7. März 2016 Eröffnung Luftfahrt-Forschungszentrums (ZAL) in Finkenwerder

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz. Es gilt das gesprochene Wort.

Eröffnung Luftfahrt-Forschungszentrums (ZAL) in Finkenwerder

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Zypries,
sehr geehrter Herr Gerhards,
sehr geehrter Herr Champion,
sehr geehrter Herr Dr. Richter,
sehr geehrter Herr Dr. Bußmann,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

gemeinsam forschen unter einem Dach. Diese Idee war einfach zu gut, um sie nicht in die Tat umzusetzen. Und da steht es nun, das imposante U am Steendiekkanal, in das schon die ersten Mitarbeiter eingezogen sind. Ein U mit Akustikkammer, damit das Fliegen leiser, und einem Labor zur Erforschung von Brennstoffzellen, damit es ökologischer wird. Mit Testgerüsten in der Größe eines A 380, der virtuellen Simulation von 3D-Konstruktionen und vielem mehr, damit Flugzeuge bald noch sicherer, schneller, flexibler werden. Auch an eine Kantine für den Think Tank hat man gedacht, wie ich gehört habe, mit Blick aufs Wasser – wenn das Essen dieses Niveau ebenfalls hält, dann dürfte der Kreativität nichts mehr im Wege stehen.

Wissenschaft und Industrie, private und öffentliche Einrichtungen, große und kleine Unternehmen arbeiten gleichberechtigt neben- und miteinander: Was zählt, ist die beste Idee, das beste Konzept, das beste Ergebnis. Das ZAL verbindet erstklassige Technik und erstklassige Zusammenarbeit. Denn dass Wissen sich vermehrt, wenn man es teilt, diese Erkenntnis gilt als sicher, weshalb wir schon in der Gründungsphase entsprechende Konsequenzen gezogen haben. Wenn die beiden größten Akteure unseres Clusters „Hamburg Aviation“ nun unter einem Dach beziehungsweise in einem U arbeiten, sind sie Teil eines dichten Netzes aus innovativen Zulieferern und exzellenter Forschung – ein großer Vorteil im internationalen Wettbewerb, wo sich nur die Besten und Schnellsten durchsetzen, die den Weg von der Forschung zum anwendbaren Produkt und in den Markt hinein abzukürzen verstehen.

Für eine Wissensmetropole wie Hamburg ist die Eröffnung des TechCenters ein einschneidendes Ereignis. Denn die Hamburger Luftfahrtforschung ist der Treiber für den wissensbasierten Strukturwandel. Mit „Hamburg Aviation“ verfügen wir über ein norddeutsches Spitzencluster und eines der führenden Cluster in Europa. Zurzeit arbeiten wir daran, Kooperationen mit anderen Clustern, etwa in den Bereichen Life Science oder Erneuerbare Energien, herzustellen. Die EU hält diese sogenannten Cluster-Brücken für so bedeutsam, dass sie Hamburg als eine von sechs europäischen Modellregionen für moderne Clusterpolitik ausgewählt hat.

Wir machen Hamburg zur Innovationshauptstadt. Mit der neuen Forschungsplattform schaffen wir eine wichtige Voraussetzung, damit Fertigung und Logistik sich digital ausrichten und Innovationen kontinuierlich zur Marktreife geführt werden können. Das strahlt auch in Bereiche wie den 3D-Druck ab. Mit dem Laserzentrum Nord, dem Hamburger Logistik-Institut und dem Forschungscluster Digitale Dienste der Universität Hamburg besitzt der 3D-Druck in unserer Stadt eine starke institutionelle Basis. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen sich an der 3D-Initiative des Senats beteiligen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, ein Gesellschafter des ZAL, hat gemeinsam mit der Stadt ein großes Interesse daran, seine Forschungsaktivitäten in Hamburg auszuweiten. Zwischen dem Bund und Hamburg laufen bereits intensive Gespräche über die Finanzierung zweier neuer Institute: eines für Luftfahrt-Systemtechnik mit virtueller Entwicklung und ein anderes für Luftfahrt-Produktion mit einem Schwerpunkt auf 3D-Druck und Industrie 4.0.

Wir bauen sehr gezielt Brücken zwischen Clustern und zwischen Technologien. Auch im TechCenter werden Abteilungen für 3D-Druck und virtuelle Produktentwicklung eingerichtet. Für die Zertifizierung und Zulassung der dort entstehenden Produkte und Verfahren ist das DLR unverzichtbar. Dieses sollte bald einen Sitz in Hamburg haben – angesichts der Exzellenz unserer Luftfahrtforschung wäre alles andere nicht mehr zeitgemäß.

