Senatskanzlei

1. Juli 2015 125 Jahre Kühne + Nagel

Rede des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz am 1. Juli 2015.

125 Jahre Kühne + Nagel

Sehr geehrter Herr Professor Kühne,
sehr geehrter Herr Professor Weber,
Exzellenz,
sehr geehrter Herr Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Otto,
sehr geehrter Herr Präses der Handelskammer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen im Hamburger Hafen, in der HafenCity, auf der Spitze West, am Bug der Elbphilharmonie.

Wir feiern heute eines der erfolgreichsten Unternehmen der Logistikbranche. Wir blicken auf die Tradition, wissend, dass Kühne und Nagel zu unserer Stadt gehört. Wir feiern Klaus-Michael Kühne, der viel jünger als 125 Jahre ist, aber dafür ein echter Hamburger. Und wir feiern hier, vor der Elbphilharmonie, weil Kühne und Nagel immer schon wissen, wo die Zukunft spielt.

Anlässlich des Jubiläums hat Kühne und Nagel zwei Container über die Weltmeere geschickt. Die Jubiläumscontainer besuchen Häfen im Osten, Westen, Süden und Norden. Das ist eigentlich nichts Besonderes, vermutlich ist jeder Kühne und Nagel Container schon mal auf Weltreise gewesen.

Die beiden hingegen sind symbolisch wichtig, weil sie die Spuren von Kühne und Nagel nachziehen. Denn die Routen über die Meere und die digitalen Verbindungen zwischen den Standorten sind die Orte von Kühne und Nagel. Ein Logistik-Unternehmen logiert im Dazwischen.

Hamburger kennen das Kommen und Gehen aus Seemannsliedern und als Kennzeichen des Hafens. Hier ist immer Bewegung: Ladung, Schiffe und Menschen wechseln ständig ihren Platz. Der Hafen ist ein passagerer Ort, an dem sich alles trifft und jeder wichtig ist. Der beste Platz für die Geburtstagsfeier von Kühne und Nagel.

Meine Damen und Herren,
„Zukunft braucht Herkunft“, die von Odo Marquard formulierte Erkenntnis klingt wie ein Motto für die Logistikbranche. Denn ob Frachtbrief oder digitaler Bolzensiegel, wer in der Logistik nicht weiß, wo die Sachen herkommen, ist verloren. Marquard meinte das natürlich nicht im Sinne des Container-Trackings, das Kühne und Nagel ja auch hervorragend können. Es geht vielmehr darum, Veränderungen in ihrer Qualität zu verstehen.

„Wo kommen wir her?“, heißt es in der Festschrift zu 125 Jahre Kühne und Nagel. Sie erzählt von Gründerzeit und Gründergeist der 1890er Jahre, dem Aufbruch von Kühne und Nagel nach Hamburg, dem Auf und Ab in schwierigen Zeiten, und dem Neuaufbau in der Bundesrepublik.

Die sehr schöne Festschrift ist auch ein Lehrbuch der Logistik. Es geht um kluge Nutzung neuer Technologien, die permanente Suche nach der richtigen Lösung und exzellente Arbeit. Man versteht, wie es gelungen ist, aus dem kleinen Speditionshaus einen weltweiten Branchenführer zu machen.

Mit der Festschrift nimmt Kühne und Nagel auch zu Verstrickungen im Nationalsozialismus Stellung. Benannt werden die Trennung vom jüdischen Teilhaber, der später im Holocaust umkommt, die Abhängigkeit von Aufträgen des Naziregimes, die Aktivitäten in besetzten Gebieten und die logistische Unterstützung bei der Beschlagnahmung jüdischen Eigentums. Die Aufarbeitung der Jahre, die die Festschrift die „dunkle Zeit“ nennt, ist ein wichtiger Schritt. Es ist erfreulich, wenn er, wie hier, als moralische Pflicht verstanden wird, die zum Unternehmen gehört.

