Senatskanzlei

5. Februar 2016 80. Geburtstag des Altpräses der Handelskammer Nikolaus W. Schües

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

80. Geburtstag des Altpräses der Handelskammer Nikolaus W. Schües

Sehr geehrter Herr Altpräses Schües,
sehr geehrte Frau Schües,
sehr geehrter Herr Präses,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es gehört zu den schönsten Momenten eines Bürgermeisters, die Arbeit der Bürgerinnen und Bürger anzuerkennen, die unsere Hansestadt zu dem machen, was sie ist: Wir leben in einer großartigen Stadt. Nikolaus W. Schües ist ein Sohn dieser Stadt. Er stellt das nun seit 80 Jahren unter Beweis.

Nikolaus W. Schües ist ein echter Hamburger. Das sage ich nicht nur, weil er hier geboren ist. Er ist auch ein Hamburger im Sinne von Helmut Schmidt. Helmut Schmidt sagte, für ihn zählen „Geburt und Überzeugung nicht so viel wie die hamburgische Gesinnung der Menschen.“ Wirtschaftlicher Erfolg, kultureller Reichtum und eine grundsätzlich weltoffene Haltung gehören zu Hamburg. Und dieser Dreiklang gehört auch zu Nikolaus W. Schües.

Mit einer Lehre beginnt Schües nach dem Abitur seine Karriere. Es erweist sich als sehr gute Entscheidung. Oft spreche ich im Ausland über die Erfolge der Dualen Ausbildung, der gelernte Schifffahrtskaufmann Schües ist geradezu ein Musterbeispiel. 1961 steigt er bei der Hamburger Traditionsfirma F. Laeisz ein und von dort aus, arbeitet er sich weit auf das Meer hinaus.

Schon 1973 ist Schües Partner der Firma F. Laeisz. Immer stärker lenkt er die Geschicke der Reederei. Als die Dollar-Krise viele Reedereien bedroht, setzt er auf Technik und Rationalisierung. Auch die Bankenkrise bewältigt die Reederei mit kaufmännischem Geschick, moderner Logistik und harter Arbeit. 40 Schiffe hat Laeisz heute, sie ist dabei nicht nur Reederei, die Holding hat 1.100 Mitarbeiter und bietet alle wichtigen Dienstleistungen für die Schifffahrt. Die die inzwischen 192 Jahre alte Firma ist auch ein Vorreiter der Moderne: Schon vor gut 20 Jahren wurde sie nach dem Umweltstandart ISO 14001 zertifiziert. Laeisz aus Hamburg, das steht für Qualität, die kennt man auf dem Weltmarkt. Das ist dem unermüdlichem Einsatz und dem Weitblick von Nikolaus W. Schües und seiner Familie zu verdanken.

Weitblick beweist Schües 1989 auch als Gründer der Wasserstoff-Gesellschaft. Er entdeckt, früher als viele andere Unternehmer, dass der Wasserstoff ein umweltfreundlicher Energieträger ist, dessen industrielle und wirtschaftliche Nutzung gefördert werden muss. Seine Verdienste als Vorstand würdigte die Mitgliederversammlung mit der Einführung einer Medaille, die seinen Namen trägt, die „Nikolaus W. Schües-Medaille“. Von seinem Auto haben wir ja schon gehört, ich möchte ergänzen: Hamburg hat inzwischen die modernste und größte Wasserstofftankstelle Europas. Wir gehören zu den führenden Standorten der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Demnächst fünf Wasserstofftankstellen versorgen unsere wasserstoffbetriebenen Busse. Und natürlich gerne auch den PKW von Herrn Schües.

1990 wird Nikolaus Schües Vizepräses der Handelskammer und sechs Jahre später ihr Präses, insgesamt 15 Jahre gehört er zur Leitung des Hauses. Er prägt die Um- und Aufbaujahre nach der Wiedervereinigung. Die Hamburger Handelskammer vertieft die Kooperation mit Skandinavien, gründet Auslandsniederlassungen und öffnet sich verstärkt auch Osteuropa und Russland. Das ist Weltoffenheit ganz praktisch: Entscheidungen wie diese tragen maßgeblich dazu bei, dass Hamburg heute eine Schlüsselstellung im Welthandel hat. Zur Schües-Zeit in der Handelskammer gehören auch ein umfassender Modernisierungsprozess und die Vernetzung mit der Wissenschaft.

Schües zeigt sich in der Handelskammer als Mann der großen Taten, der unermüdlichen Arbeit und der wohltemperierten Töne. Viele seiner Projekte klingen bis heute nach: etwa wenn im Rahmen der von ihm etablierten Lunchkonzerte in der Handelskammer eine Sonate für Violine und Klavier von Mozart zu hören ist. Wohltemperiert klingt auch wieder der Name Laeisz. Aus einer Stiftung des Hamburger Reeders Carl Heinrich Laeisz entstand 1908 das Hamburger Musikhaus. Es war bei der Einweihung das größte und mordernste Konzerthaus Deutschlands. Nikolaus W. Schües hat diese philanthropische Tradition als Eigentümer der Reederei aufgenommen und die Stadt mit seinem Engagement beschenkt. Der Familie Schües und dem Freundeskreises ist es zu verdanken, dass die in die Jahre gekommene Musikhalle wieder ein begehrter Spielort internationaler Stars geworden ist.

Unermüdlich ist eines der Attribute von Schües, die seine wirtschaftlichen Erfolge erklären. Unermüdlich ist auch sein Engagement für die musikalische Weiterentwicklung der Stadt. Ich meine damit insbesondere sein Engagement im Freundeskreis der Elbphilharmonie, deren Vorsitzender er lange war.

Dass sich Nikolaus W. Schües in den letzten Jahren für die Elbphilharmonie eingesetzt hat, ist sehr erfreulich und auch folgerichtig. Die Elbphilharmonie ist eine Laeiszhalle des 21. Jahrhunderts, wenn auch – anders als bei der Laeiszhalle – die Finanzierung überwiegend vom Steuerzahler geleistet wurde. Unter dem gemeinsamen Dach der Hamburg Musik werden fünf Säle, drei in der Elbphilharmonie und zwei in der Laeiszhalle, das neue Herz der Musikstadt Hamburg bilden.

Viele Projekte verwirklicht Schües gemeinsam mit seiner Frau, etwa die Talentförderung durch die Kunststiftung Christa und Nikolaus W. Schües. 2014 wurde Schües für sein jahrzehntelanges kulturpolitisches Engagement mit der Gustav-Schiefler-Medaille der Lichtwark-Gesellschaft ausgezeichnet.

Und, weil wir gerade bei Medaillen sind, möchte ich auch erwähnen: Die Hansestadt Hamburg hat Hamburg Nikolaus Schües 2001 die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes verliehen. Und zwei Mal ist sein umfassender Einsatz für die Wirtschaft und das Wohl der Allgemeinheit mit einem Bundesverdienstorden geehrt worden.

Meine Damen und Herren,

nach 80 Jahren der gemeinsamen Arbeit an der Tradition und der Weiterentwicklung der Stadt können wir sagen: Schües und Hamburg sind ein erfolgreiches Team. Weil wir so erfolgreich sind, können Sie sich übrigens jetzt schon auf den 81ten Geburtstag freuen: Denn bis dahin haben wir die Elbphilharmonie längst eingeweiht.

Aber schon heute möchte ich sagen: Lieber Herr Schües, die Stadt Hamburg ist stolz auf diesen Sohn.

Im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zum Geburtstag!

Vielen Dank