9. Februar 2016 Neujahrsempfang des Zentralen Immobilienausschusses

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Neujahrsempfang des Zentralen Immobilienausschusses

Sehr geehrter Herr Elste,
sehr geehrter Herr Falk,
sehr geehrter Herr Fenske,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

was ist das Geheimnis eines gelungenen Berufslebens? Es bedeutetet, „seine wichtigsten Stärken für etwas einzusetzen, das größer ist als man selbst“. Der Satz stammt, wenig verwunderlich, aus einem Land, in dem „think big“ als guter Rat gilt, aus den USA.

Von Günter Elste wissen wir, dass er seine letzten Berufsjahre, bevor er mit 67 Jahren in den Ruhestand gegangen ist, als die schönsten bezeichnet hat. Das will etwas heißen in einer Stadt wie Hamburg, in der Understatement zum guten Ton gehört und ein anerkennendes „nicht schlecht“ als Synonym für „großartig“ verstanden werden kann.

Das mit den schönsten Berufsjahren hat Günter Elste im Dezember gesagt, an einem seiner letzten Arbeitstage, und er hatte dabei buchstäblich große Zukunftspläne unter dem Arm – nämlich die Pläne für die ersten Kilometer der neuen U-Bahnlinie 5. Sie ist das größte Infrastrukturprojekt Hamburgs seit Jahrzehnten.

Womit wir mitten im Thema sind. Denn wir verabschieden heute einen unternehmerischen Politiker und einen politischen Unternehmer, einen Menschenfischer, der nicht nur mit sieben Senatoren erfolgreich zusammengearbeitet, sondern in den 20 Jahren als Vorstandsvorsitzender die Hamburger Hochbahn auch zu einem deutschlandweit und international beachteten Vorbild gemacht hat.

Als Günter Elste die Aufgabe 1996 übernahm, stand der öffentliche Nahverkehr in Hamburg vor radikalen Veränderungen. Bahnreform und Regionalisierung hatten dazu geführt, dass Verkehrsunternehmen fortan stärker eigenverantwortlich handeln konnten. Der Preis dafür war, dass Verkehrsunternehmen künftig bei der Ausschreibung von Verkehrsleistungen miteinander konkurrieren würden. Elstes Auftrag: die Hochbahn für diesen Wettbewerb fit zu machen.

In kurzer Zeit gelang es Günter Elste, einen kommunalen Betrieb in ein wettbewerbsfähiges Dienstleistungsunternehmen umzuwandeln. Er baute die hohen Schulden ab und ließ die Infrastruktur erneuern. Er strukturierte das Unternehmen um und machte es schlagkräftiger, wobei es ihm gelang, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Bei alledem behielt er die Kunden stets im Blick und sorgte dafür, dass aus „Beförderungsfällen“ zufriedene Fahrgäste wurden.

Günter Elste brachte für diese Aufgaben beste Voraussetzungen mit: Vor seiner Zeit bei der Hochbahn hatte er als Geschäftsführer der Hamburger Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung, in dem der größte Teil der Hamburger Unternehmensbeteiligungen gebündelt sind, schon sechs Jahre lang ein Großunternehmen geführt. Als langjähriger Bürgerschaftsabgeordneter (von 1985 bis 1997), davon viele Jahre als Vorsitzender der Regierungsfraktion (von 1989 bis 1996), kannte er sich zudem mit politischen Entscheidungsstrukturen bestens aus. Und als Angler – zumal als einer, der es in der Königsdisziplin des Fliegenfischens zu etwas gebracht hat –, wusste er, dass das Thema Umwelt weiter an Bedeutung gewinnen würde.

Fliegenfischer gelten als ganz besonders ausgebuffte Köderspezialisten. In „Der vollkommene Angler“, einem fast 350 Jahre alten Bestseller der Angelliteratur, wird ein Köder so beschrieben – ich zitiere: „Rücken in dunkelgrüner Seide, Seiten hellgrün mit entsprechenden Streifen und Schattierungen, mit einigen Silberfäden zur Erzielung des Glanzes. Zwei Perlchen als Augen und einige gespließte Federkielchen als Flossen vervollständigen den recht natürlichen Eindruck“.

Aus diesem besonderen Qualitätsbewusstsein heraus ergab sich auch die erste Regel für einen vollkommenen Angler und Hochbahnchef. Sie lautet: Der Köder muss dem Fisch gefallen. Diese Regel hat Günter Elste auch bei der Hochbahn befolgt und ist mutig neue Wege gegangen. Bereits 1999 hat er beispielsweise angefangen, verschiedenste Busse mit innovativen Antrieben einzuführen. Das Ziel: weniger CO2, weniger Lärm, mehr Komfort.

