20. August 2018 Pilotprojekt 8-Euro-Wohnungsbau: Grundsteinlegung im Quartier Vogelkamp Neugraben

Rede der Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt

Pilotprojekt 8-Euro-Wohnungsbau/Grundsteinlegung im Quartier Vogelkamp Neugraben: Rede der Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt

Sehr geehrter Herr Gierse,
sehr geehrte Frau Husemann,
sehr geehrter Herr Limbrock,
sehr geehrter Herr Penner,
sehr geehrte Frau Pein,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

von Neugraben gehen Innovationen aus. Das wurde zum Beispiel deutlich, als wir, liebe Frau Pein, gemeinsam im März 2016 im IBA-Wohnquartier Vogelkamp Neugraben das Musterhaus Modern Art D eröffneten – das erste KfW-40-Plus-Haus hier in Vogelkamp Neugraben im Energiestandard der Zukunft. Es zeigte einmal mehr die Modernität des Quartiers und seine hohe Attraktivität für Investoren und private Bauherren. Diese Attraktivität hat, wie wir sehen, seitdem nicht nachgelassen.

Und auch heute geschieht etwas Wegweisendes: Wir legen den Grundstein nicht nur dieses Pilotprojekts für den sogenannten „8-Euro-Wohnungsbau“, sondern wir legen auch den Grundstein für einen wichtigen Teil der künftigen Stadtentwicklung Hamburgs und schlagen zugleich ein neues Kapitel Architekturgeschichte auf.

Der Ort ist ideal: In diesem erfolgreichen IBA-Entwicklungsgebiet ist alles zu erkennen, was Hamburg als attraktive Stadt ausmacht – mit guten und günstigen Wohnmöglichkeiten; hier am Stadtrand, aber mit hervorragender Verkehrsanbindung und direkter Nähe zum Zentrum Neugraben; urban und doch umgeben von Grün.

Die perspektivisch in vier Bauabschnitten hier entstehenden rund 1.500 Wohnungen weisen einen familienfreundlichen Mix aus Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern auf, ergänzt durch Mehrfamilienhäuser an städtebaulich wichtigen Stellen, am Rand des Neubaugebiets, an öffentlichen Plätzen und entlang des Parks.

Wohnhöfe, eine Mobilitätsstation und viele gestaltete Grünflächen machen den Vogelkamp aus. Zum fast durchgängig ausgewiesenen Wohngebiet soll sich die Bebauung entlang der Bahntrasse gesellen, die  Platz gibt für ein kleines, wohnverträgliches Mischgebiet mit gewerblichen Nutzungen, das zusätzlich vor Lärm schützt.

Auch an den drei inneren Quartiersplätzen soll es gewerbliche Nutzungen geben, und das benachbarte Bildungs- und Gemeinschaftszentrum Süderelbe bietet schon jetzt ein vielseitiges Bildungs- und Freizeitangebot.

Dies alles, meine Damen und Herren, entspricht den Ansprüchen, die an städtische Entwicklungsgebiete in unserer Zeit gestellt werden. Zu Recht, denn die Erkenntnisse von Soziologen und Historikern, Planern, Architekten und Verkehrsexperten in Zusammenhang mit den wichtigen Faktoren der Lebensqualität zu ignorieren, wäre nicht nur nachlässig, sondern dumm.

Ein anderer Faktor ist essenziell: nämlich die Bezahlbarkeit des Wohnens in einer Millionenstadt wie Hamburg. Und zwar nicht irgendwo in der Stadt, sondern nach Möglichkeit in allen Stadtteilen. Das zu gewährleisten, ist eine immense Herausforderung, die nicht allein von der Politik, der Wohnungswirtschaft oder von den Stadtplanern zu leisten ist.

Es handelt sich um eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle etwas beitragen können und sollten, denen Hamburg am Herzen liegt und die Einfluss auf den hiesigen Wohnungsmarkt haben, für den wir seit 2011 Baugenehmigungen für 79.000 zusätzliche Wohnungen erlassen haben.

Als Senat verfolgen wir die Absicht, neben vielen anderen Ansätzen – öffentliche Förderung des Wohnungsbaus, aktive Liegenschaftspolitik, Schutz der Mieterinnen und Mieter durch die Kappungsgrenzenverordnung, soziale Erhaltungsverordnungen, die Mietpreisbremse –, kosten- und flächensparende Maßnahmen im freifinanzierten Mietwohnungsneubau einzuführen, weiterzuentwickeln und diese in einem lernenden Prozess mit Modellvorhaben umzusetzen.

