Aktuell Hamburger Kongress zur Zukunft der HIV/AIDS-Prävention

Experten erwarten weiteren Anstieg der Neudiagnosen – Neue Wege in der Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen gefragt

Derzeit findet der Kongress „Die Zukunft der HIV/AIDS/STD-Prävention in Hamburg“ statt. Am ersten Tag referierten anerkannte Experten über wichtige Erkenntnisse, die zukünftig auch in der AIDS-Prävention in der Hansestadt berücksichtigt werden sollen.

Hamburger Kongress zur Zukunft der HIV/AIDS-Prävention

„Wir wollen unsere Position im Kampf gegen die Krankheit AIDS erweitern und diskutieren“, so Gesundheitssenator Dietrich Wersich zu den Zielen. „Bereits der erste Tag hat gezeigt, dass der Kongress eine gute Gelegenheit zum Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrungen ist und uns auch in Hamburg mit Anregungen weiter hilft.“ Auf dem folgenden Senatsempfang am heutigen Abend wird der Senat den vielen engagierten Menschen im Hamburger AIDS-Hilfesystem seinen Dank aussprechen für ihre erfolgreiche Arbeit.

In einer verbesserten Erfassung von Erstdiagnosen, wie auch im Anstieg sexuell übertragbarer Erkrankungen, die eine HIV-Infektion wahrscheinlicher machen, liegen nach Ansicht von Dr. Ulrich Marcus, Robert Koch-Institut (RKI), Gründe für den Anstieg der HIV-Fallzahlen. In seinem Vortrag zur „Epidemiologischen Entwicklung in Bezug auf HIV/AIDS und STDs in Deutschland und Hamburg“ stellte er die Situation und Entwicklungstendenzen bei HIV-Infektionen und anderen sexuell übertragbaren Infektionen dar. Entsprechend dieser Erkenntnisse empfiehlt er, das Screening auf HIV/AIDS und sexuell übertragbare Infektionen im Rahmen der HIV-Versorgung insbesondere für schwule und bisexuelle Männer zu intensivieren und es für Prostituierte oder Migranten aus Regionen mit besonders vielen HIV-Infizierten weiter auszubauen.

Einen großen Erfolg der HIV/AIDS-Prävention für Männer die Sex mit Männern (MSM) haben, wenngleich Präventionsbotschaften für schwule Männer weiter ausdifferenziert werden müssen, sieht Axel J. Schmidt vom RKI. Mehr als zwei Drittel einer Befragung hätten zeitstabil keine Risikokontakte (ungeschützter Analverkehr mit Partnern mit unbekanntem oder einem anderen Serostatus) für die zwölf Monate vor der Befragung angeben. Schmidt stellte diese und weitere Erkenntnisse in seinem Vortrag „Ergebnisse der Wiederholungsbefragung „Schwule Männer und AIDS“ des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB)“ vor und leitete Schlussfolgerungen für die Prävention ab. Es hätten sich keine Hinweise für eine zunehmende „Sorglosigkeit“, „Präventions-“ oder „Kondommüdigkeit“ bei MSM ergeben. Zugenommen hat jedoch die Häufigkeit von Analverkehr, insbesondere mit nicht festen und häufig weniger gut bekannten Sexualpartnern, so dass auch bei relativ konstanter Kondomverwendung von einer Zunahme der HIV-Inzidenz ausgegangen werden kann. Als positives Beispiel zur möglichen Ausdifferenzierung der Präventionsbotschaften für schwule Männer nannte er die „Ich-weiß-was-ich-tu“-Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe.

„Fast jede dritte Person, die in Deutschland neu mit HIV diagnostiziert wird, ist Migrantin oder Migrant.“ Zu dieser Erkenntnis kam Dr. Hella von Unger, vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), in ihrem anschließenden Vortrag „HIV/AIDS/STD-Prävention bei Migrantinnen/Migranten aus Hochprävalenzländern“ (Länder in denen HIV gehäuft auftritt). Um die Prävention zu verbessern, bedarf es nach ihrer Einschätzung einer noch besseren Zusammenarbeit, z.B. in Form von Kooperationen, mehr ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund und einer verbesserte Vernetzung und Zusammenarbeit mit Vereinen, Einrichtungen und Schlüsselpersonen in den Communities. HIV-Prävention sollte angesichts der oft vielschichtigen Problem- und Bedürfnislagen von Migrant/innen mit erhöhten HIV-Risiken zudem in ein breiteres Konzept der Gesundheitsförderung eingebettet werden.

In den anschließenden Foren stehen neben den Vorträgen weitere Fragen der HIV/AIDS/STD-Prävention bei MSM, Prostituierten und bei Migrantinnen und Migranten aus so genannten Hochprävalenzländern im Fokus. Die Ergebnisse, die am zweiten Kongresstag im Detail präsentiert und in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Hamburger Bürgerschaft bewertet werden, sollen die Grundlage einer Weiterentwicklung der zielgruppenspezifischen AIDS-Prävention in Hamburg bieten.

Informationen zum Kongress, der sich ebenso an Ärztinnen und Ärzte wie an die in der HIV/AIDS/STD-Prävention tätigen Haupt- und Ehrenamtlichen richtet, stehen auch unter www.hamburg.de/gesundheitsfoerderung online zur Verfügung.

Hintergrund

Während in Deutschland 2008 erstmals seit 2001 die Anzahl der Neudiagnosen lediglich leicht gestiegen ist und eine der niedrigsten Raten innerhalb West-Europas erreicht wurde, war in Hamburg sogar ein Rückgang der gemeldeten HIV-Neudiagnosen zu verzeichnen. Das Robert Koch-Institut geht aktuell von etwa 215 jährlichen HIV-Neuinfektionen in Hamburg aus. Auch im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten mit über 250.000 Einwohnern hat Hamburg seine Position verbessert und liegt unter dem Niveau von Berlin, Köln, und Frankfurt/Main auf Platz acht.

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Rico Schmidt

Pressesprecher Gesundheit und Verbraucherschutz

Pressestelle der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
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