2003 bis 2010 fuhr die erste Generation von Brennstoffzellenbussen mit Wasserstoff angetrieben durch Hamburg. 2014 ging die Innovationslinie 109 in Betrieb, die nicht nur die schönste Buslinie Hamburgs, sondern auch die erste in Europa, auf der innovative Antriebe getestet wurden. Ab dem kommenden Jahrzehnt sollen in Hamburg nur noch emissionsfreie öffentliche Busse angeschafft werden, darunter auch der mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellenbus. Hier war Günter Elste ein echter Vorreiter für mehr Umweltschutz und Lebensqualität in Hamburg.

Ich will noch von einem weiteren Köder für Fliegenfischer erzählen. Auch dieser ist kunstvoll gearbeitet, diesmal mit schwarzer Bindeseide, der Körper aus Hirsch- oder Rehhaar, die Flügel aus Kalbschwanz und Hahnenfedern. Er nennt sich einfach nur „irresistible“, unwiderstehlich. Damit ist auch das Ziel Günter Elstes für die Hochbahn definiert: U-Bahnen und Busse sollten für die Kundinnen und Kunden so attraktiv werden, dass diese ihnen nicht mehr widerstehen können und ihr Auto stehen lassen.

Zu Elstes Unwiderstehlichkeits-Offensive gehörte beispielsweise der Tausch von Teilstrecken der U2 und der U3, damit auf der am stärksten befahrenen Strecke zwischen Billstedt und Berliner Tor Züge mit 120 Metern Länge eingesetzt werden können. Dazu gehören Neubauten, wie die schon erwähnte U5 und die U4, die vom Hamburger Rathaus bis zur Hafencity-Universität führt. Diese ist übrigens ein technisch höchst anspruchsvolles Bauwerk, das in einer Tiefe von bis zu 40 Metern durch widerspenstigen Hamburger Untergrund führt und Vera, die Tunnelbohrmaschine, immer wieder kurzzeitig außer Gefecht gesetzt hat. Seit November 2012 ist die Linie in Betrieb und erschließt die Hafencity. Sie wird mit der Verlängerung zu den Elbbrücken 2018 die Innenstadt weiter von Verkehr entlasten.

Zum Attraktivitätsprogramm der Hochbahn gehört außerdem, dass alle Schnellbahn-Haltestellen bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts barrierefrei ausgebaut werden sollen. Ein ehrgeiziger Zwischenschritt auf diesem Weg ist das „Beschleunigungsprogramm Barrierefreiheit“ für U-Bahnen, dem wir es zu verdanken haben, dass bis heute nicht nur vier, wie ursprünglich geplant, sondern bereits 20 U-Bahn-Haltestellen barrierefrei sind. Die Hochbahn ist für alle da und alle sollen sie nutzen können, nicht nur diejenigen, die gut zu Fuß und ohne Kinderwagen oder Kinderkarre unterwegs sind.

Ein vollkommener Angler weiß, dass er seine Fangtechniken ständig perfektionieren muss. Deshalb entwickelte Günter Elste das Programm zur Optimierung des Busverkehrs, in dessen Rahmen unter anderem Busspuren ausgebaut und Ampelschaltungen verbessert werden sollten. Es dient heute als Grundlage, um unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern neue Akzente zu setzen und den Busverkehr in Hamburg den heutigen Bedürfnissen anzupassen.

Ich will noch auf einen letzten Köder eingehen, den Günter Elste als Hochbahn-Chef ausgelegt hat. In gewisser Weise ist er der kunstvollste. Er heißt „switch“ und ist noch in der Erprobungsphase. Es geht darum, Übergänge von Bahn zu Bus zu Stadtrad und Car-Sharing zu schaffen und das möglichst flächendeckend. In Hamburg muss man dann kein Auto mehr besitzen, weil man zur richtigen Zeit an der richtigen Haltestelle einen Leihwagen findet. Ein Rundum-Sorglos-Packet für Fahrgäste, wie Günter Elste es selbst genannt hat.

Bleibt eine Fliege, die noch nicht gebunden ist, zum großen Bedauern von Günter Elste: ein deutlich vereinfachtes Tarifsystem. Aber es muss ja auch für den Nachfolger noch einiges zu tun bleiben. Von Günter Elste übernimmt er ein gut bestelltes und effizientes Unternehmen mit einer engagierten Belegschaft und seit Jahren steigenden Fahrgastzahlen. Dafür danke ich ihm von Herzen auch im Namen der Hamburger Bürgerinnen und Bürger.

Alles Gute für die Zukunft!
Vielen Dank.

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