5. Februar 2016 Eröffnung der Ausstellung "Deine Anne"

Symbol für Leichte Sprache
Leichte Sprache
Symbol für Gebärdensprache
Gebärdensprache
Vorlesen
Symbol für Drucken
Drucken
Artikel teilen
Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Eröffnung der Ausstellung "Deine Anne"

Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrte Frau Bischöfin,
sehr geehrter Herr Pastor Zeidler,
sehr geehrter Herr Propst Drope,
sehr geehrter Herr Siegele,
liebe Jugendliche der Jugendkirche,
meine sehr geehrten Damen und Herren, 

wer noch oder wieder meint, historische Erinnerung sei von gestern, der wird in dieser Ausstellung umdenken müssen: Geschichte erleben wir hier als einen fortwährenden Prozess, der sich immer wieder neu aus den Themen der Gegenwart speist. Entsprechend aktuell ist der Akzent, den die Ausstellung setzt, wenn sie fragt: Was hält unsere Gesellschaft zusammen – jetzt, wo sie durch Zuwanderung noch vielfältiger wird?

Dabei glaubten wir doch, schon alle Aspekte des Lebens von Anne Frank zu kennen. Ihr Tagebuch gilt als das meistgelesene Buch über den Zweiten Weltkrieg. Es wurde in mehr als 70 Sprachen übersetzt – von Afrikaans bis Vietnamesisch – und viele Leserinnen und Leser zogen persönlich Kraft aus der Lektüre. So auch Nelson Mandela, der das Tagebuch während seiner Haft auf Robben Island kennenlernte und später sagte, es hätte sein „Vertrauen in die Unbesiegbarkeit von Freiheit und Gerechtigkeit“ gestärkt.

Vertrauen in Freiheit und Gerechtigkeit, das hatte Anne im Übermaß und mit diesem Vertrauen steckt sie uns bis heute an: eine 15-Jährige, die ihre Zeit im Versteck als Abenteuer sehen will und sich dort eine verheißungsvolle Zukunft ausmalt – und die sieben Monate nach ihrem letzten Eintrag ins Tagebuch tot ist, verscharrt in einem Massengrab im KZ Bergen-Belsen.

Die Ausstellung zoomt das Leben der Anne Frank  nah heran und mit ihr eine Zeit, in der Ausgrenzung und Diskriminierung in Verfolgung und Massenmord mündete.

Geschichte, das wird in der Jugendkirche deutlich, ist wie ein Gespräch der Gegenwart mit der Vergangenheit um der Zukunft willen. 

Ein solches Gespräch ist besonders wichtig in einer Zeit, in der alte Ressentiments wieder aufflammen und auf der anderen Seite historische Bezugspunkte verloren zu gehen drohen. Was passiert, wenn die historischen Erfahrungen der Menschen durch Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen auseinanderdriften? Auch diese Frage muss uns beschäftigen.

Wenn wir über die Werte sprechen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, dann gehört das Bekenntnis zu Deutschlands Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten dazu. Daran wird sich nichts ändern. Es ist die Aufgabe aller, die in Deutschland leben, unsere Erinnerung lebendig zu halten. Dass die Ausstellung sich vor allem an Kinder und Jugendliche wendet, ist das Beste, was sie tun kann.  

Meine Damen und Herren,

seit 2012 wandert „Deine Anne“ durch deutsche Städte, 90.000 Schülerinnen und Schüler haben die Ausstellung seither gesehen. Wir können froh sein, dass sie diese Chance so frühzeitig hatten. Fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen werden sie nun mit anderen Ohren hören.

„Deine Anne“ ist die richtige Ausstellung zur richtigen Zeit. Sie bildet den Auftakt für das bemerkenswerte Projekt des Berliner Anne Frank  Zentrums mit der türkischen und der jüdischen Gemeinde Hamburgs zur Prävention von Antisemitismus.

Hamburg erinnert im Grindelviertel und in anderen Stadtteilen an die Verfolgung seiner jüdischen Bevölkerung und unterstützt Projekte, in denen Jugendliche sich mit diesem Teil der Hamburgischen Geschichte  auseinandersetzen. Am Lohseplatz in der HafenCity wurden Jugendliche nun auch erstmals in die Planung einer Gedenkstätte einbezogen: Im „Informations- und Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof“, das an die Deportationen von Juden, Sinti und Roma aus Hamburg erinnern soll, werden Diskussion, Austausch und gemeinsames Lernen im Mittelpunkt stehen.  

Hamburg gehörte außerdem zu den ersten europäischen Städten, die den internationalen Aufruf „Bürgermeister gegen Antisemitismus“  unterzeichnet haben, und wir hoffen, dass sich noch viele andere Städte anschließen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Jugendliche,

mein herzlicher Dank gilt allen, die sich gegen Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung engagieren. Nennen möchte ich stellvertretend die Religionspädagogin und den Pastor der Jugendkirche, Tina Jachomowsky und Robert Zeidler. Und natürlich die jungen Hamburger „peer guides“, die andere Jugendliche  durch die Ausstellung führen. Dass Ihr Euch dafür Zeit nehmt, ist mehr als anerkennenswert. Ihr gebt Geschichte an Gleichaltrige weiter, auf Eure Art.  Und das kann kein Geschichtsbuch, so gut es auch sein mag, das könnt nur Ihr.  

Vielen Dank.

Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen

Symbol für Schließen Schließen Symbol für Menü üffnen Aktionen