Unterrichtsqualität Schulinspektion legt dritten Jahresbericht vor

Höhere Unterrichtsqualität führt zu besseren Leistungen

In ihrem dritten Jahresbericht zeigt die Hamburger Schulinspektion einen positiven Zusammenhang zwischen der Unterrichtsqualität in einer Schule und den Leistungen der Schülerinnen und Schüler auf: Je höher die Unterrichtsqualität, desto besser die Leistungen in den Abiturprüfungen.

Schulinspektion legt dritten Jahresbericht vor

Wie die vorangegangenen Berichte bestätigt der aktuelle Jahresbericht, dass der Unterricht in Hamburgs Schulen insgesamt zwar auf einem eher hohen Niveau liegt, es aber deutliche Schwankungen gibt. Die größten Unterschiede in der Unterrichtsqualität sind weniger auf eine bestimmte Schulform oder Schule zurückzuführen, als auf die einzelne Lehrkraft und Unterrichtssituation. Schulsenator Ties Rabe: „Guter Unterricht ist der Schlüssel für den Bildungserfolg, aber zu oft dem Zufall überlassen. Immer wieder erleben die Schulinspektoren in ein und derselben Schule von Klassentür zu Klassentür mal hervorragenden mal schlechten Unterricht. Die Verbesserung der Unterrichtsqualität soll deshalb künftig ein Schwerpunkt der schulischen Arbeit und der Schulinspektion werden.“ 

Dr. Martina Diedrich, Leiterin der Schulinspektion: „Es ist auffällig, dass die Abiturleistungen in den Zentralprüfungen in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache dort am besten sind, wo Klassen gut geführt, angemessene Unterrichtsmethoden eingesetzt, Schülerinnen und Schüler motiviert werden und der Unterricht kompetenzorientiert und individualisiert ausgerichtet ist. Die Unterrichtsqualität erklärt somit neben den sozialen Voraussetzungen der Schülerschaft und dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Abiturfächer den größten Teil der Unterschiede in den Abiturergebnissen zwischen Schulen. In einer Schule mit höherer Unterrichtsqualität sind die Abiturleistungen der Schülerinnen und Schüler fast eine Note besser als die Abiturleistungen der Schülerinnen und Schüler an einer Schule mit lediglich grundlegender Unterrichtsqualität. Insgesamt bestätigt sich allerdings der Befund, dass die Unterrichtsqualität innerhalb der Schulen stark schwankt. Guter Unterricht hängt zurzeit nur wenig von der einzelnen Schule und noch weniger von der Schulform ab, sondern vor allem von der jeweiligen Lehrkraft und der Unterrichtssituation.“ 

Die drei Jahresberichte zeichnen ein ähnliches Bild. Hamburgs Schulleitungen zeigen in drei von vier Qualitätsmerkmalen eher starke Leistungen („Führung wahrnehmen“, „Finanz- und Sachmittel gezielt einsetzen“, „Schulprofil entwickeln“), lediglich der Bereich „Personalentwicklung“ wurde auffallend schwächer bewertet. Ebenfalls als „eher stark“ bewerten die Inspektoren die Zufriedenheit von Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft sowie die Organisationskraft der Schulen. „Eher schwach“ wird hingegen das schulinterne Qualitätsmanagement bewertet, insbesondere die Entwicklung und Einhaltung von verbindlichen Konzepten im Bereich Notengebung, Lehrplänen, Förderkonzeption und Erfolgskontrolle innerhalb der Lehrerschaft. 

Schulsenator Ties Rabe: „Die jetzt abgeschlossene Inspektion nahezu sämtlicher Schulen hat gezeigt, dass Hamburgs Schulen auf einem guten Weg sind. Viele Qualitätsmerkmale sind auf einem hohen Niveau. Es wird aber auch deutlich, dass die schulinterne Entwicklung, Gestaltung und Auswertung des Unterrichts noch verbessert werden kann. Wir haben deshalb gerade das Qualitätsmanagement an den Schulen in dem neuen ‘Orientierungsrahmen Schulqualität‘ und in dem neuen ‘Leitfaden Schulqualität‘ in den Mittelpunkt der schulischen Arbeit gestellt. Unterricht wird besser, wenn Lehrkräfte den Unterricht gemeinsam abstimmen, auswerten und weiterentwickeln. Dazu brauchen wir mehr Teamarbeit in der Lehrerschaft, eine sorgfältige Erfolgskontrolle oder ‘Feedback‘ und eine bessere Personalentwicklung. Das sind die wichtigsten Eckpunkte eines schulinternen Qualitätsmanagements. Dieser Qualitätsbereich soll deshalb auch bei den künftigen Inspektionen stärker betrachtet werden, denn er ist unmittelbar ausschlaggebend für bessere Leistungen von Schülerinnen und Schülern.“ 

Das bestätigt sich auch im Qualitätsbereich individuelle Förderung, dem zweiten Berichtsschwerpunkt neben der Unterrichtsqualität. Nach den Ergebnissen der Schulinspektion gelingt die Förderung besser, wenn sich die Schule auf gemeinsame Förderprogramme verständigt und deren Wirksamkeit ständig überprüft. Wichtig sind zudem entsprechende Fortbildungen von Lehrkräften und ein gemeinsames Schulklima, das von gegenseitiger Wertschätzung und einem offenen Umgang mit Vielfalt und Heterogenität geprägt ist. 

