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Stellungnahme "Lernmittel"

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"Lernmittel"

verabschiedet am 27.3.2000

Zunehmende Klagen über den Stand der Lernmittel von Seiten der Eltern, Lehrer und Schüler haben den Landesschulbeirat veranlasst, sich des Themas Lernmittel/Lernmittelfreiheit anzunehmen. Wegen der zum Teil noch nicht abzusehenden Kosten und Nachfolgekosten für den Bereich der "Neuen Medien in Schülerhand" hat sich der Landesschulbeirat dabei allerdings auf die traditionellen Lernlehrmittel - sprich Schulbücher - konzentriert.

In Hamburg besteht gemäß § 30 des Hamburgischen Schulgesetzes (HmbSG) Lernmittelfreiheit. Einschränkung gibt es in dreierlei Sicht:

  1. Für Schülerinnen und Schüler, die nicht der Schulpflicht in Hamburg unterliegen,
  2. Für Materialien und Gegenstände, die im Unterricht verarbeitet bzw. verbraucht werden,
  3. Für "Lernmittel von geringem Wert", näher definiert in der Verordnung über Lernmittel von geringem Wert vom 8.7.1975.

Nach Auskunft des Amtes für Schule wird der Umfang der von Eltern bezahlten Lernmittel statistisch nicht erhoben. Es gibt jedoch Ausgleichszahlungen für Härtefälle sowie eine Regelung für Sozialhilfeempfänger, nach der bei Einschulung ihrer Kinder 150,-- DM, für jedes weitere Schuljahr eine Pauschale von 60,-- DM für Materialanschaffung gezahlt wird.

Zur Deckung der Kosten werden den Schulen je nach Schülerzahlen sogenannte Lernmittelkopfsätze zugewiesen. Sie variieren für die Grundschule der Klassen 1 bis 4 von z.Zt. 76,60 DM (Stand 2000) bis 120,20 DM für Gymnasiasten und Gesamtschüler der Klassen 7 bis 10. Ein Höchstsatz wird gezahlt für Blinde und Sehbehinderte von jährlich 163,60 DM.

Seit 1990 wurden die Kopfsätze zwischen 16,3% und 57,4% an den verschiedenen Schulformen erhöht. Dieses entspricht einer Erhöhung von 18,6% im Durchschnitt für die letzten zehn Jahre, d.h. in den letzten zehn Jahren hat es durchschnittlich eine Erhöhung der Lernmittelkopfsätze von 1,7% pro Jahr gegeben.

Auf der Basis dieser Lernmittelkopfsätze stellen die Schulen ihrer Schülerschaft die notwendigen Lernmittel zur Verfügung, in der Regel werden die Lernmittel mehrfach eingesetzt, d.h. Klassensätze werden nach einem Jahr eingesammelt und an eine Nachfolgeklasse abgegeben.

Zur Stellung des Lehrwerks für den Unterricht

In der Regel ist das Lehrbuch - in der Erweiterung durch zusätzliche Materialien, auch Lehrwerk genannt - das zentrale Unterrichtsmittel.

Ein modernes Lehrbuch bietet:

  • eine systematische Lehrstoffpräsentation
  • eine begründete Auswahl von möglichen Unterrichtsstoffen
  • eine angemessene Progression und damit Verringerung der Komplexität des Lernstoffes
  • sowie eine motivierende Aufbereitung.

Die Lehrbücher sind in den einzelnen Fächern über die verschiedenen Jahrgänge hinweg aufeinander abgestimmt, bieten Wiederholungen und Sicherungen an, bei den neuen Lehrbüchern oft sogar auch Lernhilfen und Lerntipps.

Lehrbücher sind in der Regel von ganzen Teams von Experten erstellt, durchlaufen Prüf- und Auswahlverfahren. In ihnen sollte daher der aktuelle Stand von Didaktik und Fach reflektiert sein. Ganz ohne Zweifel sind daher Lehrbücher wechselnden, vom Lehrer ad hoc eingebrachten Unterrichtsmaterialien überlegen, was nicht heißen soll, dass aktualisierende und vertiefende Unterrichtsmaterialien nicht auch ihren Platz in einem modernen Unterricht haben müssen.

