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BQ 12 Systemanalysen und Bildungsberichterstattung FAQs zum Hamburger Sozialindex

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Häufig gestellte Fragen zum Sozialindex für Hamburger Schulen

FAQs zum Hamburger Sozialindex

1. Was ist der Sozialindex für Hamburger Schulen?

Der Sozialindex ist ein Maß für die soziale Belastung der einzelnen Hamburger Schulen. Er beschreibt die soziale Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler: Wenn die meisten von ihnen aus bildungsfernen Schichten und schwierigen Verhältnissen kommen, hat die Schule einen Sozialindex von 1. Wenn sie aber hauptsächlich aus bildungsnahen Schichten und wohlhabenden Verhältnissen kommen, hat die Schule einen Sozialindex von 6.

Je nach Sozialindex erhalten die Schulen in Hamburg mehr oder weniger Geld. Die Mittel werden also nicht gleichmäßig „mit der Gießkanne“ verteilt, denn das würde bestehende Ungleichheiten noch vergrößern. Stattdessen fließt ein Teil des Geldes dahin, wo es am dringendsten gebraucht wird – an die Schulen, die einen höheren Anteil von Schülerinnen und Schülern mit schlechteren Startbedingungen haben.

2. Warum gibt es den Hamburger Sozialindex?

Hamburg ist eine Stadt mit großen sozialen Unterschieden: In manchen Wohngebieten leben vor allem Menschen mit hohen Einkommen und Bildungsabschlüssen. In anderen Regionen treten vermehrt soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Kinderarmut auf. Das spiegelt sich auch in den Schulen wider: An manchen Schulen lernen fast nur Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern. An anderen Schulen gibt es viele Kinder aus armen Verhältnissen – und an wieder anderen Schulen ist die Schülerschaft sehr gemischt.

Damit haben die Hamburger Schülerinnen und Schüler aber auch ungleiche Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Studien haben gezeigt, dass vor allem die soziale Herkunft eines Kindes darüber entscheidet, wie viel es lernt und welchen Bildungsabschluss es später erreicht.

In Großstädten wie Hamburg sind Kinder aus sozial schwachen Familien dabei doppelt benachteiligt: Erstens bekommen sie zu Hause weniger Unterstützung. Und zweitens besuchen sie oft Schulen, an denen viele Schülerinnen und Schüler aus schwierigen Verhältnissen miteinander lernen. Dann fehlen zum Beispiel starke Schülerinnen und Schüler, die die Schwächeren mitziehen, und die Schule muss erhebliche Mehrarbeit leisten.

Der Hamburger Sozialindex soll diesen Ungleichheiten entgegenwirken. Er stellt sicher, dass Schülerinnen und Schüler mit geringeren Bildungschancen in der Schule zusätzlich gefördert werden können. So leistet er einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit.

3. Welche Auswirkungen hat der Sozialindex?

Der Sozialindex teilt die Hamburger Schulen in sechs Belastungsgruppen ein. Diese Einteilung wird für verschiedene Zwecke genutzt, zum Beispiel bei der Festlegung von finanziellen Mitteln oder bei der Ermittlung des Personalbedarfs von Schulen:

  • Personalbedarf für den Unterricht: Grund- und Stadtteilschulen mit einem Sozialindex von 1 oder 2 erhalten mehr Personal, damit sie kleinere Klassen in den Klassenstufen 1-4 bilden können.
  • Inklusion: An Grundschulen stehen für die sonderpädagogische Förderung umso mehr Mittel und Personal zur Verfügung, je niedriger der Sozialindex ist. In den Klassenstufen 5-10 werden die Mittel und das Personal schülerbezogen zugewiesen. Diese Zuweisung ist an Schulen mit Sozialindex 1 und 2 höher als Schulen mit Sozialindex 3 bis 6.
  • Additive Sprachförderung: An Vorschulen, Grundschulen und Stadtteilschulen (Sekundarstufe 1) hängen zusätzliche Lehrerstellen von der Schülerzahl und dem Sozialindex ab. Je niedriger der Sozialindex, desto mehr Personalstunden stehen für die Sprachförderung zur Verfügung.
  • Vorstellung der Viereinhalbjährigen: Die Höhe des Ausgleichs für den Mehraufwand, den Grundschulen durch die Vorstellung der Viereinhalbjährigen haben, ist abhängig vom Sozialindex.
  • Ganztagsangebote: Je niedriger der Sozialindex, desto mehr Mittel und Personal stehen für das Ganztagsangebot in Grund- und Stadtteilschulen (Klassen 1-4) zur Verfügung.
  • Sekretariat: An Vorschulen, Grundschulen und Schulen mit Sekundarstufe 1 und 2 hängt die Personalausstattung des Schulbüros vom Sozialindex ab. Je niedriger der Sozialindex, desto mehr Personalstunden stehen zur Verfügung.

