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Förderprogramm Programm zur Förderung von Schulen in sozial schwieriger Lage

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Schulsenator Ties Rabe stellt erste Vorschläge vor

Schulsenator Ties Rabe hat erste Vorschläge für ein Programm zur Förderung von Schulen in sozial schwieriger Lage vorgestellt.

Schulsenator Ties Rabe hat erste Vorschläge für ein Programm zur Förderung von Schulen in sozial schwieriger Lage vorgestellt.

Ties Rabe: „Der neue Senat hat viel für die bessere Ausstattung von Schulen getan. So wurden 2011 und 2012 rund 850 zusätzliche Pädagoginnen und Pädagogen eingestellt und an 79 Schulen neue Ganztagsangebote eingerichtet. Diese erheblichen Verbesserungen werden den Lernerfolg deutlich steigern. Allerdings haben viele Schülerinnen und Schüler in sozial benachteiligten Stadtteilen noch immer große Lernrückstände. Wir wollen ihnen bessere Chancen eröffnen und deshalb 15 bis 20 Schulen mit sozial besonders benachteiligter Schülerschaft gezielt fördern. Dazu planen wir ein vierjähriges Programm, das mit zahlreichen Maßnahmen auf eine Weiterentwicklung der schulischen Angebote, Organisation und Qualität abzielt. Viele nationale und internationale Beispiele für eine erfolgreiche Schulentwicklung machen Mut. In den nächsten Monaten werden wir die Vorschläge konkretisieren und zu einem Programm bündeln, das nach den Sommerferien starten soll."

Mehr Ganztagsangebote, mehr Pädagoginnen und Pädagogen sowie wachsende Anstrengungen beim Schulbau - von diesen Maßnahmen haben gerade Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen besonders profitiert. So wurden beispielsweise den zwölf Wilhelmsburger Schulen seit 2011 bei nahezu konstanter Schülerzahl 78 zusätzliche Vollzeitstellen (+ 15 Prozent) zugewiesen. Im Rahmen der internationalen Bauausstellung wurden für rund 66 Millionen Euro zahlreiche Bildungseinrichtungen neu gebaut. Gleichzeitig wurden über 46 Millionen Euro in den Schulbau investiert. Das Bildungszentrum „Tor zur Welt" ist Hamburgs schönster und größter Schulneubau.

Trotz dieser deutlichen Verbesserungen in der Ausstattung stehen Schulen in sozialen Brennpunkten vor großen Herausforderungen. In den letzten Monaten wurden deshalb unter anderem mit Wilhelmsburger Schulleitungen Vorschläge zur Unterstützung von Schulen in sozial schwieriger Lage diskutiert. Weitere Vorschläge wurden mit Schulexperten aus Berlin und Bremen erarbeitet. Dabei zeigte sich, dass es entscheidend darauf ankommt, dass Schulen sich inhaltlich-pädagogisch weiterentwickeln. Experten aus Berlin verwiesen darauf, dass eine bessere Personalausstattung allein dagegen kaum Erfolg bringt. So war die bundesweit bekannt gewordene Rütli-Oberschule auf dem Höhepunkt ihrer Krise eine der personell bestausgestatteten Berliner Schulen. Entscheidend ist vielmehr, Unterricht, Organisation, Pädagogik und Schulleben zu verändern und auf die besonderen Anforderungen der Schülerschaft abzustimmen. Diesem Ansatz folgend wurde ein Bündel von Maßnahmen erarbeitet, das Schulen konkret in ihrer pädagogisch-inhaltlichen Weiterentwicklung unterstützen soll.

Maßstab für die Auswahl der 15 bis 20 allgemeinen Schulen werden wissenschaftlich erhobene Sozialdaten der Schülerschaft sein. Für das Unterstützungsprogramm sollen in den nächsten vier Jahren acht bis zehn Millionen Euro sowie erhebliche Mittel aus dem Schulbauprogramm bereitgestellt werden. Ein Teil des zusätzlichen Personals soll von weniger belasteten Schulen über einen Solidaritätsbeitrag mitfinanziert werden, alle anderen Fördermaßnahmen durch Umschichtungen aus dem Schuletat. Die Vorschläge zielen auf eine umfassende Weiterentwicklung der Schulen und sollen in den nächsten Wochen zu konkreten Maßnahmen weiterentwickelt werden. Aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen an den Schulen soll zugleich geprüft werden, welche Maßnahmen jeweils an den einzelnen Schulen umgesetzt werden können. Zudem werden Maßnahmen zur Evaluation erarbeitet. Ab dem Schuljahr 2013/14 soll dann die Umsetzung beginnen.