Eines davon ist dieses hier. Ziel des Senats ist es, neben der öffentlichen Wohnraumförderung dauerhaft bezahlbaren Wohnraum auch für die Haushalte zu schaffen, die mit ihren Einkommen oberhalb der Grenzen des geförderten Wohnungsbaus liegen, die jedoch mit den freifinanzierten Neubauangeboten finanziell überfordert sind. Da wesentliche Kostentreiber die hohen Grundstücks- und Baukosten sind, wurde genau hier angesetzt und gegengesteuert.

Wir gehen einen neuen Weg: Wir wollen mit dem „8-Euro-Wohnungsbau“ ein neues Marktsegment anstoßen – mit freifinanzierten Neubauwohnungen in guter, zeitgemäßer Qualität für genau diese Zielgruppe.

Warum 8-Euro-Wohnungsbau?

8 Euro sind der Mittelwert des Mietenspiegels im freifinanzierten, ungebundenen Wohnungsbestand. Das entspricht einem Mietpreisniveau, das zwischen dem geförderten Wohnungsbau mit 6,50 Euro Anfangsmiete heute und dem freifinanzierten Wohnungsbau liegt. Wir wollen ein differenziertes Angebot und eine gute Durchmischung von Haushalten in vielen Stadtteilen.

Diese Ideen verfolgen wir mit den Modellausschreibungen seit 2016 und mit der Veräußerung von Grundstücken für die Projekte Vogelkamp Neugraben und Bramfeld, die jetzt im Bau sind.

Folgende Charakteristika sind dafür kennzeichnend:

  • Miete 8 Euro pro m2 Wohnfläche netto/kalt.
  • Keine Mieterhöhung innerhalb von fünf Jahren.
  • Keine Belegungsbindung.
  • Baukostenevaluierung und Nachweise.
  • Hohe städtebauliche und architektonische Qualität.

Hier in Vogelkamp Neugraben entstehen am westlichen Quartiersplatz 44 Wohnungen für Familien, eine Kita sowie Gewerbeflächen.

Wie kann eine Baukostenreduzierung erreicht werden?

  • Grundrisse können einfacher als bisher wiederholt werden.
  • Auf Keller kann unter Umständen verzichtet werden, Aufzüge können baulich vorgesehen, aber einstweilen nicht eingerichtet werden.
  • Die Ausstattung der Wohnungen kann kostensparend angepasst werden.

Am Ende des Modellvorhabens steht eine Evaluierung, also Überprüfung der Wirksamkeit aller Schritte – auch der Vergleich mit ähnlichen Projekten der SAGA, die schon begonnen sind und folgen werden.

In Zukunft sollen 8-Euro-Ausschreibungen

  • überprüft werden in Hinblick auf längere Bindungslaufzeiten der 8-Euro-Mieten,
  • überprüft werden in Hinblick auf die Nutzung von KfW-Fördermitteln für bestimmte Energiestandards
  • sowie in Hinblick auf Qualität und Innovation der Grundrisse
  • auf Flächeneffizienz
  • und in Hinblick auf die Erfahrungen mit dem Erbbaurecht.

All dies mit dem Ziel, dass Hamburg „Eine Stadt für Alle“ bleibt. Ich weiß aus vielen Fachgesprächen, aus gemeinsamen Veranstaltungen und Diskussionen mit Planern und Architekten, wie ehrgeizig das Ziel des 8-Euro-Baus ist.

Aber gemeinsam mit vielen Partnern insbesondere im „Bündnis für das Wohnen in Hamburg“, aus Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Bezirken und den Kammern, bin ich fest davon überzeugt, dass dieses Ziel jede Anstrengung lohnt, um unsere Stadt lebens- und liebenswert zu erhalten und den Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft zu bewahren.

Meine Damen und Herren,
ich bedanke mich herzlich bei allen, die sich diesem Ziel anschließen – bei dem Pilotprojekt, dessen Grundstein wir heute legen und bei allen folgenden. Einen unfallfreien Verlauf und Gute für die Zukunft wünsche ich Ihnen.

Kontakt

Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen


Neuenfelder Straße 19
21109 Hamburg

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