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Stellungnahme zur Weiterentwicklung des Instituts für Lehrerfortbildung

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Stellungnahme zur Weiterentwicklung des Instituts für Lehrerfortbildung

verabschiedet am 17.2.2000

Die Neufassung des Hamburger Schulgesetzes und die darin für die Schulen festgelegten neuen Aufgaben sowie nicht zuletzt auch die inzwischen durch empirische Befunde ausgewiesenen Schwachstellen in Unterricht und Struktur der Hamburger Schulen machen es in der Tat notwendig, Inhalte und Form des Instituts für Lehrerfortbildung (IfL) neu zu bedenken. Ganz ohne Zweifel beinhaltet die Vorlage "Weiterentwicklung des Instituts für Lehrerfortbildung" weitreichende Einsichten und notwendige Konsequenzen zu einer Reform des Instituts, andererseits ergeben sich für den Landesschulbeirat jedoch auch eine Anzahl bedenkenswerter Einwände, die im folgenden vor allem als Fragen formuliert werden sollen. Darüber hinaus möchten wir zu bedenken geben, dass, da der Status der unter Punkt 3 gemachten "Empfehlungen des Gutachters" im Unklaren bleibt, eine definitive Bewertung der Vorlage nicht möglich erscheint.

1. Grundsätzlich begrüßt der Landesschulbeirat, dass aus den veränderten Gegebenheiten der Entwicklung des Schulwesens durch Verlagerung von Verantwortung auf die einzelne Schule dem IfL eine Aufgabenerweiterung in Richtung "Unterstützung von Schulentwicklungsprozessen" zukommt. Das Einziehen einer "zweiten Säule" - neben der gleichgewichtigen "fachbezogenen Säule" - erscheint uns daher konsequent und überzeugend.

Unter der Voraussetzung, dass der pädagogische Weiterbildungsauftrag im engeren Sinne (nach wie vor gültig formuliert in den Richtlinien für Erziehung und Unterricht von 1986) in diesen beiden Säulen eingebunden ist, spricht vieles dafür, die Tätigkeitsfelder des Instituts für Lehrerfortbildung auf eben diese beiden Aufgabenfelder zu konzentrieren. Das IfL blieb damit für außen, d.h. für seine "Abnehmer" wie auch nach innen, d.h. für seine Mitarbeiter, eindeutig identifizierbar als ein Institut, das in der qualitativen Weiterentwicklung von Unterricht und Schule sein primäres Aufgabenfeld hat und sich nicht im Sinne eines "Überinstituts für Pädagogik" für nachgerade alle pädagogischen Fragen verantwortlich sieht oder verantwortlich gemacht werden kann. Insofern sehen wir alle im ursprünglichen Gutachten enthaltenen und in der "Vorlage" angedachten weitergehenden Aufgabenzuschreibungen für das IfL (z.B. Einbindung von Teilen des Aufgabenfeldes Schülerhilfe) eher skeptisch bzw. diskussionswürdig.

2. Daraus folgt, dass die auf Seite 10 des Papiers vorgeschlagenen Aufgabenverlagerungen aus der Abteilung S 13 von unserer Seite mit einem großen Fragezeichen zu versehen sind. Im einzelnen müsste diskutiert werden, welche der dort beschriebenen Aufgaben in der Tat in den Zuschnitt des IfL zu integrieren sind. Darüber hinaus dürfte sicher auch nicht ohne Bedeutung sein, wer diese Aufgaben im Institut für Lehrerfortbildung konkret übernehmen sollte. Ohne die Zuweisung weiterer Kapazitäten geht die Realisierung dieser neuen Anforderungen ohne Zweifel zu Lasten der Kernaufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

3. Offenbar aus der Analyse von Schwachpunkten der tradierten IfL-Struktur mit zu großen Freiräumen in einigen Tätigkeitsfeldern entwickelt die Vorlage der BSJB ein streng hierarchisches Lenkungssystem (Institutionalisierung einer Steuergruppe, Stärkung und Aufwertung des direktoralen Systems), intendiert zusätzliche Leitungsstellen und sogar eine Besoldungsanhebung von Direktor und Stellvertreter. Neben möglichen Vorteilen eines solch nahezu lupenreinen "top-down-Modells" ergeben sich für uns allerdings auch einige gewichtige Fragen: So vor allem:

- An welcher Stelle und in welcher Form ist die strukturelle und inhaltliche Mitsprache der Mitarbeiter des Instituts bedacht worden?

