8. Januar 2016 Grußwort Neujahrsempfang IT-Executive-Club

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Grußwort Neujahrsempfang IT-Executive-Club

Sehr geehrter Herr Vaino,
sehr geehrter Herr Neumann,
sehr geehrter Herr Martens,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich wünsche Ihnen einen guten Auftakt für ein erfolgreiches und spannendes neues Jahr.

Viele der Themen, die unsere Stadt und auch den Senat im letzten Jahr beschäftigt haben, werden uns auch in 2016 begleiten: Wir werden weiterhin Flüchtlinge bei uns aufnehmen und wollen ihnen die Perspektive geben, dass sich ihre Anstrengungen auch lohnen werden.

Dafür werden wir auf das Wachstum der Stadt und ihrer Wirtschaft setzen. Schon vor den aktuellen Flüchtlingsströmen konnten wir davon ausgehen, irgendwann in den 30er Jahren die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze zu durchbrechen. Unter den aktuellen Bedingungen wird dies etwas schneller passieren.

Dafür den richtigen Rahmen zu setzen und die Infrastruktur zu entwickeln – das sind große Aufgaben, die vor uns liegen. Sie betreffen den Wohnungsbau genauso wie die Weiterentwicklung des öffentlichen und privaten Nahverkehres oder unsere wirtschaftliche Basis im Hafen, in der Industrie, in der Logistik und in vielen anderen Bereichen.

Wenn wir dieses größere und moderne Hamburg gemeinsam schaffen wollen, dann spielt ein Thema dabei eine ganz besondere Rolle: die Digitalisierung. Ein Thema, dass Sie in Ihren Unternehmen ebenso beschäftigt wie die Verantwortlichen in der Stadt.

Es markiert einen tiefgreifenden technologischen, wirtschaftlichen und letztlich gesellschaftlichen Umbruch, dessen große Chancen wir beherzt entwickeln wollen.

Die Europäische Kommission schätzt, dass allein der digitale Binnenmarkt europaweit ein zusätzliches Wachstum im Umfang von bis zu 250 Mrd. Euro in den nächsten vier Jahren ermöglicht.

Davon profitieren viele: Das Fraunhofer Institut hat mögliche Wachstumspotentiale in Bezug auf verschiedene Branchen in Deutschland berechnet. Danach liegt das größte Potential im Maschinen- und Anlagenbau, gefolgt vom Automobilbau, den elektrischen Ausrüstern und der chemische Industrie. Selbst in der Landwirtschaft erwartet Fraunhofer ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von drei Milliarden Euro bis 2025.

Maßgeblich unterstützt wird dieses digital getriebene Wachstum vor allem durch IT-Unternehmen sowie die Inhouse-IT-Abteilungen vieler Unternehmen.

Hier wollen wir auch in Hamburg ein wesentlicher und wichtiger Motor der Entwicklung sein. Traditionell arbeitet ein großer Teil der IT-Fachkräfte bei uns in den IT-Abteilungen zahlreicher großer und kleiner Unternehmen ganz unterschiedlicher Branchen. Ihr Kreis ist dafür ein sehr schönes Beispiel.

Zugleich ist in den letzten Jahren aber auch die Zahl der bei der Handelskammer gemeldeten IT-Unternehmer und -Unternehmen auf fast 10.000 angestiegen.

Auch das trägt dazu bei, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im IT-Bereich insgesamt wächst und sich allen Prognosen zufolge auch weiterhin gut entwickeln soll. Eine sehr erfreuliche Nachricht – wir brauchen diese Kompetenz, um den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern.

Diese Transformation ist nicht nur eine Aufgabe für die Unternehmen, sondern in gleicher Weise auch für den Staat und für die öffentliche Infrastruktur. Denn natürlich erwarten Bürgerinnen und Bürger, dass sie die digitalen Möglichkeiten, die ihnen Apple, Google, Facebook, Xing oder Amazon bieten, auch beim Staat nutzen können. Und natürlich haben wir selbst ein Interesse daran, unsere Infrastruktur so intelligent zu gestalten, dass wir die Daten, die wir erheben oder besitzen, auch verknüpfen und nutzen, um unsere Services noch weiter zu verbessern.

