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#CoronaHH Senator Rabe: Lernrückstände der Corona-Krise aufholen

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Hamburg und ZEIT-Stiftung planen Lernförderungs-Programm

Wegen des erheblichen Schulausfalls in der Corona-Krise plant Hamburg ein umfangreiches Lernförderungs-Programm, um die Corona bedingt entstandenen Lernrückstände im nächsten Schuljahr aufzuholen. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe: „Ein Baustein unseres neuen Programms ist das neue Programm „Anschluss“ zusammen mit der ZEIT-Stiftung. Unser Ziel ist es, dass bis zu 1.000 Lehramtsstudierende als Mentorinnen und Mentoren nachmittags an den Schulen Lernförderkurse für Schülerinnen und Schüler geben. Die Teilnahme an diesem neuen Programm „Anschluss - das Hamburger Mentorenprogramm“ ist freiwillig, das Angebot kostenlos.“ Das Programm basiert auf den langjährigen Erfahrungen des Programms „Weichenstellung“ der ZEIT-Stiftung. Ein weiterer Baustein zur Überbrückung von Lernrückständen ist das neue Angebot der Hamburger Lernferien, außerdem bieten Hamburgs Schulen seit vielen Jahren eine kostenlose, verpflichtende schulische Lernförderung („Nachhilfe“) an, die von vielen Schülern genutzt wird.

Senator Rabe: Lernrückstände der Corona-Krise aufholen

Schulsenator Ties Rabe: „Im letzten Jahr ist rund die Hälfte des Unterrichts an den Schulen ausgefallen. Das wird bei vielen Schülerinnen und Schülern tiefe Spuren in der schulischen Bildung, aber auch in ihrer sozialen und menschlichen Entwicklung hinterlassen. Hier setzt unser neues Programm „Anschluss“ an: Nachmittags können die Schülerinnen und Schüler in kleinen Lerngruppen in den Kernfächern Versäumtes nachholen. Darüber hinaus beraten, stärken und motivieren die Mentorinnen und Mentoren ihre Schülerinnen und Schüler in allen schulischen Fragen. Mit dem neuen Programm wollen wir zugleich viele engagierte neue Pädagoginnen und Pädagogen für Hamburgs Schulen gewinnen und fördern.“

Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung: „Wir sind uns in der ZEIT-Stiftung sicher, dass das Mentoren-Programm der Stadt zu einem Modell für Deutschland werden kann. Mit der Weiterentwicklung des erprobten Stiftungsprogramms Weichenstellung als Blaupause fußt das neue Programm auf acht erfolgreichen Jahren. Es wird einen wesentlichen Beitrag leisten, um die durch die Pandemie verursachten Lernrückstände unserer Schulkinder aufzufangen.“

Prof. Dr. Reiner Lehberger, Erziehungswissenschaftler, pädagogischer Leiter des Projekts Weichenstellung der ZEIT-Stiftung und ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Landeschulbeirats Hamburgs: „Das Aufholen der durch die Corona-Beschränkungen verursachten unterrichtlichen Defizite ist insbesondre für Schülerinnen und Schüler mit ohnehin schwierigen Lernausganslagen eine nationale Herausforderung. Dabei wird es nicht ausreichen, allein den Blick auf nachzuholende Inhalte zu richten. Es gilt auch, neue Lernmotivation aufzubauen und die Schüler beim eigenständigen Lernen zu unterstützen. Die Gewinnung von dazu befähigtem zusätzlichen Personal wird keine leichte Aufgabe, wir werden dafür auch unkonventionelle Wege gehen müssen.“

Vorbild für „Anschluss“ ist das von Prof. Dr. Reiner Lehberger zusammen mit der ZEIT-Stiftung entwickelte Mentoren-Programm „Weichenstellung“, in dem sorgfältig ausgewählte und von der Stiftung und erfahrenen Pädagogen begleitete Lehramtsstudierende seit 2013 Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 4 beim Übergang auf die weiterführende Schule bis zu drei Jahre lang fördern. Die Studierenden werden dabei von der ZEIT-Stiftung vorbereitet, geschult und begleitet. Die Studierenden betreuen die Schulkinder jede Woche für vier bis fünf Stunden, ermutigen sie, lernen gemeinsam mit ihnen und entwickeln sich zu freundschaftlich verbundenen Wegbegleitern der Kinder. In Deutschland haben seit 2013 bislang 2.900 Kinder von Weichenstellung profitiert, in Hamburg rund 2.000.