Außerdem wird der Sozialindex genutzt, um repräsentative Stichproben zu bilden. Diese werden nicht nur für wissenschaftliche Studien und Auswertungen benötigt, sondern auch für die Berechnung „fairer Vergleichswerte“ im Rahmen von KERMIT oder für die Bildung vergleichbarer Schülergruppen im Rahmen der Bildungsberichterstattung.

4. Aus welchen Daten wurde der Sozialindex bei der letzten Aktualisierung berechnet?

Die Variablen, aus denen der Sozialindex bei der letzten Aktualisierung im Jahr 2013 errechnet wurde, stammen aus vier Bereichen. Den ersten drei dieser Bereiche liegt das soziologische Modell von Pierre Bourdieu zugrunde:

  • „soziales Kapital“ (soziale Beziehungen und Netzwerk)
  • „ökonomisches Kapital“ (z. B. das Einkommen)
  • „kulturelles Kapital“ (z. B. Bildungsabschlüsse)
  • Migrationsmerkmale

Der Sozialindex wurde aus folgenden 24 Variablen errechnet:

  1. Arbeitslosigkeit im Wohngebiet der Schülerinnen und Schüler
  2. Anteil der hilfebedürftigen Nichterwerbsfähigen im Wohngebiet der Schülerinnen und Schüler
  3. Wahlbeteiligung im Wohngebiet der Schülerinnen und Schüler
  4. Anzahl der Bücher zu Hause
  5. Häufigkeit des gemeinsamen Besuchs von Eltern und Kindern im Museum
  6. Universitätsabschluss als höchster Bildungsabschluss des Vaters
  7. Universitätsabschluss als höchster Bildungsabschluss der Mutter
  8. Hauptschulabschluss als höchster Bildungsabschluss des Vaters
  9. Hauptschulabschluss als höchster Bildungsabschluss der Mutter
  10. Durchschnittliches Haushaltseinkommen
  11. Beruf des Vaters in der oberen Dienstklasse (EGP-Klasse 1)
  12. Beruf der Mutter in der oberen Dienstklasse (EGP-Klasse 1)
  13. Beruf des Vaters in einer unteren Dienstklasse (EGP-Klasse 6)
  14. Beruf der Mutter in einer unteren Dienstklasse (EGP-Klasse 6)
  15. Eigenes Zimmer für das Kind
  16. Das Kind verbringt seine Freizeit mit Klassenkameradinnen und ‑kameraden
  17. Das Kind verbringt seine Freizeit mit den Eltern
  18. Die Eltern loben das Kind für eine gute Schulnote
  19. Die Eltern sind stolz auf das Kind
  20. Geburtsort des Vaters in Deutschland
  21. Geburtsort der Mutter in Deutschland
  22. Sprachhäufigkeit Deutsch bei Gesprächen mit der Mutter
  23. Sprachhäufigkeit Deutsch bei Gesprächen mit dem Vater
  24. Sprachhäufigkeit Deutsch bei Gesprächen mit den Geschwistern

Die Zahlen für die Variablen 1 bis 3 stammen vom Statistikamt Nord, das diese Daten getrennt nach Wohngebieten – sogenannten „statistischen Gebieten“ mit durchschnittlich 2.100 Einwohnerinnen und Einwohnern – erfasst. Die Variablen 4 bis 24 wurden durch Schüler- und Elternbefragungen ermittelt.

Zukünftig wird der Sozialindex allein aus amtlichen Daten berechnet werden (siehe die FAQs 13 bis 16).

5. Warum diese Daten und nicht andere?

Es gibt nicht die eine Art, soziale Belastung zu messen. Unterschiedliche Stellen und Forscher*innen definieren soziale Belastung unterschiedlich, jeweils mit Blick auf die Verwendung und die verfügbaren Daten. Bei der letzten Aktualisierung des Sozialindex in Hamburg zum Sommer 2013 wurden insgesamt 83 Variablen erhoben. Davon wurden anschließend 24 so ausgewählt,

  • dass die vier Bereiche „soziales, ökonomisches, kulturelles Kapital“ und „Migrationsmerkmale“ des zugrunde liegenden theoretischen Modells gleichmäßig vertreten sind,
  • dass sich die Schulen statistisch am besten in verschiedene Gruppen einteilen lassen.

