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26. Juni 2018 Fachkonferenz „Fokusräume der Stadtentwicklung“

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Rede der Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt

Fachkonferenz „Fokusräume der Stadtentwicklung“: Rede der Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt

Sehr geehrter Herr Christiaanse,
sehr geehrte Bezirksamtsleiterinnen und Bezirksamtsleiter,
sehr geehrter Herr Oberbaudirektor,
sehr geehrter Herr Staatsrat,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und heiße Sie bei uns in der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen herzlich willkommen zur Fachkonferenz „Fokusräume der Stadtentwicklung“.

Das Wohnen, das Arbeiten und das Leben in einer großen Stadt des 21. Jahrhunderts gut zu gestalten, ist eine Gemeinschaftsaufgabe der öffentlichen Hand mit den privaten Beteiligten.

In Hamburg sind unsere Fachkonferenzen wichtige Konstanten im interdisziplinären Austausch über zentrale Themen der Stadtentwicklung geworden:

  • Im Jahr 2016 haben wir unter dem Titel „Wohnen in Hamburg 2030 – Impulse und Perspektiven“ über Erwartungen an den zukünftigen Wohnungsbau in der wachsenden und dichter werdenden Stadt diskutiert.
  • Im Jahr 2017 fand die Fachkonferenz „Wohnen in Hamburg 2030 – Eine Stadt für Alle“ statt. Thematisiert wurden Strategien für bezahlbares Wohnen.
  • Und nun, 2018, richten wir unseren Blick auf die vorhandenen Stadträume, die sich in Transformation befinden.

Wir nennen diese Gebiete Fokusräume der Stadtentwicklung, überschrieben mit den Stichworten

  • Sprung über die Elbe
  • Stromaufwärts an Elbe und Bille
  • und Hamburger Westen.

Diese drei großen Fokusräume zeichnen sich durch unterschiedliche Profile aus. Gemein ist ihnen jedoch die Vielzahl an Entwicklungspotenzialen.

Abseits der Innenstadt und dennoch in zentraler Lage sowie bereits jetzt oder in naher Zukunft durch Öffentlichen Nahverkehr gut angebunden, finden sich hier sehr heterogene Strukturen.

Neben den bekannten großen Stadtentwicklungsgebieten, wo etwa ehemalige Gewerbe- oder Verkehrsflächen durch Konversion ihr Gesicht wandeln, finden wir hier teils intensive, teils weniger dichte Bebauung vor – von Wohnsiedlungen der 1950er-, 60er- und 1970er-Jahre bis zu großen Industrie- und Gewerbegebieten.

Dies sollen die Orte sein, die heute im Fokus der Betrachtung stehen: gewachsene Stadtviertel mit bestehenden Nachbarschaften unterschiedlichen Charakters, mit starken Qualitäten und nicht weniger anspruchsvollen Herausforderungen.

Hier befindet sich eine Vielzahl an kleineren Entwicklungsflächen, und hier steckt das Potenzial für „Mehr Stadt in der Stadt“, für mehr Wohnungen und mehr Lebensqualität.

Wollen wir diese Potenziale heben, bedeutet das, nicht nur Wohnungen zu bauen, sondern Entwicklungen als Chance zu umfassenden qualitativen Verbesserungen in bestehenden Stadträumen zu verstehen. Deshalb wollen und müssen wir uns in den Fokusräumen mit vielfältigen Aspekten des Wohnens und des Lebens befassen.

Hamburgs Einwohnerentwicklung mit einem Bevölkerungszuwachs in den vergangenen Jahren von jeweils mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern lässt keinen Zweifel an der schlichten Notwendigkeit dieser Sichtweise. Gemäß den jüngsten Prognosen des Bundesstatistikamts, die erst 2019 aktualisiert werden, erwarten wir bis 2030 einen Bevölkerungszuwachs von ca. 100.000 Menschen; das entspricht rund 70.000 neuen Haushalten.

Uns kommt darum eine große Verantwortung zu – die Verantwortung, dieses Wachstum zu gestalten mit dem Ziel einer weiter steigenden Lebensqualität für alle Menschen in der Stadt. Hamburg verfügt über das Potenzial dazu, in qualitativer Hinsicht wie auch quantitativ. Anders gesagt: Das qualitätsvolle, ansprechende Bauen hat in Hamburg Tradition, und Platz dafür ist ebenfalls da.

