Behörde für Schule und Berufsbildung

Volkshochschule Hamburg Demokratie braucht Bildung!

Fachveranstaltung der Hamburger Volkshochschule zum Thema „Welche Bildung braucht die Demokratie?“

100 Jahre nach Gründung der Hamburger Volkshochschule ist das Thema ebenso aktuell: Demokratie scheint keine Selbstverständlichkeit (mehr) zu sein. Bildungssenator Ties Rabe, die Professorin für Medienwissenschaften und Intermedialität Caja Thimm, Dr. Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes und Mitglied des Bundestages (MdB), sowie der Journalist, Conférencier und Künstler Michel Abdollahi beleuchteten das Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten und diskutierten anschließend mit der Geschäftsführerin der Hamburger Volkshochschule, Marlene Schnoor, über Handlungsbedarfe und Potenziale.

100 Jahre Volkshochschule Hamburg

Demokratie braucht Bildung – dieser Leitspruch wurde vor genau 100 Jahren der Hamburger Volkshochschule ins Stammbuch geschrieben. Sie sollte ein Recht und einen Zugang zu Bildung für alle Menschen schaffen, ganz besonders für jene, die bisher keinen Zugang zu akademischer Bildung hatten. Demokratie braucht Demokraten! Und die galt es, auch durch die Bildungsangebote der VHS heranzubilden. Heute scheinen die demokratischen Errungenschaften nicht mehr sicher: niedrige Wahlbeteiligung, wachsender Zulauf für populistische Parteien, Polarisierung der politischen Auseinandersetzung, insbesondere in digitalen Teilöffentlichkeiten. Was bedeuten diese Entwicklungen für die politische Bildungsarbeit?

In der Bucerius Law School nahmen rund 120 professionelle Weiterbilder und Weiterbilderinnen an einer Fachveranstaltung der Hamburger Volkshochschule teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Kaiser, Leiter der Kulturredaktion NDR 90,3. Die Referent/innen begegneten den Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. So sprach Senator Ties Rabe zum Thema „Demokratie braucht Bildung, aber welche?“ Dazu Rabe: „Demokratie braucht gleichberechtigte und aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger. Die Volkshochschule kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es ihr gelingt, Bildungsbenachteiligungen zu überwinden, soziale und wirtschaftliche Teilhabe für alle zu ermöglichen und zu verbessern und im besten Sinne aufklärerisch zu wirken. Wissen allein schützt nicht vor politischen Irrungen und Wirrungen. Entscheidend ist der emanzipatorische und aufklärerische Geist, der pures Wissen zu echter Bildung macht.“

Dr. Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes und MdB, betonte gleichfalls die Schlüsselfunktion der Volkshochschulen: „Volkshochschulen haben ein humanistisch geprägtes Menschenbild. Wir leben Bildungsoptimismus. Denn für neue Fähigkeiten und Erkenntnisse und für mehr Bildung ist es nie zu spät.“

Der Journalist, Conférencier und Künstler Michel Abdollahi näherte sich dem Thema aus einer anderen Perspektive. In seinem Beitrag „Wie lernt man Demokratie?“ stellte er Möglichkeiten vor, wie einerseits Zugewanderte ohne demokratischen Hintergrund Demokratie lernen können, andererseits aber auch, wie man die Menschen zurückgewinnt, die politisch zunehmend an den Rand rücken. 

Für die Bonner Professorin Dr. Caja Thimm stellt die Digitalisierung eine große Herausforderung für unsere Demokratie dar: „Die massiven Veränderungen durch die Digitalisierung und Datafizierung haben zur Herausbildung einer digitalen Öffentlichkeit geführt. Noch nie gab es so viele propagandistische, abwertende und bewusst falsche Informationen. Wir brauchen daher für ein demokratisches und tolerantes Miteinander im Netz eine nationale und globale Verständigung über eine ‚Digitale Werteordnung‘.“

Zum Abschluss der Veranstaltung diskutierten die Referenten und Referentinnen gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Hamburger Volkshochschule, Marlene Schnoor, und dem Publikum, welche Handlungsbedarfe sich für die Weiterbildung und insbesondere für die politische Bildung ergeben. 

Rückfragen der Medien:
Hamburger Volkshochschule
Jörg Gensel
E-Mail: j.gensel@vhs-hamburg.de