„Anschluss“ ist einer von mehreren Bausteinen eines künftigen Konzepts zur Lernförderung, das die Schulbehörde zurzeit erarbeitet. Weitere Bausteine sind die jetzt mehrfach erfolgreich durchgeführten Lernferien sowie die bereits bestehende „Lernförderung“ für schwächere Schülerinnen und Schülern. Die Förderangebote stehen allen Schülerinnen und Schülern offen, sollen sich aber auf die rund 20 Prozent schwächeren Schülerinnen und Schüler konzentrieren.

Schulsenator Ties Rabe: „Wir wollen und müssen uns tüchtig anstrengen, um die Folgen der Corona bedingten Schulschließungen zu überwinden. Dafür brauchen wir einen langen Atem, denn Schülerinnen und Schüler können nach einem anstrengenden Schultag nicht beliebig viele Nachmittagskurse belegen. Besser ist es, wenn die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag in kleinen Gruppen von vier bis acht Schülerinnen und Schülern über einen längeren Zeitraum von einem halben oder sogar einem ganzen Schuljahr zwei bis vier zusätzliche Förderstunden in der Woche bekommen. Das Angebot soll unter dem Dach und in der Regie der Schule in vertrauter Lernatmosphäre stattfinden. Die Schulbehörde wird das Programm der ZEIT-Stiftung mit weiteren Lernförderkursen ergänzen, in die auch private Nachhilfeinstitute eingebunden werden können.“

Rückenwind erhofft sich Schulsenator Ties Rabe auch von der Bundesregierung. Auf Anregung von Hamburg hat die Kultusministerkonferenz ein bundesweites Lernförderprogramm angeregt, um die Folgen der Corona-Krise zu überwinden. Zurzeit verhandeln die Bundesländer mit der Bundesregierung über die Eckpunkte. Schulsenator Ties Rabe: „Ich freue mich sehr, dass das Bundesbildungsministerium den Ländern weit entgegenkommen möchte. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten beiden Monaten die Verhandlungen zu einem guten Abschluss bringen können und das Hamburger Lernförderprogramm mit einem zweistelligen Millionenbetrag aus Berlin gefördert wird. Wenn wir in allen Bundesländern vergleichbare Angebote organisieren, kostet das neue Programm rund eine Milliarde Euro, davon rund 25 Millionen Euro in Hamburg.“

Förderprogramm „Anschluss“

Das neue Lernförderprogramm „Anschluss“ soll zum 1. August 2021 mit sehr kleinen Lerngruppen von je vier Schülerinnen und Schülern starten. Das Angebot wird außerhalb des Regelunterrichts zunächst für rund 4.000 bis 5.000 Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen eingerichtet. Zielgruppe sind insbesondere Schülerinnen und Schüler an den Schul-Übergangen, zum Beispiel am Ende der Grundschulzeit, am Anfang Sekundarstufe I oder beim Übergang von der Jahrgangsstufe 6 in die Jahrgangsstufe 7.

Die Lernförderung soll nicht nur erhebliche fachliche Lernrückstände (insbesondere in Deutsch und Mathematik) in den Blick nehmen, sondern auch diejenigen Schülerinnen und Schüler wieder zum Lernen motivieren, die in der Pandemie wenig Unterstützung erfahren haben und sich deswegen zu wenig zutrauen. Der Zeitraum der Lernförderung soll pro Lerngruppe ein halbes oder sogar ein ganzes Schuljahr betragen. Die Kinder und Jugendlichen sollen insbesondere in Deutsch und Mathematik fachlich unterstützt werden, darüber hinaus soll ihre Motivation gestärkt und ihr selbstgesteuertes Lernen gefördert werden.