Die Bevölkerungsdichte ist bei uns mit 24 Einwohnern pro Hektar wesentlich geringer als etwa Berlin, wo 40 und in München, wo 47 Menschen pro Hektar leben. Auch die Zahl der Wohneinheiten pro Hektar ist in Berlin und München rund doppelt so groß wie in Hamburg.

Weil Hamburg den Wohnungsneubau braucht und auch gut vertragen kann, haben wir – wie Sie alle wissen – im Bündnis für das Wohnen in Hamburg vereinbart, jedes Jahr 10.000 Wohnungen auf den Weg zu bringen, um die Bevölkerung angemessen mit adäquatem und bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Hamburg soll „Eine Stadt für Alle“ bleiben – das ist unsere sozialer Auftrag.

Wie Sie wissen, verfolgt Hamburg dafür eine Doppelstrategie mit dem eindeutigen Fokus auf Innen- vor Außenentwicklung: Unter dem Leitsatz „Mehr Stadt an neuen Orten“ wird behutsame Stadterweiterung an derzeit drei Standorten betrieben, an denen voraussichtlich etwa 20.000 Wohnungen geschaffen werden können.

Das mit 110.000 Wohnungen weitaus größere Volumen aber soll durch Innenentwicklung im bestehenden Stadtgebiet entstehen – das Motto lautet „Mehr Stadt in der Stadt“. Hier kann Wohnungsbau in guter Lage entwickelt und die vorhandene Infrastruktur genutzt werden. In den drei Fokusräumen konzentriert sich mit der Möglichkeit für 40.000 Wohnungen fast ein Drittel dieses Innenentwicklungspotenzials.

Wobei die Quantitäten nur das Eine sind – unsere Aufgabe ist es auch, dieses Wachstum mit der Entwicklung von Gewerbeflächen, Grünanlagen und Freiräumen dauerhaft gut zu gestalten.

Ebenso die Mobilität: Mehr Menschen bewegen sich durch die Stadt – das erfordert eine leistungsfähige, benutzerfreundliche und möglichst umweltschonende Mobilität innerhalb funktional gestalteter Räume. Und niemals dürfen wir aus den Augen verlieren, dass wir für all das einen gesellschaftlichen Konsens brauchen, auch wenn die politischen Vertreter am Ende im Sinne der gesamtstädtischen und stadtgesellschaftlichen Interessen zu entscheiden haben.

Ziel dieser Fachkonferenz ist es,

  • uns über lokale und übergeordnete Ziele und Handlungserfordernisse auszutauschen,
  • uns zu vergewissern, ob wir auf einem guten Weg sind und die Synergien der vielfältigen Aktivitäten und Maßnahmen gut nutzen
  • und zu ergründen, wo wir unser Handeln ergänzen oder vertiefen sollten.

Die Fokusräume stehen dabei beispielhaft für die Weiterentwicklung bestehender Stadträume auch andernorts in der Stadt.

Ein Schlüsselthema für den Fokusraum „Sprung über die Elbe“ ist die Überwindung räumlicher Barrieren: Der Fokusraum erstreckt sich von der nördlich der Elbe gelegenen HafenCity über die von Verkehrsschneisen zerschnittenen Elbinsel-Stadtteile Kleiner Grasbrook, Veddel und Wilhelmsburg bis zum Harburger Binnenhafen südlich der Elbe. Die Elbe ist dabei beides: Qualitätsfaktor und räumliche Barriere.

Die Entwicklung der HafenCity, der Internationalen Bauausstellung (IBA) und Internationalen Gartenschau (igs) 2013 hat schon vieles bewegt. Die nun beschlossene Entwicklung des Kleinen Grasbrooks zu einem neuen modernen Stadtteil lässt die Elbinsel und die HafenCity zukünftig noch näher zusammenrücken.

Mit der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße an die Bahn wird der Verkehr auf einer Trasse gebündelt. Im Umfeld der alten Verkehrsschneise können Flächen für die Entwicklung neuer urbaner Quartiere gewonnen werden und der Inselpark zusammenwachsen.

