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Brexit Die Auswirkungen des Brexit auf die Hamburger Wirtschaft

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Die Auswirkungen des Brexit auf die Hamburger Wirtschaft

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (der „Brexit“) hat bereits und wird auch zukünftig zu weitreichenden wirtschaftlichen Strukturveränderungen führen. Die zukünftigen Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union sind nun mit dem zum 01.01.2021 vorläufig in Kraft getretenen Handels- und Kooperationsabkommen festgelegt. Auch wenn durch das Handels- und Kooperationsabkommen ein „harter“ Brexit vermieden werden konnte und ein Warenverkehr ohne Zölle und Einfuhrbeschränkungen weiterhin möglich sein wird, bestehen für Wirtschaftsakteure sämtlicher Branchen nun neue Herausforderungen. Dabei ist festzuhalten, dass die wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen in Hamburg, auch aufgrund intensiver Vorbereitungen, bisher moderat ausgefallen sind.  

Erwartete und tatsächliche Auswirkungen auf die Hamburg Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der Hansestadt Hamburg und dem Vereinigten Königreich sind traditionell eng. Die Hamburger Wirtschaft ist daher durch den Brexit in vielfältiger Hinsicht betroffen. 

Nach Angaben des Statistikamts Nord (Stand: 22. Februar 2019) lag das Vereinigte Königreich im Jahr 2018 bei den Exporten auf Rang 3 und den Importen auf Rang 6 der wichtigsten Handelspartner Hamburgs. Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Handelspartner des Hamburger Hafens. Im Jahr 2018 wurden Güter im Wert von insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro aus Hamburg in das Vereinigte Königreich exportiert und Güter im Wert von rund 2,3 Milliarden Euro importiert. Das Exportvolumen stieg damit gegenüber 2017 um rund 120 Millionen Euro, während das Importvolumen im Vorjahresvergleich um etwa 150 Millionen Euro fiel. 

Nach Angaben der Handelskammer Hamburg unterhalten etwa 1.000 Hamburger Unternehmen Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich. Davon sind rund 200 Unternehmen permanent mit einer Niederlassung, über ein Joint Venture, eine Vertretung oder eine Produktionsstätte vor Ort präsent. Umgekehrt haben rund 70 britische Firmen in Hamburg einen Sitz. Nahezu alle Branchen sind im Großbritannien-Geschäft engagiert – von der Industrie über die Banken bis hin zu Logistik und Außenhandel. Fast vier Milliarden Euro haben Firmen aus dem Vereinigten Königreich in Hamburg investiert. Das sind rund 13 Prozent aller Auslandsinvestitionen in Hamburg. Hamburger Firmen haben im Vereinigten Königreich über 7,5 Milliarden Euro angelegt (20 Prozent der Hamburger Auslandsinvestitionen). 

Ein vom Ausschuss der Regionen der EU in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Schluss, dass 17,5 Prozent der Hamburger Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewerbe potenziell vom Brexit betroffen sind. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die bisher ausschließlich innerhalb der Europäischen Union (inkl. Vereinigtem Königreich) Geschäftsbeziehungen unterhalten haben und weiter Geschäftskontakte zum Vereinigten Königreich pflegen wollen, könnte der Brexit hart treffen, weil sie erstmalig ein spezielles Knowhow in der Zollabwicklung etc. aufbauen müssten.

 

Auswirkungen des Brexit auf die Hamburger Wirtschaft Hinweis: „Sonstige Ausfuhren“ bezeichnet die Summe aller weiteren Warengruppen mit niedrigeren Volumina (≤ 3%).


 

Schon vor dem 1. Januar 2021 waren leicht sinkende Exporte der Hamburger Unternehmen in das Vereinigte Königreich zu verzeichnen. Mit den nun auszufüllenden Formularen und Zertifikaten, die die Einhaltung der Warenursprungsregelungen belegen müssen. entstehen weitere Hürden für den Handel. Dies kann möglicherweise kleinen und mittleren Unternehmen Schwierigkeiten bereiten, die bisher nur innerhalb der EU gehandelt haben und nun zusätzlich Know-How im Handel mit Nicht-EU-Staaten aufbauen müssen.

Größere Verwerfungen hat es bisher nicht gegeben, längere Staus an den Grenzen haben sich bisher nicht gebildet. Die mittel- und langfristigen Folgen des Brexit sind noch nicht in Gänze absehbar.

Insgesamt reagieren Hamburger Unternehmen bisher pragmatisch auf die neue wirtschaftliche Lage. Es scheint sich ausgezahlt zu haben, dass sich Hamburg lange intensiv und systematisch auf den Brexit vorbereitet hat.

Vorbereitung der Wirtschaftsakteure

Hamburg hat sich lange und systematisch auf den Brexit vorbereitet. Grundsätzlich wurde jedes Unternehmen aufgerufen, sich auf Veränderungen einzustellen, insbesondere im Bereich des Warenverkehrs und abhängig vom künftigen Engagement im Vereinigten Königreich, Unternehmensgröße und Branche. Unternehmen sollten beispielsweise Verträge durch geeignete Klauseln ergänzen, ihre Lieferketten analysieren und Notfallpläne für den Brexit aufstellen. Eine im Jahr 2020 von der IHK Nord durchgeführte Umfrage zum Vorbereitungsstand der Unternehmen auf den Brexit ergab im Wesentlichen, dass sich knapp die Hälfte der Unternehmen „sehr gut“ bzw. „eher gut“ vorbereitet sah, weniger als 10 % jedoch „eher schlecht“ oder „schlecht“ vorbereitet. Gleichzeitig beurteilten 64 % der Befragten die Entwicklung der künftigen Geschäftstätigkeiten im VJ als „eher ungünstig.“ Die Umfrageergebnisse sind auf der Website der IHK Nord abrufbar.

Die Handelskammer hat ebenfalls die Ergebnisse einer Umfrage zum Vorbereitungsstand der Hamburger Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien auf den Brexit veröffentlicht: Der überwiegende Teil der Hamburger Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien fühlte sich gut auf den Brexit vorbereitet. Dabei ist besonders positiv, dass dies auch für die kleinen und mittleren Unternehmen gilt. Informationen dazu finden Sie auf der Website der Handelskammer Hamburg.



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