Das ist eine dauerhafte Aufgabe. Für den Staat heißt das, dass wir immer wieder aufs Neue unsere Strukturen und Prozesse daraufhin zu überprüfen haben, dass sie sich auf der Höhe der Zeit bewegen.

Wir sind im Bereich des eGovernment, also den Serviceangeboten, die wir den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen, im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden in Deutschland gar nicht so schlecht.

Unser Gesamtangebot wurde im zurückliegenden Jahr beim eGovernment-Wettbewerb mit dem Titel „eCity 2015“ für das beste digitale Gesamtangebot einer Kommune ausgezeichnet.

Über 70 Services können im eGovernment-Portal abgerufen werden. Zahlreiche Daten und Verträge können über das Hamburger Transparenzportal eingesehen werden. Und wir bauen schrittweise weiter aus.

Darauf können wir ein wenig stolz sein. Aber wir wollen natürlich noch besser werden. Denn auch wenn wir im staatlichen Vergleich ganz gut sind, im Vergleich mit dem, was andernorts in der digitalen Wirtschaft möglich ist, sind wir es noch nicht in dem Maße, das wünschenswert wäre.

Wir wollen darauf hin arbeiten, dass alle Services, die digital angeboten werden können, künftig auch digital angeboten werden. „Digital first“ lautet die Devise.

Wir arbeiten mit den Bezirken, Behörden und öffentlichen Einrichtungen daran, Verfahren besser aufeinander abzustimmen, um einen möglichst einheitlichen Datenfluss sicherzustellen. Wir wollen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, Ihre Daten beim Staat so sicher und souverän zu hinterlegen, dass sie in der Lage sind, relevante Dienstleistungen komplett digital zu beantragen und bewilligt zu bekommen.

Das Ganze soll so geschehen, wie wir alle es aus unserem sonstigen Alltag gewohnt sind, also auch mobil und zeitunabhängig. Es ist noch ein ganzes Stück zu gehen, aber wichtige Schritte hierzu liegen bereits hinter uns.

Neben diesen zunächst eher internen Prozessen arbeiten wir auch an der Weiterentwicklung der digitalen Angebote städtischer Institutionen. Auf drei Beispiele möchte ich kurz eingehen: 

  • Hamburg Open Online University
    Die universitäre Lehre wird sich durch die Digitalisierung verändern. Darauf reagieren die staatlichen Hamburger Hochschulen mit der Hamburg Open Online University. Diese wird nicht nur Studierenden zur Verfügung stehen, sondern auch anderen Interessierten.
    Die hierfür entwickelte Plattform wird nicht nur herkömmliche Formen der Lehre und des Lernens in die digitale Welt überführen, sondern einen neuen didaktischen Ansatz verfolgen. Dieser ist an den Lernenden orientiert, nutzt die Chancen der Vernetzung und des Austauschs und eröffnet anhand konkreter Aufgaben- und Problemstellungen neue Chancen der Wissensaneignung. Mit der Hamburg Open Online University wollen wir die technische Grundlage für die universitäre Lehre des 21. Jahrhunderts aus eigener Kraft und Kompetenz heraus entwickeln.
  • eCulture Agenda
    Mit der eCulture Agenda wollen wir künftig auch den digitalen Zugang zu Kultur gestalten. Mit der Kulturpunkte-App haben wir die Angebote bereits sichtbarer gemacht und zugleich die Online-Buchung erleichtert. Künftig soll eine übergeordnete technische Infrastruktur zur Speicherung und zum Abruf digitaler Inhalte entstehen, die allen Hamburger Kultureinrichtungen – öffentlich und privat finanziert – zur Verfügung steht. Durch die laufenden Digitalisierungsprojekte der Hamburger Museen gibt es bereits einen beachtlichen Bestand an digitalisiertem Kulturgut, das künftig über eine zentrale Cloud-Infrastruktur leicht und kosteneffizient zugänglich gemacht werden soll.
  • smartPORT
    Im smartPORT forciert die Hamburger Port Authority die Digitalisierung der Infrastruktur und die bessere Verzahnung von Waren- und Verkehrsströmen. So erfährt ein LKW-Fahrer über eine spezielle App bereits bevor er in den Hafen kommt, welche Route er am besten zum Terminal nimmt, ohne an einer gerade geöffneten Brücke anhalten oder am Terminal zu lange auf seinen Container warten zu müssen. Oder die Weichen der Hafenbahn werden mit Sensoren ausgerüstet, die selbständig melden, wenn die Weiche geschmiert werden muss. So wird der Wartungsaufwand reduziert und Qualität hinzugewonnen.