Auch die urbanen Räume im östlichen Teil Hamburgs stehen nun verstärkt im Fokus der Stadtentwicklung. In Hammerbrook, Borgfelde, Hamm, Horn, Rothenburgsort, Billbrook und Billstedt mit Öjendorf und Mümmelmannsberg besteht ein über die Jahrhunderte gewachsenes, nicht immer störungsfreies Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe in einem durchgrünten und durch Wasser geprägten Raum.

2014 wurde das Senatskonzept „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ als übergreifende Planung für diesen Teil Hamburgs beschlossen. Ziel ist es, die Verbindung des Raums mit Wasser und Grün zu stärken sowie Arbeiten und Wohnen wieder in einen städtischen Zusammenhang zu rücken und verträglich zu gestalten.

So wird beispielsweise der Neue Huckepackbahnhof auf einer 11 Hektar großen Bahnbrache in Rothenburgsort zeigen, wie durch eine Stapelung von Nutzungen auf begrenzter Fläche moderne Arbeitsstätten in einer gemischten Nachbarschaft organisiert werden können.

Der jüngste Fokusraum ist der Hamburger Westen. Gleichwohl sind hier angesiedelte große Projekte schon lange in Planung beziehungsweise bereits in der Umsetzung, so etwa

  • die Verlagerung des Fernbahnhofs zum Diebsteich und die Entwicklung des frei werdenden Areals zum modernen Quartier „Mitte Altona“
  • und die Überdeckelung der A7 einschließlich der Entwicklung neuer Grünflächen und Wegeverbindungen sowie Wohnungsbaupotenzialen auf angrenzenden Flächen.

Die Dynamik, die sich mit der Möglichkeit zu zahlreichen neuen Projekten in diesem Stadtraum in jüngster Vergangenheit entfaltet hat, macht es erforderlich, alle Entwicklungen in einer teilräumlichen Strategie zusammenzudenken.

Dazu zählen neben den bereits genannten Projekten unter anderem die Entwicklung des alten Holsten-Brauerei-Standortes sowie aufgegebener Gewerbeflächen entlang der Friedensallee, die Entwicklung entlang der Magistralen und die Anbindung des Osdorfer Borns mit einer neuen U‑ oder S-Bahnstrecke.

Besondere Bedeutung wird auch der Weiterentwicklung des Wissenschaftsstadtteils Bahrenfeld zukommen. Die Verlagerung universitärer Nutzungen in die Nachbarschaft des Forschungszentrums DESY wird den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort im Hamburger Westen und die Wissenschaftsstadt Hamburg insgesamt stärken.

Herr Oberbaudirektor Höing wird die Fokusräume und ihre Potenziale gleich im Anschluss näher charakterisieren. Schon jetzt darf ich sagen, dass wir uns heute und in Zukunft über Anregungen von Ihnen bei der Entwicklung der unterschiedlichen Strategien für die Fokusräume freuen.

Meine Damen und Herren,
so unterschiedlich sich die Themen und Aufgaben in den Fokusräumen darstellen, so vielfältig ist deren Organisationsstruktur:

  • Für die Entwicklung des Fokusraums „Sprung über die Elbe“ im Sinne der städtischen Leitbilder wurden mit der HafenCity GmbH und der IBA Hamburg GmbH städtische Projektentwicklungsgesellschaften gegründet.
  • Im Fokusraum „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ arbeiten der Bezirk Hamburg-Mitte und die Fachbehörde in enger Zusammenarbeit an einer Vielzahl von Projekten. Für die Entwicklung und Gestaltung städtischer Grundstücke auf der Nahtstelle zwischen dem „Stromaufwärts“-Gebiet und der angrenzenden HafenCity wurde die städtische Billebogen-Entwicklungsgesellschaft gegründet.
  • Im Hamburger Westen gibt es derzeit vielfältige Organisationsstrukturen zu den großen Entwicklungsprojekten und zu den Themen, die dort im Fokus stehen.

Für die Strategien, die wir für die Fokusräume verfolgen, greifen wir drei uns besonders wichtig erscheinende Zukunftsthemen heraus, die wir heute in thematischen Foren mit Ihnen diskutieren möchten:

  • „Urbane Atmosphären“
  • „Urbaner Freiraum“
  • und „Umweltfreundliche Mobilität im Quartier“.