Dafür werden rund 1.000 Personen mit entsprechender Qualifikation benötigt. Als Grundstock sollen im Sommersemester Lehramtsstudierende und Studierende der Fach- und Erziehungswissenschaften sowie weitere Honorarkräfte gewonnen werden. Das Zentrum für Lehrerbildung (ZLH) der Schulbehörde und der Universität Hamburg wird das Vorhaben durch entsprechende Informations- und Werbemaßnahmen unterstützen.

Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) wird zur pädagogischen und fachlichen Schulung der Lernmentorinnen und -mentoren ein Unterstützungssystem mit Hilfe der Experten der Lehrkräfte-Aus- und -Fortbildung bereitstellen. Darüber hinaus ist geplant, dass die Lernmentorinnen und -mentoren in den Schulen ähnlich wie die Lehramtsstudierenden im Rahmen ihrer Schulpraktika durch eine Lehrkraft eingeführt und begleitet werden.

Um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler besser einschätzen zu können, stellt das Hamburger Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) derzeit Testmaterialien für Hamburgs Lehrkräfte zusammen.

Hintergrund: Lernferien

Im Rahmen der Lernferien bietet die Schulbehörde kostenlos und auf freiwilliger Basis allen Schülerinnen und Schülern in den Schulferien Lernkurse in der Schule an. Die neuen Angebote wurden in den Sommer- und Herbstferien 2020 sowie in den Frühjahrsferien 2021 von über 25.000 Schülerinnen und Schülern wahrgenommen. Dabei lernen höchstens zehn Schülerinnen und Schülern gemeinsam in einer Gruppe zwei Wochen lang täglich drei Schulstunden lang. Die Kurse werden von Honorarkräften, Lehrkräften oder Erziehern bzw. Sozialpädagogen geleitet. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Beschäftigte der Schule, die die Kinder gut kennen. Im Sommer 2020 hat die Volkshochschule einen Pool an möglichen Kursleitungen aufgebaut, auf den die Schulen zugreifen können. Die Lernferien berücksichtigen den Bildungsplan und bieten Materialen und Informationen, die das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) erarbeitet hat. Dabei wird die Förderung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen in einem motivierenden und abwechslungsreichen Lernsetting geboten. Aber auch der kreativ-kulturelle Teil kommt nicht zu kurz und wird durch Tipps und Angebote ergänzt.

Hintergrund: schulische Lernförderung

Alle Hamburger Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht schwache Leistungen zeigen, erhalten seit dem Schuljahr 2011/12 an in der Schule eine kostenlose ergänzende Lernförderung („Nachhilfe“). Der Förder- und Nachhilfeunterricht für alle Jahrgangsstufen der Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien wird durch die enge Bindung an die Schule passgenau auf den Unterricht und die Lernprobleme abgestimmt, er findet zudem in vertrauter Umgebung statt, und die Teilnahme ist ohne großen Aufwand möglich. Zwei Mal im Schuljahr entscheidet die Zeugniskonferenz über den Förderbedarf eines Schülers oder einer Schülerin. In einer schriftlichen Lernvereinbarung der Schule mit Schülerinnen und Schülern und Erziehungsberechtigten werden Art, Umfang, Beginn und Ende des Förderunterrichts festgelegt. Dieser Beschluss ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Lernförderung.

ZEIT-Stiftung Weichenstellung: www.weichenstellung.info

 

Rückfragen der Medien 

ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Jessica Staschen, Leitung Kommunikation
Telefon: 040 41336871 | Mobil: 0173 / 5948463
E-Mail: staschen@zeit-stiftung.de 
Internet: www.zeit-stiftung.de
Projekt "WEICHENSTELLUNG" der ZEIT-Stiftung
Prof. Dr. Reiner Lehberger, Pädagogischer Leiter
Mobil: 0172 6055468
E-Mail: Reiner.Lehberger@uni-hamburg.de

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI)
Heinz Grasmück, Stellv. Direktor und Projektleitung Corona-Lernförderung
Telefon: 040 428 842-303
E-Mail: heinz.grasmueck@li-hamburg.de

 

Kontakt

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