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Stellungnahme zur Verbesserung der Berufsorientierung im allgemeinbildenden Schulsystem

einstimmig verabschiedet am 15. November 1999

Der schnelle technologische Wandel und eine intensivere weltweite Vernetzung führen zu einer sehr grundsätzlichen Veränderung aller Lebensbereiche. Formen des menschlichen Zusammenlebens sind ebenso im Wandel begriffen wie Organisationsformen in der Wirtschaft, die sich immer dynamischer verändern. Dies führt zu neuen Anforderungen an die Ausstattung der nachwachsenden Generation mit Kompetenzen, die sie zu einer aktiven Bewältigung ihrer Zukunft in die Lage versetzen. Vom Bildungswesen als Institution ebenso wie von den Lehrkräften wird erwartet, dass sie neuen Entwicklungen Rechnung tragen.

Aus Sicht des Landesschulbeirates wäre dafür eine bessere Information und Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben wünschenswert. Dieses könnte auch positive Auswirkungen haben auf die Sicherung der Standards in den Schulen einerseits und die Ausbildungsplatzsituation andererseits.

Es gilt, den Jugendlichen Schlüsselqualifikationen zu vermitteln, die sowohl Persönlichkeitsmerkmale beinhalten wie Motivation, Lernfähigkeit, Flexibilität, Selbständigkeit, kommunikative und soziale Kompetenz wie auch zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten etwa im EDV-Bereich. Auch ist ein Basiswissen in allen Fächern sowie solide Kenntnisse in der Muttersprache und in Fremdsprachen die Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufsweg in jeder Branche.

Von besonderer Bedeutung in einer immer unüberschaubarer (komplexer) werdenden Wirklichkeit ist eine frühe und angeleitete Begegnung mit der Arbeitswelt und eine qualifizierte Hinführung zur späteren Berufswahl. In dieser Frage sind alle Schulformen gefordert. Eine Verbesserung und Stärkung der bereits implementierten Berufsorientierung an den Schulen sieht der Landesschulbeirat daher als vordringliche Aufgabe an.

Er begrüßt die Verankerung der Berufsorientierung im Hamburger Schulgesetz von 1997. Dort heißt es: "Auf allen Schulstufen und in allen Schulformen der allgemeinbildenden Schule ist in altersgemäßer Form in die Arbeits- und Berufswelt einzuführen und eine umfassende berufliche Orientierung zu gewährleisten. Dabei sind den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse über die Struktur der Berufs- und Arbeitswelt und die Bedingungen ihres Wandels zu vermitteln. Unterricht und Erziehung sind so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler die für den Übergang in die berufliche Ausbildung erforderliche Berufsreife erwerben". Trotz der vielfältigen und guten Ansätze der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung (BSJB) zur Umsetzung des Auftrags des Schulgesetzes ist der Landesschulbeirat jedoch der Ansicht, dass Vieles noch intensiviert und optimiert werden kann.

Daher hat die Arbeitsgruppe ‚Berufsorientierung' des Landesschulbeirats nach Anhörung verschiedener Experten aus Schule, Verwaltung und Wirtschaft im Laufe des Jahres 1999 die folgenden Forderungen für eine Weiterentwicklung der vorhandenen Aktivitäten erarbeitet.

Forderungen:

1. Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge und ökonomisches Basiswissen stärken

Benötigt wird eine Stärkung des Wissens über wirtschaftliche Zusammenhänge als Form der Allgemeinbildung. Hier unterstützt die Arbeitsgruppe die Forderungen des 1. SchülerInnenforums in Hamburg. Wirtschaftliche Inhalte können dabei durch eine Konkretisierung des Aufgabengebietes Berufsorientierung (vgl. §5 HmbSG) besser vermittelt werden, in die bestehenden Fächer verstärkt einfließen oder separat in einem eigenen, neu einzurichtenden Fach "Wirtschaft" unterrichtet werden.

Um dieses Anliegen voranzubringen, fordert der Landesschulbeirat die BSJB auf, eine Übersicht zu erstellen, in welchen Fächern auf welchen Stufen in den verschiedenen Schulformen, einschließlich der Grundschule, Wissen über Wirtschaft und Arbeitswelt vermittelt wird.

2. Verantwortliche für Berufsorientierung an jeder Schule sicherstellen

  • Jede Schule sollte Verantwortliche für Berufsorientierung als Ansprechpartner und Organisatoren für Schüler, Eltern und Unternehmen mit einem entsprechenden Zeit-Budget haben.
  • Bestehende Stadtteilkooperationen müssen gestärkt und neue entwickelt werden. Dazu müssen Partner gefunden werden. Die Broschüren der Handelskammer Hamburg "Ausbildungsbetriebe und Schulen im Dialog" wie die der Handwerkskammer Hamburg "Wege ins Handwerk' bieten dafür gute Voraussetzungen.
  • Der Landesschulbeirat begrüßt die geplanten Aktivitäten der BSJB, beispielhafte Erfahrungen, z. B. über den Berufsorientierungsatlas oder über die Einspeisung in den Bildungsserver, zu verbreiten und damit eine Qualitätsverbesserung von schulischen Aktivitäten zu erreichen.