Aus den obigen Ausführungen ist unschwer zu ersehen, dass in vielen Fächern eigentlich die Schüler nicht nur die Lehrbücher der gerade besuchten Klassen, sondern auch die der vorher besuchten Klassen zur Verfügung haben sollten. Nur dann wäre selbständiges Wiederholen und eigenständiges Lernen (u.a. auch für die vom Schulgesetz vorgesehenen Nachprüfungen) möglich und gesichert.

Darüber hinaus gehören auf jeden Fall jene Lehrbücher in die Hand eines jeden Schülers, die den gesamten Lernprozess begleiten: z.B. fremdsprachliche Wörterbücher, Duden, Grammatiken, tabellarische Übersichten. Es wäre zu wünschen, dass jede Schülerinnen und jeder Schüler eine eigene kleine Handbibliothek solch lernbegleitender Bücher zu seiner eigenen Verfügung hätte.

Defizitanalyse

Offensichtlich sieht die Praxis an Hamburger Schulen jedoch anders als gewünscht aus. Aus zahlreichen Berichten und Erkundungen ergibt sich für den Landesschulbeirat folgendes Bild.

  1. Viel zu oft steht nicht das Lehrbuch, sondern die viel zitierte Fotokopie im Mittelpunkt des Unterrichts. Die berüchtigte "Zettelwirtschaft" ist dabei nicht nur ein ökologisches Problem. Meist bleibt es nämlich den Schülern überlassen, ein Ordnungssystem in die Vielzahl der Materialien zu bringen, ein Unterfangen, dem die meisten Schüler nicht gewachsen sind.
  2. Dort, wo das Lehrbuch eingesetzt wird, zeigt sich zu häufig, dass die verwendeten Lehrbücher zu alt sind und sich in einem erbärmlichen Zustand befinden. Geographie- und Geschichtsbücher, die im Jahre 2000 noch die Teilung Deutschlands fortleben lassen, sind nicht nur für die Schülerschaft sondern auch politisch eine Zumutung. Der oft beklagenswerte äußere Zustand der Lehrbücher ist in Sonderheit auf die Mehrfachnutzung durch verschiedene Klassen zurückzuführen, nicht zuletzt aber auch auf die zunehmende fehlende Sorgfaltspflicht, mit der die Schüler mit den ihnen zur Verfügung gestellten Lehrbüchern umgehen.

Handlungsperspektive

  1. Der Landesschulbeirat fordert das Amt für Schule und die Schulleitungen der einzelnen Schulen auf, dem Lehrbuch im schulischen Fachunterricht wieder einen höheren Stellenwert einzuräumen, die Fotokopierflut einzudämmen und den Schülerinnen und Schülern damit einen geordneteren, strukturierteren und konzentrierteren Lernprozess zu ermöglichen. Damit spricht sich der LSB natürlich nicht gegen das Einbringen von Unterrichtsmaterialien aus, die den Unterricht aktualisieren, vertiefen oder spezialisieren.
  2. Die Schulen müssen in ihrem Fachkonferenzen entscheiden, welche Lernbücher über einzelne Klassenstufen hinaus die Schülerinnen und Schüler ständig zur Verfügung haben müssen. Die Anschaffung dieser Bücher muss in Absprache mit den Eltern unter konsequenter Ausschöpfung der Lernmittelkopfsätze getätigt werden. Dabei ist es nicht einzusehen, dass einzelne Schulen die im Haushalt bereitgestellten Mittel nicht abrufen bzw. für andere schulische Zwecke verwenden. Auch lehnt der LSB es ab, dass in Zukunft Lernprogramme (Software) für computergestützten Unterricht aus diesem Haushaltsmitteln angeschafft werden sollen.
  3. In Blick auf eine kostengünstige Lösung für die Bewirtschaftung (Ausleihe, Bestandspflege, Anschaffung u.a.m.) der Lernbuchsammlungen an den Schulen regt der LSB an, hierfür keine Lehrerstunden zu verwenden, sondern andere Alternativen (Stundenverträge, Werkverträge, bezahlte oder unbezahlte Elternmitarbeit oder a.m.) für die Bewirtschaftung zu prüfen.
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Danke für Ihr Interesse!

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