Immer wieder werden weitere Variablen für die Verwendung im Sozialindex geprüft, zum Beispiel die Daten des Bildungs- und Teilhabepakets.

6. Wie wurde der Sozialindex bei der letzten Aktualisierung berechnet? Wie wurden die sechs Belastungsgruppen gebildet?

Der Sozialindex wurde bei der letzten Aktualisierung im Jahr 2013 mithilfe einer sogenannten konfirmatorischen Faktorenanalyse errechnet (siehe den Beitrag von Schulte, Hartig & Pietsch, 2014). Dabei werden bei der Berechnung eines Wertes für die soziale Belastung diejenigen Variablen stärker gewichtet, die die sozialen Unterschiede zwischen den Schulen besser abbilden.

So ergab sich für jede Schule eine Zahl zwischen –1,58 und 2,4 als „relativer Belastungswert“. Aus den Belastungswerten aller Schulen wurde eine Skala gebildet und in sechs gleich große Abschnitte eingeteilt. Der Abschnitt mit den höchsten Belastungswerten entspricht einem Sozialindex von 1, der Abschnitt mit den niedrigsten Belastungswerten einem Sozialindex von 6.

7. Wer wurde bei der Ermittlung des Sozialindex befragt?

Bislang wurden bei jeder Aktualisierung des Sozialindex Schülerinnen und Schüler sowie Eltern an allen staatlichen Grundschulen und weiterführenden Schulen befragt. Sonderschulen und Regionale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) nahmen nicht an der Befragung teil. Nicht staatliche Schulen konnten freiwillig teilnehmen.

An den teilnehmenden Schulen wurden nicht alle Klassen befragt, sondern zufällig ausgewählte Stichproben. Bei der letzten Befragung im Jahr 2011 waren dies vier Klassen pro Schule, wenn die Schule 100 bis 400 Schülerinnen und Schüler hatte. Bei mehr als 400 Schülerinnen und Schülern waren es fünf Klassen. Die befragten Schülerinnen und Schüler besuchten die Klassen 3 bis 9.

Zukünftig wird der Sozialindex allein auf der Grundlage amtlicher Daten berechnet werden.

8. Warum haben benachbarte Schulen einen unterschiedlichen Sozialindex?

Für die Ermittlung des Sozialindex ist nicht die regionale Lage einer Schule ausschlaggebend. Vielmehr beziehen sich die Daten, auf denen der Sozialindex beruht, auf die Familien der Schülerinnen und Schüler sowie deren Wohngebiete. Weil die Schülerinnen und Schüler nicht immer aus der unmittelbaren Umgebung ihrer Schule kommen, kann die soziale Belastung einer Schule anders sein als die von benachbarten Schulen oder Schulen in derselben Region.

9. Unser Sozialindex hat sich verbessert, obwohl sich die Lage an unserer Schule nicht verändert hat. Wie kann das sein?

Der Sozialindex ist keine absolute Größe, die etwas über die soziale Belastung einer einzelnen Schule aussagt. Er ist vielmehr ein Vergleichswert, der die relative Belastung aller Hamburger Schulen zu einem bestimmten Zeitpunkt abbildet. Der Sozialindex, der sich für eine einzelne Schule ergibt, ist also von der Verteilung der sozialen Belastung an allen Hamburger Schulen abhängig. Ein höherer Index muss deshalb nicht bedeuten, dass sich die soziale Lage an einer Schule verbessert hat. Es kann auch sein, dass es inzwischen mehr Schulen gibt, deren soziale Lage schlechter ist als die der eigenen Schule.

10. Unser Sozialindex erscheint uns zu hoch (bzw. zu niedrig). Was können wir tun?

Manchmal kommt es vor, dass der ermittelte Sozialindex nicht mit der eigenen Wahrnehmung der sozialen Belastung übereinstimmt: Im Vergleich mit anderen Schulen haben Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern oder die Schülerinnen und Schüler selbst den Eindruck, dass ihre Schule „zu gut“ bzw. „zu schlecht“ eingestuft wurde. Häufig werden die Schülerinnen und Schüler in solchen Fällen als belasteter eingeschätzt, als der errechnete Sozialindex nahelegt. Dies führt teilweise zu Irritationen, weil dann die erwartete finanzielle Unterstützung nicht zur Verfügung steht.