- Gewährleistet das hierarchische Lenkungsmodell ("Mittelfristig soll es keine Arbeit ohne Auftrag geben"), dass die inhaltlichen Kompetenzen von der Mitarbeiterschaft, deren Nähe zu den Problemfeldern vor Ort angemessen in den notwendigen Entscheidungsprozessen genutzt, dass die für eine erfolgreiche Mitarbeit notwendige Motivation und Eigeninitiative gefördert wird?

- An welcher Stelle und in welcher Form findet die gerade für fachübergreifende Kooperation notwendige Binnenkommunikation im zukünftigen IfL statt?

- Auch bleibt letztlich offen, wo und mit welcher Gewichtung die "Abnehmer", d.h. Schulen und Lehrerschaft, an der Entwicklung und inhaltlichen Arbeitsbestimmung beteiligt werden können.

4. Wir begrüßen, dass die Vorlage Fragen der Personalentwicklung thematisiert, möchten aber anfragen, ob in der Tat nicht doch wesentliche Gesichtspunkte unberücksichtigt bzw. falsch gewichtet worden sind. So bleibt vor allem offen, welche personellen Ressourcen insgesamt dem zukünftigen Institut für Lehrerfortbildung zugemessen werden.

Neben der grundsätzlich sicher richtigen Entscheidung, Stellen auf Zeit zu schaffen, zwischen Dauer- und Projektaufgaben zu unterscheiden, erscheint die vom Gutachter vorgeschlagene Rotation von großen Teilen des Personals in einem Zeitraum von drei bis sechs Jahren als problematisch. Diesbezüglich ist zu fragen, ob Erwerb und Anwendung von Qualifikationen in solch komplex angesiedelten Tätigkeitsfeldern nicht doch eher einen längeren Tätigkeitszeitraum notwendig machen.

5. Aus Sicht der im Landesschulbeirat vertretenen Hochschulen und anderen Bildungsträger muss als defizitär angemerkt werden, dass an keiner Stelle über Anknüpfungspunkte und Kooperationen mit anderen wissenschaftlichen und berufsqualifizierenden Institutionen in der Stadt nachgedacht worden ist. Dies ist umso verwunderlicher, da in der inzwischen bundesweit geführten Diskussion um eine Neubestimmung der Lehrerbildung dieser Punkt eine wichtige Rolle einnimmt.

6. Im Blick auf die noch offene Namensnennung schlagen wir in Abänderung des in der Vorlage benannten Arbeitstitels: "Landesinstitut für Schulentwicklung und Lehrerfortbildung" die Bezeichnung "Institut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung" vor. Die Priorisierung von Lehrerfortbildung gegenüber Schulentwicklung im Namen halten wir deshalb für sinnvoll, da eine qualitative Entwicklung von Schulen ohne die Fort- und Weiterbildung von Lehrern nicht möglich erscheint, in dieser Namensnennung eine Identifizierung der Lehrerschaft mit dem Institut als Zentrum ihrer Weiterqualifikation gegeben ist und letztlich die Intention von Kontinuität und Fortentwicklung transparenter wird.

7. Im Hinblick auf den Zeitpunkt der Einbringung dieser Vorlage möchten wir zu bedenken geben, dass seit wenigen Monaten eine von den Senatorinnen Raab und Sager eingesetzte Kommission zur Lehrerbildung tagt, und dass diese Kommission ausdrücklich die dritte Phase der Lehrerbildung mit bedenken und bearbeiten wird. Da ganz ohne Zweifel von dieser Kommission auch Aussagen zu den Aufgaben eines Instituts für Lehrerbildung zu erwarten sein werden, erscheint uns daher eine Verabschiedung eines Papiers zur "Weiterentwicklung des IfL" zur Zeit wenig sinnvoll. Wir wollen daher dringend anraten, den Kommissionsbericht zur Lehrerbildung abzuwarten und die dadurch gewonnene Zeit zur Diskussion und Einarbeitung der von uns und anderen eingebrachten Anregungen zur Weiterentwicklung eines zukünftigen Instituts für Lehrerfortbildung zu nutzen.

Ich wünsche eine Übersetzung in:
Danke für Ihr Interesse!

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