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Kernkompetenz „Lesen mit BiSS“ – Systematische Leseförderung an Hamburger Grundschulen

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Über 50 Schulen im Modellprojekt – Erfolgreiche Methoden sollen mittelfristig an allen Hamburger Grundschulen eingesetzt werden

Schulsenator Ties Rabe hat heute ein Modellprojekt zur Leseförderung an Hamburgs Grundschulen vorgestellt: "Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben seit 2011 ihren langjährigen Rückstand in Deutsch insbesondere beim Lesen und beim Textverständnis aufgeholt. Heute entsprechen ihre Leistungen dem bundesdeutschen Durchschnitt, obwohl rund ein Viertel aller Kinder zu Hause kein Deutsch spricht. Dieser Fortschritt macht uns Mut. Aber wir wollen noch besser werden, denn das Lesen ist eine der Grundvoraussetzungen, um in der Schule Erfolg zu haben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dabei setzen wir auf neue Methoden aus dem Pilotprojekt zur systematischen Leseförderung im Rahmen der Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)“, das bisher an mehreren Schulen große Erfolge erzielt hat. Diese besondere Leseförderung wird jetzt auf über 50 Grundschulen ausgeweitet. Damit erreichen wir jede vierte Hamburger Grundschule mit einem sehr erfolgreichen Programm, das an Pilotschulen bereits enorme Leistungssteigerungen bei ihren Schülerinnen und Schülern gezeigt hat."

Gemeinsames Lesen

„Lesen mit BiSS“ – Systematische Leseförderung an Hamburger Grundschulen

Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln und Sprecher des BiSS-Trägerkonsortiums: „Eine systematische Leseförderung ist zentral, um die Lesekompetenzen von Schülerinnen und Schülern langfristig zu verbessern. Aus der Forschung wissen wir, dass die feste Einbindung in den Schulalltag und häufige Wiederholungen positive Effekte auf die Lesekompetenzen haben. Die Ausweitung des Hamburger Projekts auf 50 Grundschulen ist daher ein sehr sinnvoller Schritt.“

Christian Gronwald, Schulleiter Grundschule Kirchdorf (Pilotschule): "Es gilt für unsere Kinder einen Zugang zur Literatur zu finden, der weder über- noch unterfordert, sondern Lesefreude weckt und langfristig stabilisiert. Dies kann nur gelingen, wenn Lesen nicht nur als unangenehme Schulpflicht, sondern als bereichernd, unterhaltend und inspirierend wahrgenommen werden kann. Die Lesezeit kann als der entscheidende Türöffner agieren, Literatur täglich in vielfältiger Form anzubieten, vermitteln und vorzustellen. Das BiSS-Leseförderprojekt leistet hier Großartiges.“

Bereits 2015 startete ein kleines Pilotprojekt mit sechs Hamburger Grundschulen, bei dem ein besonderer Lese-Lernplan für die Klassen 2 bis 4 eingesetzt wird. Er beinhaltet regelmäßige, unterrichtsintegrierte Trainingseinheiten zur Verbesserung der Leseflüssigkeit und des Wortschatzes. Dieses so genannte „Leseband“ umfasst mindestens drei Mal pro Woche mindestens 20 Minuten eine feste Lesezeit, in der die Leseflüssigkeit trainiert, der Wortschatz auf- und ausgebaut sowie die Lesemotivation gesteigert wird, egal, welches Fach auf dem Stundenplan steht. Dabei werden unterschiedliche Lautlese-Verfahren eingesetzt wie zum Beispiel "Lesen durch Hören", Lesen mit Hörbüchern, "Lesen mit der ganzen Klasse im Chor" („chorisches Lesen“), Tandem-Lesen oder Lesetheater. Diese Methoden nützen allen Kindern, erzielen aber besonders große Wirkungen bei Kindern aus bildungsfernen Familien. Die Pilot-Verbundschulen wurden durch Prof. Dr. Steffen Gailberger (Universität Wuppertal) wissenschaftlich begleitet.