Schulen, an denen ein solcher Widerspruch zwischen ermitteltem Sozialindex und erlebter sozialer Belastung auftritt, können sich an das ihre zuständige Schulaufsicht oder das IfBQ wenden. In einem Gespräch zwischen Schulleitung, Schulaufsicht und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IfBQ versuchen wir dann gemeinsam, „den Daten auf die Spur zu kommen“ und Erklärungen für das Ergebnis zu finden.

11. Wie zuverlässig ist die Messung sozialer Belastung in Hamburg?

Der Vergleich mit älteren Werten zeigt, dass die Bestimmung der sozialen Belastung mithilfe des Sozialindex sehr stabil – und damit auch zuverlässig – ist. Ältere und aktuelle Rohwerte für den Sozialindex zeigen Korrelationen um 0,9, d. h. in beiden Messungen wurden sehr ähnliche Ergebnisse erzielt.

12. Wie hängt der RISE-Index mit dem Sozialindex zusammen?

In Hamburg gibt es neben dem „Sozialindex für Hamburger Schulen“ noch ein weiteres Maß für die soziale Belastung: den Index des Rahmenprogramms Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE). Der RISE-Index weist den Hamburger Wohngebieten verschiedene Stufen der sozialen Belastung zu, um Problemlagen frühzeitig zu erkennen. Er wird jedes Jahr aus amtlichen Daten berechnet, zum Beispiel der Arbeitslosenquote und dem Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Der RISE-Index erfasst die soziale Belastung also in Bezug auf Regionen (oder Wohngebiete) und nicht in Bezug auf Schulen wie der Sozialindex. Außerdem berücksichtigt der Sozialindex zusätzliche Merkmale, die sich auf schulisches Lernen auswirken können, zum Beispiel wie viele Bücher es zu Hause gibt. Trotzdem gibt es einen starken Zusammenhang zwischen den beiden Werten, der jedoch in den verschiedenen Hamburger Bezirken unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

13. 2013 ist ja schon ziemlich lange her… wann wird der Sozialindex aktualisiert und ändert sich etwas?

Der Sozialindex wird zum Schuljahr 2021/22 und dann etwa alle fünf Jahre aktualisiert. Künftig werden für die Berechnung des Sozialindex nur amtliche Daten genutzt, z. B. der Anteil der hilfebedürftigen Kinder in den Wohngebieten der Schülerinnen und Schüler und der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit nicht-deutscher Familiensprache an den Schulen. Das methodische Vorgehen bleibt im Grundsatz gleich.

14. Warum wird es zukünftig keine Befragung mehr geben?

An der letzten Befragung im Jahr 2011 gab es viel Kritik, die sich unter anderem auf die Teilnahmequote und die damit verbundene Aussagekraft der Daten bezog. Durch die Nutzung amtlicher Daten können nun die Daten aller Schülerinnen und Schüler, die an den Schulen lernen, genutzt werden.

15. Welche Variablen sollen für die nächste Aktualisierung genutzt werden?

Die Suche nach passenden Variablen für die Berechnung des Hamburger Sozialindex ist nicht einfach, denn sie müssen hohe Anforderungen erfüllen (z. B. Reliabilität, Validität, Objektivität, Aktualität, etc.), da damit Ressourcenzuweisungen verbunden sind. Für die Aktualisierung im Schuljahr 2021/22 gibt es noch keine endgültige Variablenzusammenstellung. Zusätzlich zu fachlichen Prüfungen werden Schulleitungen und Schulaufsichten im Herbst 2020 zu einem Austausch eingeladen. Dann soll über in Frage kommende Variablen diskutiert werden und darüber, inwieweit vorgeschlagene Variablen auch wahrgenommene soziale Belastung abbilden.

16. Welches theoretische Modell wird der Neuberechnung zugrunde liegen?

Bourdieus Modell der Kapitalarten wird im Hamburger Sozialindex immer noch über zwei der drei Kapitalarten (kulturelles und ökonomisches Kapital) abgebildet werden. Nicht mehr integriert ist das soziale Kapital. Da die Variablen des sozialen Kapitals in der Vergangenheit jedoch im statistischen Sinne am schwächsten abschnitten (z. B. geringe Intraklassenkorrelationen und Faktorladungen, d. h. wenig Beitrag zum Gesamtwert), ist dies aus methodischer Sicht gut zu vertreten.

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