3. Organisation und Evaluation der Betriebspraktika verbessern

  • Schülerpraktika sollten frühestens ab der 8. Klasse unter Betonung des Erstkontaktes mit der Arbeitswelt durchgeführt werden. Weitere Praktika in höheren Klassenstufen sollten die unmittelbare Berufsvorbereitung unterstützen. Im Rahmen der Nachbereitung sollen die erbrachten Leistungen der Schülerinnen und Schüler (z. B. Praktikumsberichte) zukünftig (stärker) in die Beurteilung einfließen. Eine Möglichkeit dafür könnte die Einbringung der im Rahmen des Betriebspraktikums erbrachten Leistung ins Zeugnis sein analog zur "besonderen Lernleistung" im Abitur.
  • Unternehmen sollten - wenn möglich - den Praktikumsteilnehmern Rückmeldungen geben.
  • Der Landesschulbeirat begrüßt in diesem Zusammenhang die Einführung des von der BSJB zur Zeit entwickelten "Berufswahlpasses" zur Dokumentation der durchgeführten Betriebspraktika.
  • Die Schülerpraktika müssen durch Absprachen der verschiedenen Schulen und Schulformen terminlich entzerrt werden. Dies erleichtert eine bessere Koordinierung seitens der Unternehmen, die dann eine bessere Auswahl an Praktikumsplätzen anbieten könnten.
  • Der Landesschulbeirat schlägt vor, die Schülerpraktika künftig von 3 auf 2 Wochen zu verkürzen. Im Gegenzug sollte die Zahl der Praktika von bislang i.d.R. 2 auf 3 erhöht werden, um die Kontakte zur Arbeitswelt zu verbreitern. Nach gemeinsamer Einschätzung von Wirtschaft und Lehrerschaft reicht ein Zeitraum von 2 Wochen i.d.R. aus, um entsprechende Erfahrungen zu machen. Darüber hinaus wäre eine Verbreiterung der Anschauung, die durch die Ausweitung auf 3 Praktika erreicht wird, ein Beitrag zur Berufswahl.
  • Lehrkräfte müssen für die Betreuung der Praktika und ihre Vor- und Nachbereitung ein ausreichendes Zeitbudget und eine Qualifikation haben. Die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Praktika und deren Zielsetzung sollte künftig gründlicher und einheitlicher erfolgen. Dies beinhaltet auch eine individuellere Vorbereitung auf das jeweilige Praktikumsunternehmen, die Branche und den Berufszweig.
  • Die Nachbereitung der Praktika im Unterricht kann methodisch vielfältig erfolgen, muss aber überall garantiert werden und zu definierenden Standards genügen.
  • Es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, freiwillige Schülerpraktika in den Schulferien durchzuführen. Schulen und Unternehmen sollten für diese Möglichkeit werben. Dazu gehört auch, die Voraussetzungen für die Versicherung der SchülerInnen während dieser Zeit zu schaffen.

4. Einführung einer Evaluation der Berufsorientierungsaktivitäten

Die einzelnen Schulen sollten im Rahmen des Schulprogramms auch eine Evaluation der Berufsorientierungsaktivitäten durchführen und diese für die Schulöffentlichkeit dokumentieren.

5. Voraussetzungen für Berufsorientierung in der Lehreraus- und -weiterbildung schaffen.

  • Die Thematik Berufsorientierung muss in die erste Phase der Lehrerbildung integriert und durch die Prüfungsordnung sichergestellt werden.
  • Der Landesschulbeirat fordert, dass im Rahmen der Reform der Referendarausbildung der Stellenwert der Berufsorientierung gestärkt wird.
  • Die Fortbildungsangebote am Institut für Lehrerfortbildung (IfL) im Bereich der Berufsorientierung sollten ausgeweitet werden. Auch die Ansprechpartner und Multiplikatoren in den Schulen sollten fortgebildet werden. Zu integrieren sind Praktika wie beispielsweise das Projekt "Innenansichten - Lehrer erleben Wirtschaft".
  • Der Landesschulbeirat greift die Anregung der Wirtschaft auf und schlägt vor, dass das Institut für Lehrerfortbildung Fortbildungskonzeptionen der Wirtschaft (z. B. zur Projektarbeit, Präsentation, Personal- und Organisationsentwicklung etc.) im größeren Umfang als bisher in die Lehrerfortbildung einfügt.

6. Dialog Schule - Wirtschaft stärken

Zur Stärkung der Dialogfähigkeit zwischen Schule und Wirtschaft sollten Vertreter der Schulen in den Betrieben hospitieren können, wie umgekehrt Vertreter der Wirtschaft auch in den Schulen ausdrücklich willkommen sind.

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Danke für Ihr Interesse!

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