7. Dezember 2015 Senatsempfang "Hamburg engagiert sich" im Rahmen der "Woche für Inklusion"

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Hamburg engagiert sich Bürgermeister Olaf Scholz erklärte, Hamburg habe das Ziel, eine Inklusionsmetropole zu werden.

Senatsempfang "Hamburg engagiert sich" im Rahmen der "Woche für Inklusion"

Sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte ehrenamtlich Engagierte,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich Willkommen im Hamburger Rathaus. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind! Ganz besonders freut mich, dass Sie so viele sind. Denn es zeigt, wie viele sich hier in Hamburg für Inklusion engagieren.

Hamburg engagiert sich für Inklusion – Was ist eigentlich Inklusion? Wenn man eine kurze und einfache Erklärung dafür will, schaut man am besten bei Hurraki.de. Hurraki ist ein Wörterbuch in Leichter Sprache. Leichte Sprache formuliert Sätze, die alle verstehen, auch die mit Lese- oder Lernschwächen und die, die Deutsch erst lernen.

Ich lese mal vor, wie Hurraki das Wort Inklusion erklärt: „Inklusion ist ein lateinisches Wort. Auf Deutsch heißt das Wort: Einbindung oder Dazugehören. Man meint damit: Alle Menschen sind dabei.“

Man kann auch mit Bildern Inklusion erklären. Die Bilder zeigen bunte Punkte, die aussehen wie Bonbons, die sich in einer Dose mischen, oder wie Herbstlaub in den Hamburger Parks. Die verschiedenen Farben und die verschiedenen Formen stehen für die verschiedenen Menschen. Alle gehören dazu, alle mischen sich, niemand soll ausgegrenzt werden.

Die Erklärung für Inklusion ist sehr einfach. Dafür zu sorgen, dass wir inklusiv leben, ist nicht so einfach. Denn dafür müssen wir immer wieder etwas tun. Damit Inklusion möglich ist, müssen Barrieren abgebaut werden.

Meistens denkt man bei Barrieren an Treppenstufen und bei Barrierefreiheit an einen Aufzug, aber Barrierefreiheit geht weit darüber hinaus. Auch für Barrierefreiheit gibt es eine gute Erklärung in Leichter Sprache. Sie lautet:

„Barrierefreiheit ist, wenn alle Menschen etwas benutzen können. Einzelne Personen-Gruppen sollen nicht ausgeschlossen werden. Zum Beispiel: Blinde Menschen können Internet-Seiten nicht sehen. Wenn die Internet-Seite barriere·frei ist, können sie sich die Internet-Seiten vorlesen lassen. Es darf keine Hindernisse geben.“

Weitere Beispiele für das, was Barrierefreiheit bedeutet, erleben wir heute hier im großen Festsaal des Rathauses. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sehr viel dafür getan, dass dieser Senatsempfang barrierefrei ist.

Das begann schon mit der E-Mail, mit der wir die Einladung verschickt haben. Der Text ist so formatiert, dass er von Vorlesemaschinen erkannt wird. Und das Programm, das hier ausliegt, wurde durch die Stiftung Centralbibliothek in Braille-Schrift übersetzt. So können auch Blinde und Sehbehinderte lesen. Außerdem werden meine Rede und die Gespräche auf der Bühne von den Gebärdensprachendolmetscherinnen übersetzt. Ich danke Frau Mögling-Eßmüller und Frau Glawe, dass sie das die ganze Zeit über so konzentriert machen. Eine Schriftdolmetscherin tippt alles, was gesagt wird mit, so dass Sie meine Worte auch mitlesen können. Das ist gut für Leute, die nicht so gut hören und natürlich auch für die, die gerade nicht aufpassen. Herzlichen Dank gleich an Frau Kanschat, die immer aufpassen muss. Zudem wurde im Saal eine Induktionsschleifen-Anlage installiert. Induktionsschleifen sind Kabel, die den Ton vom Mikrophon in ein Signal umwandeln, das von Hörgeräten empfangen wird. So können auch alle, die Hörgeräte haben, das Gesprochene gut verstehen. Das ist sonst in großen Versammlungen sehr schwierig, weil es viele Nebengeräusche gibt. Und natürlich haben wir auch Rampen und Fahrstühle für Rollstühle.

