1. Dezember 2016 Handelslogistik 4.0

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Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Handelslogistik 4.0

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Werner,
sehr geehrter Herr Dr. Otto,
sehr geehrter Herr Schneider,
sehr geehrter Herr Professor Witten,
sehr geehrte Damen und Herren,

es gehört vermutlich zu den urbanen Mythen, dass die Container-Kräne in den Häfen eine wichtige Inspirationsquelle für George Lucas, den Produzenten von „Star Wars“, waren. Die Einwohner der San Francisco Bay Area haben diese Geschichte erzählt. Ihnen drängte sich die Ähnlichkeit zwischen den großen grauen Kränen in Oakland und den elefantengleich gehenden Fahrzeugen aus dem Film „Das Imperium schlägt zurück“ auf. Vermutlich hält sich die Geschichte auch deshalb so gut, weil die Bewegung der Kräne immer wieder an die geistige Verwandtschaft zwischen Logistik und Zukunft erinnert.

Wenn Sie in Hamburg sind, können Sie das bei einem Sonntagsspaziergang überprüfen. Denn in Hamburg liegt der Hafen mitten in der Stadt. Gegenüber den Umschlagorten für Container führt ein Spazierweg mit Strandcafés, Restaurants und Spielplätzen die Elbe entlang. Unsere Kräne sind meist blau und rot. Hamburg hat einen der drei großen Containerhäfen in Europa, er gehört zur Gruppe der 20 weltweit größten Containerhäfen.

Geht man weiter die Elbe hoch, kommt man zur Elbphilharmonie, die im Januar offiziell eröffnet und sicher bald einer der weltbesten Konzertsäle sein wird. Schon heute kann man von der Plaza aus die modernen Kreuzfahrtschiffe ebenso sehen wie die Arbeiten an den Docks. Und zu Fuß kann man weiter gehen, zum Rathaus sind es nochmal 10 Minuten, zur Alster, dem großen Binnensee, vielleicht 15 Minuten. Aber Sie werden länger brauchen, denn es sind sehr schöne Wege.

Nicht nur der Hafen, auch unser Flughafen liegt mitten in der Stadt. Kein anderer europäischer Flughafen ist so zügig, preiswert und unkompliziert von der Innenstadt aus erreichbar. Die Stadt hat „Flugzeuge im Bauch“: Hamburg ist auch einer der drei wirklich großen Standorte für die zivile Luftfahrtindustrie. Hafen, Flughafen und viele andere Branchen machen Hamburg zu einem der größten Logistikstandorte Europas: 12.600 Logistikunternehmen gibt es in der Metropolregion, sie beschäftigen 380.000 Erwerbstätige. Hamburg ist eine Drehscheibe für den Welthandel.

Die Stadt liegt an drei europäischen Verkehrsachsen, den TEN-T Korridoren der EU,  und ist das Zentrum der Metropolregion von 5 Millionen Einwohnern. 340.000 Einpendler haben wir täglich, viele kommen mit dem Pkw. Und auch der Hauptbahnhof ist einer der meistfrequentierten in ganz Europa. Alle Prognosen gehen davon aus, dass der Güter- und der Personenverkehr in der Region massiv zunehmen werden.

Gut 1,8 Millionen Menschen leben in unserer Stadt. Sie gehen Einkaufen, besuchen Restaurants oder bestellen Pakete. Und die Stadt wächst, wir planen für weitere 200.000 Einwohner. Dazu gehört, dass wir jedes Jahr 10.000 neue Wohnungen schaffen, neue Stadtteile aufbauen, an vielen Stellen auf Verdichtung setzen und immer mehr Bezirke enger an das öffentliche Verkehrsnetz anschließen. Für all das sind immer Transportleistungen notwendig. Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands, lebt von der Logistik.

Und, auch wenn ich vielleicht ein bisschen parteiisch bin: Zugleich ist Hamburg eine der schönen und lebenswerten Städte Europas. Drei Flüsse, die Elbe, die Bille und die Alster, prägen unsere Stadt. Überall gibt es Parks und Grünflächen für Sport und Erholung. 6,3 Millionen Touristen besuchten unsere Stadt im vergangenen Jahr, dazu kamen über 100 Millionen Tagesgäste. Sehr beliebt ist die Stadt auch bei jungen Leuten, wir gehören zu den Schwarmstädten, in denen viele gerne wohnen wollen.

