Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Naturschutz Moorschutz in der City

Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor um zwei Drittel erweitert, Kiebitzmoor wird Naturdenkmal.

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Moorschutz in der City

Das Naturschutzgebiet  (NSG) „Eppendorfer Moor“ direkt an der Alsterkrugchaussee ist von 15,3 ha um gut zwei Drittel (10,7 ha) auf 26 ha vergrößert worden. Die Senatsentscheidung geht auf einen Beschluss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord vom November 2012 zurück. Das Kiebitzmoor, im Volksdorfer Osten nördlich der Eulenkrugstraße gelegen, wird Hamburgs elftes Naturdenkmal (ND). Damit sind weitere 1,7 ha Moorlandschaft in Hamburg geschützt. Die unter Naturschutz stehende Fläche – Naturschutzgebiete und Naturdenkmale zusammengenommen - beträgt damit rund 6.725 ha oder rund 8,9 % der Landesfläche -  weiterhin der Spitzenwert aller Bundesländer.

Umweltsenatorin Jutta Blankau: "Auch nach seiner Erweiterung ist das Eppendorfer Moor eines unserer kleinen Naturschutzgebiete, hat aber besondere Bedeutung:  Es liegt mitten in der Stadt und zeigt klar, dass wir auch hier Grün und Natur behalten und entwickeln wollen. Damit schützen wir hier mitten in der City und mit dem Kiebitzmoor in Volksdorf einen Landschaftstyp, der längst auch auf dem Land äußerst bedroht ist.“  

Das Eppendorfer Moor zeichnet sich besonders durch einen reich strukturierten Moorkomplex aus. Hier wechseln sich Schilfröhricht,  Seggen-Riede und Glockenheide-Gesellschaften mit Pfeifengras und Weiden-Faulbaum-Gebüsch auf engem Raum ab. Hier wachsen Sumpf- und Königsfarn, Wasserfeder, Lungenenzian und Gagelstrauch. Das Moor bietet Lebensraum für viele Brutvogelarten. In den letzten zehn Jahren konnten Zwergtaucher, Eisvogel, Grünspecht, Kleiber und Sumpfmeise als Brutvögel nachgewiesen werden. Auch Mäusebussard und Habicht wurden gesichtet.

Im Bereich um den zentralen Teich wurden verschiedene Fledermausarten kartiert. Besonders interessant ist das Eppendorfer Moor aber für Schmetterlinge. 1989 konnten hier 641 Arten, davon 78 der Roten Liste, nachgewiesen werden. Der zentrale Niedermoorbereich ist Lebensraum für 25 verschiedene Libellenarten. Vor Ort gibt es kleine, aber stabile Vorkommen vom seltenen Moorfrosch, vom Gras- und Wasserfrosch sowie der Erdkröte. Auch der Teichmolch ist hier schon beobachtet  worden.

Geschichte: Auf der Weltausstellung 1904 im US-amerikanischen St. Louis, Missouri, erhielt das Botanische Staatsinstitut Hamburg eine Goldmedaille für eine Ausstellung über die Flora des Eppendorfer Moors. Botanische Aufnahmen der letzten Jahrhunderte belegen seinen früheren Reichtum an Moorpflanzen und Orchideen. Der Hamburger Botaniker Dreves und sein Berliner Kollege Hayne haben das Moor 1798 für die Botanik entdeckt. Der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) wurde von Hayne neu für die Wissenschaft beschrieben, mit dem Eppendorfer Moor als "locus classicus" dieser Art. Auch heute noch besitzt das Schutzgebiet einen hohen Stellenwert als Lebensraum moortypischer Tier- und Pflanzenarten -  keine andere deutsche Großstadt hat ein so zentral gelegenes Naturschutzgebiet. 

Das Kiebitzmoor ist während der letzten Eiszeit in einer wasserstauenden Senke entstanden. Der Moorkörper wurde in den 1950er Jahren teilweise abgebaut. Daraus entwickelte sich ein Teich mit einem breiten sumpfigen Ufer, bestanden mit Seggenrieden und Rohrkolbenröhricht. Daran schließen sich Weidengebüsche und feuchter Birken-Bruchwald an. Hier haben sich seltene und gefährdete Pflanzen angesiedelt, die auf nährstoffarme und nasse Standortverhältnisse angewiesen sind. So wachsen hier noch verschiedene Seggen-Arten sowie Sumpfblutauge, Wassernabel und Sumpf-Haarstrang. Das Moor ist Rückzugsgebiet für Amphibien (Grasfrosch, Grünfrösche, Molche) und Libellen. Fledermäuse jagen hier und besonders wasserliebende Vögel wie Graureiher und Blässhuhn nutzen das Kiebitzmoor als Lebensraum.


Hintergrund: Ein Naturdenkmal ist eine ‚Einzelschöpfung‘ der Natur, also alte oder seltene Bäume und Baumgruppen, erdgeschichtliche Aufschlüsse, Gletscherspuren, Findlinge, Quellen, Gewässer, Dünen, Bracks, Tümpel und Moore. Sie werden aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit unter Schutz gestellt. Naturschutzgebiete sind weit größer und dienen dem Schutz seltener oder gar vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie stark gefährdeter Lebensräume.

Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Pressestelle, Volker Dumann, 040-428.45-3249, volker.dumann@bsu.hamburg.de. 

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