Meine Damen und Herren,
seit 1902 sind Kühne und Nagel in Hamburg aktiv. Die Geschichte des Unternehmens spiegelt die Entwicklung des Hamburger Hafens wider: Die Globalisierung der Wirtschaft, technische Innovationen und enorme Steigerungsraten im Containerverkehr haben beide groß gemacht.

Groß sind auch die beiden Persönlichkeiten, die das Unternehmen geprägt haben. Der eine, Alfred Kühne, ein Bremer. Er hat schon in den 60er Jahren Grundsätze formuliert, die sich noch heute in den Werten und Ziele des Unternehmens wiederfinden. Der andere, der sicherlich berühmteste Chef des Unternehmens, ist ein Hamburger. Klaus-Michael Kühne stieg mit 25 Jahren in die Leitung des Unternehmens ein.

Unter dem Stichwort „Leute und Karriere“, heißt es bei Kühne und Nagel: „Suchen Sie ein höchst dynamisches, wahrhaft global arbeitendes Umfeld, in dem mit Unternehmensgeist, Exzellenz und Kompetenz alles erreicht werden kann?“ Klaus-Michael Kühne hat dazu immer wieder „Ja!“ gesagt. Gefühlt seit 125 Jahren, tatsächlich sind es etwas weniger, zeigt er dem Unternehmen, was logistische Trends, strategische Allianzen und Entscheidungsstärke sind.

Meine Damen und Herren,
Entscheidungen für Orte sind immer auch ein Signal der Zugehörigkeit. Gerade, wenn man ein großes Herz und viel Temperament hat. Wir haben das bedauert, als Kühne und Nagel die Verlegung des Arbeitsschwerpunkts auf die internationale Ebene mit dem Wechsel von Sitz und Leitung in die Schweiz verbunden hat.

Und wir sehen die enge Verbundenheit mit unserer Stadt, sehen mit Freude wie Klaus Michael Kühne Hamburg zeigt, was eine Unternehmerpersönlichkeit ausmacht:

  • Kühne ist ein leidenschaftlicher Fan und großer Förderer des HSV. Er hat Hamburg sozusagen das Volksparkstadion wieder gegeben, genauer: dessen traditionellen Namen. Damit hat er schon jetzt nachhaltiger Fußballgeschichte geschrieben als so mancher hamburgische Ballkünstler in einer langen Saison.
  • Als Mitglied im Albert Ballin Konsortium gelang Kühne 2012 die Rettung der Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Ihm ist es zu verdanken, dass die Reederei als eigenständiges Unternehmen unter deutscher Flagge erhalten wurde.
  • Leidenschaftlich und großzügig unterstützt Kühne mit seiner Stiftung viele kulturelle Projekte: Die Stiftung Hamburgische Staatsoper, das Internationale Musikfest Hamburg, das Harbour Front Literaturfestival und das Literaturhaus Hamburg.
  • Und Hamburg hat ihm auch eine Hochschule zu verdanken. Die Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung ist inzwischen staatlich anerkannt, 2013 haben wir hier gleich um die Ecke den neuen Campus eröffnet.

Meine Damen und Herren,
die Entscheidung von Kühne und Nagel für Hamburg war sehr früh auch eine für die HafenCity. Kühne hat das Potential der HafenCity erkannt, als es hier kaum mehr als matschige Baustellen gab. Zu der Leidenschaft für die HafenCity gehört auch die maßgebliche Unterstützung von Herrn Kühne für die Elbphilharmonie.

Wir nutzen deshalb die Gelegenheit, den 125. Geburtstag nicht nur vor, sondern auch in der Elbphilharmonie zu feiern. Die Plaza, die etwa 30.000 Besucher und Besucherinnen aus den Baustellenführungen kennen, zeigt sich seit wenigen Tagen weitgehend ohne Gerüste. Die internationale Presse schreibt, dieser moderne Marktplatz sei der schönste Ort Hamburgs.
Es ist ein Raum für die Öffentlichkeit, mit atemberaubendem Ausblick, der jeden einlädt, über Hamburg zu schauen und über sich hinauszuwachsen. Ein guter Ort für ein Hamburger Traditionsunternehmen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute zum Geburtstag. Vielen Dank.