Barrieren abzubauen ist ein wichtiges Element auf dem Weg zur Inklusion. Aber Inklusion ist noch mehr. Ich lese dazu noch einmal den zweiten Teil der Definition von Inklusion in Leichter Sprache vor: „Inklusion gilt für alle Menschen. Niemand wird ausgeschlossen. Alle Menschen werden wahrgenommen. Alle Menschen haben die gleichen Rechte. Gleichberechtigung für alle Menschen, auch für Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, das ist das Ziel der Inklusion.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Das ist der erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Am 10. Dezember 1948, also vor fast genau 67 Jahren haben die Staaten der Welt das beschlossen. Deswegen sollte eigentlich klar sein, dass Menschenrechte für alle gelten. Aber lange, waren doch nicht alle gemeint. Frauen, Schwarze, Homosexuelle und auch Menschen mit Behinderungen sind ausgegrenzt oder einfach vergessen worden. Die Geschichte zeigt, dass alle Minderheiten ihre Rechte erkämpfen mussten.

Das zeigt sich auch im deutschen Recht: Unsere Verfassung gibt es seit 1949. Seit dem steht im Grundgesetz: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Aber erst nach langen Diskussionen wurde 1994 auch noch mal klargestellt. „ Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Einen Wendepunkt in der Geschichte der Rechte für Menschen mit Behinderungen markiert die UN-Behindertenrechtskonvention. Die Behindertenrechtskonvention trat 2008 in Kraft. Man liest die Konvention und versteht, wie viele Barrieren es noch gibt. Man liest die 50 Artikel und weiß, Inklusion ist ein Ziel, für das wir sehr viel tun müssen. Keine Sorge, ich lese jetzt nicht alle 50 Artikel vor, aber ich möchte doch an die Ziele der Konvention erinnern. Und das kann man wunderbar in Leichter Sprache.

In Leichter Sprache lauten die Ziele der Behindertenrechtskonvention: „Frauen, Männer und Kinder mit Behinderungen dürfen nicht schlechter behandelt werden. Sie haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen. Überall auf der Welt. Menschen mit Behinderungen sollen ihre Rechte nutzen. Deshalb sollen sie selbst über ihr Leben bestimmen. Deshalb sollen sie überall dabei sein. Deshalb sollen Menschen mit Behinderungen die Unterstützung und Hilfe bekommen, die sie brauchen.“

Die Behindertenrechtskonvention hat einen Perspektivwechsel gebracht. Sie zeigt, worum es geht: Inklusion gelingt dann am besten, wenn die Welt mit den Augen von Menschen mit Behinderungen angesehen wird. Deshalb ist für uns in Hamburg klar: Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen engagieren sich gemeinsam für Inklusion.

Der Hamburger Senat nimmt Barrierefreiheit und Inklusion sehr ernst. Wir bauen Wohnungen, die besonders für Menschen mit Behinderungen geeignet sind, wir sorgen dafür, dass immer mehr U-, S-Bahnen und Busse barrierefrei zugänglich sind, wir haben Internetseiten, die Informationen in Leichter Sprache anbieten. Und wir arbeiteten (seit 2012) intensiv an der Umsetzung der UN-Konvention. Das betrifft die Arbeit und die Freizeit. Die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat Anfang 2015 noch einmal überprüft, wie weit wir mit der Umsetzung der BRK gekommen sind. Die Ergebnisse haben alle sehr ermutigt. Wir machen genau so intensiv weiter: Hamburg hat das Ziel, eine Inklusionsmetropole zu werden.

