5. Februar 2016 Neujahrsempfang des Zentralen Immobilienausschusses

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Neujahrsempfang des Zentralen Immobilienausschusses

Sehr geehrter Herr Dr. Mattner,
sehr geehrter Herr Wende,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

so langsam kommen wir in die Phase des Jahres, in der es merkwürdig erscheint, noch ein schönes neues Jahr zu wünschen, deshalb lassen Sie mich das machen, bevor noch mehr Zeit verstreicht: Ich wünsche Ihnen und uns allen ein schönes, erfülltes und erfolgreiches Jahr 2016, und ich bin sehr zuversichtlich, dass viele Weichen dafür schon weit gehend richtig gestellt sind, und wir alle werden nicht nachlassen, weiter konstruktiv an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten.

Das vergangene Jahr war kein einfaches. In Hamburg stehen wir wie viele deutsche und europäische Städte vor großen Herausforderungen. Dazu gehört die sich verschärfende Sicherheitslage durch den internationalen Terror, der wir entschlossen und gleichzeitig mit kühlem Kopf zu begegnen haben. Dazu gehört die große Zahl von Menschen, die auf der Suche nach Sicherheit und einem besseren Leben zu uns gekommen sind. Gleichzeitig schauen wir in Hamburg als internationale Handelsstadt natürlich auch sehr genau auf die Verwerfungen auf den internationalen Märkten. Wenn die chinesische Exportwirtschaft nachlässt, dann bedeutet das für den Hamburger Hafen natürlich mehr als dass da nur der sprichwörtliche Sack Reis umfällt. Kurz gesagt: Wir alle haben in 2016 eine Menge Arbeit vor uns, aber zum Glück sind wir hier in Hamburg so gestrickt, dass wir Arbeit immer auch als die Möglichkeit verstehen, die Dinge erfolgreich zu gestalten. Das gilt ganz besonders auch für die Herausforderungen einer wachsenden Stadt.

Und Hamburg wächst. Das wäre auch ohne die große Zahl an Flüchtlingen so. Hamburg wächst und zieht dabei ganz besonders die Generation der 20 bis 35-Jährigen an, was uns ganz besonders freut und optimistisch macht. Und es verstärkt den Trend, über den ich heute mit Ihnen sprechen möchte, über die Antworten, die wir auf diese Entwicklung geben wollen. Wir fassen Sie unter den Stichworten zusammen: „Mehr Stadt in der Stadt“ und „Mehr Stadt an neuen Orten“ – denn die Jungen kommen, weil sie in einem lebendigen urbanen Umfeld leben möchten. Wir in Hamburg werden mehr, und alle die kommen brauchen Wohnungen. Hamburg bietet für die Immobilienwirtschaft hervorragende Bedingungen: Eine wachsende Stadt, und eine wunderschöne Stadt noch dazu, mit wachsendem Bedarf an Wohnraum und dazu ein Senat, der die Herausforderungen der Zeit erkennt und annimmt.

Ich habe bei meinem Amtsantritt 2011 ein Wohnungsbau-Defizit von 40.000 Wohneinheiten übernommen. Der Senat hat deshalb zusammen mit den Bezirken ein Wohnungsbauprogramm gestartet, 6.000 Wohnungen pro Jahr, das ist unsere Zielvorgabe.

In den vergangenen Jahren haben wir das deutlich überschritten: 2015 ist der Bau von 9.560 Wohnungen genehmigt worden, in den Vorjahren, also 2013 und 2014, wurde sogar die 10.000-Marke erreicht. Wir haben bisher insgesamt 46.387 Wohneinheiten genehmigt, das heißt, die Zielvorgabe wurde um mehr als die Hälfte [rd. 54,6%] übertroffen. Auch die Zahl der Fertigstellungen ist beachtlich, 2013 lag sie bei 6.400 Wohnungen und 2014 bei knapp 7.000. Da die Bauzeit jeweils 2 bis 3 Jahre beträgt, können wir jetzt schon sagen, die Höhepunkte liegen noch vor uns. Und wir werden diesen Weg weiter beschreiten, wir hören nie mehr auf, Wohnungen zu bauen.

Das funktioniert zum Beispiel deshalb, weil wir es geschafft haben, die Prozesse in den Bezirken zu beschleunigen und gleichzeitig alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen und in einem „Bündnis für das Wohnen“ den Konsens zu organisieren, den es zur Unterstützung für ein so ehrgeiziges Programm braucht. Da kommen alle zusammen, die vom Wohnungsbau Ahnung haben: Die Bauträger, die Behörden, die Mieter und die Eigentümer. Viele der Ziele, die sich das Bündnis gesetzt hat, sind erreicht worden. Es ist ein gutes Zeichen, dass derzeit intensiv an einer Neuauflage gearbeitet wird.

Wir haben mit großem Interesse die Ergebnisse Ihres Herbstdiskurses vom vergangenen Jahr gelesen und es wird sie nicht überraschen, dass wir sehr große Übereinstimmungen zum Beispiel mit unserer eigenen „Großstadtstrategie“ feststellen, das gilt insbesondere auch für Ihre Vorschläge zu den Änderungen des Bau- und Immissionsschutzrechts mit dem Ziel der Erleichterung der Planung flexibel gemischt genutzter und stärker verdichteter Gebiete.