Nach 2008 und 2010 liegt nun der dritte Bericht der Schulinspektion Hamburg vor. Ihm liegen die Inspektionsergebnisse von 74 Schulen aller Schulformen zugrunde, die im Schuljahr 2010/2011 inspiziert wurden. An diesen Schulen lernten im betrachteten Zeitraum 34.511 Schülerinnen und Schüler aus 32.630 Familien, die von 3.745 Lehrkräften unterrichtet wurden.  

Die Schulinspektion wurde 2006 eingeführt. Ein Team von Schulinspektorinnen und Schulinspektoren nehmen jede Hamburger Schule unter die Lupe. Innerhalb der rund zwölfwöchigen Inspektion werden Lehrkräfte, Eltern und Schülerschaft befragt, bei berufsbildenden Schulen auch die Betriebe. Zudem werden schulische Daten ausgewertet, das Team inspiziert die Schule rund drei Tage vor Ort und besucht dabei auch bis zu 100 Unterrichtssequenzen. Der Abschlussbericht bewertet die Qualität jeder Schule in 13 Qualitätsbereichen auf einer Skala von 1 („schwach“) bis 4 („stark“). 

Bis Februar 2013 wurden mit einer Ausnahme (aus organisatorischen Gründen) alle Hamburger Schulen mindestens einmal inspiziert. Nach den Märzferien beginnt der zweite Zyklus der Schulinspektion, auf der Grundlage des neuen Orientierungsrahmens Schulqualität. Die Überarbeitung des seit 2005 vorliegenden Rahmenwerks, in dem die Zielvorstellungen „guter Schule“ in Hamburg beschrieben werden, war notwendig geworden, um die veränderten Schwerpunkte in der schulischen Arbeit angemessen abzubilden: die Inklusion, das ganztägige Lernen, ein stärker auf die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler zielendes Verständnis von Unterricht, den Übergang von der Schule in den Beruf, die Vernetzung der Schule in ihr Umfeld etc. Damit macht die Schulbehörde zugleich deutlich, wo sie in den kommenden Jahren den Schwerpunkt der schulischen Qualitätsentwicklung sieht: in der Gestaltung von Schule und vor allem dem Unterricht so, dass Kindern und Jugendlichen ein möglichst gutes Lernen ermöglicht wird. Dementsprechend konzentriert sich die Schulinspektion in ihrem zweiten Durchgang auf fünf Bereiche: Steuerungshandeln, Unterrichtsqualität, Unterrichtsentwicklung durch Zusammenarbeit und Feedback sowie Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern.

Veröffentlichung der Schulinspektionsberichte im Internet

Dieser Schwerpunktsetzung trägt auch ein neues Berichtsformat Rechnung, das im Verhältnis zum ersten Durchgang gänzlich überarbeitet wurde. Die Schule erhält eine detaillierte tabellarische Darstellung mit der Bewertung einzelner Qualitätsaspekte. Darüber hinaus wird in einer etwa dreiseitigen Zusammenfassung beschrieben, wie sich der Entwicklungsstand der Schule mit Blick auf die fünf Schwerpunkte darstellt. Dieser Berichtsteil wird künftig verpflichtend im Internet veröffentlicht, so dass sich Eltern und alle Interessierte ein Bild über die jeweilige Schule machen können.

Zum Hintergrund:

Seit 2007 werden alle Hamburger Schulen in einem etwa vier- bis fünfjährigen Rhythmus von der Schulinspektion untersucht. Die Schulinspektion gehört zum Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ), einer Dienststelle der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). Die Inspektionsteams bestehen jeweils aus zwei hauptamtlichen Inspektorinnen oder Inspektoren, einem Leitungsmitglied einer Schule der inspizierten Schulform und bei berufsbildenden Schulen einer Vertreterin bzw. einem Vertreter der Wirtschaft.

Nach einer ausführlichen Sichtung von Schuldaten und Dokumenten und der Durchführung und Auswertung einer Online-Befragung von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und bei berufsbildenden Schulen von Ausbildungsbetrieben ist das Inspektionsteam zwei bis drei Tage an jeder Schule. Es beobachtet den Unterricht bis zu 100 Unterrichtssequenzen und interviewt Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern oder Ausbildungsbetriebe sowie die Schulleitung.

Im Anschluss an den insgesamt zwölf Wochen umfassenden Inspektionsprozess bekommen die Schulleitung und die zuständige Schulaufsicht den Inspektionsbericht. Der Bericht meldet den Schulen auf Grundlage des Hamburger Orientierungsrahmens Schulqualität ein Stärken-Schwächen-Profil zu 13 Qualitätsbereichen zurück. Drei Monate nach Erhalt des Berichts müssen die Schulen der Schulaufsicht darlegen, welche Konsequenzen sie aus dem Bericht ziehen, gegebenenfalls werden verbindliche Ziele für das kommende Jahr vereinbart. Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) hält ein abgestimmtes Fortbildungsangebot vor. Schulen, die vorab definierte Anforderungen nicht erfüllen, werden nach Umsetzung eines zwischen Schulaufsicht, Landesinstitut und Schule abgestimmten Entwicklungsplanes im Abstand von eineinhalb Jahren nachinspiziert.

Der Jahresbericht der Schulinspektion ist abrufbar unter:
» www.schulinspektion.hamburg.de/jahresbericht

Der neue Orientierungsrahmen Schulqualität (inkl. Leitfaden) wird ab heute an alle Schulen verteilt und ist abrufbar unter:
» www.bildungsserver.hamburg.de/schulqualitaet

Für Rückfragen der Medien:

Behörde für Schule und Berufsbildung
Peter Albrecht, Pressesprecher
Tel: (040) 4 28 63 – 2003
E-Mail: peter.albrecht@bsb.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/bsb