Leseflüssigkeit bedeutet: Wörter und Sätze ohne große Anstrengung genau und automatisiert entziffern zu können, dabei verstehen, was man liest, und das Ganze in angemessener Geschwindigkeit und – beim lauten Lesen – sinnvoll betont. Nur wer „angemessen schnell“ liest und bereits während des Lesens im Kopf gliedern kann, weiß am Ende eines längeren Satzes noch, was am Anfang stand.

Die Schülerinnen und Schüler der sechs Pilot-Schulen erzielten große Leistungssteigerungen. Daher wurde das Pilotprojekt zum Schuljahr 2017/18 zunächst um 14 weitere Grundschulen aus dem Schulversuch "23+ Starke Schulen" erweitert. Der Erfolg des Projekts wurde schnell unter Hamburgs Grundschulen bekannt, so dass Senator Rabe nunmehr einen weiteren deutlichen Ausbau auf über 50 Grundschulen angeschoben hat. Die Resonanz in Hamburgs Grundschulen war so stark, dass es inzwischen eine „Warteliste“ gibt.

Um am Projekt teilnehmen zu können, braucht es einen Beschluss der Lehrerkonferenz, denn die Leseförderung wird damit zu einer zentralen Aufgabe aller Fächer. Darüber hinaus  muss die Schule eine schulische Projektkoordination benennen und ein schulindividuelles Konzept erstellen, das am besten fünf, mindestens aber drei feste zwanzigminütige Lesezeiten pro Woche vorsieht. Daran müssen sich alle Lehrkräfte der Jahrgangsstufen 1 oder 2 bis 4 beteiligen. Sie werden für die entsprechenden Fortbildungen am Landesinstitut freigestellt.

Die teilnehmenden Schulen werden unterstützt, indem sie für die Projektkoordination im ersten Jahr eine kleine Personalverstärkung im Umfang von einer Lehrerwochenstunde, ein Büchergeld von 1.000 Euro pro Kalenderjahr sowie Empfehlungen für Lesematerial (Liste mit ausgewählten Büchern und Hörbüchern, die für die Trainingsverfahren besonders geeignet sind) erhalten. Die Schulen nehmen nach dem Start des Lesebandes zudem an einem moderierten Erfahrungsaustausch mit anderen Schulen teil. Zusätzlich gibt es eine empirische Begleitung durch das IfBQ, mit der sichergestellt wird, dass die Lehrkräfte genau über die Lernergebnisse und den Lernfortschritt ihrer Schülerinnen und Schüler informiert werden.

Nächster Schritt: Einführung des besonderen Lesetrainings in allen Grundschulen

In einem weiteren Schritt wird die Einführung des besonderen Lesetrainings in allen Grundschulen vorbereitet. Dazu werden ab dem zweiten Schulhalbjahr 2019/20 die Sprachlernberaterinnen und -berater aller Hamburger Grundschulen im Rahmen ihrer regelmäßig stattfindenden Fortbildungen besonders qualifiziert, so dass künftig jede Hamburger Schule ein Lesetraining einführen könnte. Ziel ist es, die erfolgreich identifizierten Lesefördermethoden an allen Hamburger Grundschulen zum Einsatz zu bringen.

Hintergrund Sprachförderbedarf

Im aktuellen Schuljahr sprechen 27 Prozent aller Kinder zu Hause selten oder gar kein Deutsch. An Grundschulen bekommen 18 Prozent aller Kinder eine zusätzliche Förderung in Deutsch, weil sie in der Sprachentwicklung deutlich zurückliegen. Bei der Untersuchung der viereinhalbjährigen Kinder wird bei rund 15 Prozent ein ausgeprägter Sprachförderbedarf festgestellt, bei weiteren 12 Prozent aller Kinder ein einfacher Sprachförderbedarf.

Weiterführende Links: 

 

Rückfragen der Medien:

Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Anna Niewerth, Leiterin Kommunikation
Tel. (0221) 470 7700
E-Mail: anna.niewerth@mercator.uni-koeln.de
www.mercator-institut-sprachfoerderung.de
https://twitter.com/MISprachbildung 

 

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Kontakt

Peter Albrecht

Pressesprecher

Pressestelle der Behörde für Schule und Berufsbildung
Hamburger Straße 31
22083 Hamburg
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