Denn das sehr lebendige Gebilde Stadt steht für sehr viel mehr als nur dafür, dass vieles an einem Ort versammelt wird. Jede lebenswerte Stadt der Welt lebt von ihrer Mischung, und zwar der Mischung in jedem einzelnen Quartier. Nachdem in vergangenen Jahrzehnten oft propagiert wurde, wie schön es doch ist, aufs Land zu ziehen, ist der überwiegende Wunsch der jüngeren Generation heute ein anderer: Sie wollen in die Städte. Eine Studie des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) beschreibt den Wunsch der jungen Neubürger mit den Worten: „Hauptsache man wohnt in einer lebendigen, vitalen, urbanen Stadt“.

Das ist in jeder Hinsicht leichter gesagt als getan. Zum einen muss das Wohnen auch irgendwie bezahlbar sein. Wir sehen in Metropolen wie London, dass es gerade für junge Familien inzwischen völlig unmöglich ist, sich zentrumsnah eine Wohnung zu leisten. Aber man muss gar nicht bis in die Weltmetropolen gehen, selbst in München empfiehlt man jungen Familien inzwischen, doch ins 50 Minuten entfernte Erding zu ziehen und zum Arbeiten in die Stadt zu pendeln. Das ist ganz sicher nicht das Leben, das sich junge Leute ausmalen, wenn sie in eine Stadt ziehen.

Wir haben verschiedene Werkzeuge, um solchen Entwicklungen entgegenzutreten: Die Stadt Hamburg vergibt ihre Grundstücke heute wieder nach dem Konzeptprinzip, bei dem ein gutes, vernünftiges Konzept für eine Fläche mehr wiegt als der reine Kaufpreis, nämlich mit einer Gewichtung von 70 zu 30. So ermöglichen wir es zum Beispiel auch Baugenossenschaften, an bezahlbare innerstädtische Baugrundstücke zu kommen und wir schaffen es, dass mindestens ein Drittel der neu gebauten Wohnungen staatlich geförderter Sozialwohnungsbau ist. Aber wir sind uns einig, dass in letzter Konsequenz die Preise für Wohnungen in begehrten Quartieren nur dann bezahlbar bleiben, wenn es genug davon gibt. Von beidem: Sowohl genug Wohnungen als auch genug begehrte Quartiere. Das heißt, wir müssen nicht nur viel bauen, sondern vor allem schlau.

Attraktive Stadtviertel kann man nicht verordnen. In Hamburg, und ich nehme an in vielen anderen Städten auch, enthalten Anzeigen von Wohnungssuchenden oft den Satz „Suche eine Wohnung mit diesen und jenen Eigenschaften in den üblichen Vierteln“. Und natürlich sind all diese üblichen Viertel gekennzeichnet von den Vorzügen der Urbanität: Sie sind zentral gelegen und sehr gemischt genutzt, also Viertel, in denen man sowohl wohnt als auch arbeitet, in denen man einkaufen kann – zumindest die Dinge des täglichen Bedarfs –, und in denen man auch noch seine Freizeit verbringen kann, weil es die Angebote gibt, sowohl drinnen als auch draußen. Der größte Vorteil von großen Städten kann manchmal offenbar sein, dass man sich aus seinem kleinen Viertel nicht herausbewegen muss. Wir müssen das wissen, und wir müssen zwei Ziele verfolgen: Wir müssen die Zahl der Wohnungen in diesen begehrten Quartieren erhöhen, und wir müssen dafür sorgen, dass möglichst schnell viel mehr Viertel zu jenen „üblichen Vierteln“ aus den Suchanzeigen gezählt werden. In Hamburg haben wir Programme für beide Ziele, und wir fassen sie zusammen unter den oben erwähnten Titeln „Mehr Stadt in der Stadt“ und „Mehr Stadt an neuen Orten“.

Mehr Stadt in der Stadt bedeutet natürlich, dass wir verdichten, dass wir enger bauen, urbaner bauen, höher bauen. Das kann man, wie fast alles auf der Welt, besser und schlechter machen, und ich überrasche Sie jetzt hoffentlich nicht mit der Aussage, dass wir entschlossen sind es besser zu machen, und zwar jedes Mal wieder, wenn irgendwo ein Bagger anrückt. Dazu gehört, wie Sie es ganz richtig fordern, sehr genau auf die Mischung zu achten, damit Gewerbe nicht verdrängt wird, damit die Nahversorgung funktioniert und auch der Mix aus Mietwohnungen und Eigentumswohnungen stimmt.

Unser „Mehr Stadt an neuen Orten“ umfasst viele Stadtteile zum Beispiel in dem Programm „Stromaufwärts an Elbe und Bille“, in denen beispielsweise durch kluge Verbindung von bisher schlecht verbundenen Quartieren eine neue Urbanität die Lebensqualität stark verbessert, und in der Folge dann auch die Attraktivität. Um unser Ziel zu erreichen, die Zahl der „üblichen Viertel“ zu erhöhen, sind wir bereit, auch unübliche Ideen zuzulassen. Und ich kann Ihnen heute versprechen, dass wir damit auch nicht aufhören werden.

Zum Abschied sage ich Ihnen den schönsten Satz, den man Menschen aus der Immobilienbranche in Hamburg 2016 sagen kann: Es wartet eine Menge Arbeit auf uns alle!

Schönen Dank!

Danke für Ihr Interesse!

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