Die Hamburger bekommen den Mix aus Industrie, Verkehrsknotenpunkt und lebenswerter Stadt bisher gut hin. Wir gehören zu den europäischen Regionen mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt. Pro Einwohner gerechnet, liegt unsere Wirtschaftsleistung sogar vor der von Dänemark oder Schweden.

All das hat Folgen: Die Stadt wächst. Der Mobilitätsbedarf steigt. Immer mehr Güter müssen produziert, verbessert und geliefert werden. Zugleich stehen wir vor der dringenden Notwendigkeit, die Belastungen durch den Verkehr deutlich zu reduzieren. Hamburg, Deutschland und Europa wollen Klimaschutz, wir wollen CO2-Reduzierung und wir sind gefordert, Stickoxide und Feinstaub in unseren Städten zu reduzieren. Alle Großstädte Europas stehen vor der Herausforderung, diese wachsenden und zum Teil widerstreitenden Aufgaben zusammen führen zu müssen. Die Straße ist dabei buchstäblich der Engpass.

Die Europäische Union hat ein Vertrags-verletzungsverfahren gegen mehrere Mitgliedstaaten eröffnet. 30 wichtige Städte und Regionen sind allein in Deutschland betroffen. Es geht um die Überschreitung der Stickoxid-emissionen, 80 Prozent davon stammen aus Dieselfahrzeugen. Wir haben in dieser Situation zwei Möglichkeiten: Entweder wir setzen auf Verbote oder wir setzen auf Intelligenz. Im ersten Fall werden die Städte zu regionalen oder temporären Fahrverboten gezwungen. Vor allem Gewerbefahrzeuge wären betroffen, denn bislang erfolgt ein Großteil der Lieferungen und des städtischen Gewerbeverkehrs mit Dieselfahrzeugen. Wer keine Verbote will, muss kooperieren. Staatliche Stellen, Wissenschaft und die beteiligten Unternehmen müssen gemeinsam intelligente Lösungen entwickeln.

Kooperation und Köpfchen, das ist der Weg, den wir in Hamburg gehen. Hamburg rüstet sich mit modernsten Technologien für die Zukunft der Mobilität. Hamburg will die Stadt sein, die Lösungen schafft. Wir setzen auf den Ausbau des ÖPNV und fördern den Radverkehr. Ganz wichtig sind auch Konzepte für Elektromobilität und die gezielte Nutzung neuer Technologien für das Mobilitätsmanagement. Dazu gehören die smartPort logistics, das heißt die Erhöhung der Effizienz der Logistik im Hafen und die Nutzung alternativer Antriebe. Und dazu gehören auch die Projekte zur intelligenten Verkehrsführung und zum automatisierten Fahren.

Das Ziel ist fast immer gleich: unnötige Verkehre zu vermeiden und alternative Antriebe zu nutzen. Eine ganz große Rolle dabei spielen die Projekte, die wir mit der wachsenden Branche der Kurier-, Express- und Paketlieferungen (KEP) entwickeln.

Die Innovationskraft dieser Branche ist enorm. Geschickt werden smarte digitale Technologien mit klugen analogen Konzepten kombiniert.

Hermes ist dabei ein gutes Beispiel. Aus den Erfahrungen des Mutterkonzerns, einem traditionellen Versandhandel,  hat sich ein verbrauchernaher Anbieter für Dienstleistungen entwickelt. Der Online-Handel gehört zu den wichtigsten Treibern in der Logistik. In Deutschland liegt das Wachstum bei etwa 24 Prozent. 52 Prozent der Pakete werden an private Empfänger ausgeliefert. Und die Nachfrage wächst. Deshalb brauchen wir neue Lösungen für den Lieferverkehr.