Diese technologischen Innovationen sind besonders wichtig, wenn wir uns ansehen, dass der Hafen künftig vielleicht, mehr als das Doppelte des heutigen Frachtaufkommens auf der gleichen Fläche wird bewältigen müssen. Dazu brauchen wir technische Lösungen, die die Effizienz erhöhen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

gemeinsam arbeiten wir auch daran, dass unsere Wirtschaft die digitale Wende in den Produktionsprozessen schafft, beispielsweise beim Additive Layer Manufacturing (ALM) – dem 3D-Druck. Und auch Themen wie Software-Defined-Products, Machine-Learning und Data Quality werden uns über die nächsten Jahre begleiten.

Einige meinen derzeit noch, diese Innovationen seien nur für große Betriebe relevant. Sie verkennen die Dynamik, die in dieser Entwicklung liegt. Technologien setzen sich durch, wenn sie gut sind. Wenn sie die Produkte preiswerter, die Abläufe einfacher oder die Dienstleistungen kundenbezogener machen können, werden sie auch Handwerk und Mittelstand erreichen.

In Hamburg arbeiten Industrieverbände, Hochschulen, Handelskammer und Handwerkskammer und die Wirtschaftsbehörde daran, diese Entwicklungen aufzugreifen und zu vermitteln. Die Initiative dazu kommt übrigens ganz wesentlich von den international operierenden Leistungsträgern aus dem Mittelstand. Industrie 4.0 ist eines der großen Themen des „Bündnis für Industrie“, genauso wie bei uns in Hamburg zukünftig im Masterplan Industrie.

Seitens des Senats arbeiten wir intensiv daran, neue Innovationsparks zu schaffen, in denen der Transfer wissenschaftlichen Wissens in neue Produkte und Dienstleistungen gelingt. Wenn wir von der großen Stadt als Laboratorium der Moderne sprechen, dann gehören unsere Cluster und ihre Arbeit an künftigen Technologien der Wertschöpfung ganz unabdingbar dazu.

Die Digitalisierung ist eine Aufgabe, die uns alle in Wirtschaft und Gesellschaft fordert.

Daher freue ich mich, dass ich die Gelegenheit habe, heute bei Ihnen zu sein, denn Sie Sie sitzen in Ihren Unternehmen in der Position des Digital-Antreibers. Teilweise mit großen und auch ausgezeichneten Erfolgen: Mit Sebastian Saxe von der HPA und Henning Schneider vom UKE kommen zwei gerade erst ausgezeichnete CIOs des Jahres hier aus Hamburg und aus ihrem Kreise. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch.

Diese Wahrnehmung ist wichtig. Hanseatisches Understatement passt nicht in disruptive Zeiten. Ich finde es daher sehr richtig, dass Sie sich nicht nur zu den Themen austauschen, sondern sie auch deutschlandweit vertreten. Da können wir uns für das Jahr 2016 vielleicht auch noch etwas vornehmen: Ein bisschen mehr Marketing in eigener Sache.

Und noch ein Thema wird uns die nächsten Jahre begleiten: Der digitale Nachwuchs. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie Ihre Bemühungen um IT-Fachkräfte fortsetzen und intensivieren. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir uns seitens des Senats darum bemühen werden, die Ausbildungsbedingungen für die IT-Berufe an den Hochschulen weiter zu verbessern. Denn kluge Köpfe sind das, was unsere Wettbewerbsfähigkeit, nicht nur in Hamburg, ausmacht und vorantreibt.

Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2016.

Schönen Dank.

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