Die einzelnen Vorschläge:

  • Verbesserung der pädagogischen Arbeit    
    Für jede 1., 5. und 6. Klasse werden zusätzlich sechs Wochenarbeitsstunden für die pädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt. In diesen sechs Wochenstunden sollen die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert und die sozialen und kommunikativen Kompetenzen der neu zusammengesetzten Klassen gestärkt werden. 
  • Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte
    Jede Schule erhält eine halbe bis eine Stelle zur Schulentwicklung, um pädagogische Konzepte weiterzuentwickeln und umzusetzen. In diese konzeptionelle Arbeit werden zusätzlich mindestens die Hälfte der obligatorischen 30 Jahres-Fortbildungsstunden aller Lehrkräfte sowie weitere Funktionsstunden der Schule eingebunden. Die Schulleitungen tauschen die Erfahrungen und Ergebnisse ihrer konzeptionellen Arbeit schulübergreifend regelmäßig auf gemeinsamen Workshops aus. Das pädagogische Konzept soll drei Schwerpunkte umfassen:
    1. Stärkung von Unterrichtsentwicklung und Teamarbeit, um die Unterrichtsqualität zu verbessern und die Belastung der Lehrkräfte zu verringern
    2. Entwicklung und Durchsetzung schulinterner Kommunikations- und Verhaltensregeln, um Unterricht und Schulgemeinschaft zu verbessern
    3. Einbeziehung von Schülerschaft und Elternschaft
  • Schulberatung
    Zur Begleitung und Umsetzung der Unterstützungsmaßnahmen sowie zur Beratung der Schulen wird eine Steuerungsgruppe mit Schulberatern eingesetzt. Je zwei Schulen wird ein Schulberater zugeordnet. Die Steuerungsgruppe wird direkt der Behördenleitung unterstellt, um effektive Zusammenarbeit und schnelle Entscheidungen zu sichern.
  • Flexible Ressourcen
    Die den Schulen zugeteilten zusätzlichen Lehrerstunden für Sprach-, Lern- und sonderpädagogische Förderung dürfen flexibel nach Bedarf für additive oder integrative Fördermaßnahmen in allen Fächern und Förderbereichen verwendet werden. Die Schule steuert den Einsatz dieser Ressourcen nach schulintern festgelegten Kriterien und berichtet über deren Verwendung.

  • Verlängerte Schulzeit
    Für Kinder mit erheblichen Lernrückständen kann die Schulzeit bis Klassenstufe 6 um ein Jahr verlängert werden, um Lernrückstände auszugleichen und den Anschluss an die weiterführende Schulzeit in der Sekundarstufe 1 sicherzustellen. Das zusätzliche Schuljahr kann beispielsweise durch jahrgangsübergreifendes Lernen oder flexible Eingangsstufen in Grund- oder Stadtteilschule organisiert werden.

  • Schuleigene Bildungspläne entwickeln
    Auf der Grundlage der flexiblen Stundentafeln und der Bildungspläne sollen schuleigene Lehr- und Lernprozesse entwickelt werden, die darauf abzielen, die Schülerinnen und Schüler vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch an das Hamburger Leistungsniveau heranzuführen und zugleich Arbeitsweise, Konzentration und soziale Kompetenzen zu stärken.

  • Unterstützung für besonders verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler
    Zusammen mit der Sozialbehörde wird ein Programm zur Förderung von besonders verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern gestartet. Diese Schülerinnen und Schüler werden mit sehr hohem Personalaufwand temporär in Kleingruppen besonders gefördert und beschult. Aus diesem Programm werden rund 80 Plätze für Schulen in schwieriger Lage bereitgestellt.

  • Pädagogisches Frühstück als Willkommenskultur
    In Zusammenarbeit mit dem Verein „Brotzeit" wird an zehn Grundschulen vor dem Unterricht ein pädagogisches Schulfrühstück angeboten. Das Frühstück verbindet gesunde Ernährung mit Betreuungsangeboten zur Vorbereitung auf Unterricht und Schultag.

  • Eltern in die Verantwortung einbinden
    In Zusammenarbeit mit sozialen Trägern und dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) sollen Eltern dieser Schulen zu „Elternlotsen" ausgebildet werden. Sie sollen Brücken zur Elternschaft bauen, Eltern in Erziehungs- und schulischen Fragen beraten, Lehrer beraten und Eltern in die schulische Verantwortung einbinden. Zugleich soll die Elternarbeit in den schulischen Gremien gestärkt werden.

  • Schüler in die Verantwortung einbinden
    Zusammen mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) werden Schülervertreter geschult und als Brückenbauer und Berater von Schülern und Lehrern in die schulische Verantwortung eingebunden.

  • Netzwerke, Vereine und Stiftungen einbinden
    In Zusammenarbeit mit Stiftungen, Vereinen und sozialen Organisationen sollen die Schulen durch soziale Netzwerke von Ehrenamtlichen besonders unterstützt werden. Jede Schule entwickelt dazu ein entsprechendes Netzwerk.

  • Baumaßnahmen
    Im Rahmen der jetzt geplanten Sanierungsmaßnahmen und Erweiterungsbauten werden die beteiligten Schulen besonders berücksichtigt. Das gilt besonders für die Baumaßnahmen im Zusammenhang mit Ganztagsangeboten. Konkrete Maßnahmen sollen mit den beteiligten Schulen abgestimmt werden.

  • Regionale Bildungskonferenzen
    Im Rahmen der regionalen Bildungskonferenzen werden sozial benachteiligte Regionen besonders sorgfältig begleitet. Hier sollen gezielt Übergänge und Zusammenarbeit zwischen der Schule und weiteren regionalen Bildungs- und Betreuungsangeboten thematisiert und verbessert werden.

Für Rückfragen der Medien:
Behörde für Schule und Berufsbildung
Peter Albrecht, Pressesprecher
Tel: (040) 4 28 63 – 2003
E-Mail: peter.albrecht@bsb.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/bsb

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