Die Branche drängt es geradezu in die Zukunft. Besonders auffällig ist das bei dem Projekt, dessen Partner Starship Technologies und Hermes sind. Hermes ist ja Name des Götterboten. Entsprechend virtuos und wirklich beeindruckend ist die Technik des sechsrädrigen Roboters, der in drei Hamburger Stadtteilen getestet wird. Bei so viel Zukunft schon im Namen drängen sich auch hier Vergleiche mit „Star Wars“ auf. Schon jetzt sprechen Hamburger, die den Straßen-Roboter gesehen haben, von ihm als einem Verwandten des legendären R2D2.

Drei Roboter hat Hamburg genehmigt. Das war ein für alle neues Gebiet. Das Genehmigungs-verfahren hat auch die Smartness des öffentlichen Dienstes gefordert. Während die Straßen-Roboter noch getestet werden, ist der Test zur Innovationsfähigkeit und Offenheit der Hamburger Behörden schon erfolgreich abgeschlossen: Wir waren doppelt so schnell wie Washington.

Der Anstoß zu einem schon etwas älteren Projekt kam von den Innenstadtkaufleuten, die sich in einem Business Improvement District (BID) zusammengeschlossen haben. Denn zugeparkte Geschäfte und Zulieferer, die immer wieder in der zweiten Reihe parken, mögen weder Anwohner noch Geschäftsleute. Um die Verkehrssituation in der Innenstadt zu entzerren, wurden Gespräche mit verschiedenen Paket-Diensten geführt. UPS entwickelte ein neues Depotkonzept, die Stadt unterstützte die Suche nach Standorten für die Aufstellung entsprechender Container. Lastenfahrräder übernehmen heute die Zulieferung im Innenstadtbereich. Das UPS-Projekt wurde erfolgreich kopiert und in andere Städte übertragen.

Die „letzte Meile“ nennen die Fachleute die Strecke zum Abnehmer, der meist durch die Stadt geht. Das ist nicht nur ein Stück Weg, sondern ein Bereich der Supply-Chain, der an vielen Stellen Innovationen ermöglicht. Die Zustellpunkte, die Zustellprozesse, die Transportträger und auch die Antriebe können und müssen smarter werden. Manche Projekte bringen gleich mehrere Aspekte zusammen, wie etwa bei den Hermes Mikro-Depots, die eine Kombination aus batterieelektrisch unterstützten Lastenfahrrädern und bestehenden PaketShops sind.

Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, zu einer Modellregion für Smart LastMile Logistics werden. SMILE ist die Abkürzung dafür. Das Projekt SMILE haben der Hamburger Senat und Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) vergangene Woche der Öffentlichkeit vorgestellt. SMILE verknüpft die Logistik-Branche mit den Behörden und der Forschung. Die Erfahrung aus der Clusterinitiative zeigt, in der engen Zusammenarbeit zwischen privater und öffentlicher Hand lässt sich richtig viel bewegen.

Viele Projekt-Ideen von SMILE sind schon recht weit fortgeschritten. Etwa CiDO, das ist die Abkürzung für „Come in and drop off“. Zwei Hamburger Wirtschaftsinformatiker haben ein System für die anbieterübergreifende Belieferung entwickelt, das schon zum Patent angemeldet ist. Erste Erfahrungen aus einem Hamburger Mehrfamilienhaus liegen bereits vor.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt ParcelLock. Hier erfolgt die Belieferung über Paketkästen, die vor dem Haus angebracht werden. Auch dieses Angebot ist für unterschiedliche Kurierdienste nutzbar.

Relativ weit ist auch pakadoo, ein 2015 gegründetes Corporate Startup der LGI Logistics Group International. Durch pakadoo können Pakete an den Arbeitsplatz geliefert werden. Onlinehändler wie Amazon und Zalando haben pakadoo als Lieferoption bereits in ihr Bestellsystem integriert.

SMILE, das ist eine Aufforderung, der man doch gerne nachkommt. Vor allem, wenn der Götterbote, der Postbote, die Paketbringerin und all die, deren Wagen man oft in der zweiten Reihe parken sieht, zu denen werden, die wichtige Innovationen für smarte Mobilität entwickeln.

Aus der zweiten Reihe in die erste Liga der Modernisierer. Das nenne ich eine prima Supply-Chain.

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