Meine Damen und Herren,

das U am Steendiekkanal ist auch das Ergebnis unserer aktiven Clusterpolitik, die vormacht, wie die öffentliche Hand Wachstum und Beschäftigung in innovativen Wirtschaftsbereichen erfolgreich fördern kann. In der Luftfahrt, aber auch beim Ausbau von Smart City oder Smart Port sehen wir beispielhaft, wie alle Seiten profitieren, wenn wir ein Ziel gemeinsam ins Auge fassen.

Wir brauchen den Strukturwandel hin zu einer wissensbasierten Wirtschaft, und wir brauchen ihn schnell. Hamburg steht vor großen Herausforderungen. Noch wissen wir nicht, wie sich die Flüchtlingszahlen in diesem Jahr entwickeln werden. Aber schon die Integration derer, die jetzt bei uns sind, erfordert eine große Kraftanstrengung, und diese setzt ein höheres Wirtschaftswachstum voraus.

Wachstum schafft Arbeit, und Arbeit ist die Grundlage für Integration und Chancengerechtigkeit für alle. Wer Wachstum will, muss den Strukturwandel beschleunigen, zum Beispiel durch innovative Zentren wie dem auf Finkenwerder. Denn es ist vor allem die anwendungsorientierte Hightech-Forschung, die in Deutschland für zukunftsfähiges Wachstum sorgt. Deshalb bringt dieses neue Haus nicht nur die Luftfahrt, sondern die ganze Stadt voran.

Nur wenn wir die Kräfte und Kompetenzen aus Forschung und Unternehmen bündeln, werden wir kontinuierlich jene intelligenten und qualitativ hochwertigen Produkte und Verfahren entwickeln, die ein nachhaltiges und ökologisch vertretbares Wirtschaftswachstum generieren. Deshalb siedeln wir gezielt innovative Unternehmen in der Nähe der Forschungseinrichtungen an, wie wir es in unserem Regierungsprogramm angekündigt haben. Die Entwicklung der sogenannten Forschungs- und Innovationsparks soll eine Dachgesellschaft übernehmen, die wir in diesem Jahr gründen wollen. Vier Standorte sind bereits ausgemacht:

  • Life Science und Nanotechnologie gehen in die Nähe des DESY nach Altona.
  • Die Erneuerbaren Energien sind beim Energie-Campus und am Laserzentrum Nord in Bergedorf gut aufgehoben.
  • Für Grüne Technologien, Luftfahrt, Maritimes und Medizintechnik bietet sich Harburg an, wo neben den Hochschulen bereits das DLR und das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik angesiedelt sind.
  • Und für welchen Bereich Finkenwerder steht, das muss ich wohl nicht mehr erklären.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in diesem Winter kann man im Kino erleben, wie sich der Traum vom Fliegen über die Jahrhunderte verändert hat. „Der Marsianer“ erzählt, wie der Name schon sagt, von einer Expedition zum Mars, wo sich unter kreativer Anwendung zukünftiger Technologie sogar Kartoffeln züchten lassen. Seltsamerweise erinnert die Einpersonen-Raumkapsel, mit der der Hauptdarsteller Matt Damon sich zum Mutterschiff zurückschießt, dann allerdings eher an die wehenden und wackelnden Konstruktionen der ersten Flugapparate als an eine Hightech-Sonde: Da flattern Plastikplanen und reißen Riemen, es knattert und kracht, und an Steuerung ist nicht zu denken.

Wer die Zukunft des Fliegens kennenlernen will, sollte deshalb besser nicht ins Kino gehen, sondern nach Finkenwerder übersetzen und sich einmal im U am Steendiekkanal umsehen. An der Entwicklung und Realisierung des TechCenters auf Finkenwerder waren viele beteiligt, und so erlaube ich mir, allen gemeinsam zu danken, die das Zentrum für Luftfahrtforschung zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein großartiges Zukunftslabor für Flugzeuge, die mehr leisten, weniger verbrauchen und angenehmer zu fliegen sind.

Ich wünsche eine fruchtbare Zusammenarbeit, gelegentliche Langmut und dass Ihnen die Begeisterung für Ihre Arbeit nie ausgeht.

Vielen Dank.

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