Wie breit das Spektrum des Engagements in Hamburg ist, hat die Woche für Inklusion noch einmal gezeigt. Das Team der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen hatte dazu eingeladen Projekte zu präsentieren. 50 Organisationen haben sich sofort gemeldet, darunter Schulen, Theater, Kinos, Kirchen, Sportverbände und viele kleine Initiativen. Es gab gemeinsames Trommeln, Backen, Raufen, Fußball und Malen. Manche haben auch Vorsorge für den Winter getroffen und Vogelfuttertröge oder Meisenknödel hergestellt. Andere haben mit den Ohren eines Blinden gehört oder haben mit den Augen eines Rollifahrers ihren Stadtteil angesehen. Wieder andere haben Arbeitgeber informiert, wie sie Menschen mit Behinderungen beteiligen können. Das war eine sehr erfolgreiche Woche, ich danke allen, die dabei waren!

Hamburg engagiert sich für Inklusion. Dieses Engagement ist ganz wesentlich auch das Engagement von Freiwilligen. Heute ist der letzte Tag der Woche für Inklusion. Dieser Senatsempfang ist als Höhepunkt und als Abschluss den ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern gewidmet.

Freiwillige Arbeit macht Spaß. Jedenfalls meistens. Es gehört zu einem selbstbestimmten Leben dazu, sich engagieren zu können. Und freiwillige Arbeit ist gesellschaftlich sehr wichtig. Viele Dinge würden überhaupt nicht klappen, wenn es nicht so viele Freiwillige gäbe. Als wir 2013 die Hamburger Strategie für freiwilliges Engagement gestartet haben, war klar: Die Engagement Strategie 2020 muss auch inklusiv sein. Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten dabei sind.

Wie geht das nun? Das Projekt Selbstverständlich Freiwillig des Diakonischen Werks Hamburg hat das mit einer sehr guten Broschüre erklärt. Der Praxisleitfaden ist ziemlich lang. Wer eine Zusammenfassung will, liest gleich den hinteren Teil, der ist nämlich in Leichter Sprache. Und da steht dann zum Beispiel, dass es eine Freiwilligen Agentur gibt, die einen berät. Und dass es so viele Dinge gibt, für die wir Freiwillige benötigen, dass für jeden und jede etwas gefunden werden kann.

Zu denen, die wissen wie es geht, gehört auch das AKTIVOLI Landesnetzwerk. AKTIVOLI hat die „Engagementstrategie 2020“ mit initiiert und in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Ihnen nachträglich herzlich Glückwunsch zum Geburtstag!

Ein großes Dankeschön geht auch an die Freiwilligenzentren Schleswig-Holstein „Mittenmang“, die heute in Hamburg zu Besuch sind. Auch „Mittenmang“ sorgt dafür dass sich Menschen mit Behinderungen freiwillig engagieren können. Und ich weiß, dass auch der Motorradgottesdienst, das Stamp-Festival, das Kulturhaus Bienenkorb und der Kulturschlüssel ganz hervorragende Projekte für ein gemeinsames Freiwilligenengagement von und für Menschen mit Behinderungen durchgeführt haben.

Danken möchte ich auch den kompetenten Frauen und Männern vom Fachkreis „Selbstverständlich Freiwillig“. Alle kennen den aktiven Arbeitskreis, er hat auch die Vorbereitung des Senatsempfangs unterstützt.

Das sind nur einige Beispiele. 600 oder sogar 700 Besucher sind hier heute. Viele von Ihnen haben dafür gesorgt, dass Freiwilliges Engagement in Hamburg inklusiv gedacht wird. Sie wissen, anderen helfen macht stark.

Ich danke Ihnen im Namen der Stadt Hamburg für Ihr großartiges Engagement. Ich danke Ihnen, dass Sie Hamburg mit Ihren Ideen bereichern. Ich danke Ihnen für Ihr Herz und Ihre Tatkraft.

Vielen Dank!

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