprüfungen der Gleichwertigkeit der erworbenen Berufsqualifikationen erforderlich wären. Dies betrifft auch Wissenschaftler und Hochschulpersonal. Bereits erfolgte Anerkennung beruflicher Qualifikationen würden allerdings bestehen bleiben.

Die Anerkennung schulischer Qualifikationen beruht hingegen auf der Europäischen Konvention über die Gleichwertigkeit der Reifezeugnisse, die vom Vereinigten Königreich im Jahr 1954 unterzeichnet wurde und die nach wie vor gilt. Daher sind keine Änderungen im Anerkennungsverfahren der Zeugnisanerkennungsstellen zu erwarten.