Das Forum „Urbane Atmosphären“ soll sich mit der Lebensqualität beschäftigen, die viele Menschen in der Stadt suchen. Orte einer kleinteiligen urbanen Mischung finden sich in den Fokusräumen vor allem in den Zentren.

Abseits der Zentren, außerhalb der inneren Stadt, herrscht an vielen Stellen noch immer die Nutzungstrennung in Wohnen, Freiraum und Gewerbe vor.

Dort, wo verschiedene Nutzungen aufeinandertreffen, entstehen manchmal Brüche und Kontraste. Aber beispielsweise auch dort, wo Verkehrsinfrastrukturen wie Schneisen durch Stadtgebiete verlaufen, haben sich Bereiche ungeordneter und geringwertiger Nutzung entwickelt. Die Aufgabe lautet, eine Nutzungsmischung zu ermöglichen, die den jeweiligen Lagen und Quartieren gerecht wird.

Urbane Atmosphären können und sollen durch weiteren Wohnungsbau, Mischung und Dichte an Qualität gewinnen, sich aber weiterhin nach stadträumlichen Lagen und Quartieren unterscheiden: Horn ist nicht gleich Ottensen, Zentren bieten andere Voraussetzungen für das Schaffen von Urbanität als Magistralen.

Beim Zukunftsthema „Urbaner Freiraum“ geht es um die Qualität, die allen drei Fokusräumen gemein ist: ihre grünen Freiräume. Bei zunehmender Dichte und Mischung wird urbanes Grün ein umso wichtigerer Bestandteil sein, weil die Ansprüche und Bedarfe in Bezug auf Freizeit und Erholung vor Ort zunehmen. Der innerstädtische Freiraum muss Bewegungsangebote für Alle enthalten.

Möglicherweise bedeutet das eine Abkehr von starren Definitionen und räumlichen Grenzen, wenn wir Stadtteile neu denken, Nutzungen mischen und Freiräume mit benachbarten Quartieren vernetzen wollen.

Das Zukunftsthema „Umweltfreundliche Mobilität im Quartier“ schließlich umfasst neue Möglichkeiten der Verkehrsorganisation und der Mobilität im Quartier, die auf einen grundlegenden gesellschaftlichen Bewusstseinswandel der individuellen Mobilität treffen.

Die Fokusräume sind heute vielfach Transiträume zwischen City und Stadtrand mit entsprechenden Belastungen. Der öffentliche Raum als wichtiger Kommunikationsort und Träger urbaner Atmosphären in den Fokusräumen ist darum neu zu denken: Die Magistralen müssen sich ihrer Umgebung anpassen und ihren Charakter im Sinne lebendiger Zentren und Quartiere ändern.

Entweder abseits der großen Straßen oder qualitätsvoll integriert sollen Routen für Fuß- und Radverkehr barrierefreie Wege durch die Quartiere eröffnen. Dazu bedarf es vieler innovativer Ideen der Verkehrsplanung und -steuerung sowie zur Gestaltung der Alltagsmobilität in den Fokusräumen. Mobilitätskonzepte, die heute noch Insellösungen darstellen, müssen obendrein zu einem Ganzen werden.

Meine Damen und Herren,
der Vielfalt der Themen entspricht die Vielfalt der Diskutanten, und ich freue mich, dass heute eine so große Bandbreite an Fachleuten anwesend ist: viele Partner aus dem „Bündnis für das Wohnen“, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Verbände, Expertinnen und Experten, lokal Beteiligte, Vertreterinnen und Vertreter der Bezirke und der Senatsbehörden.

Besonderer Dank an Kees Christiaanse, der sich für Hamburg immer wieder als ausgezeichneter Berater erweist und uns nun in seiner Keynote Beispiele für internationale Zukunftslösungen erläutern wird.

Ich freue mich auf einen erkenntnisreichen Austausch und danke ebenso schon jetzt unseren Inputgebern Herrn Eberhard Tröger, Prof. Klaus Overmeyer und Prof. Stefanie Bremer.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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